Zukunftsfähig durch Nähe: Die Regionalstrategie der Bio Company
Shownotes
Nachhaltigkeit ist bei der Bio Company kein Add-on, sondern Teil der DNA. Diese Folge zeigt, wie aus einem einzigen Berliner Bio-Supermarkt ein regional verankerter Pionier mit heute rund 60 Filialen wurde – getragen von klaren Werten, echter Regionalität und konsequent nachhaltigem Wirtschaften.
Vorständin Daniela Feldt erzählt, wie bewusster Konsum, kurze Lieferketten, faire Partnerschaften und soziale Verantwortung das Unternehmen geprägt haben. Warum Regionalität ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist. Und weshalb Wachstum nicht um jeden Preis sinnvoll ist.
Eine Folge über Haltung, Mut zur Veränderung und ein Geschäftsmodell, das Zukunft ernst nimmt.
Produziert von der podcast 360 GmbH ww.podcast360.de
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Skript: Bio Company – Mit Regionalität und Nachhaltigkeit zum Erfolg
O-TON: „…“
Jingle INTRO
Im November 1999 eröffnet in Berlin ein besonderer Supermarkt. Auf den knapp 300 Quadratmetern sind ALLE Produkte bio. Was damals mit dem Beginn der Bio Company für viele noch nach einem absoluten Nischen-Geschäft ausgesehen haben dürfte, wurde eine Erfolgsgeschichte.
Der damalige Gründer verkaufte für das Startkapital sogar seinen alten Mercedes – und das stellte sich als eine gute Investition heraus. Denn nach dem ersten Laden kam ganz schnell der zweite, dann der dritte, vierte, fünfte und inzwischen sind wir bei knapp 60 Filialen.
Und immer noch dreht sich alles um Bio, um Nachhaltigkeit und um Regionalität.
Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts und einer echten Erfolgsbilanz eines Unternehmens.
Jingle CLOSER
Bald 18 Jahre ist Daniela Feldt inzwischen schon bei der Bio Company. Sie ist eine von zwei Vorständinnen und damit Chefin von heute rund 1.650 Beschäftigten. Aus dem kleinen Bio-Supermarkt ist längst ein ausgewachsenes Unternehmen geworden. Eine der größten regionalen Biosupermarktketten mit insgesamt 35.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – hauptsächlich in und um Berlin.
O-TON Feldt: „Wir sind ein rein biologischer Supermarkt, ein Vollsortimenter, wo Sie vom Toilettenpapier bis zur Tiefkühlpizza alles finden, was biozertifiziert ist.“
Das war die Vision, die den damaligen Gründer Georg Kaiser dazu brachte, sich von seinem Mercedes zu trennen. Und für diese Vision brennt auch Daniela Feldt. Und zwar nicht nur, weil es ihr Job ist, sondern …
O-TON Feldt: „Weil Bio-Lebensmittel und nachhaltige Produktion und Erzeugung ein wichtiges Thema für uns und unsere nachfolgenden Generationen ist. Gesunde Ernährung, gesunde Landwirtschaft, gesunde Produktion hat absolute Ausstrahlung oder Abstrahlung für unsere Erde, für den Erhalt von Landwirtschaft, Natur und Tiere, so für unsere Kunden.
Nachhaltigkeit ist einer der ganz zentralen Begriffe in der Bio Company. Genauso wie Regionalität. Denn mehr als einhundert Lieferanten kommen aus der Region. Ob zum Beispiel Landwirte, die das Gemüse oder Obst liefern. Bäcker, die aus der Region kommen und ihrerseits auf Getreide setzen, das keine weiten Wege transportiert wird, sondern in der Nähe wächst. Bier oder Limonade aus der Region, genauso wie Milch oder Eier. Und natürlich auch das Fleisch aus dem eigenen Tochterunternehmen Biomanufaktur Havelland.
