Die Zukunft der digitalen Währung - enfore
Shownotes
Heute werden wir digital.
Wir gehen raus in die Geschäftswelt, die ebenfalls mit jedem Tag immer digitaler wird. Zu einem Unternehmen, das dafür sorgen will, dass gerade die kleinen und mittleren Unternehmen – vom Friseur über die Café-Besitzerin bis zum Einzelhändler – diese Digitalisierung mitgehen können. Auch ohne IT-Experten zu sein.
Zu Gast:
Maroc Börries - Gründer & CEO, enfore
Robert Beer - Leiter Unternehmensentwicklung, S-Payment GmbH
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Skript: Digitalisierung im Bezahlwesen - Enfore
INTRO
Anmoderation
Hallo und herzlich willkommen!
Heute werden wir digital.
Das sind wir natürlich sowieso schon, denn Sie hören mich gerade ja auf irgendeinem digitalen Endgerät. Handy, Tablet, Laptop, Alexa oder wie auch immer.
Aber wir gehen raus in die Geschäftswelt, die ebenfalls mit jedem Tag immer digitaler wird.
Zu einem Unternehmen, das dafür sorgen will, dass gerade die kleinen und mittleren Unternehmen – vom Friseur über die Café-Besitzerin bis zum Einzelhändler – diese Digitalisierung mitgehen können – auch ohne IT-Experten zu sein.
DROP
Was sagen Eltern wohl, wenn Ihr 16-jähriges Kind zu Ihnen kommt und Ihnen erklärt:
Abitur? Will ich nicht mehr machen!
Ich höre mit der Schule auf und werde Unternehmer.
Ungefähr so hat es Marco Börries gemacht. Gymnasium in der elften Klasse abgebrochen. Dafür dann als Unternehmer durchgestartet und vermutlich ziemlich bald von einigen ehemaligen Mitschülern beneidet.
In den 80er Jahren wurde er von den Medien als „Wunderkind“ und später als der „deutsche Bill Gates“ bezeichnet. Drei Unternehmen hat er gegründet und später jeweils für viele Millionen verkauft.
Mit Unternehmen Nummer vier hat er sich vor einigen Jahren Großes vorgenommen: Nicht weniger als nämlich weltweit viele Millionen vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu digitalisieren.
Und ihnen zu helfen, auf diese Weise im Kampf gegen die Großen der Welt weiterhin bestehen zu können.
Aber eins nach dem anderen.
In den 1980er Jahren nimmt Marco Börries an einem Schüleraustausch in die USA teil – ausgerechnet nach Palo Alto im Silicon Valley. Schon damals ein wichtiger Standort für die kommende Technologie-Revolution und heute noch der Ort, wo unter anderem Apple seinen Hauptsitz hat.
Er kommt zurück und spätestens seit dieser Zeit lassen ihn Computer und Software nicht mehr los.
O-TON Börries: „Das erste Unternehmen, das war die Star Division. Und da haben wir – sage ich mal – Produktivitätssoftware gemacht, die auch in Konkurrenz zu Microsoft Office oder ähnlichem stand. Das war am Anfang der StarWriter, nur die Textverarbeitung und wurde nachher eine gesamte OfficeSuite mit StarOffice. Die Firma habe ich dann 1999 an Sun verkauft – an Sun Microsystems – und daraus ist dann nachher OpenOffice oder auch jetzt LibreOffice entstanden. Also eine Opensource-Version, die immer noch von hunderten von Millionen Anwendern eingesetzt wird …“
… und das Ganze von einem Teenager in einer Garage in Lüneburg gegründet – das sind Geschichten, wie man sie eigentlich nur aus den USA kennt.
Nach dem Verkauf seiner ersten Firma hätten sich andere vielleicht schon zur Ruhe gesetzt. Mehr als 70 Millionen Dollar bekommt Börries Ende der 90er von Sun Microsystems. Anderthalb Jahre arbeitet er dort sogar noch als Vizepräsident für Applikationssoftware.
