Lieferservice für die Wissenschaft im All - yuri GmbH

Shownotes

In dieser neuen Podcast-Folge wollen wir hoch hinaus.

Mit einem Startup, das sich schon direkt bei der Gründung vornimmt, einen Höhenflug nach dem nächsten zu erleben. Die yuri GmbH baut Mini-Labore für die Wissenschaft im Weltall. Wir erzählen die Story von der Gründung bis zum Raketenstart in Richtung Raumstation ISS und welche Herausforderungen die Gründer gemeistert haben.


Zu Gast:

Mark Kugel - Co-Founder & CCO, yuri GmbH


Alexander Eggetsberger - Firmenkundenberater, Sparkasse Bodensee

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Skript: Das Startup Yuri startet durch ins All

INTRO

Anmoderation

Hallo und herzlich willkommen!

In dieser neuen Podcast-Folge wollen wir hoch hinaus.

Stellen Sie sich mal vor, sie hören von einem Startup, das sich schon direkt bei der Gründung vornimmt, einen Höhenflug nach dem nächsten zu erleben – was geht ihnen da durch den Kopf?

Naja, die meisten Startups wollen natürlich Optimismus versprühen – aber gleich von Höhenflügen zu sprechen? Vielleicht ein bisschen zu optimistisch?

In unserem Fall aber nicht. Denn dieses Startup hat die Höhenflüge nicht nur geplant, sondern auch schon erlebt.

Flüge bis in den Weltraum – und zwar auf die internationale Raumstation ISS.

DROP

Es ist das Jahr 1961. Da hatte Juri Alexejewitsch Gagarin eine besondere Mission: Er soll der erste Mensch im Weltraum sein. In nicht mal zwei Stunden umrundet er tatsächlich einmal die Erde und schreibt Geschichte. Der erste Mann im All.

Fast sechs Jahrzehnte später: Eine Frau und drei Männer gründen im süddeutschen Meckenbeuren ein Unternehmen. Als Hommage an Gagarin nennen sie es: Yuri.

Ihre besondere Mission: Sie haben sich nicht weniger als die Demokratisierung des Weltalls vorgenommen.

O-TON Kugel: „Wir wollen nicht, dass Forschung im Weltall ein elitäres Thema ist, das sich vielleicht nur reiche Staaten oder die klassischen Raumfahrt-Staaten leisten können. Sondern wir wollen Mikrogravitation zugänglich machen für jeden, für jeden Forscher, der sinnvolle Forschung dort machen möchte. Und das verstehen wir unter Demokratisierung. Also wirklich den Zugang verbessern für viel mehr Nutzerschichten, die davor einfach keinen Zugang hatten.“

… sagt Mark Kugel. Er ist einer der vier Gründer von Yuri. Und natürlich hatte er als Kind einen Traum …

O-TON Kugel: „Ich hab auf jeden Fall als Kind davon geträumt, ins Weltall zu gehen, so wie wahrscheinlich jeder Achtjährige …“

… nur dass die meisten es dann außerhalb der Kinderträume doch nicht ins Weltall schaffen. Er selbst übrigens auch nicht – zumindest nicht persönlich. Studiert hat er nämlich am Center for Digital Technology and Management – kurz CDTM – einer Gründerschmiede in München.

Dort lernen künftige Gründer, was sie ganz praktisch benötigen, wenn sie als Unternehmer die ersten Schritte machen wollen.

Mit dem Weltall hatte er also beruflich erst mal gar nichts mehr am Hut.

Sehr wohl aber zwei seiner Mitgründer, Maria Birlem und Christian Bruderrek. Die beiden hatten nämlich vorher schon mehrere Jahre lang bei Airbus am Bodensee mit der Raumfahrt zu tun.

