Von Kohle zu Klimaschutz: Eine mutige Transformation - Knauber

Shownotes

In dieser Episode tauchen wir ein in die faszinierende Geschichte des Familienunternehmens Knauber, das seit über 140 Jahren immer wieder neue Wege geht. Wir sprechen mit Ines Knauber-Daubenbüchel, der Chefin in vierter Generation, über die Herausforderungen der Transformation von einem traditionellen Energiehändler zu einem Anbieter nachhaltiger Energielösungen. Erfahren Sie, wie das Unternehmen mit Innovation und Flexibilität auf sich ändernde Marktbedingungen reagiert und dabei seine Wurzeln nicht vergisst. Die Episode bietet wertvolle Einblicke in strategisches Change Management, die Bedeutung von Innovationskultur und die erfolgreiche Anpassung an Marktveränderungen im Kontext eines traditionsreichen Familienunternehmens.

Zu Gast: Dr. Ines Knauber-Daubenbüchel, Geschäftsführerin - Knauber

Ralf Kriechel, Unternehmenskundenberater - Sparkasse KölnBonn

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Skript: Knauber: Ein Unternehmen mit Transformationserfahrung — jetzt geht's mit Energie in die Zukunft

O-TON:

Jingle INTRO

Mehr als 140 Jahre alt ist die Geschichte des Unternehmens, deren Chefin für die heutige Folge etwas Besonderesmacht. Denn sie gibt sehr selten Interviews.

Uns aber hat sie gesagt: Okay, kommt vorbei in unsere Bonner Firmenzentrale dann sprechen wir über unsere spannende Geschichte bis heute und den Weg in die Zukunft ... über gleich mehrere Transformationen, die das Unternehmen erlebt hat. Und über die Ideen, mit denen das Geschäft auch in den kommenden Jahrzehnten weiterhin erfolgreich am Markt bleiben will.

Wir sprechen über eine Firma, die vor ein paar Jahren sehr schmerhafte

Entscheidungen treffen musste und damit auch Kunden richtig traurig gemacht hat. Aber es ging nicht anders, wird uns die Chefin erzählen. Denn manchmal führt an einer Transformation kein Weg vorbei.

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

Jingle CLOSER

In Bonn gibt es einen Namen, den fast jeder kennt — und den viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Dingen in Verbindung bringen: Knauber.

Ein Unternehmen, bei dem der eine an Blumen oder Bohrmaschinen denkt, der andere an Kohle, Heizöl oder Gas... der nächste vielleicht an Leinwände, Pinsel, Acryl- und Ölfarben oder an Strom aus Wasserkraft oder Wasserstofftankstellen für Lkw.

Das klingt, als würde das alles so gar nicht richtig zusammenpassen? Klingt nach einem Gemischtwarenladen? Ja, das stimmt vielleicht. Und trotzdem passt es perfekt ins Bild, erzählt Ines Knauber-Daubenbüchel. Sie ist die geschäftsführende Gesellschafterin der heutigen Carl Knauber Holding.

Die Firmenzentrale im Bonner Stadtteil Endenich: Ein heller, lichtdurchfluteter

Glasbau, der erst vor ein paar Jahren fertig gestellt wurde. Ein Anbau mit 2.800 Quadratmetern Fläche, der nötig wurde, weil das Verwaltungsgebäude aus den 1970er Jahren direkt nebenan einfach zu klein wurde.

Ines Knauber-Daubenbüchel sitzt in ihremen Büro und lächelt. Ja, sagt sie.

Wenn man so die ganzen Dinge, mit denen wir im Laufe der Zeit zu tun hatten, hört,

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dann klinge das vielleicht auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich. Aber es passe alles zusammen, denn Knauber stehe vor allem für eines: Für Handel mit Leidenschaft, sagt die Chefin.

O-TON Knauber: „Es gibt eine herrliche Familienlegende, bei der mein Großvater angeblich als sechs-/siebenjähriger Knirps einen Bollerwagen genommen hat den Familienhund davor gespannt und dann mit diversen Kolonialwarenprodukten durch Endenich — und das ist der Ursprung von Knauber— die kleinen Produkte, die er da so in seinem Bollerwagen hatte, dann auch an den Mann und an die Frau gebracht hat. Also das heißt, die Gene waren schon früh angelegt. Bis hin zu meinen Urgroßeltern.

Die hießen Anna und Michael Knauber und eröffneten 1880 in Bonn ein

Kolonialwarengeschäft. Mehl, Zucker, Haushaltswaren, Futtermittel oder Kohle — damit fing alles an. Vor allem die Kohle spielt aus heutiger Sicht dabei eine besondere Rolle. Denn damals war sie ein ganz zentraler Energieträger — der erste, mit dem Knauber zu tun hatte und es sollten noch viel folgen..

