Gastfreundschaft neu gedacht: Ein Hotelbetrieb digitalisiert sich - Insellust Betreiber GmbH & Co. KG
Shownotes
In dieser Folge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der „Insellust“ auf Borkum – einer Hotel- und Ferienwohnungsgruppe, die zeigt, wie Digitalisierung im Gastgewerbe wirklich geht.
Sören Hüppe, Betriebswirt und Gründer, erzählt, wie er als Quereinsteiger ein altes Diakonieheim übernahm – und daraus ein Vorzeigeprojekt für modernes Hotelmanagement gemacht hat. Heute betreibt er über 400 Betten, plant eine eigene Gastronomie und denkt selbst Housekeeping mit KI ganz neu.
Erfahren Sie, wie durch kluge Softwarelösungen, nachhaltige Technik und echte Kundennähe auf Borkum ein Betrieb entstand, der zeigt, was im Tourismus der Zukunft möglich ist.
Zu Gast:
Sören Hüppe, Geschäftsführer – Insellust Betreiber GmbH & Co. KG www.insellust-borkum.de
Malinde Busemann, Unternehmenskundenberaterin – Sparkasse LeerWittmund www.sparkasse-leerwittmund.de
Produziert von der podcast 360 GmbH ww.podcast360.de
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Skript: Insellust Borkum
O-TON: „…“
Jingle INTRO
Von Hotellerie und Gastronomie hatte Sören Hüppe ursprünglich überhaupt keine Ahnung. Heute ist er Chef eines Ressorts mit Hotel und Ferienwohnungen auf Borkum, das mehr als 400 Betten im Angebot hat.
Tendenz: Immer weiter wachsend. Und zwar nicht nur bei der Zahl der Betten. Demnächst eröffnet Hüppe seine erste eigene Gastronomie. Die Pläne für ein eigenes Schwimmbad liegen auch schon in der Schublade und noch einiges mehr.
Und da er eben kein typischer Unternehmer aus dieser Branche ist, hat er vieles dabei von Anfang an ganz anders gedacht. Digitalisierung spielt zum Beispiel eine ganz große Rolle in seinem Unternehmen – viel mehr als bei vielen anderen.
Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts – oder wie man auf der Insel sagt: Moin!
Jingle CLOSER
Nicht mal 5.000 Menschen leben fest auf Borkum. Die westlichste und größte der ostfriesischen Inseln als Heimat… als einer von diesen nicht einmal 5.000 Einwohnern – das hätte sich Sören Hüppe vor 15 Jahren noch nicht im Traum vorstellen können. Damals hat er noch Betriebswirtschaftslehre studiert und hatte eigentlich vor, in die Finanzbranche und vielleicht nach Frankfurt zu gehen.
Sein Vater hatte vorher schon als Architekt und Projektentwickler immer wieder Immobilien unter anderem auf verschiedenen Nordseeinseln gekauft und daraus Ferienwohnungen gemacht, um sie dann wieder zu verkaufen.
Das macht der Vater auch mit einer Immobilie auf Borkum und hat dann eine Idee, über die er mit seinem Sohn Sören spricht.
O-TON Hüppe: „Ich war im Studium und da sagte er, wir dürfen im Sommer eh nicht bauen. Das Haus war ein ehemaliges Diakonie-Heim und Familienferienstätte, war voll eingerichtet. Und dann hat er zu mir gesagt, ob ich das nicht im Sommer vermieten möchte. Weil das noch in der Entwicklungsphase war, also in der Planungsphase. Und so bin ich das erste Mal in meinem Leben nach Borkum gekommen, das war dann im Sommer 2010, und hab dann den Betrieb damals gemacht für drei Monate. Und dann im Genehmigungsverfahren stellte sich heraus, dass sie nicht alles zu Ferienwohnungen machen konnten, sondern nur ein Drittel und zwei Drittel sollten Hotel bleiben. Und mir hatte das Spaß gemacht und ich dachte mir, warum nicht? Ich war schon zum Ende meines Studiums und hab gedacht, komm, damit machst du dich selbständig und eröffnest ein Hotel auf Borkum. Und so fing das dann an. Wir haben das Haus dann 2010/2011 renoviert und am 1. Juni 2011 dann seinerzeit das Arthotel Bakker eröffnet.“
Anschließend kamen dann noch die ersten Ferienwohnungen dazu. Im Laufe der nächsten Jahre werden es von Winter zu Winter mehr Gebäude und die Zahl der Ferienwohnungen und damit die Zahl der Betten wächst immer weiter.