O-TON Kugel: „Das heißt, sie haben für Kunden wie die NASA, wie die ESA Raumfahrtmissionen organisiert zur internationalen Raumstation, wo sie Hardware, Software, Elektronik entwickelt haben, um hauptsächlich biologische Forschung in Schwerelosigkeit zu bekommen und dort eigentlich schon viele Ideen gehabt und das Potenzial gesehen, das das nicht nur für Grundlagenforschung, sondern auch für kommerzielle Forschung sehr spannend sein kann. Aber wie man sich vorstellen kann, innerhalb eines großen Konzerns immer ein bisschen schwierig ist, solche Ideen umzusetzen. Sie haben dann tatsächlich einiges an Support erst mal bekommen und durften auch ein kleines Nebengewerbe erst mal anfangen und ein bisschen die Fühler ausstrecken, wie man das denn auch außerhalb von Airbus machen könnte. Am Ende war eigentlich dann nur die einzige Option, die Sinn machte, das als Startup auszugründen. Wir haben uns dann auf einem Gründer-Event kennengelernt. Die beiden sind Raumfahrtingenieure, ich komm so aus der BWL, aus der betriebswirtschaftlichen Seite und so war das eigentlich ein perfekter Zeitpunkt zu sagen: Lass uns den Sprung wagen, unsere Jobs kündigen und Yuri gründen.“

In dieser Phase lernen sie dann auch Alexander Eggetsberger kennen. Er ist Firmenkundenberater bei der Sparkasse Bodensee.

O-TON Eggetsberger: „Ja, das war bereits Ende 2018. Durch einen kleinen Zufall. Ich bin über den Flur gelaufen und eine der Gründerinnen hat gerade mit meiner Assistenz gesprochen, wegen einem Termin bei einem Firmenkundenberater. Und so kam der Kontakt zustande. Und ja, die ersten Gespräche sind dann so im Oktober, November 2018 vonstatten gegangen.“

Und dabei mussten Mark Kugel und seine Mitgründer erst mal erklären, was sie überhaupt vorhaben. Nicht ganz so einfach, als würde man einen Handwerksbetrieb oder ein Restaurant eröffnen.

O-TON Kugel: „Im Endeffekt sind wir ein Labor-Dienstleister im Weltall. Das heißt, ein Forscher – und da gibt’s so drei Arten von Forschern, das kann einmal eine klassische Raumfahrtagentur sein wie die NASA oder ESA, das kann einmal eine Universität sein oder das kann auch ein Pharmakonzern sein – also irgendein Forscher in einer dieser drei Organisationen möchte rausfinden, wie sich seine, ihre biologische Forschung ohne Schwerkraft verhält. Und wir sind der Rundum-sorglos-Dienstleister, der diese Forschung hauptsächlich auf die internationale Raumstation bringt. Das heißt, wir organisieren die gesamte Logistik. Wir sind im weitesten Sinne eine Art Spediteur fürs Weltall.“

Na klar, wo es Spediteure auf der ganzen Welt gibt – da braucht es doch auch einen Logistiker fürs Weltall. Alexander Eggetsberger hat aber wohl gewissermaßen erst mal nur Weltraum-Bahnhof verstanden.

O-TON Eggetsberger: „Das war natürlich für mich am Anfang schwer greifbar, das in den Gesprächen nachzuvollziehen, um was es jetzt eigentlich tatsächlich geht. Weil dieses klassische Produkt oder die klassische Dienstleistung ja doch irgendwo ein stückweit abstrakt war so aus dem Tagesgeschäft heraus. Wo es mich dann eigentlich erwischt hat, war wirklich, wo ich gemerkt habe, okay, es sind nicht nur die Ideen da, sondern auch die Beziehungen im Hintergrund und auch das Fachwissen aus vorherigen Projekten, wo man dann tatsächlich sagen kann, jawoll, die wissen, was sie tun und das könnte tatsächlich funktionieren auf der betriebswirtschaftlichen Seite und auch auf der persönlichen Seite, wo die Gründer einen sehr guten Eindruck gemacht haben.“

… und so bekommen die Gründer nach vielen Gesprächen das nötige Startkapital und können Yuri gründen. Und das nicht nur einfach als Spediteur fürs Weltall.

Denn Yuri will von Anfang an mehr tun, damit die Forschung in der Schwerelosigkeit tatsächlich erschwinglicher wird als bisher.