Das alles hat natürlich seinen Preis. Und der liegt bei so manchem Produkt spürbar über dem, was Kunden von Billig-Discountern bezahlen. Mit denen aber will sich Daniela Feldt auch nicht messen lassen. Für sie geht es um den Wert, den ein Artikel hat. Und wer sich zum Beispiel Milch- oder Fleischpreise ansieht, der muss sich schon fragen, ob so mancher Preis da wirklich den echten Wert widerspiegelt, meint Feldt.
Denn ein wertvolles Produkt habe nun mal seinen Preis. Deswegen müsse es trotzdem nicht teuer sein. Statt immer nur auf den günstigsten Preis zu achten, solle man bewusster einkaufen und damit sowohl sich als auch der Umwelt etwas Gutes tun, empfiehlt Feldt. Sie ist überzeugt, dass das unterm Strich deshalb nicht deutlich teurer sein muss.
O-TON Feldt: „Ich brauche auch nicht im Winter Erdbeeren. Das ist ja nicht saisonal und nicht gelebt. Das muss ich auch dazu sagen. Was braucht man und was ist wirklich, was tut uns, unserem Körper und der Erde und den Böden gut? Eine Regionalität, eine Saisonalität und ein bewussterer Konsum. Umsonst hat man nicht früher Sonntagsbraten gesagt. Umsonst wurde nicht eingeweckt, weil es halt im Winter keine Erdbeeren, keine Kirschen gab. Das ist jetzt plötzlich alles sofort verfügbar. Unser Bild von Konsum hat sich doch in den letzten Generationen so stark gewandelt. Von meiner Kindheit zu jetzt, das ist doch ein Riesen-Quantensprung. Es ist alles sofort verfügbar, weil der Kunde oder der Konsument die sofortige Verfügbarkeit sich wünscht. Aber ist das dann auch sinnvoll und ist es der Natur und der Erde und unserem Konsum gerecht – Fragezeichen?“
Trotzdem stellt sich natürlich für den einzelnen Verbraucher immer wieder die Preisfrage. Für die einen mehr, für andere vielleicht weniger. Und auch wenn der berühmte Werbeslogan „Geiz ist geil“ schon vor fast 20 Jahren ausgedient hat – aber so manche Preisschlacht gerade im Lebensmittelhandel vermittelt den Eindruck, dass es immer noch darum geht, so viel wie möglich zu sparen.
O-TON Feldt: „Der Preis, den zahlen wir erst hinterher. Für jetzt unser Konsumieren und jetzt unser Wirtschaften. Und das ist so erschreckend, dass das viel nicht bewusst ist. Man soll im Hier und Jetzt leben, das ist klar. für unsere Kinder oder für unsere enkeltaugliche Zukunft müssen wir immer das Zukunftsbild betrachten. Wo steuern wir mit unserem jetzigen Wirtschaften und Konsum hin?“
„Gut ist geil“ – so hat die Berliner Zeitung Anfang 2005 mal einen Artikel über die Bio Company überschrieben. Und zumindest in der Tendenz hatte der Autor damals sogar recht. Denn damals lag der Umsatz des Handels mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland immerhin schon bei gut drei Milliarden Euro. Im Jahr 2024 waren es zuletzt rund 17 Milliarden. Das macht immerhin schon einen Marktanteil von 6,3 Prozent am gesamten Lebensmittelumsatz aus.
Aus der kleinen Nische ist eine große Nische geworden. Aber viele Menschen setzen dann doch immer noch aus unterschiedlichen Gründen eben NICHT auf Bio-Produkte. Und der Preis ist dabei durchaus ein Argument. Allerdings meint Feldt: Jeder müsse sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Denn ALLES habe seinen Preis.