Zu dieser Zeit hatte er in Hamburg aber auch schon längst seine zweite Firma gegründet. Da arbeitet er auch zum ersten Mal mit der Sparkasse zusammen.
O-TON Börries: „Die zweite Firma war ein rein deutsches Joint Venture mit der Sparkassen-Organisation. Dort haben wir zusammen angefangen, 1996 eine neue Infrastruktur für sicheres Homebanking basierend auf dem – damals nannte man das HBCI-Standard – neue Homebanking-Infrastruktur für Server und für Clients gemacht, woraus dann die StarFinanz entstanden ist. Das Joint Venture wurde dann irgendwann in die Sparkassen-Gruppe integriert. Und die Produkte wie StarMoney oder StarBusiness gibt es heute immer noch.“
Nach einigen Jahren verkauft Börries auch hier seine Anteile – und macht natürlich nicht Schluss, sondern gründet 2001 sein drittes Unternehmen: VerdiSoft.
O-TON Börries: „Da haben wir sehr, sehr früh prinzipiell sowas wie iCloud gemacht, bevor es iCloud gab. Nach meiner Zeit bei Sun war mir von vornherein klar, dass wir in einer Connected-Welt leben und wir dann als Connected-Consumer sozusagen mit vielen Devices, die immer zum Internet connected sind, einfach auch Möglichkeiten brauchen, dass alle unsere Daten, unsere Bilder, unsere Einstellungen von einem Gerät zum anderen traveln – also übernommen werden. Und da haben wir eine Technologie gebaut, die haben wir Connected-Life genannt. Diese Firma habe ich dann 2005 an Yahoo verkauft, war dann vier Jahre bei Yahoo. Habe zusammen mit Yahoo und Apple am iPhone entwickelt. Das heißt, viele Bestandteile, die heute zum Teil noch im iPhone sind, kamen dann eben aus dieser dritten Firma über den Weg von Yahoo zu Apple und … ja … das hat sehr viel Spaß gemacht …“
Und die Tatsache, dass Börries gleich drei Mal seine Unternehmen für viele Millionen verkaufen konnte, dürfte ihm sicherlich ganz nebenbei auch Spaß gemacht haben.
Was ihm aber wohl ganz grundsätzlich ebenfalls Spaß macht, ist das Gründen von Unternehmen. Also kommt er nach seiner Zeit bei Yahoo aus den USA zurück nach Deutschland und beginnt mit seiner Arbeit an Unternehmen Nummer vier. Und das heißt dann erst mal ganz pragmatisch: NumberFour.
Später wird daraus etwas abgewandelt der neue Firmenname Enfore – nach einer Idee seines Sohnes.
Was ihn immer wieder antreibt, sei es, ein Ziel zu verfolgen – und einen Sinn zu in seinem Tun zu finden, sagt Marco Börries.
O-TON Börries: „Was mich über die letzten 37 Jahre fasziniert ist das Thema: How can I make ideas work? Das heißt, Ideen – ob das jetzt meine eigenen sind oder ob das andere Ideen sind – wie kann ich die zum Funktionieren bringen, immer im Kontext von Nutzen für den Anwender nachher. Manchmal war der Anwender ein Konsument, manchmal eine Mixtur oder jetzt in diesem Fall von Enfore machen wir das für Unternehmen, denen wir helfen, in einer Connected-Welt auch Connected-Commerce zu betreiben. Aber das ist das, was mich antreibt. Also Probleme zu lösen mit den verschiedensten Leuten – ja – auch Spaß zu haben.“
Marco Börries kann nicht leugnen, dass viele Jahre in den USA auch auf die Sprache abgefärbt haben. Und so geht es natürlich auch bei Enfore nicht um das vernetzte Geschäft, sondern um connected business.