O-TON Kugel: „Das heißt, wir entwickeln auch so kleine Mini-Labore, wo diese Forschung dann auch überlebt. Ganz konkret zum Beispiel Krebszellen oder Immunzellen. Das muss man sich vorstellen wie in einer Petrischale. Wir bauen sozusagen die Petrischale, die dann ins All geht. Und die Petrischale muss natürlich einige Mehr-Anforderungen genügen als jetzt die, die man vielleicht auf der Erde kennt. Das heißt, sie muss komplett abschließbar sein, sie muss irgendwie eine Pumpe haben, um dann auch Nährmedien zu wechseln, was auf der Erde händisch passiert, aber oben im All ein bisschen schwierig ist. Deswegen läuft alles automatisiert ab, was wir machen. Und so wind wir also der Rundum-sorglos-Dienstleister, um solche Forschung ins All zu bringen.“

Und genauso wie ein Paket auf der Erde umso teurer wird, je größer und schwerer es ist, so ist es vereinfacht gesagt auch für die Spediteure im Weltraum. Deshalb sind die Mini-Labore, die mit Yuri zur internationalen Raumstation fliegen, tatsächlich meistens sehr klein.

O-TON Kugel: „Also so die Größe von einer Zigarettenschachtel, vielleicht nicht das beste Beispiel, aber so ungefähr muss man sich das vorstellen. Auch so zehn Zentimeter Würfel ist so ein klassisches Format, das wir hochschicken. Also relativ klein, aber da sind ja dann auch schon Millionen Zellen drin. Also gerade in der Biologie hat man ja auf kleinem Raum schon sehr viel Forschung und das macht’s natürlich doppelt relevant für die Weltraumforschung.“

Natürlich ist im Weltraum ganz unterschiedliche Forschung möglich. Bei Yuri aber hat man sich auf die biologische Forschung spezialisiert.

O-TON Kugel: „Der so genannte Impact – neudeutsch – also uns ist auch ein bisschen der Einfluss, den wir haben, sehr wichtig. Und da glauben wir einfach, dass wir in der Biologie, in der Medizin, den größten Mehrwert auch für die Gesellschaft schaffen können. Während es auch andere spannende Fälle gibt. Zum Beispiel kann man Glasfaser im All besser produzieren und damit schnelleres Internet erzeugen, aber das fanden wir jetzt auch gesellschaftlich, ob jetzt jemand noch schnelleres Internet hat oder die Finanzmärkte noch schneller traden können, finden wir jetzt weniger relevant als vielleicht irgendwie das neue Medikament gegen Krebs zu finden, was wir in der Biologie schaffen können. Das ist auch der Grund und zum anderen ist, dass wir dort die meiste Erfahrung haben. Wir haben einfach schon die Hardware der letzten Jahre, die wir entwickeln durften, sehr stark im Biologiebereich gemacht, haben da ein Netzwerk und irgendwo muss man sich als Firma auch fokussieren. Und das ist der Grund, warum wir als Yuri GmbH eigentlich nur Biologie machen. Es gibt aber auch viele, viele andere spannende materialwissenschaftliche Fragestellungen, die dort erforscht werden.“

Etwas für die Gesellschaft tun – sie voranbringen – große Probleme lösen, zum Beispiel in der Medizin – und das mit Hilfe der Schwerelosigkeit. Das ist ein Teil der Mission von Yuri, wie sie Mark Kugel versteht.

O-TON Kugel: „Wir wollen nicht die sieben Astronauten im Weltall, denen sozusagen helfen, sondern eigentlich den sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Und wenn wir eine neue biologische Forschungsumgebung schaffen können, die für Innovation in der Medizin auf der Erde schaffen können, dann haben wir viel erreicht und dann sind wir auf jeden Fall sehr happy.“

Und die Möglichkeiten dafür möglichst vielen zu bieten, die sich das eigentlich nicht leisten könnten: Dafür entwickelt das Unternehmen die Mini-Labore, mit denen die Weltraumforschung für viele Wissenschaftler weltweit überhaupt erst erschwinglich wird. Das meint Kugel, wenn er von der Demokratisierung des Weltraums spricht.

Das ist allerdings nicht unbedingt das, womit man einen Banker bei der Gründung eines Unternehmens von einer Finanzierung überzeugen kann, gibt auch Alexander Eggetsberger von der Sparkasse Bodensee zu.