O-TON Feldt: „Weil wenn ich spare, haben unsere Großeltern schon mal gesagt, zahlt man doppelt. Ich muss doch sinnvoll wirtschaften, sinnvoll Geld ausgeben und nicht immer das Günstigste ist das Geste. Weil man muss auch immer gucken, was bewirkt das, so eine Investition in Geiz oder günstig. Die Dinge sind nicht ordnungsgemäß hergestellt. Wir zahlen den Preis für Umweltschäden in zehn Jahren. Ich zahle den Preis für Ausbeutung und Unterdrückung in den Ländern, wo es produziert wird, weil die Leute abwandern und sich bessere Zukunft vorstellen. Ich zahle den Preis dafür, dass wir dann andere Gesetze brauchen, um Dinge einzudämmen. Also der Preis ist zwar in dem Moment für das Gefühl toll, ich sage jetzt nicht das andere Wort, aber der Preis zahlen wir erst ganz spät hinterher. Und wir möchten keinen bekehren, das müssen wir auch gar nicht. Ich muss mich auch mit keinem Discounter vergleichen, sondern wenn man zu uns kommt, ein Brot, einen Käse kauft, dann weiß man, warum man bei uns reingeht und einen gewissen Preis zahlt. Und wir sind ja nicht teuer, sondern wir haben gute Produkte zu einem guten Preis, Einstiegsmarken, die können wir mit vielen anderen standhalten. Und ich brauche weniger Lebensmittel, dafür konsumiere ich bewusst und damit gebe ich im Nachhinein dasselbe aus, als wenn ich da meinen Wagen vollschlage, weil es günstig ist. Dieselbe Thematik auch gesundheitsmäßig. Das hat ja auch Auswirkungen, so eine Ernährung auf meine Gesundheit, mein Wohlbefinden, meine Leistungsfähigkeit. Also das gibt ganz viele Preise, die ich dann danach… oder Resultate, die danach kommen für die Zukunft, als in diesem Moment.“
Dazu kommt, dass viele Menschen hierzulande auch Wert auf andere Dinge legen. Denn selbst diejenigen, die nicht jeden Cent umdrehen müssen, geben deswegen noch längst nicht mehr Geld für hochwertige Lebensmittel aus. Nirgendwo in der Europäischen Union liegen die Ausgaben prozentual gesehen so niedrig wie bei uns.
Denn die Deutschen geben gerade mal gut elf Prozent ihres Geldes für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus. Der EU-Durchschnitt liegt schon zwei Prozent höher. Die Spanier zum Beispiel geben sogar gut 20 Prozent aus. Und die Unterschiede sind nicht allein nur mit den besonders niedrigen Preisen in Deutschland zu erklären.
Wir sparen, wo es nur geht und greifen auch im europäischen Vergleich besonders häufig zu Angeboten. Unter anderem eben auch, weil das Thema Ernährung nicht denselben Stellenwert hat, wie in manchen anderen Ländern.
O-TON Feldt: „Zum Beispiel, wenn Sie jetzt in unseren Nachbarländern schauen, wie Österreich, oder ich sag mal Frankreich, Italien, Spanien, da steht Lebensmittel und guter Genuss ganz weit oben. Bei uns zum Beispiel in Deutschland ist, wenn man durch Studien auch sieht, wofür wir Geld ausgeben, sind das Autos, sind das, Digitalgeräte und viele andere Sachen. Da sind Lebensmittel ganz weit unten. Also ich glaube, wir sind nicht die wirkliche Genuss- und Bewusstseinsgesellschaft, sondern wir haben eher materielle Themen, die wir bevorzugen, als zum Beispiel unsere Mitstreiter in Italien und Frankreich als Beispiel. Da steht der Genuss ganz weit oben und da wird auch wirklich gut investiert in Lebensmittel, denn ist das total wichtig. Aber es liegt glaube daran, dass wir auch mit Kartoffeln aufgewachsen sind statt mit anderen Themen. Das muss man einfach dazu sagen. Wo liegt das Herz der Gesellschaft? Sonnenverwöhnt, Frankreich, da gibt es Fisch, gibt es tolle Lebensmittel, da gibt es tolle Weine. Da ist vieles da auch in Italien, eine Vielfalt, was auf diesem Land wächst. Ich glaube, das muss man auch sehen, da liegen die Gewichtungen unterschiedlich in den Gesellschaften.“
Daniela Feldt ist allerdings davon überzeugt, dass sich das bei uns im Laufe der Zeit weiter verändern und die Tendenz zum Beispiel zu immer mehr Bio-Lebensmitteln anhalten wird. Wenn es auch langsam geht, aber das sei nur eine Frage der Zeit.
