Vom Kugellager zur digitalen Supply Chain: Ludwig Meisters Erfolgsgeheimnis - Ludwig Meister GmbH & Co. KG
Shownotes
In dieser Folge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen von Ludwig Meister, einem technischen Großhändler, der die Digitalisierung genutzt hat, um sich neu zu erfinden. Von einem klassischen Ersatzteilhändler zu einem Vorreiter in Sachen Automatisierung und smarter Logistik – die Transformation des Unternehmens ist beeindruckend.
Elisabeth Meister, Geschäftsführerin in dritter Generation, erzählt, wie innovative Ansätze und ein digitaler Fokus dazu beitragen, nicht nur die Branche mitzugestalten, sondern auch den steigenden Herausforderungen wie Fachkräftemangel und globalen Krisen zu begegnen. Begleitet wird sie von Florian Kaltner von der Sparkasse Dachau, der spannende Einblicke in die Rolle von Finanzierung und strategischer Planung gibt.
Erfahren Sie, wie Ludwig Meister mit Weitsicht, Mut und neuen Technologien den Großhandel revolutioniert – eine Geschichte über Wandel, Chancen und die Zukunft des Mittelstands.
Zu Gast: Elisabeth Meister, Geschäftsführerin - Ludwig Meister GmbH & Co. KG Ludwig Meister - Ihr Partner im technischen Handel
Florian Kaltner, Abteilung Firmenkundenbetreuung - Sparkasse Dachau https://www.sparkasse-dachau.de/de/home.html
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Skript: Ludwig Meister: Mit Digitalisierung fit für die Zukunft
O-TON: „…“
Jingle INTRO
Wir haben in diesem Podcast schon über viele Unternehmen gesprochen, bei denen die Digitalisierung eine mehr oder weniger wichtige Rolle gespielt hat.
Die Firma, um die es heute geht, wäre ohne eine rechtzeitige Digitalisierung vielleicht jetzt schon nicht mehr überlebensfähig – oder zumindest stünde sie vermutlich bald vor dem Ende.
Denn dass Ludwig Meister aus Dachau ein riesiges Angebot von mehr als 2,5 Millionen Artikeln für unterschiedlichste Unternehmen im Programm hat – das reicht heute allein nicht mehr aus, um am Markt zu bestehen.
Heute aber sich das Unternehmen dank der Digitalisierung nicht nur mit der Konkurrenz messen, sondern steht als einer der Großen in der Branche da, der sogar gerade erst für seine Innovationskraft ausgezeichnet wurde … und man blickt trotz aller Krisen und Herausforderungen in der Welt optimistisch in die Zukunft.
Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.
Jingle CLOSER
Schauen wir aber erst mal kurz auf ein anderes Unternehmen: Wie würde wohl Amazon heute aussehen, wenn Jeff Bezos nicht frühzeitig begriffen hätte, welche Möglichkeiten die Digitalisierung für sein Unternehmen bietet?
Für viele Kunden ist es heute selbstverständlich, dass sie vom Sofa aus mal eben irgendein beliebiges Produkt in den digitalen Warenkorb legen, vorher noch durch jede Menge Infos, Videos oder Kundenrezensionen stöbern können… und nach dem Klick auf Kaufen klingelt in der Regel meistens schon am nächsten oder übernächsten Tag der Paketbote.
Dabei macht man sich überhaupt keine Vorstellung davon, welche Logistik dahintersteckt – und welche Datenmengen verarbeitet werden müssen, damit das alles im besten Fall reibungslos klappt – bis hin zur Retoure, wenn mal was nicht gefällt.
Um Amazon soll es heute zwar nicht gehen, aber man bekommt vielleicht zumindest eine kleine Idee davon, was wohl gewesen wäre, wenn Jeff Bezos schon beim Start als Online-Buchhändler vor gut 30 Jahren nicht klar gewesen wäre, wie elementar wichtig die Digitalisierung sein wird.
Im bayerischen Dachau, da sitzt das Unternehmen Ludwig Meister. Das werden wohl viele von Ihnen erst mal nicht kennen. Und das ist auch nicht schlimm. Ludwig Meister ist ein technischer Großhändler, der Produkte für alle möglichen Industrien liefert.
Unter anderem könnte man vereinfacht sagen: Wenn sich etwas in einer Maschine oder in einer Fabrik zum Beispiel etwas bewegt, dann sind die Chancen gut, dass die Dachauer da irgendwo ihre Finger im Spiel gehabt haben könnten. Antriebstechnik, Werkzeugtechnik oder Fluidtechnik sind unter anderem ihr Geschäft – und die mehr als 15.000 Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen der produzierenden oder verarbeitenden Industrie, sagt Geschäftsführerin Elisabeth Meister.