O-TON Eggetsberger: Ich mein damals, das war für uns allein schon das Thema, wo es hieß, Micro-Gravity … wir hatten diesen Begriff ‚Demokratisierung der Schwerelosigkeit‘ da gar nicht so präsent in den ersten Wochen in der Prüfung. Sondern hatten uns erst mal darauf konzentriert auf den Business-Plan, auf die Ideen der Gründer. Ich erinnere mich auch noch an die ersten Kontakte dann damals mit unserem Finanzierungspartner, der Bürgschaftsbank zusammen. Wo es dann wirklich um das Thema ging, was machen die Kunden denn eigentlich? Was kann man sich denn darunter vorstellen. Also das waren doch interessante erste Gespräche, ja.“

Aber die Gründer konnten die Banker überzeugen und bekamen die nötige Finanzierung.

Nach den ersten neun Missionen noch zu Airbus-Zeiten hat inzwischen auch das Startup Yuri schon die ersten Missionen ins All absolviert. Allein für dieses Jahr sind drei weitere Starts geplant.

Dafür werden die Mini-Labore auf eine Kapsel gesteckt und meistens mit einer Space-X-Rakete zur ISS geflogen. Nach etwa 48 Stunden dockt die Kapsel dort an, und die Mini-Labore gehen in der Regel für rund 30 Tage an Bord.

Auf der Erde warten dann Forscher aus aller Welt gespannt auf die Rückkehr der Kapsel, die irgendwo im Ozean landet.

Vorhin haben wir ja schon von der Demokratisierung des Weltraums gesprochen. In welchen Ländern warten denn die Wissenschaftler, die dank Yuris Mini-Laboren in der Schwerelosigkeit forschen können, auf die Rückkehr der Kapseln und ihrer Forschungsobjekte darin?

O-TON Kugel: „Auf der ganzen Welt. Also unser allererster Kunde interessanterweise kam aus Australien von der Uni Sydney. Die haben das tatsächlich aus dem eigenen Uni-Budget stemmen können. Das ist auch die erste australische Biologie-Mission, weil davor war eben für die meisten Länder sowas gar nicht erschwinglich oder auch gar nicht zugänglich sag ich mal. Da geht’s gar nicht mal so um Kosten und um Zeit, sondern es gab bis vor ein paar Jahren gar keinen so kommerziellen Markt, dass da jeder einfach so anklopfen kann und sagt, ich will da hochgehen. Sondern es war ein sehr restriktiver, staatlich geführter Forschungsmarkt. Aber nicht einer, bei dem man jetzt vielleicht einfach wie ein Mietwagen sich da oben einbuchen kann. Also Australien ist eins, wir haben aber auch Kunden in Israel, natürlich in den USA, in Europa, in Italien, in Deutschland, die Charité Berlin zum Beispiel, die Goethe-Uni Frankfurt, mit denen haben wir ein großes Projekt, mit dem wir jetzt demnächst auch innerhalb der Matthias Maurer-Mission noch ein Experiment hochbringen, was Matthias Maurer dann auch installieren wird. Also wirklich auf der ganzen Welt. Ich glaub, Afrika, Südamerika und Antarktis sind wir noch nicht, ansonsten haben wir eigentlich alle Kontinente.“

Wobei die Astronauten wie der deutsche Matthias Maurer und seine Mitstreiter auf der ISS mit den Labor-Experimenten von Yuri kaum zu tun haben. Denn an dieser Stelle kommen wir auch zum Thema Kosten. Die Weltraumforschung ist grundsätzlich eine teure Angelegenheit.

Und ein Forschungsprojekt, das auch noch laufend von den Astronauten betreut werden müsste, würde die Kosten für die Kunden von Yuri in die Höhe treiben. Damit wäre es nicht attraktiv.

Natürlich betreibt das Astronauten-Team in der Weltraumstation jede Menge Forschung – und das rund um die Uhr. Aber Yuri geht einen anderen Weg.