Im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte haben sich auch die Bio Company-Geschäfte ganz schön verändert. Nur so konnten das Geschäft expandieren. Viele kleine und große Transformationen waren nötig, denn auch die Kundenbedürfnisse haben sich immer weiter gewandelt – und im Vergleich zu früher verändern sie sich immer schneller, ist Feldt überzeugt.
O-TON Feldt: „Und somit auch müssen wir schneller auf die Kundenbedürfnisse reagieren. Wir hatten eine Zeit lang das Thema Milchalternativen, jetzt ist das Thema Nahrungsergänzungsmittel. Auch im Markt müssen wir dem Sorge tragen, dem Kundenbedürfnis… und auch flexibel Themen umstellen, sei es im Produktangebot oder auch im Ladenbild. Und das hat sich schon verändert sozusagen. Das Kundenbedürfnis ist ein anderes als das vor 20 Jahren. Wir sind jetzt knapp dieses Jahr 26 Jahre am Markt und das ist schnelllebiger geworden. Die Trends sind schnelllebiger geworden. Es muss manchmal fancy sein oder manche Themen müssen einfach besonders sein oder einzigartig sein. Wir merken, wenn wir diese Themen wahrnehmen und umsetzen, dass wir einen Run auf unsere Aktionen haben. Zum Beispiel waren wir die ersten, die eine Bio-Trüffelpizza eingeführt haben, die wir ausverkauft monatelang immer wieder in den Läden. Oder halt Themen … mit besonderen Croissants, wo selbst Franzosen gesagt haben, ist besser als in Paris. Also wir tragen dem Sorge und das ist halt schnelllebiger. Wir müssen Produktinnovation schneller umsetzen und schon schneller vorausdenken. Also das ist für mich mit die größte Transformation: zu sagen, schnellere Erneuerungen, schnellere Trends und die müssen sich auch in unserem Ladenbild und unserer Produktpalette widerspiegeln und dem Kunden müssen das auch nahe gebracht werden. Wir sind von der Papierwerbung gekommen vor 20 Jahren und haben jetzt alles digital, das auch ein Riesentransformationsprozess.“
Allerdings hat in der Bio Company-Geschichte nicht immer alles einwandfrei geklappt, was man sich vorgenommen hat. Nach der Gründungsphase war aus dem Unternehmen nämlich auch zu hören, dass man langfristig eine bundesweite Präsenz anstreben will. Tatsächlich eröffnete die Bio Company im Laufe der Jahre nicht nur in und um Berlin immer mehr Supermärkte, sondern auch in Dresden und Hamburg. In der Hansestadt waren es zeitweise sogar fünf Standorte.
Vor gut zwei Jahren aber entschied man sich, die Hamburger Märkte an einen Mitbewerber abzugeben, der sich auf den norddeutschen Markt konzentriert. Und genau das will auch die Bio Company, sagt Vorständin Daniela Feldt. Sich auf die Region konzentrieren und nicht etwa Wachstum um jeden Preis erzielen. Vom Expandieren aufs ganze Bundesgebiet ist aktuell keine Rede mehr. Und das sei auch gar nicht nötig.