O-TON Hüppe: „So dass wir jetzt heute neben dem Arthotel Bakker mit seinen 45 Hotelzimmern 100 Ferienwohnungen und Appartements in der Vermietung haben. Und ein weiteres Gästehaus mit 16 Zimmern und jetzt gerade unsere Bakkerie eröffnen – also kurz vor der Eröffnung stehen im Mai – das ist unsere Gastronomie, die jetzt dazukommt … direkt nebenan.“
Und auch wenn Hüppe in seinem Unternehmen, der Insellust Betreiber GmbH & Co KG, vieles digitalisiert und automatisiert hat, gehört er inzwischen auch zu einem der durchaus schon etwas größeren Arbeitgeber auf der Insel, die nicht nur eine oder zwei Handvoll Beschäftigte haben, sondern noch ein paar mehr. Auch da: Tendenz weiter steigend.
O-TON Hüppe: „Insgesamt haben wir knapp über 400 Betten, die wir jetzt bei uns haben. Das teilt sich auf 165 Unterkünfte auf, jetzt gerade kriegen wir noch mal acht Unterkünfte dazu, also sind wir irgendwo bei 420-425 Betten. Dazu kommt natürlich der Gastronomiebetrieb, den wir jetzt eröffnen. Also jetziger Stand sind wir bei 32, wir werden aber Richtung Ende der Saison denke ich mal eher bei so 40 Angestellten sein.“
An dieser Stelle sprechen wir mal über das Besondere an einem Betrieb auf einer Insel, insbesondere Borkum. Denn vieles, über das man auf dem Festland gar nicht nachdenkt, ist nicht so selbstverständlich, wenn man rundherum die Nordsee hat. Zum Beispiel in Sachen Mitarbeiter.
Die können auf Borkum wegen der Entfernung zum Festland – und anders als bei anderen Nordseeinseln – kaum mit der Fähre zur Arbeit pendeln. Denn zwischen Emden und der Insel liegt die Fahrzeit in der Regel bei gut zwei Stunden pro Strecke.
Wer bei Sören Hüppe arbeitet, muss in der Regel also auch auf Borkum wohnen. Auf einer Insel mit begrenztem Wohnraum ist das allerdings nicht einfach – und nicht billig. Das ist einer der Gründe, warum der gelernte Betriebswirtschaftler Hüppe alles in seinem Betrieb genau durchdenkt und versucht, an jeder Stelle so weit wie möglich zu optimieren. Ganz egal ob im Hotel oder in der künftigen Gastronomie.
O-TON Hüppe: „Es ist am Ende dann auch so, dass wir die ganzen Prozesse betriebswirtschaftsmäßig durchleuchten – auch was die technischen Gegebenheiten angeht, was die Softwaresysteme angeht, was das Bestellwesen angeht, die Automatisierung im Hintergrund. Das hat auch bei uns im Hotel einen ganz, ganz großen Stellenwert. Weil wir auch dort sagen, wir wollen uns eigentlich so viel automatisieren wie möglich, damit wir uns Zeit nehmen können, um den Gast in den Mittelpunkt zu stellen. Weil wer sich einen Check-In-Prozess ansieht, das kennen wir alle im Hotel … die Person gegenüber macht dann irgendwas am PC und das dauert am Ende drei, vier Minuten, wo Sachen abgehandelt werden, davon kann man vieles automatisieren und daraus anderthalb Minuten machen. Aber diese anderthalb Minuten gibt man dem Gast – und zwar mit der vollen Aufmerksamkeit. In der Gesamtbetrachtung straffe ich alles und habe am Ende meiner Schicht noch mehr Zeit, den Gästen die Fragen zu beantworten, die wirklich wichtig sind. Und zwar, was es für Ausflugsziele gibt, wie das Wetter wird, also das, was der Gast in dem Moment eigentlich möchte und wofür ich die Zeit haben muss im Endeffekt.“
Mit möglichst viel Digitalisierung die Prozesse im Unternehmen zu optimieren, die Mitarbeiter zu entlasten und gleichzeitig die Kunden zufriedener zu stellen, das ist einer der Punkte, die Sören Hüppe bei seiner Insellust frühzeitig am Herzen lagen. Hotel und Ferienwohnungen nicht so betreiben, wie man es vielleicht immer schon gemacht hat, sondern so, wie es möglichst optimal geht. Das war sein Ziel.