O-TON Kugel: „In unserem Fall, weil wir den Ansatz haben, Forschung möglichst günstig und möglichst schnell zu machen – wir haben teilweise den Preis um das fünf- bis zehnfache verringert zu dem, wie wir es gekannt haben vorher bei Airbus – und ein großer Teil davon ist, dass wir so viel automatisieren, wie es nur geht. Das heißt, wir haben eigentlich kein einziges Experiment, wo der Astronaut aktiv noch eingreifen muss. Der einzige Zeitpunkt, wo die Astronautin, der Astronaut das Experiment in die Hände nimmt, ist, wenn er es aus der Kapsel rausnimmt und in eine Anlage dort steckt. Das heißt wie so eine Art Mikrowelle, er steckt das ein, dann kriegt unser Experiment Strom, dann kriegt es Wärme – also meistens 37 Grad, wenn es Zellen sind – und dann fasst er es nicht mehr an. Und erst nach circa 30 Tagen, wenn es dann wieder auf die Rückreise geht, dann wird’s wieder eingepackt und in die Kapsel gesteckt. Aber zwischendrin ist es jetzt nicht so wie im Labor auf der Erde, dass der Astronaut da mit einer Pipette noch mal irgendwas einfüllen muss oder so. Also haben wir so weitestgehend automatisiert, und das spart natürlich Zeit und Kosten. Und das ist auch das, was unsere Nutzergruppen, unsere Kunden so lieben.“

Dann jetzt doch mal bitte konkrete Zahlen auf den Tisch!

Wer ein kleines Päckchen, in das so ein Mini-Labor wohl passen dürfte, mit der Post in die USA schicken will, der kann das für 16 Euro am Paketschalter aufgeben.

Auch wenn der Vergleich natürlich etwas hinkt, denn bei Yuri gibt es das entsprechende Mini-Labor inklusive. Aber was kostet wohl der Versand eines Experiments mit den Weltraum-Spediteuren zur ISS?

O-TON Kugel: „Ja, also echte Eurozahlen: Wenn sie jetzt ein klassischer Forscher sind und mit den klassischen Raumfahrtagenturen wie NASA, ESA, DLR eine Mission starten – aus unserer Erfahrung kommt man dann schon vielleicht auf eine halbe Million bis zu einer Million. Ein Großteil davon ist die Neuentwicklung des Mini-Labors. Das ist heute immer noch der Fall, dass in den meisten Fällen das Mini-Labor neu entwickelt wird pro Experiment. Und das macht’s natürlich auch so teuer, weil in der Raumfahrt braucht man ja wieder Spezialteile, die NASA muss alles qualifizieren. Und in unserem Fall, wenn man jetzt mal den Zehn-Zentimeter-Würfel nimmt, wo drei bis vier der Mini-Labore reinpassen und den für circa 30 Tage auf die ISS schickt, schafft man im Idealfall schon für knapp unter 100.000 Euro.“

Das ist zwar immer noch viel Geld, aber die Forschung wird damit trotzdem deutlich günstiger.

Im April sollen so zum Beispiel mit der nächsten großen Mission Experimente der Charité Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt zur ISS fliegen – jeweils ein Experiment. In diesem Fall sind das jeweils neun Mini-Labore pro Experiment-Team.

Und anders als die Post bringt das Yuri-Team mit Mark Kugel die Experimente bisher sogar persönlich zur Rakete. Die hebt natürlich nicht von Deutschland aus ab.

O-TON Kugel: „Ja, das ist natürlich das Harte an unserem Job. Also wir müssen mit den Wissenschaftlern dann in den meisten Fällen zusammen nach Cape Canaveral nach Florida fliegen. Und da es dort leider keine Hotels gibt, mieten wir uns immer so ein Strandhaus, dann zu zehnt, zu fünfzehnt und müssen dann dort zusammen am Strand den Raketenstart anschauen – das ist immer eine sehr harte Dienstreise, wie man sich vorstellen kann…“

Na, da habt Ihr wirklich mein vollstes Mitgefühl. Am Strand auf den Raketenstart zu warten, DAS ist ein harter Job. Andere würden das wohl Urlaub nennen.