O-TON Börries: „Da geht es so ein bisschen um das connected business oder connected commerce: Wie können wir Unternehmen helfen in einer connected Welt wie gesagt connected commerce zu betreiben? Ob das jetzt stationär ist, ob das online ist, ob das mit Apps ist. Da bauen wir Softwarelösungen, Hardwarelösungen, um das eben zu ermöglichen.“
Rund acht Jahre hat Börries mit seinem Team daran gearbeitet, bevor es in ersten Schritten am Markt getestet und Stück für Stück ausgerollt werden konnte.
Börries Vision lautet: Im Gegensatz zu den ganz großen Unternehmen haben die Kleinen kaum eine Möglichkeit, online mitzuhalten. Wenn sich aber viele Kleine vereinen, kann dadurch durchaus etwas Großes werden.
Beim Online-Handel zum Beispiel kommen heutzutage viele kaum an Amazon und vergleichbaren Marktplätzen vorbei. Denen seien die Händler dann aber bisher oft zu stark ausgeliefert, sagt Börries.
O-TON Börries: „Unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden – also den Unternehmen, ob das jetzt Händler sind, ob das Restaurants sind oder ob das Dienstleistungsunternehmen sind – denen Tools und Produkte zu geben, so dass diese in einer Welt mit Amazon und Co überleben können. Das kann auch sein, dass die dann Teile ihrer Produkte auf Amazon anbieten, aber nicht eben von Amazon abhängig sind. Dass nicht der gesamte Umsatzstream nur noch über Amazon geht oder nur noch über eine Plattform geht, sondern dass die nachher hingehen können und können sagen, ich entscheide mich, meine Produkte auf dem Marketplace Amazon zu verkaufen oder auch nicht, oder was gerade die Marktplätze sind, wo die Produkte unserer Kunden Sinn machen. Aber genauso können auch unsere Kunden ihren Konsumenten sagen: Hey, du kannst bei mir auch direkt bestellen über dein Handy, mit einer App, du kannst bei mir in den Laden kommen … Das heißt im Prinzip, diese Kundenhoheit nicht zu verlieren.“
Denn viel zu häufig würde genau das passieren: Die Händler verlieren ihre Kundenhoheit letztlich an die Betreiber der Online-Marktplätze.
Stattdessen sollen die Unternehmen durch die Enfore-Lösungen weiterhin eigenständig arbeiten können… die jeweiligen Marktplätze auch für ihr Geschäft nutzen können – wenn sie es wollen –, aber auf diesen Marktplätzen trotz ihrer begrenzten Möglichkeiten auch mithalten können.
Das klingt alles sehr theoretisch. Jetzt müssen wir mal ein bisschen konkreter werden. Enfore spricht mit seinen Lösungen drei große Bereiche an:
den Handel,
die Gastronomie und
Dienstleister wie zum Beispiel Friseure, Kosmetik-Salons oder Schuster.
In der Hauptsache geht es wie auch bei allen anderen vorherigen Börries-Unternehmen zuerst mal um eine Software-Lösung.
O-TON Börries: „Wir machen das ganze Thema Abrechnen, Kundenmanagement, aber auch das ganze Thema der so genannten Connected-Abwicklung. Das heißt nicht nur eben das stationäre Checkout, sondern ob das jetzt mit einer App ist, ob das online ist, ob das Pick-up ist, ob das Ship-from-store ist, das heißt, ich gehe hin und bestelle was online, aber der lokale Laden liefert aus, ob das ‚ich bestelle es im Laden, aber es wird von der Zentrale geliefert‘ – also diese gesamten modernen Technologien, wie wir heute interagieren wollen, dafür bieten wir sehr performante, einfach zu bedienende Lösungen für unsere Unternehmen an.“
Nehmen wir doch mal ein konkretes Beispiel: eine Friseurin – nennen wir sie einfach Stefanie.