Das hat auch Malinde Busemann von Anfang an fasziniert. Sie ist Unternehmenskundenberaterin bei der Sparkasse LeerWittmund und betreut die Insellust seit rund fünf Jahren.
O-TON Busemann: „Ja – also das Thema Digitalisierung ist bei dem Unternehmen unheimlich präsent und wird auch sehr gut gelebt. Weil wenn man sich beispielsweise nur mal die Homepage von denen anschaut, ist es total interessant, dass man die Hotelzimmer da nach Merkmalen buchen kann. Das heißt, wir stellen uns ja im täglichen Leben auch manche Sachen so zusammen, wie wir sie gerne haben möchten. Das gleiche kann man da quasi bei dem Urlaub entsprechend auch machen. Das heißt, man kann auswählen, wo möchte man nachher sein Zimmer haben, auf welcher Seite, welchen Ausblick möchte man haben, et cetera. Das heißt, die Hotelzimmer sind nicht einfach Hotelzimmer, sondern haben verschiedene Merkmale. Und dieses ganze Thema Bargeld beispielsweise ist auch bei dieser Unternehmensgruppe eigentlich gar nicht mehr präsent … oder kaum noch. Wenn überhaupt, vielleicht über irgendeinen kleinen Snackautomaten oder so, der da steht. Aber von der Buchung bis zum Ende ist alles durchdigitalisiert, was natürlich der heutigen Zeit auch irgendwo entspricht.“
Schon bei der Buchung setzt Hüppe Beispiel darauf, so viele Fragen wie möglich im Vorfeld zu klären – und zwar am besten online. Das kostet seine Mitarbeiter dann keine Zeit. Und die Gäste wiederum können im Voraus aus vielen Möglichkeiten auswählen, was ihnen besonders wichtig ist.
Sie können sich zum Beispiel entscheiden, welcher Bettentyp ihnen besonders wichtig ist. Soll es ein Doppelzimmer, Appartement, Familienzimmer oder Studio sein? Lieber ein Doppelbett mit zwei Matratzen oder doch ein Boxspringbett mit einer großen Matratze? Wollen sie lieber ein Zimmer in der Nähe zum Fahrstuhl oder möglichst weit entfernt? Lieber ein Balkon mit Mittagssonne oder der Blick auf den alten oder neuen Leuchtturm? Soll es ein normaler Balkon sein oder ein großer? Das Zimmer mit eingebauter Kitchenette oder allergikerfreundlich?
Aus all diesen und weiteren Kriterien wählt der Kunde im besten Fall vorab schon bei der Buchung direkt aus. Wenn er das online macht, ermöglicht ihm das häufig einen günstigeren Preis als bei telefonischer Buchung.
Die Zimmer werden so nicht erst vergeben, wenn der Gast ins Hotel kommt – was sonst häufig üblich ist – sondern der Gast weiß schon direkt bei der Buchung ganz genau, welches Zimmer er bekommt.
O-TON Hüppe: „Das ist bei uns möglich über unsere Buchungsmaschine. Das heißt, ich kann mir mein Zimmer so zusammenstellen, wie ich möchte. Habe ich keine Ansprüche, habe ich den günstigsten Preis. Je mehr Ansprüche ich anmelde, sehe ich, wie hoch der Match ist – also wie viel mir garantiert werden – und dann kann ich es auch buchen und habe dann aber natürlich einen höheren Preis. Und der Ansatz ist dabei vor allem auch die Gästezufriedenheit. Weil natürlich ist es so, dass wenn ein Gast kommt und er möchte kurzfristig noch buchen – wir haben eine unglaublich hohe Auslastung – und er wünscht sich unbedingt noch ein Balkonzimmer, kriegt aber angezeigt, es gibt kein Balkonzimmer mehr, dann weiß er das. Und er weiß auch ganz genau, ist das jetzt im Hochparterre oder vielleicht nur in der zweiten Etage und nicht in der vierten. Also ihm wird das ganz genau angezeigt und das hat unsere Gästezufriedenheit unglaublich erhöht.“
Aber längst nicht alles, was durch Digitalisierung im Hotel optimiert wird, bekommen die Gäste auch direkt zu spüren. So manches passiert im Hintergrund und verbessert die Arbeitsabläufe, ohne dass ein Besucher davon erfährt.