O-TON Meister: „Also ich mach mal ein paar Beispiele: Ganz bekannt – oder da hat auch jeder ein Bild vor sich – sind Stahl- und Papierwerke, wo diese ganz großen Walzen sind, die sich drehen. Da sind ganz große Wälzlager drin. Und das ist eine Sparte von unseren Kunden. Aber das geht auch hin bis zu ganz kleinen Produkten. Also bis rein in die Medizintechnik. Jeder kennt Zahnarztbohrer oder so Hubtische beim Zahnarzt oder die Stühle, die hoch und runterfahren, da sind dann Hubsäulen zum Beispiel drin. Und auch das sind Produkte, die wir verkaufen. Also von ganz groß bis ganz klein. Und zwar von medizinischen Produkten bis hin zu Stahl, Papier, Automobilzulieferer sind natürlich große Kunden von uns, aber auch Lebensmittelhersteller und Produktionsstraßen für zum Beispiel Getränkeabfüllanlagen und so weiter.“
Mit dem klassischen Wälzlager fing die Geschichte des Unternehmens im Jahr 1939 an. Elisabeths Großvater hatte vor der Gründung selbst bei einem Hersteller von Wälzlagern gearbeitet. Was das überhaupt ist – naja, viele nennen das umgangssprachlich einfach Kugellager. Auch wenn längst nicht immer nur Kugeln drin sind. Solche Lager funktionieren je nach Bauform zum Beispiel auch mit Rollen statt Kugeln im Inneren … oder mit Nadeln.
Ludwig Meister hat erst mal als reiner Ersatzteilhändler begonnen: eben für Wälzlager … und auch für Fahrzeugteile. Sehr schnell übernimmt dann dessen Sohn – der Vater von Elisabeth Meister – das Unternehmen und baut es zum Großhändler aus.
Im Laufe der Jahrzehnte verschwinden die Fahrzeugteile aus dem Portfolio, dafür kommen Werkzeuge und immer mehr andere Dinge dazu, die Ludwig Meister heute zu einem der führenden Großhändler und Dienstleister in seiner Branche gemacht haben – mit rund 300 Mitarbeitern – und mit über 2,5 Millionen lieferbaren Artikeln für die Industrie.
O-TON Meister: „Und unsere Produkte reichen sozusagen von dem klassischen Wälzlager, was das wichtigste Antriebselement aus unserer Sicht ist und unser erstes Produkt ist, was wir verkauft haben, über den gesamten Industriebedarf bis hin zur Fluidtechnik, also pneumatische und hydraulische Komponenten.“
Anfang der 2000er Jahre steigen Elisabeth und ihr Bruder Max in das Unternehmen ein und inzwischen führen beide das Geschäft gemeinsam in einem hart umkämpften Markt.
O-TON Meister: „Natürlich haben wir ganz viele Wettbewerber tatsächlich. Es sind hart umkämpfter Markt, ist auch ein Markt, der unter einem starken, also Wettbewerbsdruck, Preisdruck steht, und es ist so: es gibt wahrscheinlich drei Arten von Wettbewerbern, das eine sind lokale, also eher Firmen, die einen Standort und sehr lokal die Industrie und das Gewerbe vor Ort versorgen. Ich glaub, da sind wir tatsächlich oftmals sehr gut aufgestellt, weil wir einfach eine sehr moderne, sehr zuverlässige Logistik und IT-Infrastruktur haben. Und trotzdem sind es natürlich Wettbewerber, die an die gleichen Bedarfe herangehen. Dann gibt es Wettbewerber, die sind überregional, also entweder im süddeutschen Bereich oder in ganz Deutschland. Und es gibt auch europäische Wettbewerber, also die in mehreren europäischen Ländern oder in allen Standorten haben und mehr oder weniger ein ähnliches oder zumindest ein vergleichbares Sortiment verkaufen und vertreiben. Und dann gibt es natürlich den dritten Bereich. Das ist die ganze E Commerce Bereich. Also auch hier gibt es viele Investitionen in dem Bereich, und da gibt es auch ganz neue Wettbewerber, die versuchen reinzukommen in unsere Branche und das teilweise auch schaffen, teilweise nicht so, teilweise auch nur vielleicht für bestimmte Bereiche, also für einen Bereich unseres Sortiments.“
Wie in vielen anderen Branchen auch, stellt sich deshalb auch hier seit längerem die Frage: Wie geht es in Zukunft weiter? Wie können wir uns so aufstellen, dass uns die Konkurrenz nicht irgendwann komplett vom Markt fegt?