O-TON Kugel: „Für die Wissenschaftler ist das tatsächlich gar nicht so viel Urlaub. Weil die natürlich die Zellen nur kurz vor Raketenstart kultivieren können. Das heißt, wir haben dort ein Partner-Labor direkt an der Launch-Site, sozusagen direkt am Raketenstart. Und dort muss natürlich dann alles auf die Minute getaktet sein. Also die Rakete wartet nicht, das heißt, die müssen wirklich ihre Zellkulturen dort neu züchten, zwei Tage vor Start und sind dann natürlich auf 180, dass alles funktioniert. Darum trainieren wir die auch so gut davor. Aber natürlich: Wenn das dann mal an die NASA übergeben ist, dann ist natürlich die Freude groß, wenn man da jetzt neun Monate dran geforscht hat und das übergeben hat und jetzt gemeinsam diesen Raketenstart miterleben darf. Also natürlich ist das nie Routine bei uns, natürlich ist das nicht einfach ein Lkw, der wegfährt, sondern es ist immer ein großes Highlight für uns, aber auch für alle Wissenschaftler, die dabei sind.“

Anders als bei einem Paket-Logistiker ist nicht nur der Start etwas Besonderes.

Denn während die Lastwagen auf der Straße mit ihrer alltäglichen Fracht jeden Tag pünktlich ihre Logistikzentren verlassen, kann sich der Start einer Rakete auch schon mal verzögern. Aus technischen Gründen oder wegen des Wetters. Dann steigt die Anspannung für alle Beteiligten.

Erst recht aber wird es spannend, wenn etwas passiert, das auch bei der Post vorkommen kann. Wenn nämlich ein Paket nicht wie geplant ankommt und scheinbar verloren gegangen ist. Das ist bei Yuri auch schon mal passiert. Und dann kann es ganz schön kompliziert werden.

O-TON Kugel: „Da hat ein Astronaut eins der Mini-Labore oben vergessen. Und wir hatten dann extreme Probleme beim Zoll, bei der Rückkehr in den USA [schmunzelt] – weil wir dann sagen mussten, ja, das ist leider noch im Weltall, wir haben es deshalb nicht zurückgebracht. Und das erzählen sie mal einem amerikanischen Zollbeamten. Und noch viel komplizierter ist, dass es dann in einer russischen Kapsel wieder runtergegangen ist. Das heißt, das Mini-Labor ist dann in Russland gewesen, was eigentlich nie nach Russland reingekommen ist, offiziell vom Zoll. Und dem müssen sie auch erst erklären, das ist in den USA gestartet, war dann im Weltall und ist jetzt in Russland wieder gelandet. Also da [schmunzelt] gibt’s dann so einige Anekdoten, wenn man Weltraum-Logistik macht. Aber ansonsten ist eigentlich nichts verloren gegangen.“

Auch ein Weltraum-Unternehmen muss sich also manchmal mit ganz irdischen Problemen herumschlagen – und wenn es nur die Zöllner sind.

Eines aber steht aus Sicht von Alexander Eggetsberger, dem Yuri-Firmenkundenberater bei der Sparkasse Bodensee schon ziemlich sicher fest: Mit den Ängsten, ob das Geschäftsmodell überhaupt eine Perspektive hat – so wie es viele Startups in den Gründungsjahren erleben – dürfte Yuri wohl inzwischen weniger Probleme haben.

Natürlich musste das Unternehmen einige Stolpersteine und auch Niederlagen aus dem Weg räumen. Inzwischen läuft es aber vielversprechend. Dafür spricht nicht nur die Tatsache, dass das Startup inzwischen 24 Mitarbeiter hat und laufend neue eingestellt werden. Der Weltraum-Logistiker hat inzwischen sogar eine erste Zweigstelle in Luxemburg.

Und Eggetsberger sagt:

O-TON Eggetsberger: „Also ich denke, die Raumfahrt ist nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Und die Yuris sind jetzt natürlich schon früh dabei gewesen und stellen sich sehr, sehr gut auf. Von dem her könnte ich mir gut vorstellen, dass die Yuri GmbH sich da auch in den nächsten Jahren noch mal einen Namen weiterhin macht, auch international die Netzwerke noch mal weiter ausbauen kann. Und ich würde es natürlich auch den Gründern wünschen, dass sie da sich festigen können und auch die Vision, die sie haben, verfolgen können. Und das dann auch mit einem ordentlichen unternehmerischen Erfolg letztlich dann in Einklang bringen.“

Zumal man bei Yuri schon jetzt weiterdenkt.

Denn nach einiger Zeit haben sich die Unternehmer eine Frage gestellt: Warum sollen wir nur Logistik für biologische Weltraum-Forschung machen?