Zum Beispiel wenn es für das Housekeeping-Team darum geht, dass ein Zimmer natürlich nach ganz bestimmten Punkten für den nächsten Gast vorbereitet werden muss. Darüber wacht üblicherweise die Hausdame. Sie kontrolliert zum Beispiel, ob die Zimmermädchen alle Gästezimmer nach den Standards saubergemacht und die Betten entsprechend hergerichtet sind. Aber muss das heute tatsächlich noch so sein oder lässt sich das nicht auch digital und mit künstlicher Intelligenz über ein Handy lösen?
O-TON Hüppe: „Wir führen gerade eine neue Software ein, die bei uns insgesamt drei andere Softwaresysteme ersetzt. Und darüber hinaus aber auch den Ansatz bringt, dass ich zum Beispiel das Checken eines Zimmers … das heißt, die Hausdame kontrolliert am Ende, ob das Zimmer entsprechend gut gereinigt wurde und der Qualität entspricht. Da geht es jetzt so, dass diese Software in ihren Grundzügen das schon besitzt. Die Reinigungskraft – innerhalb dieses Reinigungszyklus, was sie in diesem Zimmer macht – hat sie eine Checkliste, arbeitet das ab und am Ende nimmt sie anhand dieses Handys den Zustand, den fertigen Zustand, auf. Indem sie es fotografiert beziehungsweise indem sie mit einem Video da durchgeht. Und damit vergleicht die Software automatisch im Hintergrund in Echtzeit, ob das dem Optimalzustand entspricht. Steht das Kissen richtig? Ist die Decke richtig aufgelegt? Und solche Sachen. Und damit muss die Hausdame nicht noch mal ins Zimmer und ich habe direkt protokolliert und gemeldet, dass das dem Zustand entspricht, wie wir es haben möchten.“
Das alles ist nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt entstanden.
Als das Arthotel 2011 in den Betrieb geht, sind die Gebäude erst mal nur gepachtet. Den alten „Charme“ von Diakonieheim und Familienstätte versucht man zwar mit vielen Designmitteln zu überdecken, aber letztlich bleibt es erst mal noch das alte Gebäude mit dem entsprechenden Innenleben. Das ändert sich, als im Jahr die Entscheidung ansteht: Will die Familie das Hotel kaufen oder nicht?
Denn die Insellust ist da schon längst ein Familienbetrieb. Sören Hüppes Vater als Architekt ist genauso mit im Boot wie seine Mutter, die mit viel Liebe für die Inneneinrichtung und das Design zuständig ist. Hüppes Schwester wiederum kümmert sich vor allem um die Ferienwohnungen. Und der Bruder ist unter anderem für die Baumaßnahmen zuständig.
Die Familie entscheidet sich also im Jahr 2021: Ja, wir wollen das Gebäude kaufen und modernisieren. Finanziell gelingt das mit der Hilfe der KfW, der Sparkasse und auch mit Förderungen durch die NBank – der Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist für Sören Hüppe und seine Familie klar: Wenn wir das machen, dann machen wir es aber auch richtig: modern und mit neuester Technik.
O-TON Hüppe: „Wir haben es komplett innerhalb von sieben Monaten in den Rohbauzustand zurückgesetzt. Also es stand nicht eine Wand da drin. Das ist ein Stahlbetonkern gewesen, gerade der – ich sag mal – Neubau aus ’72 war der und der Altbau, den wir hatten, der war von 1880. Aber wir haben wirklich alles rausgeholt und haben da eine komplett neue Gebäudetechnik eingebaut. Eine supernachhaltige Gebäudetechnik, wir haben daraus ein KfW-100-Haus gemacht. Mit Luftwärmepumpen und allem, was dazugehört und mit einer intelligenten Gebäudesteuerung. Also da fing das ganze System schon an, dass wir gesagt haben, wir wollen auch in unserem kleinen Segment eine Gebäudesteuerung machen, dass die Heizungssteuerung in den Zimmern über den Belegungsplan gesteuert ist. Das heißt, checkt ein Gast aus, fährt die Heizung runter. Kommt ein nächster Check-In, fährt die Heizung wieder hoch. Solche Kleinigkeiten … dafür mussten wir aber ein neues Softwaresystem haben. Mit diesem Softwaresystem kamen die nächsten Entscheidungen. Das so genannte REST Api, also eine offene Api, also eine offene Schnittstellen-Software. Wo man sich eben spezialisierte Softwaresysteme draufsetzen kann. Das ist wie im App-Store … also wer ein iPhone hat oder auch im Google Playstore, der weiß ja, für gewisse Bereiche kann ich mir eine App runterladen, die ist dann spezialisiert und das machen wir im Endeffekt auch. Haben dann aber auch festgestellt, dass wir zum Beispiel den Ansatz eines kompletten Gast-Journeys haben. Also dass der Gast mit dem Handy die Zimmertür öffnen kann … dass er mit dem Handy bezahlen kann … dass also eigentlich der Gast, der nicht an die Rezeption gehen möchte, es auch nicht muss.“
Im Laufe der Zeit wurden immer mehr der innerbetriebliche Prozesse in das so genannte operative Managementsystem einbezogen.
