Internationaler Bauboom: Risiken & Chancen - Putzmeister
Shownotes
Die Energiewende, staatliche Investitionsprogramme, neue Technologien: Das sind nur drei von vielen Gründen für den weltweiten Bauboom. In dieser Episode beschäftigen wir uns mit einem Unternehmen, dass weltweit auf unglaublich vielen Baustellen mit dabei ist: Putzmeister, unter anderem Hersteller für Betonpumpen. Wir hören, welche Herausforderungen sie als Exporteur täglich meistern müssen und welche Rekorde man mit Betonpumpen aufstellen kann.
Zu Gast:
Ingo Bürtel - Head of Trade Finance & Trade Credit Insurance, Putzmeister Holding GmbH
Guglielmo Falcone - Key-Account-Berater Internationales Geschäft, S-International Baden-Württemberg Nord GmbH & Co. KG
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Skript: Internationales Geschäft – Beispiel Putzmeister
INTRO
Anmoderation
Hallo und herzlich willkommen!
Wir sind heute weltweit unterwegs – und zwar in der Baubranche.
Die Energiewende – staatliche Investitionsprogramme – neue Technologien: Das sind nur drei von vielen Gründen für den weltweiten Bauboom.
Und auch Corona hat daran nicht viel geändert. So hat nach Angaben des Deloitte-Reports zum Beispiel die Bautätigkeit der 100 größten Baufirmen im Jahr 2020 trotz der Pandemie global um knapp vier Prozent zugelegt.
Überall wird gebaut. Und wir beschäftigen uns heute mit einem Unternehmen, das weltweit auf unglaublich vielen Baustellen mit dabei ist.
Genauer gesagt: Ihre Maschinen sind mit dabei.
Ein Unternehmen mit viel Erfahrung im internationalen Geschäft.
DROP
Was haben die Metro im portugiesischen Lissabon, der Schweizer Gotthard-Straßentunnel und das Burj Khalifa in Dubai gemeinsam?
In allen Fällen kamen beim Bau in den vergangenen Jahren die Betonpumpen von Putzmeister zum Einsatz.
1958 gründete der Sohn eines Gipsermeisters ein Unternehmen zur Herstellung von Verputzmaschinen. Heute gehört Putzmeister aus Aichtal in Baden-Württemberg weltweit zu den größten Anbietern von:
O-TON Bürtel: „Betonpumpen, Mörtelmaschinen, Industriepumpen, mobile Förderbänder, Spritzbetonmaschinen und Betonmischanlagen sowie Betonmischer.“
… sagt Ingo Bürtel, der Leiter des Bereichs Trade Finance und Risk Management. Seit inzwischen fast 30 Jahren arbeitet er bei Putzmeister und hat in dieser Zeit eine Menge Rekorde erlebt, die seine Firma aufgestellt hat.
O-TON Bürtel: „Eines unserer Highlights war natürlich der Weltrekord in der Betonhochförderung mit mehreren Putzmeister Hochleistungsbetonpumpen beim Burj Khalifa in Dubai. Unsere Pumpen förderten dort den Beton in einem Zug über 600 Meter hoch. Und das Gebäude wurde insgesamt 828 Meter hoch. Aber der Rest wurde mit Stahlbau gemacht.“
Und Bürtel ist davon überzeugt, dass der 600-Meter-Weltrekord bei der Höhe der Betonförderung noch längst nicht das Ende der Fahnenstange – beziehungsweise der Betonpumpe – ist.
O-TON Bürtel: „Nee, eigentlich nicht. Mit unseren Hochleistungsbetonpumpen könnten wir sogar noch höher bauen. Wir hatten sogar schon Projektanfragen mit tausend Meter Höhe und noch höher. Und wir gehen davon aus, dass wir das schaffen. Also nach oben sind wir noch offen. Wo es dann endet, haben wir selber noch nicht rausgefunden. Aber unsere Ingenieure sind zuversichtlich, das wir auch über 800 Meter pumpen können.“
Mit den Betonpumpen hat Putzmeister in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. 1977 zum ersten Mal mit einem Weltrekord, als beim Frankfurter Fernmeldeturm ein Höhenunterschied von 310 Metern bewältigt wurde.
Aber nicht immer hatten die Schlagzeilen mit einem Rekord oder mit etwas Positivem zu tun. Gleich zwei Mal mussten die Maschinen bei den größten Katastrophen in Atomkraftwerken ran.