O-TON Feldt: „Unser USP ist die Regionalität und die Frische. Und Stärken Stärken sein lassen. Und was wir im Vergleich zu anderen Mitbewerbern, ich sage jetzt mal im Biosupermarktsegment, ist, wir haben im Vergleich zu den anderen ein großes frisches Sortiment und verbunden mit der Regionalität. Bei uns kommen von den Themen fast 150 Produkte oder was das Frischesegment betrifft, aus der Region. Kurze Lieferwege, nachhaltige Lieferwege. Unser Brot wird mit den Mehl aus der Region gebacken. Joghurt und Eier kommen komplett aus der Region. Und da, wo wir angesiedelt sind, kommen auch Dinge aus der Region. Wir haben auch Läden in Dresden. Und da ist das Angebot beim Bäcker oder auch beim Joghurt oder beim Eiersegment anders als in Berlin. Und deswegen möchten wir es auch nicht aufs große Bundesgebiet ausweiten, weil wir unsere Frische in der Qualität anbieten wollen, mit der Regionalität und es muss dazu passen. Und ich finde, wenn wir das gut machen und ein Segment im Nordosten von Deutschland als Marke bekannt sind, ist viel geschaffen. Und damit kann ich unsere Region beleben, kann ein verantwortungsvolles Wirtschaften umsetzen, die enkeltaugliche Landwirtschaft mit unseren Bauern aus der Region vorantreiben und noch für eine gesunde, gemeinwohlorientierte Zukunft einzahlen. Weil groß ist nicht immer gut. Und ich finde, wir haben genauso Partner, regionale Supermarktpartner in anderen Bundesgebieten wie in Bayern oder im Westen von Deutschland, im Norden von Deutschland, wo wir uns auch mal wieder austauschen und die machen das genauso wie wir. Und warum soll ich da einen Verdrängungsmarkt herbeiführen? Das ist kein nachhaltiges Wirtschaften. Das würde nicht unseren Werten entsprechen und auch nicht der Systematik des nachhaltigen Wirtschaftens.“
Nachhaltigkeit spielt für die Bio Company-Chefin auf vielen Ebenen eine zentrale Rolle. An sich selbst hat sie zum Beispiel den Anspruch, nur im stationären Handel und nicht online einzukaufen. Auch wenn das nicht immer ganz so bequem ist. Aber genau das sei der Punkt, sagt Feldt. Wer nachhaltig leben möchte, der müsse als erstes bei sich selbst anfangen. Und das sei natürlich nicht immer bequem.
Über das eigene Konsumverhalten, über die Bedürfnisse und die Bequemlichkeit nachdenken und an der einen oder anderen Stelle Schritt für Schritt etwas verändern. Das fängt beim Einkaufsbeutel an, den viele dann im Geschäft eben doch nicht dabei haben – obwohl zu Hause zig Beutel in irgendeiner Schublade schlummern.
O-TON Feldt: „Damit fängt es schon an. Immer zu fokussieren, bei einem selbst fängst es doch an, nicht bei den Unternehmen. Die kann man erziehen, aber man selbst muss erst mal mit der Nachhaltigkeit beginnen als Konsument, um dann die Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Wenn Sie zum Beispiel beim Einkauf hinterher schon mal die ganze Verpackung bei den gewissen Branchengrößen da lassen würden, müssten die jede 20 Minuten ihre Pappe- und Plastik-Behältnisse wechseln. Wenn man das als Kunde konsequent machen würde, da würde man damit schon Umdenken erreichen …“
… aber bisher nehmen die meisten Kunden ihren Verpackungsmüll eben dann aus Bequemlichkeit doch erst mal mit nach Hause. Auch deshalb tut sich wenig, wenn es um das Vermeiden von Verpackungen geht. Viele Kunden sind bequem – und viele Unternehmen machen es sich einfach.
Für die Bio Company wäre es zum Beispiel auch bequem gewesen, beim Kaffee zum Mitnehmen einfach weiterhin auf den Einweg-Pappbecher zu setzen – natürlich immerhin aus Recyclingmaterial. Stattdessen aber hat man sich schon vor vielen Jahren entschieden zu sagen, nein, das ist der falsche Weg. Auch wenn so mancher Kunde vielleicht gar keine Lust auf ein Mehrweg-Pfandsystem hat, aber der Einwegbecher wurde verbannt.