Denn Amazon hat es selbst vorgemacht: Gestartet als Online-Versand für Bücher sind heutzutage längst viele Geschäfte weltweit durch Amazon und auch durch andere ähnliche Anbieter oder Marktplätze in die Knie gezwungen worden. Und auch wenn man zum Beispiel ein Wälzlager vielleicht nicht unbedingt bei Amazon bestellt – aber die Konkurrenz schläft nicht. Auch bei den Onlinehändlern.
O-TON Meister: „Die jetzt sich tatsächlich drauf spezialisieren, nicht eben den Endverbraucher, also den Konsumenten, zu bedienen, sondern versuchen, B2B Geschäft aufzubauen. Das heißt also Firma zur Firma und ja klar, das sind auf jeden Fall sehr ernstzunehmende Wettbewerber. Weshalb wir uns seit vielen Jahren mit dem Thema E Commerce, mit dem Thema Automatisierung, Digitalisierung, Standardisierung und gleichzeitig aber auch einer ganz starken Kundenzentrierung beschäftigen.“
Das Unternehmen Ludwig Meister muss sich dabei aber nicht nur mit der Konkurrenz auseinandersetzen, sondern auch mit den Veränderungen in der Industrie. Denn die Kunden, mit denen Elisabeth Meisters Großvater und auch noch ihr Vater viele Jahrzehnte zu tun hatten, sind heute längst nicht mehr dieselben. Da hat sich viel getan und entsprechend muss sich das Unternehmen als Großhändler auch immer wieder anpassen und rechtzeitig reagieren.
O-TON Meister: „Die deutsche Industrie verändert sich ja ganz stark und hier muss man eben schauen, dass man die Industrien, die es hier gibt, auch tatsächlich gut betreuen kann. Das heißt, wir haben hier im süddeutschen Raum tatsächlich ein sehr großen Vorteil aus meiner Sicht, weil wir sehr große Maschinenbauunternehmen haben, also Firmen, die große Maschinen bauen, sogenannte Hidden Champions in ihren jeweiligen Bereich. Das ist natürlich eine mittelstandsgeprägte, sehr starke Industriestruktur, die sich zwar verändert hat und natürlich auch in Niedriglohnländer abwandert und so, aber die trotzdem hier schon noch stark verwurzelt sind, und das ist eine schon, würde ich sagen, wesentliche Veränderung, dass dieser Sektor an Kunden für uns deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Früher gab es sehr viele Firmen, auch, wo wir in die Instandhaltung hinein geliefert haben. Das hat sich einfach ein bisschen verändert, aufgrund einfach der Industriestruktur, die sich verändert hat.“
Diesen Industrien muss Ludwig Meister einen zuverlässigen Service bieten und schnellstmögliche Lieferungen gewährleisten – und das bei einem steigenden Kostendruck
O-TON Meister: „Und insofern war für uns schon wichtig, dass wir im Bereich Automatisierung und Digitalisierung auf der einen Seite für unsere Kunden einen sehr, sehr guten Service anbieten, also eine transparente Versorgung ihrer Werke oder ihrer Standorte schaffen. Und gleichzeitig auch bei uns eine Entkopplung hinkriegen, dass wir nicht für mehr Umsatz immer viel mehr Mitarbeiter brauchen, sondern dass wir hier auch selber an unserer eigenen Effizienz arbeiten.“
Nach außen sichtbar wird die Digitalisierung beim Großhändler schon ganz offensichtlich inzwischen durch einen großen Webshop, in dem selbstverständlich alle Artikel aufgelistet sind. Ganz einfaches Beispiel: Bin ich als Kunde zum Beispiel auf der Suche nach einem bestimmten Kugellager, dann finde ich auf der Webseite ein riesiges Angebot.
Dort kann ich über allen möglichen technischen Eigenschaften dann genau bestimmen, was ich benötige – Innen- und Außendurchmesser, Breite, Belastbarkeit und so weiter.
Dazu gibt es technische Zeichnungen oder auch die Möglichkeit, einen Ansprechpartner zu kontaktieren, um noch weitere Punkte abzuklären, bevor ich den Artikel mit einem Klick in meinen Warenkorb lege und dann kaufe.
Das ist allerdings nur das Offensichtliche – denn im Hintergrund sind dafür bei Ludwig Meister viele Dinge im Laufe der Jahre optimiert und angepasst worden, die man als Kunde nicht sehen kann. Denn als im Jahr 2017 der Webshop gelauncht wurde, ging nicht nur darum, den Kunden die Möglichkeit der unmittelbaren und unkomplizierten Bestellung zu geben, weil man das eben heutzutage braucht.