Stefanie will gerade ihren ersten eigenen Friseursalon eröffnen. Vorher war sie in einem Betrieb angestellt, wo alles noch ganz klassisch wie seit Jahrzehnten läuft: Termine werden in ein großes Buch per Hand eingetragen oder wieder ausradiert. Treuepunkte werden auf einem Kärtchen mit Stempel eingetragen. Beim elften Besuch gibt es 50 Prozent Rabatt. Bezahlt wird bar oder mit Karte. Das war’s.
Stefanie will in ihrem eigenen Salon jetzt aber gleich richtig digital durchstarten.
Die Kunden sollen ihre Termine online reservieren können. Alle Nachrichten kommen bitte zentral und übersichtlich an einer einzigen Stelle an.
Die Dienstpläne für die Mitarbeiter werden am besten mit demselben System gemacht.
Einige Kunden wollen immer zu der Mitarbeiterin, die nur zwei Mal die Woche kommt, gut türkisch und englisch spricht und so gut färben kann? Das sollte das System wissen und bei den Reservierungen direkt berücksichtigen.
Neue Rabattaktionen? Die jeweiligen Kunden werden bitteschön automatisch informiert.
Und natürlich soll das neue System auch die komplette Warenwirtschaft und den Einkauf managen. Und wenn zum Beispiel das Shampoo in Stefanies neuem Salon zur Neige geht, könnten im Idealfall gleich die besten Angebote von den Großhändlern eintrudeln.
Und eine zentrale Kasse braucht Stefanie natürlich auch noch.
Am besten aber auch noch mobile Geräte, über die die Kunden gleich im Friseurstuhl bezahlen können. Nicht nur mit Karte – sondern gerne auch per Handy und Smartwatch.
Alles möglich – und das ist noch nicht mal das Ende des Machbaren, verspricht Marco Börries.
O-TON Börries: „Ohne, dass ich hingehe und dann mir drei, vier, fünf, sechs verschiedene Lösungen zusammenbauen muss. Das heißt, wir bieten dort wirklich die gesamte Bandbreite dessen, was man dann in dieser Connected-Welt heute braucht, an – aus einer Hand. Plus, wenn man komplett neu anfängt, die Hardware gleich mit dabei. Das heißt, ich habe eine Komplettlösung und kann direkt damit loslegen – hochintegriert.“
Das Ganze lässt sich auf die unterschiedlichsten Geschäfte übertragen – jeder kann das bekommen, was er braucht.
Das hat auch die Sparkassen-Gruppe überzeugt. Robert Beer ist Leiter Unternehmensentwicklung bei der S-Payment. Dort hatte man sich vorgenommen, gerade die kleinen und mittleren Unternehmen auf ihrem Weg in die Digitalisierung stärker zu unterstützen.
Also brauchte es einen Anbieter, der am besten alles von der digitalen Kasse bis zum kompletten System dahinter möglich macht. Und dabei kam es den Finanzfachleuten darauf an, dass möglichst viele Branchen abgedeckt werden sollten.
O-TON Beer: „Also platt gesagt: Der Bäcker hat andere Anforderungen als eine Boutique, und der Friseur hat wiederum andere Anforderungen als beispielsweise ein Juwelier. Insofern war für uns, die wir uns das entsprechend angeguckt haben – wir haben dort einen Anbieter gesucht, der insbesondere auch im Gastronomie-Umfeld sehr gute Leistungen anbieten kann, genauso wie im Dienstleistungsgewerbe, also das Beispiel Friseur bewusst gewählt, und da die Firma Enfore für dieses Segment ein besonders attraktives Produkt aus unserer Bewertung nach anbietet, hatten wir uns auch genau für diesen Anbieter entschieden.“
Und so ist die Sparkassen-Gruppe inzwischen offizieller Partner von Enfore. Wenn die Friseurin Stefanie aus unserem Beispiel also als Gründerin bei der Sparkasse vorbeischaut, könnte sie sich rundum die Enfore-Lösungen beraten lassen.