O-TON Hüppe: „Das heißt, das Housekeeping wird alles digital darüber gemacht. Die Gästewünsche über eine Concierge-App werden digital an die entsprechenden Abteilungen gemeldet. Das geht weiter über Hausmeisterdienstleistungen. Wenn man sich große Hotelketten anguckt, die können das inhouse lösen, die haben dann eigene Entwickler. Wenn man in der Individualhotellerie unterwegs ist, so wie wir, dann ist das ein komplett neues Feld.“
Natürlich kann man auch mal fragen, warum jemand diesen Aufwand betreibt?
Warum will jemand, der in dieser Branche vorher nicht wirklich Erfahrungen sammeln konnte und dessen Familie ebenfalls vorher nie selbst Hotels betrieben hat, unbedingt so schnell so vieles einfach ganz anders angehen als es viele Hoteliers schon seit Jahrzehnten machen?
O-TON Hüppe: „Finde ich schon fast ein bisschen schwer, das zu sagen. Das geht natürlich ganz tief in meine innere Überzeugung rein. Also das, was ich mache … ich bin eben schon auf der einen Seite ein Perfektionist. Ich lebe diese Produkt, ich bin deswegen aber kein Hotelier. Aber ich weiß nicht … wenn ich jetzt irgendwie in der …Finanzbranche wäre wahrscheinlich schwierig … aber wenn ich in einer anderen Dienstleistungsbranche unterwegs wäre, hätte ich wahrscheinlich diesen Ansatz auch. Dass ich eigentlich dem Gast, also für mich ist das die Hauptüberzeugung, ich möchte ein unglaublich gutes Produkt anbieten, ich möchte zufriedene Gäste haben, das ist das oberste Ziel mit unserem Team. Und dann bin ich jemand, der sich immer jeden Prozess auch minutiös genau anguckt und dann am Ende sagt, boah, können wir da noch was rausholen? Können wir dem Gast das noch schöner gestalten oder können wir uns auch – und das meine ich auch, das ist der Ansatz bei allen Mitarbeitenden im Betrieb – können wir den Job noch einfacher machen?“
Bei der Digitalisierung hat Hüppe auf jeden Fall schon sehr viel rausgeholt und vereinfacht, sagt auch Malinde Busemann von der Sparkasse LeerWittmund. Das sieht sie durchaus auch im Vergleich zu anderen Unternehmen, die vielfach noch längst nicht so weit sind wie die Insellust-Betreiber.
O-TON Busemann: „Ja, das ist schon so, dass Herr Hüppe da sehr fortgeschritten ist bei der Digitalisierung und auch ein stückweit führend ist. Es gibt natürlich auch noch Betriebe, die sich diesem Thema noch nicht so umfassend gewidmet haben. Wo man dann vielleicht noch einen beleghaften Zettel für die Gästebeiträge oder so ausfüllen muss … oder die Rechnung nachher per Post zugeschickt bekommt. Das ist bei der Insellust-Gruppe auf jeden Fall nicht mehr der Fall. Da greift viel ineinander und das funktioniert dann auch technisch und ich hab da auch noch keine Ausfälle oder ähnliches erlebt … das passt da sehr gut.“
Aber es sind nicht nur Unternehmen aus dem Gastgewerbe, die sich aus Sicht der Unternehmenskundenberaterin in Teilen auch heute immer noch schwertun mit der Digitalisierung. Auch in anderen Branchen gebe es durchaus noch Vorbehalte, wenn es darum geht, Prozesse soweit wie möglich zu digitalisieren und damit zum Beispiel effizienter zu werden und vieles zu vereinfachen.