O-TON Bürtel: „Kurz nach der Katastrophe schickte Putzmeister 1986 zehn Autobetonpumpen nach Tschernobyl. Damit wurde der havarierte Reaktor zubetoniert. 2011 schickten wir vier Autobetonpumpen mit Antonov-Flugzeugen, welche in Kalifornien und Deutschland starteten, nach Fukushima, Japan, um mit den Betonpumpen den Reaktor mit Wasser zu kühlen. Also zwei Unglücke und zwei extreme Anwendungsfälle für Putzmeister-Technik.“
Ob im Hoch- oder Tiefbau.
Ob Straßen, Brücken, Tunnel oder Wolkenkratzer.
Überall auf der Welt kommen in jeder Minute wohl zahlreiche Maschinen von Putzmeister zum Einsatz, wenn es darum geht, den Beton dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird.
Auf der Webseite hat das Unternehmen eine Weltkarte, auf der die Putzmeister-Büros und Niederlassungen mit einem gelben Punkt markiert sind.
Und auf ALLEN Kontinenten findet man dort viele gelbe Punkte. Die Exportquote liegt zwischen 80 und 90 Prozent. Besonders aktiv sind die Schwaben natürlich in Europa, aber auch im Mittleren Osten, in Nordafrika, Russland und der Türkei sind sie stark vertreten. Eigene Produktionsstätten gibt es zum Beispiel auch in den USA oder Indien.
Und trotzdem gibt es noch einige Länder, die für Putzmeister mehr oder weniger ein weißer Fleck auf der Landkarte sind, gibt Ingo Bürtel zu.
O-TON Bürtel: „Das ist richtig. In manchen Ländern, wo wir nicht aktiv sind, sind Länder, die sich einfach sagen wir mal eine relativ teure Betonpumpe noch nicht leisten können. Das ist der Hinderungsgrund, warum wir in manchen Märkten nicht so stark vertreten sind. Die Betonpumpe ist vielleicht zu teuer dann in diesen Ländern.“
Denn gerade die großen Betonpumpen, die auf einem Lkw unterwegs sind, fangen bei einigen hunderttausend Euro an und können über eine Million gehen.
Damit Putzmeister überhaupt in so vielen Ländern große Geschäfte machen kann, braucht es nicht nur das Knowhow für die eigenen Maschinen. Es braucht auch das Wissen, was es in den jeweiligen Ländern zu beachten gilt.
O-TON Falcone: „Es ist ein Riesenunterschied, ob sie in Deutschland oder Exportgeschäft betreiben – sie kennen ja den Spruch: Andere Länder, andere Sitten.“
… sagt Guglielmo Falcone. Der Key Account Berater bei der S-International, Baden Württemberg Nord, betreut unter anderem auch Putzmeister beim Auslandsgeschäft.
O-TON Falcone: „Es fängt an beim Vertragsrecht. Ich mach mal ein Beispiel: In den arabischen Ländern darf im Vertrag das Wort ‚Zinsen‘ nicht auftauchen. Weil das einfach verboten ist. Dann wäre so ein Vertrag nichtig vor Gericht. Oder aber auch: Gehen sie mal nach Indien und klagen eine offene Forderung ein. Wenn sie in Deutschland jemandem eine Ware verkaufen und sie vereinbaren, dass die Ware nach Lieferung bezahlt wird, dann wissen sie, okay, wenn er das nicht macht, dann kann ich ihn anzeigen. Ich kann vor Gericht gehen, ich kann die Forderung irgendwie eintreiben. Machen sie das mal in Indien. Dann können sie sehr viele Jahre warten, bis sie überhaupt einen Gerichtstermin haben. Und das kann natürlich je nach Projektvolumen fatal enden für ihre Firma.“
Solche Risiken, die ganz unterschiedlich sein können, gilt es im Vorfeld von Geschäften abzuklären. Einerseits hat man bei Putzmeister damit schon viele Jahrzehnte Erfahrung, andererseits holt sich das Team von Ingo Bürtel auch oft den Rat von der Kreissparkasse.
O-TON Bürtel: „Wir kennen auch die Gefahren von Zahlungsausfällen. Davor schützt geschicktes Risikomanagement. Zum Beispiel, indem wir mit dem Käufer die Zahlungsabwicklung mittels eines Akkreditivs oder einen durch Euler Hermes versicherten Lieferantenkredit vereinbaren.“
Hier sind gleich zwei Stichworte gefallen, die vielleicht nicht jedem etwas sagen. Deshalb klären wir das mal kurz zwischendurch. Das erste Stichwort, das gerade fiel, war das Akkreditiv.