Dabei würde Stefanie auch hören, dass sie üblicherweise eigentlich deutlich mehr als eine Handvoll unterschiedlicher Lösungen und Verträge braucht, um ihr Geschäft zu starten – mal ganz abgesehen von Mietvertrag, Strom, Wasser und Co.
O-TON Beer: „Also, wenn sie einen Friseur – bleiben wir mal bei dem Beispiel – dann benötigen sie ein Kassensystem. Sie müssen sich darüber informieren, welche Anbieter gibt es dort und müssen aus dem doch sehr vielfältigen Angebot dann das passende Gerät raussuchen. Dann benötigen sie noch mal einen zweiten Vertrag, nämlich ein POS-Terminal, also so ein Gerät, welches in der Regel eben am Tresen steht, wo sie ihre Girocard zum Bezahlen einstecken. Das sind dann wiederum andere Verträge. Hierfür benötigen sie noch den so genannten Netzbetreiber. Das ist dann wiederum in dem Fall ein dritter Vertrag. Dann gibt es noch die Option, wenn sie Kreditkarten noch als Akzeptanzmedium nutzen wollen, dann gibt es den so genannten Akzeptanzvertrag mit einem Acquirer. Und wenn sie dann noch in den e-commerce gehen, dann benötigen sie natürlich einen Shop-Anbieter. Und von einem solchen Dienstleister brauchen sie wiederum ein Angebot…“
Und wer jetzt denkt – puuuhhhh, jetzt müsste es das aber doch sein – oh nein, es geht durchaus noch weiter.
O-TON Beer: „Dann müssen sie gedanklich hinter diesem Shop müssen sie dann noch mal einen Payment-Provider, einen so genannten PSP anbieten. Und wenn sie dann noch PayPal oder sonstige Anbieter als Zahlverfahren anbieten wollen, dann müssen sie mit denen nochmals separate Verträge durchführen. Und je komplexer und umfangreicher sie das Angebot gestalten, desto höher ist die Anzahl der Verträge. Und wenn sie das dann durchzählen, dann sind sie ganz schnell bei einer knappen Zahl von zehn Verträgen. Und nochmals: Sie müssen erst mal die Anbieter kennen, sie müssen die Angebote vergleichen, und sie bekommen dann ja auch monatlich Rechnungen von diesen Anbietern – und das glauben wir, lässt sich deutlich vereinfachen.“
Und Robert Beer ist dabei noch gar nicht auf die weiteren Möglichkeiten der Enfore-Lösung eingegangen, wie zum Beispiel das Warenwirtschaftssystem, Dienstplanung, Rabattaktionen, Terminverwaltung und so weiter.
Und das alles sei jetzt eben aus einer einzigen Hand möglich – mit einem einzigen Vertragspartner – der Sparkasse mit ihrem Paymentdienstleister, dem S-Händlerservice (www.s-haendlerservice.de).
Der Clou aus Sicht von Unternehmensgründer Marco Börries ist die Tatsache, dass er und sein Team von Anfang an nicht an eine Lösung für ein einzelnes Geschäft gedacht haben, sondern viel größer und für alle denkbaren Optionen. Vom kleinen Lottoshop, Friseur oder der Reinigung bis hin zum großen Logistiker oder Handelsunternehmen.
Bis dahin war es allerdings auch ein weiter Weg. Nicht viele dürften sich so eine jahrelange Entwicklung leisten können, bevor es dann wirklich mal losgeht. Börries hatte hier den Vorteil, dass er in der Branche kein Unbekannter ist.
Zu den diversen Finanzinvestoren gehören zum Beispiel Namen wie Jerry Yang, dem Mitbegründer und früherem Chef von Yahoo oder Andreas von Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, der auch schon als einer der ersten bei Google investiert hatte.
Mit der Sparkassen-Gruppe konnte Börries an alte Zeiten aus seinem zweiten Unternehmen anknüpfen. Dort profitiert er vom breiten Sparkassen-Netz in ganz Deutschland, um die Digitalisierung in den kleinen und mittleren Unternehmen voranzutreiben. Denn die Bank wiederum kennt die jeweiligen lokalen Gegebenheiten und ihre Firmenkunden.