O-TON Busemann: „Also ich glaube schon, dass viele noch nicht erkannt haben, was Digitalisierung für Chancen bietet. Wie leicht es einem dann auch fällt. Ich würde aber schon sagen, dass bei dem einen oder anderen das Vertrauen in die Digitalisierung auch noch nicht so gegeben ist. Weil man vielleicht irgendwo Angst davor hat, dass die Daten nicht vertraulich behandelt werden oder man irgendwie vor neuen Herausforderungen steht. Beziehungsweise wenn es mal zu Ausfällen kommen sollte, dass man nicht mehr unabhängig davon ist. Ich glaube aber, dass man vor diesem Thema einfach nicht davon laufen kann und dass es sehr, sehr wichtig ist, gerade damit man effizient ist in allem, was man tut und auch ein Zeitfaktor häufig auch einfach ist, den man mit berücksichtigen muss.“
Über die Risiken hat sich Hüppe mit seinen Leuten natürlich auch immer wieder Gedanken gemacht. Die Frage, die er sich dann unter anderem stellt: Ist das Risiko so groß, dass ich diesen Weg nicht gehe? Denn andere werden ihn wohl trotzdem gehen, egal wie. Da wolle er dann lieber der erste sein, der es probiert – auch mit allen Schwierigkeiten und Lerneffekten.
Dafür werde zum Beispiel die neue Software gerade mit den Anbietern auch so gebaut, wie er sich das vorstelle, sagt Hüppe. Wäre er später eingestiegen, hätte er mit dem fertigen Produkt leben müssen.
Natürlich müsse man aber darauf achten, dass die Systeme stabil und redundant laufen müssten, sagt der Unternehmer. Es brauche zum Beispiel gleich mehrere unabhängige Internetverbindungen, um das Risiko eines Ausfalls so gering wie nur irgend möglich zu halten. Und auch vor möglichen Angriffen von außen müsse man sich schützen, genauso wie auch die Daten sicher sein müssen. Aber bei der Abwägung aller Risiken kommt er einfach immer wieder zum selben Schluss: Die Vorteile sind den Aufwand wert.
Und der Aufwand ist groß, den Hüppe und seine Familie betreiben. Auch abseits aller Digitalisierung. Denn sie ruhen sich nicht auf den Ferienwohnungen und dem Hotel aus. Bisher gab es im Hotel nur Frühstück. In Kürze ist die erste eigene Gastronomie fertig – die Bakkerie.
O-TON Hüppe: „Also wir sind im alten Borkumer Stadtkern, das ist direkt gegenüber vom Rathaus, umgeben von ganz vielen Restaurationsbetrieben und da war eben der Fokus eben nie auf eine eigene Gastronomie gelegt. Durch den Kauf des Nachbargebäudes – vor knapp drei Jahren konnten wir das erwerben – fing dann eben der Denkprozess an, dass wir auch eine Tagesgastronomie mit integrieren. Das bedeutet für uns jetzt erst mal, dass wir nicht nur von acht bis elf Frühstück haben, sondern wir gehen dann über in einen Tagesgastronomiebetrieb, der jetzt bis 17:30 stattfinden wird. Mit Kleinigkeiten, die wir dort anbieten. Das ist so ein ganz neues Segment, das sich für uns eröffnet. Wir waren ja auch nie Hoteliers, also das mussten wir uns irgendwie aneignen und auch lernen. Und so denken wir auch die Gastronomie noch mal von einer ganz anderen Seite. Wir kriegen zum Beispiel eine Küche ohne Töpfe und Pfannen. Also das ist also mit … im Zweifel dieses böse Wort „Convenience“ … die aber aus einer Manufaktur geliefert werden, also nach unserer eigenen Rezeptur hergestellt werden, die wir auf die Insel bringen. Und auch dort denken wir eben ein wenig anders, so wie wir es im Hotel eigentlich auch schon immer getan haben.“
Auf dem Festland hat Hüppe eine Manufaktur gefunden, die das Essen für die Bakkerie zubereitet. Denn er wollte keine typische Industrieware. Die schockgefrosteten Convenience-Produkte werden komplett im Zero-Waste-Verfahren geliefert. Also alles in Mehrwegbehältern und mit hoher Bioqualität, sagt Hüppe.
Das Essen kommt dann immer zusammen mit der frischen Wäsche für das Hotel. Denn auf der Insel gibt es bisher noch keine Großwäscherei. Die wollte Hüppe übrigens eigentlich auch schon längst selbst gebaut haben, aber das ist noch mal ein anderes Thema. Vielleicht kommt die dann noch in den kommenden Jahren.
Bis dahin aber baut das Insellust-Team gerade eine also eigene kleine Logistiklinie auf. Ein- bis zweimal pro Woche soll künftig der Anhänger per Fähre mit frischer Wäsche für das Hotel auf die Insel kommen – und eben auch mit dem Essen aus der Manufaktur. Das wird dann in der Bakkerie im Konvektomaten gefinisht und dann den Gästen serviert.