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Ein Akkreditiv ist ein Zahlungsversprechen einer Bank gegenüber einem Verkäufer. Dieses Zahlungsversprechen verpflichtet die Bank, eine Zahlung an einen Verkäufer zu leisten – und zwar, wenn die im Akkreditiv definierten Dokumente fristgerecht und akkreditivkonform an die Bank übergeben worden sind.
Im Außenhandel funktioniert das einfach formuliert so: Auf der einen Seite gibt es den Kunden, der etwas importieren will. Der eröffnet bei seiner Bank ein Akkreditiv. Oft ist das ein so genanntes Dokumentenakkreditiv. Wenn dann der Exporteur – also zum Beispiel Putzmeister – seine Ware liefert, reicht dieser parallel die nötigen Dokumente bei seiner eigenen Bank in Deutschland ein. Diese Dokumente müssen nachweisen, dass seine Lieferung den vereinbarten Forderungen entspricht.
Die Kreissparkasse wiederum prüft und gibt das Ganze dann weiter an die Bank im Ausland. Passt alles, dann zahlt die Kreissparkasse das Geld aus. Sie übernimmt also auch das Risiko. Denn das Geld bekommt sie – wenn nichts schiefgeht – erst danach von der Bank im Ausland, bei der das Akkreditiv eröffnet wurde. Der Vorteil für den Exporteur: Er bekommt sein Geld auf jeden Fall, wenn er liefert.
INFOBOX ENDE]
Das zweite Stichwort, das Ingo Bürtel vorhin genannt hat, war Euler Hermes. Dabei geht es um Exportkreditgarantien im Auftrag des Bundes.
Bestimmt haben sie auch schon mal vom Begriff Hermes-Bürgschaft oder Hermesdeckung gehört.
[INFOBOX
Euler Hermes ist eine Kreditversicherungsgruppe. Sie wickelt unter anderem die Exportkreditgarantien für die Bundesrepublik Deutschland ab.
Diese sind ein Instrument, um die Außenwirtschaft zu fördern und sollen insbesondere den Mittelstand beim Auslandsgeschäft unterstützen.
In erster Linie geht es darum, sowohl den Exporteur als auch seine Bank vor politischen und wirtschaftlichen Risiken und einem Zahlungsausfall zu schützen, wenn in schwierige oder risikoreiche Märkte exportiert wird – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländer.
Die Größe des Unternehmens oder des Auftrags spielt dabei keine Rolle.
Entscheidend ist, dass das Projekt für den Bund förderungswürdig ist – und das Risiko vertretbar. Kommt es tatsächlich zu einem Zahlungsausfall, übernimmt der Bund zum größten Teil die Kosten.
INFOBOX ENDE]
So – zurück zu Putzmeister. Ingo Bürtel hatte vorhin gesagt, dass sie bei Putzmeister die Risiken zum Beispiel mit einem Akkreditiv oder einem von Euler Hermes versicherten Lieferantenkredit minimieren.
O-TON Bürtel: „Und bereits schon während der Vertragsverhandlungen stimmen wir uns bei solchen Geschäften sehr eng mit der Kreissparkasse, Herrn Falcone, ab, welcher uns professionelle Modelle zur Finanzierung und Absicherung unserer internationalen Geschäfte zur Verfügung stellt. Die Kreissparkasse berät uns zum Beispiel bei der Auswahl der Akkreditiv eröffnenden Auslandsbank oder nennt uns bei Lieferantenkrediten die Kosten für die Refinanzierung, welche wir später mit der Kreissparkasse durchführen.“
Vorhin hatte ich ja schon mal von den vielen gelben Punkten auf der Putzmeister-Weltkarte gesprochen: Die Länder, in denen der Betonpumpen-Hersteller mit eigenen Büros oder Niederlassungen aktiv ist, verteilen sich über den ganzen Globus.
Ob in der Mongolei, Madagaskar, Nicaragua oder auf Kuba – überall braucht das Unternehmen auch die Expertise der Banker wie Guglielmo Falcone. Der spricht von einem regelrechten Netz aus Korrespondenzbanken, das die Kreissparkasse dem schwäbischen Unternehmen auf der ganzen Welt zur Verfügung stellt.