Die Energie wurde im Laufe der Jahrzehnte DAS zentrale Geschäftsfeld — und ist es heute noch.

Erst einmal aber also der Kolonialwarenladen, den die beiden Söhne im Jahr 1901 von ihren Eltern übernehmen. Einer von ihnen war der mit dem Bollerwagen. Aber nur auf Lebens- und Haushaltsmittel setzen, das wollten die Brüder dann doch nicht

O-TON Knauber: „Das Spannende war eigentlich: Nach dem Einzelhandel, dass dann die nächste Generation — mein Großvater— schon in den

Großhandel das ganze Geschäft überführt hat zusammen mit seinem Bruder.

Und dann wurden die Themen schon sehr energieorientiert. Insofern als es Brikett, Kohle gab die erste Tankstelle 1923 im Rheinland eröffnet wurde . Benzole, technische Gase verkauft wurden. Also die Ausrichtung veränderte sich komplett vom Einzelhandel, sprich Kolonialwaren, hin zum Großhandel. "

Wenn man der Knauber-Chefin in vierter Generation zuhört, spürt man, da ist schon viel Stolz in der Stimme, wenn sie über die erste erfolgreiche Transformation des Unternehmens spricht. Entscheidungen, die wegweisend und die Basis für das waren, was Knauber heute ist.

Denn auch wenn es noch spannende Ausflüge in einen ganz anderen

Geschäftsbereich gab — und zu dem kommen wir gleich noch — aber das Thema Energie hat immer schon eine große Rolle gespielt. Dafür wurden die Grundsteine schon vor mehr als 100 Jahren gelegt.

O-TON Knauber: „Ja, das kann man wirklich schon so sagen. Das sind die

Anfänge, auf die dann wiederum mein Vater— der ist 48/49 ins Unternehmen gekommen, Carl Ernst fußte, aber wie das dann so bei Generationen ist: Er wollte was Neues. Also löste man Brikett, Kohle ab und

1951 ging es dann schon los mit Flüssiggas, 54 mit Heizöl, weiterer Ausbau von Tankstellen, Kraftstoffe also dann wurde wirklich das ureigene Fundament für Knauber Energie gelegt. "

Denn-nach der Wandlung vom Kolonialwarenladen zum Großhändler für

Energieprodukte gab es im Laufe der Zeit noch einmal eine weitere Transformation. Die Energiesparte wurde zwar nie mehr aufgegeben und spielte im Laufe der Jahrzehnte immer eine zentrale Rolle — aber Ende der 1960er Jahre kam noch eine ganz andere Sparte hinzu.

Der Vater der heutigen Knauber-Chefin — Carl Knauber — ging gewissermaßen zurück zu den Ursprüngen aber nicht mit einer Weiterentwicklung des früheren Kolonialwarenladens, sondern mit einem der ersten Baumärkte. Back to the roots also?

O-TON Ich glaube aber, die Intention war eine andere. Typisch Mittelstand, aus dem Bauch heraus. Bei den Energieprodukten musste ja eine Rechnung geschrieben werden und dann wurde-jenicht direkt bezahlt. Im Einzelhandel wurde direkt bezahlt. Und einer seiner

Hintergedanken war mit Sicherheit, wie komme ich an Liquidität? Das wäre doch am einfachsten, wenn die Kasse klingelt. Und insofern hatte er schon die Idee, ich möchte in den Einzelhandel — und was könnte eine spannende Idee sein? Llnae hat er in Amerika bei einer Tour dann wirk/ich auch gefunden und das war der do-it-your-se/f-Gedanke. "

1968 öffnet auf 150 Quadratmetern der erste Hobbymarkt von Knauber. Im selben

Jahr, in dem auch ein gewisser Otmar Hornbach seinen ersten Bau- und Gartenmarkt eröffnet. Nur Bauhaus war noch schneller — dessen Gründer hatte bereits acht Jahre früher das erste Geschäft aufgemacht. Später sollen sich die Wege von Bauhaus und Knauber sogar kreuzen, aber dazu kommen wir noch.

Aus dem ersten kleinen Hobbymarkt von Knauber entstand ein ganzes Netz von

Filialen — die Knauber Freizeitmärkte. Über Jahrzehnte waren die bis zu zehn Standorte im südlichen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ein Kundenmagnet.

Die Märkte wurden im Laufe der Zeit DAS bekannteste Aushängeschild des Unternehmens, das jeder kannte, der auf der Suche nach Pflanzen für den Garten oder die Wohnung war. Genauso für vieles andere rund um Garten und Haus und Heimwerken — aber auch Künstler- und Bastelbedarf, Spielzeug oder sogar ganze

Kleintierabteilungen gab es bei Knauber. Dazu viel Personal, das in allen

Abteilungen zur Beratung parat stand — und deshalb wuchs auch die Mitarbeiterzahl zeitweise bis an die 1.000.