Aber die Frage, die sich natürlich sofort stellt: Warum?
Warum macht jemand eine Gastronomie auf und verzichtet dabei aber auf die klassische Küche. Warum kein Koch oder Köchin?
O-TON Hüppe: „Es gibt natürlich viele Gründe. Also Köche findet man einfach fast überhaupt nicht mehr auf dem Markt. Da kann man noch so eine gute Arbeitermarke sein. Das ist so ein Punkt. Dann ist man natürlich superabhängig von der Qualität des Kochs. Also was hat er auf dem Kasten, das zu kochen? Dann hat man sich diesen Ruf erarbeitet und dann gibt’s eine Fluktuation und dann hat man wieder die nächsten Schwierigkeiten. Dann ist es natürlich so, wenn man eine Vollküche einrichtet, dann braucht man mindestens drei bis vier Leute. Und so, wenn ich jetzt finishe, brauche ich anderthalb im Endeffekt im Schnitt für den Tagesbetrieb. Das bedeutet immer Personalwohnen. Auf allen Inseln ist das extrem – überall ist es schwer – aber auf den Inseln natürlich aufgrund des begrenzten Wohnraums und auch auf der Fläche extrem schwierig und extrem teuer. Und deswegen müssen wir immer schauen, wie kriegen wir das anders gelöst. Und natürlich auch eine gewisse Abhängigkeit. Also ich bin kein Koch und könnte nicht einspringen. Und wenn ich nicht einspringen kann und an der Pfanne stehe und das selber zubereite, dann muss ich eben eine andere Lösung finden. Und so sind wir dann auf den Markt gegangen, haben einen Anbieter gefunden, der uns im Endeffekt genau das präsentiert. Und so entwickeln wir dann unser Personal, was wir jetzt schon haben in dem Bereich, mit denen entwickeln wir dann das weiter, die Produktpalette entwickeln wir weiter. Wir gehen in Workshops aufs Festland und lassen uns dahingehend schulen, dass wir das dann auch so Hundertprozent umsetzen können. Und entscheidend ist die Qualität der Produkte. Weil, wenn es ein Industrieprodukt ist … ich will jetzt nicht sagen, dass die schlecht sind, aber das ist nicht unser Qualitätsanspruch … für uns ist es eben ganz wichtig, dass wir dort eine Manufaktur haben, die uns das genau so herstellt, wie wir das wollen. Und am Ende wird es schön präsentiert und rausgegeben, so dass der Gast das im Endeffekt eigentlich gar nicht merkt.“
Obwohl die Gäste sogar sehen können, was in der offenen Küche passiert. Die profitieren von der Zubereitungsart, weil das Essen auch im Preis konkurrenzfähig sein soll, sagt Hüppe. Auch hier macht sich wieder seine Denkweise bemerkbar, alles möglichst optimiert zu gestalten. Ein konkurrenzfähiger Preis sei aber nur machbar, wenn möglichst alle Prozesse so straff wie möglich seien.
O-TON Hüppe: „Und deswegen auch gerade unser Ansatz, der Nachhaltigkeitsansatz Zero-Waste. Das heißt, wir reduzieren bei uns den Müll und auch die Überfahrt so maximal … wo wir zum nächsten Thema kommen, das betrifft nicht nur die Küche, das betrifft auch die Getränke. Wir haben zum Beispiel eine Schankanlage, in der wir alles im Endeffekt ohne Flaschen ausgeben. Das heißt, ein Schankbalken, so wie man es auch kennt aus zum Beispiel dem Gastronomiebetrieb mit dem großen M … die haben dann auch solche Ausgabesituationen, wo es auf Sirupverfahren rausläuft oder aber Fassware. So dass wir eben sagen, wir wollen eigentlich möglichst gar keine Kisten auf die Insel haben, die als Leergut wieder zurückgehen. Weil das alles Platzbedarf ist. Platzbedarf auf der Fähre, auf dem Lkw und Platzbedarf bei uns in der Gastronomie. Und das wollen wir soweit reduzieren, dass wir auch unseren CO2-Fußabdruck minimieren.“+
O-TON Busemann: „Nachhaltigkeit ist für die Insellust-Familie total wichtig. Die gucken schon darauf, dass die gerade auf der Insel, wenn man da auch einen geschützten Naturraum hat, wie zum Beispiel das Wattenmeer, dass man das auch für zukünftige Generationen erhält. Und denen ist natürlich daran gelegen. Auch zum Beispiel durch die Sanierungen der Gebäude, wo die auch trotzdem die inseltypische Bauweise erhalten, da auch nachhaltig beitragen, dass dieser Lebensraum irgendwo erhalten wird…“
… sagt Unternehmenskundenberaterin Malinde Busemann von der Sparkasse LeerWittmund.