Aber er hat neben der Sparkasse noch zwei weitere Schwergewichte als Partner gewinnen können. Zum einen den Service-Bund. Das ist eine Gruppe zahlreicher Lebensmittel-Großhändler, die in ganz Deutschland die Gastronomie beliefern. Und zum anderen ist auch die Deutsche Telekom Partner bei enfore.
O-TON Börries: „Langjähriger Partner von uns, der natürlich jetzt deutschlandweit nicht nur über die Basisinfrastruktur, nämlich die Konnektivität – also das Versorgen mit Connectivity – führend in Deutschland ist. Sondern auch mit den Themen, die wir heute anbieten, ob das jetzt Vor-Ort-Installationen sind, ob das Hardware-Austausch ist, ob das Support und Service ist. Das heißt, gemeinsam können wir dort einfach eine Lösung schnüren, die sonst ein kleines Startup gar nicht anbieten könnte. Das ist eben der Vorteil: Wir vereinigen das, was wir als Enfore machen und die Stärken, die wir als Enfore haben, mit den Stärken unserer Partner. Und da wird dann irgendwann aus eins und eins nicht zwei, sondern drei…“
Schritt für Schritt soll jetzt der Markt erobert werden. Und dabei gibt es schon einige Erfolge – und zwar nicht nur bei kleinen Unternehmen, sondern auch bei großen.
O-TON Börries: „Also wir haben von dem größten Logistiker in Europa bis hin zum größten Tiernahrungsmittel-Vertriebler in Europa bis hin zum Accessoire-Vertrieb in Deutschland, Österreich und Schweiz so einiges schon gewonnen. Und alle diese großen Unternehmen sind auch schon live im Deployment. Es ist also nicht so, dass wir einen Vertrag gemacht haben und irgendwann kommt das raus – das größte Unternehmen hat über 4.000 Devices heute schon live im Einsatz. Auf der gleichen Plattform, wo im Prinzip der Coffeeshop um die Ecke arbeitet.“
Und diese großen Kunden seien wiederum auch von Vorteil für die Kleinen. Denn alles, was zum Beispiel speziell auf Wunsch für die Großen entwickelt wird, das soll in der Folge an Möglichkeiten auch den kleinen Unternehmen zur Verfügung stehen, verspricht Börries.
Und gerade bei den Kleinen gebe es noch großen Nachholbedarf in puncto Digitalisierung, sagt Robert Beer von S-Payment. Das habe man gerade erst wieder in Befragungen bei Unternehmenskunden festgestellt.
O-TON Beer: „Unsere Erfahrung ist ganz grob wie folgt zusammengefasst: Je kleiner der Händler, desto weniger Affinität für diese Themen sind dort zu finden. Das heißt, wenn sie sich die großen Retailer dieser Republik anschauen, die haben eigene IT-Abteilungen, die sind dort natürlich supergut aufgestellt. Und wenn sie dann eben die kleine Boutique oder den Friseur, über den wir schon hinlänglich gesprochen haben, sich anschauen, der tut sich schwer mit diesen ganzen Themen. Und die Welt wird ja auch immer bunter. Wenn wir kurz darüber auch sprechen können, es gibt ja mittlerweile auch das Bezahlen mit dem Smartphone, das heißt mobiles Bezahlen, auch ein Produkt der Sparkassen neben auch dem Thema Apple Pay. Die Welt wird ja bunter, die wird ja nicht einfacher in diesem Umfeld Payment. Und diese ganzen Themen, die muss ein Händler erst mal verstehen…“
… auch Enfore-Gründer Marco Börries sieht die Digitalisierung in Deutschland vor allem bei den kleineren Unternehmen erst am Anfang. Auch wenn sich in den vergangenen zwei Corona-Jahren viel bewegt hat.