O-TON Falcone: „Das heißt, wir haben dann in vielen dieser gelben Punkte, die sie erwähnt haben, auch Bankpartner vor Ort. Wir müssen für unsere Kunden die Besonderheiten aus diesen Ländern kennen. Die Risiken aus den Ländern kennen. Und auch am besten noch die besten und etwas schlechteren Banken aus den Banken kennen, um sie unseren Kunden mitteilen zu können. Das hilft ihnen dann im Tagesgeschäft.“
Einerseits die Risiken durch das Geschäft im Ausland zu minimieren und abzusichern. Andererseits die Chancen dort auch zu nutzen, das sei die Aufgabe, sagt Falcone.
Ach ja, da war doch die Sache mit dem Wort „Zinsen“, das in einem arabischen Land im Vertrag lieber nicht stehen sollte. Aber Bankgeschäfte ganz ohne Zinsen? Wie geht denn das?
O-TON Falcone: „Man nutzt zum Beispiel das Wort ‚Finanzierungskosten‘. Das hat der eine oder andere Kunde so gemacht…“
… und damit habe es dann auch keine Probleme gegeben, erläutert der Fachmann für Auslandsgeschäfte. Natürlich ist er selbst auch nicht Experte für den Export in jedes Land der Welt. Aber da gilt das Motto: Man muss nicht alles selbst wissen. Im Zweifel muss man nur jemanden kennen, der es weiß. Und davon können wiederum auch die Exporteure auf unterschiedlichen Ebenen profitieren.
O-TON Falcone: „Richtig, wir nutzen zum Beispiel unser so genanntes Country-Desk der Sparkasse. Das heißt, wir bieten unseren Kunden ein Netzwerk an Spezialisten vor Ort an. Ich mach mal ein Beispiel: Ich hatte einen Kunden, der hat einen neuen Mitarbeiter in Italien eingestellt. Er hat gesagt, ich brauche einen Anwalt, eine Kanzlei, die sich damit auskennt im Arbeitsrecht. Und die konnten wir zur Verfügung stellen. Und der Mitarbeiter hat einen Vertrag. Unser Kunde ist glücklich, er hat einen neuen Mitarbeiter. Und das hat auch ehrlich gesagt nichts gekostet, und wir verdienen auch nichts daran. Das ist einfach, wenn unser Kunde dann wächst und in gewisse Projekte mit einsteigt, das kommt dann alles zurück.“
Auch Putzmeister greift auf das Sparkassen-Netzwerk immer wieder zurück. Vor allem, wenn es darum geht, das Risiko eines kompletten Zahlungsausfalls möglichst gering zu halten.
Das Unternehmen macht mit seinen knapp 3.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen und kann es sich nicht leisten, mal eben auf ein paar Millionen zu verzichten, weil das Geld nach einer Lieferung von Betonpumpen nicht fließt.
O-TON Bürtel: „Es kann ja sein, die Auslandsbank geht in die Insolvenz, gab’s auch in letzter Zeit schon ein paar Mal. Oder es gibt zum Beispiel politische Risiken, dass – sagen wir mal – die Regierung des Landes verbietet, Devisen zu überweisen. Das heißt, die Auslandsbank würde gerne bezahlen, darf aber nicht aufgrund politischer Restriktionen. In dem Fall würde dann die Kreissparkasse einspringen. So Fälle gibt’s, ja. Bei uns noch nicht, ich hab’s selber noch nicht erlebt in meiner Laufbahn, aber die Fälle gibt’s.“
Und weil die Bank das Risiko bei einem Akkreditiv auch selbst trägt, kommt es durchaus schon mal vor, dass die Kreissparkasse eine Bank im Ausland zur Eröffnung eines Akkreditivs ablehnt. Wenn nämlich zum Beispiel deren Bonität aus Sicht der deutschen Banker nicht ausreicht.
Dafür empfehlen sie dann aber auch Alternativen, über die das Auslandsgeschäft von Putzmeister abgewickelt werden kann. Denn weder das Unternehmen noch die Bank wollen es auf einen schmerzhaften Zahlungsausfall ankommen lassen.