So, wir müssen langsam mal zum Schluss kommen … auch wenn ich Ihnen noch jede Menge mehr erzählen könnte über die neue Gastronomie oder über die Digitalisierung rund ums Hotel und und und ….
Allein in den vergangenen vier Jahren haben Hüppe und seine Familie rund 25 Millionen Euro in die Insellust-Gruppe investiert. In das Hotel, neue Ferienwohnungen oder das neue Gebäude für die Gastronomie und den damit verbundenen kompletten Umbau.
Und das MUSS jetzt auch schnellstmöglich spätestens im Mai fertig werden. Denn ein paar Wochen Verzögerung wären eine finanzielle Katastrophe, sagt Hüppe. Dann geht nämlich eine ganze Saison verloren.
Denn – und auch das ist auf der Insel anders als auf dem Festland – hier ist das Bauen nicht nur schätzungsweise 30 Prozent teurer; hier gilt von Juni bis September auch die so genannte Lärmschutzverordnung von Borkum. Wegen der Urlaubsgäste dürfen generell keine Bautätigkeiten stattfinden – außer leise im Innenbereich.
Das war auch schon bei allen anderen Sanierungsarbeiten eine echte Herausforderung. Denn dann, wenn auf dem Festland oft am meisten gebaut wird, nämlich in der warmen Jahreszeit, geht auf Borkum nix.
O-TON Hüppe: „Warum auch einfach, ne? Ist jedes Mal eine Herausforderung. Bisher haben wir es auch immer geschafft, auch diesmal werden wir es schaffen … muss eben sehr, sehr gut geplant sein.“
Apropos Pläne … die hat Hüppe auch schon für die nächsten Jahre in der Schublade. Ein Schwimmbad ist das nächste Projekt. Rund 14 Meter lang, dazu ein Kinderbereich, Sauna und Massageräume plus Garten mit Naturschwimmteich.
O-TON Hüppe: „Um uns für den Winter besser aufstellen zu können. Als Hotelbetrieb ist das unglaublich wichtig, dass wir diese Attraktivierung hinbekommen. Weil wenn man so viel Geld investiert in ein Objekt, auch in die energetische, nachhaltige Betreibung, dann kann das nicht im Winter mit 15 Prozent ausgelastet sein. Sondern dann müssen wir einfach aufgrund der Personalquote und auch der Personalkostensteigerungen oder der Kostensteigerung generell im Winter bestenfalls auch 50-60 Prozent Auslastung haben. Und das geht nur – da kennen wir uns ja alle selber – wenn man auch eben sowas wie ein Schwimmbad dabei hat.“
Langweilig dürfte es somit auch der Unternehmenskundenberaterin Malinde Busemann wohl in den kommenden Jahren mit der Insellust und Sören Hüppe wohl kaum werden.
O-TON Busemann: „Wir haben viel Vertrauen am Anfang auch gehabt in grundsätzliche Planungen, wo er uns aber in den vergangenen Jahren auf jeden Fall gezeigt hat, dass das funktioniert und ich bin gespannt, was da in den nächsten Jahren auch passiert…“
… und psst, aber da könnte tatsächlich noch so einiges passieren rund um die Insellustgruppe auf Borkum. Da denkt man zum Beispiel auch schon über eine Indoorspielhalle für Kinder nach … und dann könnte man ja auch noch ein kleines eigenes Fitnessstudio gebrauchen … oder Seminarräume … und selbst, wenn das alles umgesetzt wäre, dürfte Sören Hüppe wohl noch was Neues einfallen. Schließlich ist er erst 36 Jahre alt – da hat er noch einiges an Zeit.
Das war’s für diese Folge, schön, dass sie wieder dabei waren.
Noch mehr Infos zum Thema finden sie wie immer in unseren Shownotes.
Ich freue mich, wenn sie in der nächsten Folge wieder reinhören – in die spannende Geschichte und Erfolgsbilanz eines weiteren Unternehmens.
Bis dahin, machen Sie’s gut.