O-TON Meister: „Für uns war die Grundvoraussetzung, dass alle an diesem Verkaufsprozess angeschlossenen Prozesse davor und danach … dass die komplett miteinander verzahnt sind. Das heißt, wenn sie heute, Herr Sauerwein, auf unserem Webshop ein vorrätiges Wälzlager sich aussuchen wollen würden und das bestellen würden, dann fahren circa 20 bis 30 Minuten später bei uns in der Logistik die Roboter los und bereiten sozusagen die Kommissionierung ihres Auftrages vor. Das heißt, da gibt es kein manuelles Einschreiten mehr in den Prozess, und insofern war der Webshop aus unserer Sicht mehr ein Digitalisierungsvehikel, weil wir alle vor und nachgelagerten Prozesse digitalisiert und automatisiert haben.“
Mit der dritten Führungsgeneration im Unternehmen haben Elisabeth und Max Meister da in den vergangenen gut 20 Jahren zwar viele entscheidende Schritte gemacht. Aber die Grundlagen dafür wurden schon vorher gelegt.
Es war nicht das ganz große Rad, das im Unternehmen ganz plötzlich gedreht wurde, weil jeder auf einmal von Digitalisierung und Automatisierung gesprochen hat, sondern ein Prozess. Das sagt Florian Kaltner. Er ist Firmenkundenberater bei der Sparkasse Dachau und betreut den technischen Großhändler seit einigen Jahren.
O-TON Kaltner: „Grundsätzlich ist das ein Thema, glaube ich, was viele Unternehmen betrifft, aber Ludwig Meister eben früher auch schon erkannt hat. Es muss Wachstum geben, ohne die Fixkosten großartig auszubauen. Und ich glaube, da ist hier das Thema Digitalisierung ein ganz großer Punkt, wo man sagt, man schafft dieses Ziel zu erfüllen, wenn man die dementsprechende Digitalisierung auch angreift. Was das Unternehmen per se hier auszeichnet und wo ich auch sage, das wurde früh erkannt, wenn man einfach mal historisch reinschaut ins Unternehmen 1979, das muss man sich auf der Zunge mal zergehen lassen, hat Ludwig Meister das erste EDV System eingeführt. Also ich möchte jetzt mal behaupten, 1979, ich glaube, wir haben hier in der Bank noch parallel Buchungen auf Papier gemacht. Also hier ist glaube ich erkennbar, wie früh sich da auch schon nicht nur die dritte Generation, sondern tatsächlich hier auch schon die vorherige Generation Gedanken gemacht hat und das ziehen sie konsequent bis heute durch.“
Die Grundlagen dafür sieht Elisabeth Meister in der – wie sie es nennt – Kultur-DNA des Unternehmens.
O-TON Meister: „Also wir haben nie, also vor allem mein Vater oder meine Eltern, die haben sich nie gescheut, große Summen in das Unternehmen zu investieren, und das hat schon geholfen. Also wir haben schon in den 70er Jahren unser erstes Warenwirtschaftssystem eingeführt, da haben viele noch mit Karteikästen gearbeitet zum Beispiel. Also das war für uns schon wesentlich das war sozusagen einfach in der DNA unseres Vaters oder unserer beiden Eltern – unsere Mama war ja auch hier im Unternehmen beschäftigt – das war einfach immer klar, wir investieren viel ins Unternehmen und wir wollen schon auch Innovationsführer in unserer Branche sein, und das sind wir tatsächlich bis heute. Ich glaube, auf europäischer Ebene werden wir im Bereich Digitalisierung und Automatisierung – und das soll überhaupt nicht arrogant klingen – aber ich glaube, da werden wir oft genannt, einfach weil wir sehr früh angefangen haben. Und das ist vielleicht der zweite Kulturbereich bei uns: Wir haben wirklich uns zur Aufgabe gemacht, Dinge nicht – also natürlich wohl überlegen und abwägen und sich angucken – aber nicht bis ins allerletzte Detail durchdenken und durchsieben, Consultingfirmen durchjagen sozusagen, sondern einfach mal anfangen und machen. Und wenn man dann nämlich anfängt und macht, dann ist nämlich der erste Schritt schon mal gemacht und dann fällt der zweite deutlich leichter und der Dritte auch und dann gewinnt das so eine gewisse Dynamik und ich glaube, das war ein bisschen unser … das steckt sozusagen in uns drin, und vielleicht haben das mein Bruder und ich auch einfach mitgebracht.“
Insgesamt ist Ludwig Meister heute an sieben Standorten in Süddeutschland aktiv. Den Stammsitz hatte das Unternehmen jahrzehntelang in München. Ende der 1990er Jahre entschied man sich dann für einen Umzug nach Dachau – unter anderem, weil man eine schnellere und bessere Autobahnanbindung brauchte.