Einer der zu den vielen Kunden gehörte, ist Ralf Kriechel. Einerseits war er oft in den Freizeitmärkten, wenn er irgendetwas brauchte. Andererseits aber ist Knauber umgekehrt auch sein eigener Kunde. Kriechel ist nämlich

Unternehmenskundenberater bei der Sparkasse Köln-Bonn und hat seit mehr als anderthalb Jahrzehnten mit Knauber auch geschäftlich zu tun.

Als Kunde schätzte er die Freizeitmärkte genauso wie er sie auch als

Finanzfachmann der Sparkasse durchaus sinnvoll fand. Weil sich Knauber damit nämlich über einen langen Zeitraum noch stärker diversifiziert und neben der Energiesparte ein weiteres, völlig anderes Standbein aufgebaut hatte. Eines, das sich auch im Angebot seiner Läden immer unterschieden hat von den typischen Baumärkten.

O-TON Kriechel: „Angefangen von Baste/abteilungen bis hin — da kann ich mich noch dran erinnem mit meinen Kindern — dass man durchaus mal gerne an einem Aquarium vorbeigelaufen ist, wo dann die Fische zu betrachten waren. Aber mit der Zeit war es so, dass die großen Baumarktketten eine deutlich dominierende Rolle gespielt haben und es dann für, ich sag mal, eine eher kleine Baumarktgruppe schon eher schwierig war, sich da im Wettbewerb zu behaupten. "

Und so wurde die Zeit für die Knauber Freizeitmärkte immer schwieriger. In der Bonner Firmenzentrale wurde immer mehr gerechnet, wo man einsparen kann und ob dieser Geschäftszweig auf Dauer noch zu halten ist. Irgendwann kam der Punkt, an dem Ines Knauber-Daubenbüchel mit ihrem Team vor der Entscheidung stand.

Schweren Herzens entschied sich die Chefin für das Ende. Im Sommer 2020 wurden mehrere Standorte vom großen Konkurrenten Bauhaus übernommen, andere geschlossen. Für Knauber endete damit die mehr als 50-jährige Geschichte ihrer Geschäfte. Und viele Kunden trauerten über das Ende einer Ära. Denn für viele waren die Freizeitmärkte mit ihrer besonderen Mischung und einer persönlicheren Atmosphäre immer etwas mehr als nur ein Baumarkt.

Und wenn Ihnen das jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch klingt, kann ich Ihnen nur sagen: Die Knauber-Märkte waren WIRKLICH einfach anders. In der Nähe meines Wohnortes gab es auch einen der Freizeitmärkte. Und auch ich war regelmäßig dort — und wenn ich gesagt habe, ich fahre zu Knauber, wollten meine Kinder oft mitkommen. Wegen der Spielsachen oder Bücher zum Beispiel, oder weil es dort was zum Basteln gab. Und in normale Baumärkte sind die eigentlich eher selten gerne mitgekommen. Also war auch ich irgendwie traurig über das Ende. Aber mit Sicherheit nicht ansatzweise so traurig wie die Knauber-Chefin.

O-TON Knauber: „Da haben sie wirk/ich einen ganz wichtigen Punkt gemacht.

Sie sehen das natürlich auch sehr emotional. Und wenn sie als Tochter die Idee des Vaters — und ich glaube, wir dürfen mit Fug und Recht sagen, dass wir wirklich eine kleine Perle in der Heimwerkerbranche waren — wenn sie

dann sozusagen den Schlüssel umdrehen müssen und die Märkte abgeben, das ist schon ein emotionaler Stich. Der geht ihnen wirk/ich physisch durch Mark und Bein. "

Auch wenn man ihr selbst gut vier Jahre nach dem Ende der Märkte anmerkt, dass der emotionale Stich immer noch nicht vollständig verheilt ist — und es wird auch immer schmerzhaft bleiben, sagt Knauber-Daubenbüchel — aber an der Entscheidung habe damals kein Weg vorbeigeführt.

O-TON Knauber: „Ich glaube, das waren verschiedene Faktoren. Zum einen das Onlinegeschäft zog ja immer mehr an. Und jetzt muss man sich vorstellen, wer ist Nummer eins im Onlinegeschäft des Baumarktes? Das ist Amazon. Und nicht die klassischen Wettbewerber. Und als Mittelständler haben sie gar keine Chance, dann in diesem Onlinegeschäft sich wirklich durchzusetzen. Das nächste Thema das Thema des Einkaufs. Wenn sie wirklich eine große Kette sind — ich darf das ruhig sagen, Bauhaus hat 270 Filialen in Europa — die haben eine ganz andere Einkaufsmacht und Möglichkeiten, als ein

Mittelständler. Und hinzu kam, und das zeichnete sich in den letzten Jahren deutlich ab — und da wussten wir noch gar nichts von Corona — dass der Einzelhandel es immer schwerer hatte. Wir wissen um das Aussterben in den