O-TON Börries: „Durch die Pandemie hat es sowas wie eine Brandbeschleunigung gegeben. Es ist bei vielen jetzt die Notwendigkeit entstanden, sich digital anders aufzustellen. Und das Ganze kommt jetzt mehr und mehr in Wallung, würde ich jetzt mal so sagen. Ist natürlich dann aber auch getrieben von ‚Wie kann ich das mit Servicekräften umsetzen?‘ etc. pp. Wie kann ich mir die Investitionen leisten? Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich mir anschaue Deutschland – und ich war jetzt ja sehr lange in den USA, um dort mit Partnern zusammen unseren Markteinstieg vorzubereiten, da sehe ich in den USA, das hat mich relativ positiv überrascht, mehr Agilität. Also auch gerade von den Kleinen. Also ich finde, hier in Deutschland haben zum Beispiel, was man ja sieht, haben die Baumärkte waren mit die Agilsten – und auch diese größeren Unternehmen, die auch mehr IT-Leistung haben. Die ja relativ schnell im Prinzip Click and Collect und andere Sachen umgesetzt haben. Und in den USA ist es so – gerade im Bereich der Restaurants oder auch im Bereich des Handels – da gab’s schon eine relativ hohe Agilität. In einigen Staaten, wo dann auch die Restriktionen größer waren. Aber ich würde generell sagen, hier in Deutschland ist das Thema Digitalisierung weit wichtiger geworden, aber wir sind immer noch am Anfang.“
Mindestens genauso wie die Bedeutung der Digitalisierung für die Unternehmen wächst, so verändert sich auch das Verhalten der Kunden. Es wird immer mehr online bestellt, auch das hat die Pandemie noch einmal verstärkt. Und dieses Rad wird sich auch nicht mehr zurückdrehen, ist der Sparkassen-Finanzfachmann Robert Beer überzeugt – auch wenn es viele Menschen genießen werden, mal wieder richtig durch die Geschäfte bummeln zu gehen.
Genauso hat sich auch das Bezahlverhalten schneller als bisher verändert. In einem Land, in dem im Gegensatz zu vielen Nachbarn immer noch gerne mit Bargeld bezahlt wurde, hat Corona zu einem deutlich stärkerem Wachstum bei Kartenzahlungen geführt als in den Jahren zuvor.
Dabei ist das Bezahlen mit einer Karte für manche Menschen inzwischen ja schon fast Oldschool.
O-TON Beer: „Wir können ganz klar formulieren, dass dieser Trend des Bezahlens mit dem Smartphone, mit den Uhren, mit den so genannten Wearables, das wird kommen, das ist der Trend der Zeit. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Zahlung erinnern, die ich mit meinem Smartphone getätigt habe bei einem Händler hier bei mir im Ort – und hatte dann die Augen der Kassiererin mir angeguckt. Die konnte das gar nicht glauben, was da gerade passierte und hat zwei Mal auf ihren Beleg geguckt. Und das ist jetzt gerade mal drei Jahre her.“
Und inzwischen sei das nichts Besonderes mehr – auch mit Apple Pay habe die Sparkasse in relativ kurzer Zeit schon mehr als zwei Millionen Nutzer ausgestattet. Die Nachfrage bei den Verbrauchern ist also da und die Geschäfte sollten sich darauf einstellen, wenn sie nicht irgendwann abgehängt werden wollen.
Genau da setzt Enfore an: Zu einem guten Preis den Unternehmen ihren Sprung in die digitale Welt möglichst leicht zu machen.
Für Enfore selbst geht es gerade um den Sprung ins Ausland. Bis jetzt war man nur im deutschsprachigen Raum aktiv. Zuerst mit den großen Unternehmenskunden soll noch in diesem Jahr der westeuropäische Raum zum Beispiel mit Frankreich und den Niederlanden angegangen werden. Danach sollen auch dort Partnerschaften wie hier mit der Sparkasse oder der Telekom geschlossen werden.