O-TON Bürtel: „Putzmeister ist davon glücklicherweise immer verschont geblieben und zwar aufgrund der Tatsache, dass wir risikobewusst unterwegs sind und immer nach Lösungen suchen, wo wir nicht in die Situation kommen. Und da arbeiten wir sehr eng mit der Kreissparkasse, mit Herrn Falcone, zusammen. Die uns dann auch berät bei der Auswahl der Banken oder der Zahlungsinstrumente. Und die Experten im Hintergrund bei der Kreissparkasse, die Akkreditiv-Experten oder Experten, was Lieferantenkredite betrifft, auf was man achten muss, dass man im Schadensfall dann auch vom Warenkreditversicherer sein Geld bekommt – dieses Knowhow müssen sie haben, damit sie nicht in diese Risiken reinlaufen.“
Ein Risiko, das allerdings nicht vorher absehbar war, ist vor zwei Jahren mit dem Corona-Virus aufgetaucht. In vielen Branchen hat die Pandemie in der Folge deutliche Spuren hinterlassen.
Weltweit betrachtet gilt das für die Baubranche allerdings nicht. Da gab es sogar noch Zuwächse. Davon hat auch Putzmeister profitiert.
O-TON Bürtel: „Coronabedingt haben wir überhaupt fast keine Einbrüche gehabt, was das Nachfragevolumen betrifft. Wir sind da sehr gut durch die Krise gekommen. Gebaut wird eigentlich immer und gerade in so Krisensituationen setzen ja die Staaten, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, auch noch zusätzlich staatlich subventionierte Infrastrukturprojekte auf. Also wir haben da also Gott sei Dank kein Thema gehabt, was die letzten Jahre betrifft.“
Das heißt aber nicht, dass es keine Herausforderungen gibt und die Pandemie spurlos an Putzmeister vorbeizieht.
In der weltweiten Logistik läuft es nämlich seither alles andere als rund. Das haben viele Menschen gemerkt, als es zum Beispiel vor Weihnachten hieß, bestimmte Waren könnten möglicherweise nicht mehr rechtzeitig geliefert werden, um als Geschenk unterm Tannenbaum zu liegen.
Und wer als Unternehmen im Außenhandel unterwegs ist, bekommt das erst recht zu spüren.
In vielen Häfen liegen weit mehr Schiffscontainer in Wartestellung als früher. Die Transportkosten haben sich vervielfacht und die Transportzeiten sind länger als gewohnt. Das bekommt auch Guglielmo Falcone, der Key Account Berater bei der S-International, von seinen Kunden immer wieder zu hören.
O-TON Falcone: „Wenn sie einfach ein Schiff wollen, also sie sagen, ich hab jetzt eine Maschine verkauft – zum Beispiel geht die nach Äthiopien. Bis sie mal ein Schiff haben, das ihre Maschine mitnimmt, die Betonpumpe, das dauert länger als früher. Und auch der Transport kann öfter mal länger dauern. Wenn sie sich einfach mal die Containerraten und die Frachtzeiten von China nach – das ist ja so typisch, China-Europa – das hat sich teilweise ja verdoppelt oder verdreifacht. Das heißt, da ist eher eine Herausforderung, dass der Transportweg deutlich langsamer oder deutlich länger geworden ist – also nicht länger von den Kilometern, sondern die Transportzeit länger ist.“
Und noch etwas anderes bekommt Putzmeister zu spüren: Seit einiger Zeit ist nämlich der Chipmangel ein großes Problem. Das Beratungsunternehmen Goldman Sachs hat zum Beispiel 169 Branchen ausgemacht, die vom ständigen Chipmangel betroffen sind. Das fängt bei Computern und Smartphones an, geht über medizinische Geräte bis in die Automobilindustrie. Und da sind wir dann plötzlich auch bei Putzmeister.
O-TON Bürtel: „Wir benötigen ja für unsere Betonpumpen Lkws und die Lkw-Hersteller haben keine Chips, so dass wir nicht in dem Maße die Lkws in der Zeit bekommen, wie wir sie benötigen. Das ist natürlich eher kritisch. Und die Lieferzeiten auch der Lkw-Hersteller werden zusätzlich auch noch länger. Wir sind ja in einem Geschäft unterwegs, sagen wir mal, wenn unsere Kunden, unsere Bauunternehmer, die sind ja an Ausschreibungen beteiligt. Und wenn die einen Zuschlag bekommen für ein Bauprojekt, sind auch sehr hohe Konventionalstrafen oft vereinbart. Und die Bauunternehmen, die benötigen dann eigentlich gestern die Betonpumpe. Also wir müssen auch die gängigsten Modelle ständig auf Lager haben.“
Das aber bedeutet wiederum ein größeres Risiko fürs Geschäft als früher. Denn wir reden nicht über zwei oder drei große Lastwagen, die Putzmeister sich ins Lager stellen müsste.