Bei der Finanzierung des Neubaus der neuen Firmenzentrale in Dachau hat die Sparkasse bei der Finanzierung eines zweistelligen Millionenbetrags eine wesentliche Rolle gespielt. Dabei ging es nicht nur um ein neues, dreigeschossiges Bürogebäude, sondern auch um eine große Logistikhalle. Und die ist inzwischen, wie Elisabeth Meister ja schon erwähnt hat, voll automatisiert.
Mit möglichst viel Innovationskraft voranzuschreiten, darin sieht Florian Kaltner eine der großen Stärken von Ludwig Meister.
O-TON Kaltner: „Wir haben hier ein Unternehmen mit zweieinhalb Millionen Produkten im Portfolio, wo ich sage, das würde ohne diese Innovationskraft heutzutage mit den Kosten, die in Form von Energie, in Form von Personal, in Allgemeinkosten einfach unter Druck stehen, würde es gar nicht anders funktionieren. Und ich glaube, dass hier Ludwig Meister einfach ein perfektes Beispiel dazu ist, wie man eben durch Optimierung, Innovationskraft eben dieses Thema eine Produktvielfalt mit sieben Standorten, mit entsprechender Mitarbeiteranzahl, entsprechend miteinander vereint. U nd neben dem Thema Digitalisierung und Automatisierung schwebt natürlich ein anderes Wort noch mit her: der Fachkräftemangel. Und ich glaube, gerade wenn man hier den Mitarbeitern zeigt, ihr braucht euch keine Gedanken machen um euren Job, auch wenn wir Digitalisierung, Automatisierung hier vorantreiben: Ihr habt einen sicheren Arbeitsplatz, ihr seid uns auch wichtig. Dann kann man diesem Thema Fachkräftemangel vielleicht dahingehend ein bisschen entgegenwirken, dass man hier dieses Thema Fachkräftemangel gewissermaßen einbinden kann.“
Denn mit der Automatisierung ging es dem Unternehmen nicht darum, Mitarbeiter einzusparen, sagt Elisabeth Meister, sondern vielmehr darum, die eigenen Fachkräfte, die man hat oder frisch dazugewinnen kann, möglichst so zu beschäftigen, dass sie auch morgen noch gerne bleiben wollen.
Der Fachkräftemangel allein ist für viele Branchen ja schon Herausforderung genug – aber gerade in den vergangenen Jahren hatte man es auch bei Ludwig Meister mit so vielen Krisen, Risiken und Herausforderungen zu tun, wie man sich das früher kaum vorstellen konnte.
Manche Industriezweige verändern sich rasant, Branchen wandern aus Deutschland oder Europa ab. Dazu Konjunkturkrisen, Corona, Energiekrisen, Lieferkettenprobleme … und gerade erst ein Wahlergebnis in den USA, das manchen nervös macht … und Neuwahlen in Deutschland, bei denen man auch nicht weiß, was anschließend dabei rauskommt und was das alles für die Wirtschaft bedeutet. Heieiei … da kann man schon ins Grübeln kommen…
O-TON Meister: „Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Natürlich ist es genau das, wo wir natürlich a) abhängig sind von und wo wir natürlich b) schon genau gucken, wie entwickelt sich das, was sind die Industrieschwerpunkte, die hier vielleicht Sinn machen, hier auch zu bleiben. Müssen wir als Unternehmen tun, damit wir an dem dran sind? Ein bisschen schwer tue ich mich mit dem – Sie haben das gerade als Eieiei, was wird hier passieren – damit tu ich mich ein bisschen schwer, weil die Politik im ganz Großen kann ich nicht beeinflussen. Ich kann auch nicht alle Industrieunternehmen in Deutschland beeinflussen. Das wäre auch irgendwie … ich kann das auch gar nicht genau absehen. Das einzige, was ich machen kann, ist, dass ich ein positives Beispiel bin dafür, dass Investitionen in Deutschland Sinn machen, dass man unternehmerisches Leben hier auch gestalten und leben kann. Und das versuche ich eigentlich mehr. Also ich versuche, mehr positive Impulse zu geben und auch vorzuleben und mich nicht ganz so von den ganz großen Entwicklungen negativ emotional negativ beeinflussen zu lassen.“
Das heißt nicht, dass ihr zum Beispiel die Entwicklungen nicht auch Sorgen machen. Welche Folgen die nächsten vier Jahre unter einem US-Präsidenten Donald Trump für den Export und die deutsche Wirtschaft haben, ist noch nicht absehbar. Aber das kann sie eben nicht ändern, sagt Elisabeth Meister. Also muss sie sich mit den Dingen beschäftigen, die sie selbst beeinflussen kann.