Außerdem hat Enfore auch schon die USA und Südostasien im Blick.
So – bevor wir jetzt zum Schluss kommen, gibt es dann aber doch ein paar Punkte, die wir noch klären müssen.
Erstens: Wenn jemand schon als Schüler in den USA von der dortigen Innovationskraft so begeistert war, viele Jahre mit seinen Unternehmen dort tätig war und sogar in den Staaten gelebt hat – und wenn er gerade doch auch beschrieben hat, dass viele US-Unternehmen während der Pandemie mehr Agilität an den Tag gelegt haben als die deutschen – wieso gründet man dann ein Unternehmen wie Enfore nicht in den USA und versucht zuerst da den Markt zu erobern?
O-TON Börries: „Weil wir [schmunzelt] … weil wir ein deutsches Unternehmen sind, also wir haben die Entwicklung in Deutschland gemacht, komplett in Deutschland, also nicht offshore, sondern wirklich in Hamburg und Berlin. Und das sehe ich auch als Stärke an. Über so eine lange Zeit wäre das im Silicon Valley auch sehr schwierig geworden. Allein kostenmäßig sind wir hier in Deutschland wesentlich kostengünstiger als im Silicon Valley – das ist aber nicht der Hauptpunkt. Sondern ich glaube, dass diese Anwendung, die wir bauen, auch von den Stärken, die wir als Entwickler hier bekommen, einfach einen Vorteil hat, in Europa zu sein. Die Partnergewinnung fiel mir in Deutschland leichter, weil ich natürlich auch in Deutschland ein gewisses Netzwerk nicht nur habe, sondern auch eine gewisse Reputation habe, die mir das eben erlaubt hat, die Partner zu gewinnen. Und wir haben Zentraleuropa – wir sind ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz – eben als erstes Feld gesehen, wo wir dann die Lösung, nachdem wir sie acht Jahre gebaut haben, dann auch wirklich etablieren, stabilisieren und auch ready-to-scale machen können…“
… und diesen Punkt habe man jetzt erreicht – jetzt könne das System also vom deutschsprachigen Raum auf Europa und dann noch weiter ausgerollt werden.
Bei einem sehr erfolgreichen Unternehmer wie Marco Börries, der drei Mal nacheinander sehr erfolgreich gründet und seine Firmen dann irgendwann verkauft, stellt sich natürlich außerdem noch die Frage: Wann wird enfore verkauft? Dazu aber meint Börries schlicht: da sei noch lange nichts geplant. Seine Zeit mit Unternehmen Nummer vier dürfte also noch viele Jahre dauern.
Aber irgendwann stellt sich natürlich jedem die Frage: Wie sieht es eigentlich mit dem Ruhestand aus? Erst recht wenn man genug Geld hat. Könnte sich ein Marco Börries also vorstellen, irgendwann einfach in Rente zu gehen und das verdiente Geld zu genießen?
O-TON Börries: „Jetzt bin ich … ähh, sprach… also das Wort Rente … also das Thema Rente in Verbindung mit meiner Person, das gibt bei mir einen so genannten Computation Error. Also ich mach das zwar schon sehr lange, aber dadurch, dass ich sehr früh angefangen bin, bin ich noch weit vom Rentenalter entfernt. Aber ich glaube auch, das ist … für mich, ich liebe das, was ich tue. Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Und für mich ist das nicht Arbeit. Das ist für mich mein Purpose. Sicherlich werde ich nicht in zehn oder fünfzehn Jahren noch genauso arbeiten wie ich es jetzt tue. Aber für mich ist das das Thema: Wie kann ich mit meinem Verständnis von digitalen Lösungen, wie kann ich einfach meinen Beitrag leisten? Und das macht mir einfach Spaß. Also von daher denke ich nicht an Rente.“
DROP
Schön, dass sie bis hier wieder dabei waren.
Ich freue mich, wenn Sie in der nächsten Episode wieder dabei sind.
Bis dahin, machen Sie’s gut.