Wenn wir doch die Möglichkeiten haben – warum forschen wir dann auch nicht selbst?

O-TON Kugel: „Wir sind jetzt gerade in einer spannenden Transformation, das heißt: Wir wandeln uns vom reinen Dienstleister, in dem wir andere Forschung ins All bringen, zur eigenen Biotech-Firma. Das heißt, wir haben selbst Biologinnen ins Team geholt. Wir haben auch eine sehr renommierte Chief Scientific Officer ins Team geholt, mit der wir jetzt eigene Produkte im All entwickeln und auf der Erde verkaufen.“

Yuri will also nicht nur insofern hoch hinaus, indem sie Weltraumforschung erschwinglicher machen. Yuri will künftig auch als Biotech-Firma selbst hoch hinaus.

Das Ganze ist nicht mehr nur eine Idee. Es gibt schon ganz konkrete Vorstellungen, wie die eigenen Produkte aussehen könnten.

O-TON Kugel: „Das kann zum Beispiel in die Richtung gehen, dass im All Zellkulturen in drei Dimensionen wachsen. Anders als auf der Erde, wo die Schwerkraft sie runterdrückt und deswegen nur in zwei Dimensionen auf der Petrischale wächst. Und solche dreidimensionalen Zellkonstrukte, so genannte Organoide, kann ich im All wachsen lassen, kann sie auf die Erde runterbringen und dann nutzen als zum Beispiel Medikamenten-Testmodell. Also wenn ich jetzt als Pharmakonzern ein Medikament teste, dann teste ich ja immer, ist es effektiv oder ist es toxisch, also ist es giftig. Und das mache ich zuerst an einzelnen menschlichen Zellen und gehe dann irgendwann ins Tier. Bei einzelnen Zellen ist das Problem, es sind ja nur einzelne Zellen, also bildet es nicht wirklich zum Beispiel eine Haut ab, weil eine Haut hat mehrere Schichten. Und beim Tier ist natürlich einmal das ethische Problem, aber auch: Es ist einfach kein Mensch. Und diese 3D-Zellkulturen sind oft so der goldene Mittelweg, sind aber auf der Erde sehr schwer herzustellen. Das heißt, man kann sich vorstellen – und da arbeiten wir aktiv dran – solche 3D-Modelle im All zu produzieren und auf der Erde als Modell zu verkaufen.“

Und so geht man bei Yuri heute davon aus, dass das Unternehmen in fünf Jahren zwei große Standbeine hat:

Einerseits die Weltraum-Logistik, mit der es Wissenschaftlern auf aller Welt möglich wird, ihre Experimente im All durchzuführen.

Andererseits die Biotechnologie, dank derer zum Beispiel viele Pharma-Unternehmen auf aller Welt ihre Produkte besser und günstiger durch die Testphasen bringen können.

DROP

Schön, dass sie bis hier wieder dabei waren.

An dieser Stelle verrate ich Ihnen normalerweise immer schon etwas über das nächste Unternehmen, um das es hier in diesem Podcast geht.

Aber wir machen jetzt mal eine Ausnahme.

Beim nächsten Mal geht es nämlich um kein neues Unternehmen, sondern wir bleiben bei Yuri.

Denn heute ging es vor allem um die Weltraumforschung und das, was das Startup Yuri dabei macht. Es ging aber fast gar nicht um das Thema Startup an sich.

Was zum Beispiel passiert, wenn ausgerechnet in der Gründungsphase der erste große Kunde – nämlich die Europäische Weltraumorganisation ESA – plötzlich abspringt.

Oder wie ein Startup trotz einer unsicheren Zukunft in den Gründungsjahren an hochqualifizierte Mitarbeiter kommt.

Oder warum es zwar einerseits viele Startup-Metropolen in Deutschland gibt – das aber bei der Gründung gar nicht entscheidend sein muss.

Und was typische Fehler sind, die Startups machen und wie man diese Fehler vermeiden kann.

Und natürlich geht’s dann auch noch um den Deutschen Gründerpreis, den Yuri als Startup gewonnen hat – und um vieles mehr rund um das Thema Startup.

Ich freue mich, wenn Sie dann wieder dabei sind.

Bis dahin, machen Sie’s gut.