O-Ton Meister: „Durch Digitalisierung und Automatisierung versuchen wir, Umsatzwachstum von Kostenwachstum und Kosten – da sind auch tatsächlich Investitionen in Personal natürlich mit drin, weil das Fixkosten sind – das müssen wir entkoppeln. Dadurch können wir sozusagen mit Schwankungen im Umsatz besser umgehen, deutlich besser umgehen, als wir das noch in den Neunzigern und auch 2000er Jahren, 2010er Jahren konnten… also das hat uns auf jeden Fall geholfen und bestätigt uns auch, dass der Weg da der richtige ist. Und alles andere muss man halt so machen, wie es kommt. Also Corona, da hat er auch keiner von uns irgendeine Ahnung, wie geht man damit um, wenn auf einmal die Mitarbeiter nicht mehr hier arbeiten dürfen. Und dann muss man eine Entscheidung treffen und dann haben wir halt innerhalb von – ich meine, keine Ahnung 48 Stunden – um die 100 Laptops ausgestattet, damit unsere Mitarbeiter von zu Hause arbeiten können. Hatten wir bis dahin auch nicht, aber dann muss man schnell sein und natürlich ein gutes Management Team haben, was in der Lage ist, dann auch schnell in die Umsetzung zu kommen für einen Krisenplan oder einen Eskalationsplan oder Maßnahmenplan. Und dann: natürlich finanzielle Stärke hintendran braucht man natürlich auch.“
Angesichts der vielen Herausforderungen, die nicht zuletzt auch gerade durch die politischen Veränderungen an der nächsten Ecke warten könnten, sieht Firmenkundenberater Florian Kaltner ganz allgemein nicht gerade leichtere Zeiten auf die Wirtschaft zukommen.
Die Ungewissheit, welche Folgen zum Beispiel die zweite Präsidentschaft von Donald Trump für die deutschen Industrie haben wird … wie sieht die nächste deutsche Bundesregierung aus und was lässt sie sich womöglich als nächstes einfallen, was die deutsche Wirtschaft beeinflussen könnte? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die sich viele Unternehmen stellen.
Kaltner glaubt allerdings, dass Ludwig Meister im Gegensatz zu vielen anderen einen Vorteil hat.
O-TON Kaltner: „Sind natürlich alles Themen, die den Kapitalmarkt enorm beeinträchtigen, grundsätzlich und auch hier natürlich dementsprechend den Zinsmarkt. Was man hier dazu sagen muss ist, glaube ich, was ein Vorteil von Ludwig Meister ist: Die Diversifikation, also das jetzt hier keine gewisse Branche im Fokus per se steht, dass eine gewisse Anpassbarkeit vorhanden ist und das ist glaube ich etwas, was unseren Kunden hier resistenter macht. Bedeutet jetzt nicht, dass man es ungewürdigt lassen sollte, sondern einfach, dass man hier sagt, es ist eine Anpassungsfähigkeit vorhandene trotz dieser globalen Ereignisse, die einfach aktuell vorhanden sind und die man nicht anders gerade beeinflussen kann.“
Es sind eben viele Branchen und ganz unterschiedliche Unternehmen, in die Ludwig Meister seine Artikel liefert. Geht es dem einen Bereich mal nicht so gut, kann das durch andere aufgefangen werden. So breit aufgestellt zu sein, kann da ein großer Vorteil sein, wenn man als Unternehmer etwas ruhiger schlafen will.
Und noch etwas anderes hat Ludwig Meister in den vergangenen Jahren mit vielen Krisen und immer schneller werdenden Veränderungen ausgezeichnet, sagt Kaltner. Die Dachauer können sich immer schneller anpassen und sind ein sehr stabiles und agiles Unternehmen.