O-TON Feldt: „Der Kaffeebecher ist ein ganz wichtiges Thema. Wir haben uns lange überlegt, schaffen wir komplett Einweg ab und haben nur noch diesen Mehrwegbecher mit Pfandsystem. Das war für uns ein Riesenschritt, weil wir auch bewusst damals im ersten Schritt auf Umsatz verzichtet haben. Aber warum tun wir das? Weil die Nachhaltigkeit bei uns mit einer der größten Werte ist. Und es ist auch genau das richtige Handeln, weil wir dadurch auch Ressourcen schonen. Und Verpackung ist immer wieder ein Thema, zur Innovation zu gehen. Wir bieten in unseren Frischetheken, Fleisch-/ Wursttheken und auch Käsetheken eine Mehrwegbox an. Die kann man immer wieder mitbringen und auch die eigene Box mitbringen und wir befüllen diese Box. Und der Kunde spart Papier und Verpackungen enorm dadurch, indem man durch seine eigene Box dazu beiträgt. Aber die Nachhaltigkeit fängt nicht bei Dritten an, sondern bei uns selbst. Und Herr Sauerwein, seien Sie doch ganz ehrlich, da muss man doch an vieles denken. Wenn ich jetzt einkaufen gehe und denke, jetzt muss noch die Box mitbringen, das ist ein Stück Bequemlichkeit, was ich abgebe und ein bisschen vorausschauend handle. Und das ist uns schon sehr wichtig.“
Ja – ich gebe zu, diese Bequemlichkeit führt wohl auch bei mir häufig dazu, dass ich eben nicht so nachhaltig handele, wie ich eigentlich vielleicht könnte. Damit bin ich nicht allein, sondern so dürfte es vielen gehen. Und auch das ist natürlich keine Entschuldigung. Es ist, wie Daniela Feldt sagt: Nachhaltigkeit ist nicht bequem.
Nachhaltigkeit ist allerdings auch weit mehr als Verpackungen oder Umweltschutz. Natürlich hat nachhaltiges Wirtschaften eine zentrale ökologische Komponente. Ressourcen schonen, Abfall minimieren und genauso auch Emissionen senken, um einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen.
Dazu kommt eine ökonomische Komponente, wenn es zum Beispiel um langfristige Rentabilität geht und eben nicht um kurzfristige Gewinne. Aber Nachhaltigkeit bedeutet noch mehr – auch für die Bio Company.
O-TON Feldt: „Das ist richtig und das ist auch ein schöner Aspekt, den Sie gerade anbringen. Weil Nachhaltigkeit hat nicht nur mit Verpackung zu tun. Nachhaltigkeit bedeutet auch soziale Nachhaltigkeit. Füreinander einstehen und auch in der Belegschaft ein Miteinander zu erwirken. Das ist uns sehr wichtig, das auch einer unserer Werte, dass miteinander arbeiten und wirtschaften. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass man sagt, viel zu bieten für den Mitarbeitenden, dass er sich gesehen fühlt, dass wir sozial miteinander umgehen. Und wir haben auch einen Verhaltenskodex innerhalb der Unternehmung. Wir haben 54 Nationen, die bei uns arbeiten, miteinander friedlich arbeiten – wenn es bei uns geht, wieso geht es im Großen und Ganzen nicht? Das Thema auch Diversität, das Thema Minderheiten, und so weiter. Das wird bei uns miteinander friedlich gelebt und jeder ist ein Teil des großen Ganzen. Und jeder hat seine Stärken, die wir nehmen und in einer Gruppe zusammensetzen. Es ist auch wieder immer herausfordernd, sozial nachhaltig zu sein. Das wissen Sie, das weiß ich. Aber das Miteinander trägt uns einfach, weil wir da auch einen Hort von Stabilität erzeugen sozusagen. Weil ich möchte, dass meine Mitarbeiterinnen kommen und wissen, was sie erwartet. Was sie erwartet an Werten, an Prozessabläufen und am Wirtschaften füreinander. Plus, dass Nachhaltigkeit auch gelebt wird in unseren Abläufen, in den Märkten und in der Zentrale sozusagen im Büroalltag.“
Das macht sich schon im Kleinen bemerkbar. Wenn es zum Beispiel natürlich kein Mineralwasser mehr aus der Kiste gibt, sondern einfach gefiltert aus dem Wasserhahn. Es bedeutet unter anderem aber auch, dass sich die Beschäftigten beteiligen dürfen und sollen, sagt Daniela Feldt.