O-TON Bürtel: „Im Prinzip müssen jetzt sagen wir mal 400 Lkw bestellen oder 500. Sie wissen aber nicht, wie sich die Konjunktur entwickelt. Und dann haben sie unter Umständen mal 400 oder 500 Lkws auf dem Hof stehen und keine Abnehmer dafür. Den Spagat oder dieses Risiko müssen sie eingehen.“
Seit 2012 gehört Putzmeister zur chinesischen Sany-Gruppe. Der Maschinenbauer ist mit seinen 40.000 Mitarbeitern international vor allem mit Baumaschinen wie Baggern und Kränen unterwegs und auch mit Windkraftanlagen. In der Heimat aber auch mit Betonpumpen. Zusammen mit Putzmeister wurde Sany vor zehn Jahren zum größten Hersteller von Betonpumpen weltweit – und die beiden Riesen im Betongeschäft machen sich jetzt keine Konkurrenz mehr.
Dafür muss Putzmeister auf seinen Märkten in vielen Ländern vor allem gegen die Billig-Konkurrenz aus Asien immer wieder ankämpfen, sagt Ingo Bürtel. Viele Kunden schätzen zwar das Premiumprodukt von Putzmeister. Sie schätzen die Servicequalität und die schnelle Ersatzteilversorgung, wenn mal etwas ausfallen sollte. Denn ein längerer Ausfall einer Betonpumpe auf einer Baustelle kann schnell richtig teuer werden.
Aber natürlich schauen viele Käufer von Betonpumpen auch auf den Preis.
O-TON Bürtel: „Es ist halt so ein Preiswettbewerb weltweit. Und die günstigeren Maschinen, die kommen aus China, aber auch aus Korea. Und mit diesem Wettbewerb sind wir konfrontiert. Die Betonpumpe ist ein Nischenmarkt. Sagen wir mal Bagger, die werden in vielen Ländern der Welt hergestellt. Betonpumpen nicht unbedingt. Es gibt nur wenige Länder, wo eine Betonpumpe hergestellt wird, die auf einem Lkw montiert ist.“
Um auch in Zukunft die Kunden an sich zu binden, spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle.
O-TON Bürtel: „Nachhaltigkeit insofern, weil wir haben schon teilweise Maschinen – insbesondere fing das in Skandinavien an – haben wir so genannte Hybrid-Betonpumpen, die wohl über den Dieselmotor des Lkw angetrieben werden oder auch über einen separaten Elektromotor, der in der Betonpumpe jetzt mitinstalliert wurde. Und auf der Baustelle, dort wird die lokale Stromversorgung der Motor der Betonpumpe angetrieben.“
Ideen gibt es noch genug. Es geht nicht nur darum, den Beton immer noch höher auf die nächsten Rekord-Wolkenkratzer zu bringen.
Bei Putzmeister fragt man sich schon seit längerem, was noch so alles geht. Ob es der Betondruck ist, mit dem schon die ersten Häuser aus dem 3D-Drucker entstanden sind – hier forscht das Unternehmen auch selbst. Genauso wie in der Frage, wie zum Beispiel die Hersteller von Beton-Fertigteilen künftig mit Putzmeister-Pumpen noch effizienter arbeiten könnten.
Und davon abgesehen: Gebaut wird immer, hat Ingo Bürtel ja gesagt. In jedem Fall sehen sowohl er als auch die Kreissparkasse optimistisch in die Zukunft des Betonpumpen-Anbieters aus dem schwäbischen Aichtal.
DROP
Schön, dass sie bis hier wieder dabei waren.
Beim nächsten Mal nehme ich sie mit auf eine Reise noch höher hinaus.
Und zwar WIRKLICH hoch.
Selbst der Burj Khalifa in Dubai, an dem auch Putzmeister beteiligt war und der mit seinen 828 Metern immer noch der höchste Wolkenkratzer der Welt ist, sieht von da oben winzig aus.
In der nächsten Folge geht’s nämlich mit einem deutschen Start-up vom Bodensee hinaus in den Weltraum.
Ich freue mich, wenn Sie dann wieder dabei sind.
Bis dahin, machen Sie’s gut.