O-TON Kaltner: „Das Thema Agilität ist, glaube ich das, was die Unternehmen haben müssen, um solchen schnellen, volatilen, geänderten Situationen einfach Herr zu werden. Genau das ist glaub ich, was hier Ludwig Meister ausgezeichnet hat um einfach zu sagen, diese Krisenherde werden dementsprechend gemeistert. Das geht ja im Prinzip nicht nur los, dass die Geschäftsführung hier sagt: Wir schaffen das schon, sondern es muss ja auch auf die Belegschaft umgelegt werden. Und wenn jetzt die Belegschaft in Angst sein muss bei jeder Krise – und wir hatten jetzt in der vergangenen Zeit ja gemerkt, dass wir einige Krisenherde gehabt haben, die auch noch am Laufen sind – und wenn hier die Mitarbeiter in eine gewisse Unruhe verfallen, das kann ein Unternehmen auch von innen beschädigen, und ich glaube, diese Stabilität hat hier Ludwig Meister definitiv geholfen.“
Und jeder im Team trägt dazu bei, dass Ludwig Meister auch in den kommenden Jahren konkurrenzfähig bleibt. Immer wieder kommt es vor, dass Mitarbeiter sagen: Hier an dieser Stelle in einem Prozess läuft etwas schon seit Jahren oder Jahrzehnten zwar so und so – aber kann man das nicht besser machen?
Selbst wenn noch keine Lösung in Sicht ist, kann diese Frage aber dazu führen, mal zu hinterfragen: Warum machen wir das noch so – und nicht anders … und besser? Deshalb hat man sogar ein eigenes Managementsystem eingeführt, das alle Mitarbeiter in die Lage versetzen soll, ihre Ideen einzubringen, damit sie dann bestenfalls auch umgesetzt werden können. So können viele kleine Schritte im Laufe der Zeit zu immer neuen Transformationen im Unternehmen führen.
O-TON Meister: „Tatsächlich würde ich vielleicht an der Stelle ganz gerne erzählen wollen, wie wir das machen. Weil ich glaub, das hört sich immer alles so furchtbar theoretisch an und man weiß immer gar nicht genau, wie funktioniert denn eigentlich so eine Transformation. Im Prinzip schaut man sich einen einzelnen Prozessschritt an, also ein neues Beispiel ist die Verpackung von Paketen. Da schaut man sich an und merkt einfach, dass das ein totales Bottleneck ist. Weil: allein man muss jeden Karton aufstellen, den muss man vielleicht verkleben, dann legt man die Produkte rein, da muss der Lieferschein rein, dann muss das Verpackungsmaterial rein. Dann klebt man zu, dann kommt das Versandetikett oben drauf und dann wird es sozusagen vom Verpackungsplatz rein in irgendeine Versandbox gelegt und dann kommt ein großer Logistikdienstleister und holt die Box ab. Das wäre jetzt mal ein Beispiel für so einen Prozess. Dann schaut man sich den an und dann haben wir eben in mehreren Schritten folgendem Prozess jetzt designt: Das heißt, wir haben eine automatische Paketaufstellanlage gekauft, also das heißt, eine Maschine stellt schon mal den Karton so hin, dass der aufgestellt auf dem Förderband steht. Dieses Förderband bringt den leeren Karton zum Mitarbeiter. Der Mitarbeiter kommissioniert direkt in diesen Karton rein, legt auch den Lieferschein rein und der Karton wandert zurück auf das Förderband. Kommt dann rein in eine Verpackungsanlage, d as heißt, dieser Karton wird von einer Maschine wieder gefaltet, verklebt, so dass der ganz kompakt die Produkte schützt und für den Versandfertig macht, wird automatisch etikettiert. Und der einzige Schritt, wo eigentlich noch das gesamte Paket in seinem gesamten Gewicht bewegt werden muss, ist dann von diesem Förderband rein in die Box von dem Logistikdienstleister. Und genau so funktioniert Digitalisierung oder Automatisierung. Das heißt, da sind einfach ganz viele Schritte jeweils einzeln automatisiert oder eben über Maschinen und Technik oder IT unterstützt worden.“
… und optimieren so immer weiter das Geschäft – und sorgen im Fall der Kartons ganz nebenbei auch noch für mehr Nachhaltigkeit. Denn jeden Tag verlassen in der Regel mehrere tausend kleine und große Kartons mit Kugellagern und vielen anderen Artikeln das Logistikzentrum.
Und dann sind wir noch mal kurz bei Amazon und anderen Versandhändlern: Sie haben das selbst auch schon mal erlebt. Man bekommt ein großes Paket zugestellt und fragt sich: Nanu, was ist das denn? Ich hab doch gar nix so großes bestellt. Und dann stellt sich heraus, dass in dem großen Paket vor allem eines ist: viel Luft. Weil anscheinend kein passender Karton griffbereit war und ein kleinerer Karton mehr Aufwand bedeutet hätte.
Bei Ludwig Meister sind die Kartons jetzt aber eben nicht zu groß. Das spart nicht nur Material, sondern auch noch Platz im Fahrzeug, wodurch wiederum mehr Pakete hineinpassen.