Sie sollen eigene Ideen einbringen und das Unternehmen gestalten. Zum Beispiel, wenn neue Dinge bei der Bio Company vorangetrieben werden sollen – dann werden so genannte Kreativräume geschaffen. Die Beschäftigten sind dann aufgerufen, sich zu engagieren und ihre eigene Kreativität einzubringen, um sich zu beteiligen.
Neben den engagierten Mitarbeitern und selbstverständlich guten Produkten braucht ein Unternehmen wie die Bio Company aber im Laufe der Jahre immer wieder noch jemanden, auf den es setzen kann. Sei es in Krisenzeiten, von denen wir zuletzt ja gleich eine ganze Reihe hatten. Oder auch wenn es um Wachstum und entsprechend beispielsweise um Investitionen geht.
Bei der Wahl der richtigen Bank als Partner ihres Unternehmens spielen für die Bio Company-Vorständin Daniela Feldt ähnliche Faktoren eine Rolle, wie auch in anderen Bereichen ihres Unternehmens.
O-TON Feldt: „, Banken gibt es viele, aber ich finde es wichtig, als regionales, verankertes Unternehmen, brauche ich verlässliche Partner. Und Nachhaltigkeit heißt auch für mich lange Partnerschaften. Ob es bei den Erzeugungen und Lieferanten sind, die die meisten seit 25 Jahren mit uns zusammenarbeiten, oder auch bei den Banken. Ich brauche einen Co-Piloten, der mich in guten wie in schlechten Zeiten begleitet und auch unser Business und auch unsere Region versteht. Und dafür steht auch für mich die Sparkasse, weil sie durch ihre Regionaldirektionen die Region und die Unternehmer einfach versteht. Weil sie in der Region verwurzelt ist, die einen Vibe, die Intention oder auch die Menschen dort gut kennt und damit auch manchmal ganz andere Unterstützung oder auch Ansichten bietet als eine Großbank, die ich sag mal weltweit global agiert. Und das ist uns sehr wichtig und dafür steht für mich die Sparkasse als regionaler Sparringspartner für große regionale Projekte, die sie immer mit Begeisterung aufnimmt und auch prüft und auch immer das große Ganze sieht für die Region den Mehrwert. Dafür steht für mich die Sparkasse als verlässlicher Partner.“
Damit kommen wir so langsam zum Schluss dieser Folge über die Bio Company. Gestartet im Jahr 1999 mit einem kleinen ersten Geschäft – heute mit knapp 60 Filialen und einem Jahresumsatz von mindestens 200 Millionen Euro der drittgrößte Bio-Supermarkt in Deutschland. Ausgezeichnet mit vielen Preisen, zum Beispiel auch dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis.
Das klingt doch nach einer Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann. Aber wie sieht es die Chefin selbst? Was macht für sie die Erfolgsbilanz der Bio Company aus?
O-TON Feldt: „Einerseits macht unsere Erfolgsbilanz aus, dass wir unseren Beitrag zur Förderung von nachhaltiger Ernährung und regionalen Wertschöpfungsketten leisten und eine verlässliche ökologische Nahversorgung in Berlin, Brandenburg und Sachsen gewährleisten. Und unsere Erfolgsbilanz sind unsere Produzenten, Kundinnen und Mitarbeitenden sozusagen. Weil wir sind stetig gewachsen. Und das ist eine Erfolgsbilanz für uns. Wir haben keinen Stillstand. Sei es im Marktwachstum, im Produktwachstum, im Eigenmarkenwachstum, das ist eine Erfolgsbilanz. Immer wieder neue Dinge dazuzufügen für das große Ganze.“
Das war’s für diese Folge – danke an Daniela Feldt für die Einblicke in ihr Unternehmen – und danke auch Ihnen fürs Reinhören und Dranbleiben.
Noch mehr Infos finden sie natürlich auch zu dieser Folge in den Shownotes.
Machen Sie’s gut.