O-TON Meister: „Die Verpackungsmaschine, die spart 70% Verpackungsvolumen aber genauso viel auch Verpackungsmaterial ein. Und nachhaltiger kann man dann im Päckchen halt nicht verschicken.“
Und das wiederum ist dann auch ein Faktor, mit dem man immer mehr auch bei Kunden punkten kann. Vor allem aber sind die natürlich an einem zuverlässigen und schnellen Großhändler interessiert, der dafür sorgt, dass es möglichst selten und am besten gar nicht zu Engpässen bei der Versorgung kommt.
Denn eine globalisierte Welt hat für viele große Vorteile – die Nachteile bekommen sie allerdings unter anderem dann zu spüren, wenn Lieferketten unterbrochen sind. Für große Schlagzeilen haben solche unterbrochenen Lieferketten in den vergangenen Jahren immer wieder gesorgt … sei es in der Corona-Pandemie oder durch einen festsitzenden Frachter im Suez-Kanal oder auch durch Angriffe von Rebellen auf Frachtschiffe im Jemen.
Möglichst störungsfreie Lieferketten – im Englischen die Supply Chain – sind das A und O für die Wirtschaft. Und wer sich dabei besonders mit neuen Ideen hervortut, der kann in Deutschland auf den Supply Chain Award hoffen. Und Finanzexperte Florian Kaltner freut sich für seinen Kunden, dass das hochrangige Expertengremium gerade im November 2024 entschieden hat: Ludwig Meister bekommt den aktuellen Supply Chain Award.
O-TON Kaltner: „Die würdigen seit 2006 herausragende Lösungen in so industriellen Wertschöpfungsketten. Und nicht nur das, sondern die Supply Chain muss hier konsequent und auch vielleicht mal ungewöhnlich oder auf ungewöhnliche Weise optimiert werden können. Und da hat Ludwig Meister mit der Never Out Stock Lösung, das ist eine Kombination aus Echtzeit, Datenanalyse mit automatisierten Beschaffungsprozessen, die Materialverfügbarkeiten auch hier sehr früh zu erkennen sind, um Engpässe eben zu vermeiden... Und ich glaube, wenn man hier jetzt mal so die Finalisten mal in den Vordergrund stellt, sieht man auch was für ein Gewicht tatsächlich dieser Award hat. Für unseren Kunden. Und da muss man sagen, ist Ludwig Meister auf der Finalistentreppe neben einer Firma wie Bosch, der Würth-Gruppe und Otto Fuchs – ist jetzt vielleicht nicht so bekannt, ein größerer Zulieferer im Automotive Bereich – auf der Bühne gestanden und hat hier dementsprechend natürlich eine Top Leistung abgeliefert.“
… und damit auch eine Auszeichnung für fortschrittliche Innovation durch Digitalisierung bekommen. Von der profitieren die Kunden, indem die verfügbaren Daten möglichst so gut ausgewertet werden, damit ihre Versorgung bestmöglich gewährleistet werden kann.
Die Kunden von Ludwig Meister übrigens sitzen bisher zum größten Teil vor allem im süddeutschen Raum – noch! Denn inzwischen ist man so gut aufgestellt, dass Elisabeth Meister sagt: Wir haben eine klare Wachstumsstrategie und die hat ganz Deutschland im Blick.
Und an Kunden im Ausland? Will sie im Moment noch nicht denken – noch nicht! Aber wer weiß schon, was morgen ist? Jeff Bezos hätte 1994 mit Sicherheit auch nicht gedacht, dass sein Garagenunternehmen Amazon irgendwann die ganze Welt mit praktisch fast allem beliefert.
Elisabeth Meister will da aber erst mal lieber realistisch bleiben. Das Unternehmen soll Schritt für Schritt wachsen. In die Zukunft schaut sie …
O-TON Meister: „Positiv, weil ich glaub, dass wir wirklich schon viel richtig gut angepackt haben und uns irgendwie vorbereitet haben. Also mir ist nicht Angst und bang, wenn ich auf mein Unternehmen gucke, da bin ich auch froh drum. Also ich glaub, wenn ich noch nicht so viel in Automatisierung, Digitalisierung gemacht hätte, wäre es mir da vielleicht ein bisschen mulmig an der einen oder anderen Stelle. Alles in allem würde ich sagen, mir macht's so viel Spaß unternehmerisch wirksam zu sein, dass ich eigentlich positiv in die Zukunft schaue.“
Schön, dass sie auch dieses Mal wieder dabei waren. Noch ein paar weitere Infos zum Thema finden sie wie immer in unseren Shownotes.
Ich freue mich, wenn sie in der nächsten Folge wieder reinhören – in die spannende Geschichte eines weiteren Unternehmens.
Bis dahin, machen Sie’s gut.