Innenstädten. Also es wurde wirklich eine sehr bewusste

Entscheidung, die wir uns nicht leicht gemacht haben, wo wir dann auch n

APaHner gesucht haben, die uns unterstützten in dem Prozess zu analysieren, zu hinterfragen, zu optimieren. Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem sie wirk/ich unternehmerisch entscheiden müssen, wir müssen doch jetzt bei allem Abklopfen jeglicher Möglichkeiten und Chancen die Reißleine ziehen. Und heute muss ich sagen, war das genau die richtige Entscheidung. "

„Wir fokussieren uns jetzt auf die weitere Expansion im Energiehandel" — so hieß es damals in einer Pressemitteilung von Knauber zur Übergabe der Freizeitmärkte an Bauhaus.

Was sagt der Sparkassen-Finanzfachmann Ralf Kriechel? Klingt da nicht auch ein bisschen was von einer Niederlage durch?

O-TON Krieche]: „Nein, das würde ich nicht als Niederlage bezeichnen, sondern zeichnet glaube ich auch ein Unternehmen, einen Unternehmer aus, durchaus auch die Dinge neu zu probieren. Und Knauber hat ja über

Jahrzehnte auch erfolgreich in diesem Markt gearbeitet. Aber zur Stärke eines Unternehmens gehört es auch, Schwächen dann zu erkennen, beziehungsweise entsprechend gegenzusteuern, wenn sich Märkte verändern. Und das hat Knauber mit den Baumärkten, aber eben auch im Bereich Energie mit den laufenden Anpassungen, die die Märkte so mit sich gebracht haben, über Jahrzehnte unter Beweis gestellt. "

Umso schwerer kann dann aber auch ein solcher Abschied sein — trotzdem war es richtig so, ist die Knauber-Chefin erst recht mit etwas Abstand überzeugt.

O-TON Knauber: „Aber— und das möchte ich wirk/ich betonen — es ist auch wirk/ich wichtig, bei so einem einerseits emotionalen, andererseits unternehmerischen Schritt, Partner an der Seite zu haben, die einem wirklich das Vertrauen aussprechen. Und das war zum Beispiel die Sparkasse. Vom Firmenkundenberater Ralf Krieche/ bis hin zu Uli Voigt, die uns wirklich das Vertrauen ausgesprochen haben, dass wir besonnen und gezielt in den Prozess der Optimierung und letzt/ich auch der Verabschiedung gehen. Und das muss ich sagen, hat mir den Rücken immens gestärkt. "

Es sei eine vertrauensvolle Partnerschaft mit der Sparkasse — vom

Firmenkundenberater bis zum Vorstandsvorsitzenden Voigt — und die funktioniere nur, wenn man mit offenen Karten spiele, sagt Ines Knauber-Daubenbüchel. Deshalb habe man auch schon sehr früh die Pläne für die weitere Strategie erläutert.

Die war nicht mehr und nicht weniger als eine weitere Transformation des

Unternehmens. Nach der Kolonialwaren-Ära der Urgroßeltern ist es zum zweiten Mal der Abschied vom Einzelhandel, für den sich diesmal die geschäftsführende Gesellschafterin mit ihrem Team entschieden hat.

Die neue Marschrichtung heißt seitdem kurz und knapp: 100 Prozent Energie

Allerdings muss man sagen, anders als vor mehr als 100 Jahren ist es diesmal nicht eine völlige Transformation in komplett neue Geschäftsfelder. Denn wie schon erwähnt spielte Energie mit vielen Facetten wie zum Beispiel als Lieferant von Heizöl oder Gas auch schon in der Vergangenheit eine große Rolle.

Auch wenn zu Zeiten der Freizeitmärkte dort der größte Teil der Mitarbeitenden beschäftigt war — das einträglichere Geschäft war schon seit langem die Energiesparte. Wie aber genau sollte es jetzt also weitergehen und in welchen Geschäftsfeldern? Das wurde über viele Monate mit einem externen Berater in wöchentlichen Gesprächsrunden Stück für Stück ausgearbeitet — aus rund 600 Ideen wurde ausgesiebt, ein langwieriger Prozess.

O-TON Knauber: „In dem wir unsere Zukunftsthemen erarbeitet haben. Es waren acht Themen, um nur einige zu nennen: Von Wasserstoff bis Biogas, von virtuellem Kraftwerk bis hin zu PV-Speicher, E-Mobilität, um nur einiges zu nennen. "

Außerdem ging es dann zum Beispiel auch um das künftige Vertriebs-Backoffice und wie es in Zukunft noch mit mehr Synergien arbeiten kann... oder um die zukünftigen Kunden oder um die Mitarbeiter und um vieles mehr.

Altes in allem ein riesiger Berg Arbeit, um Knauber auch für die kommenden

Jahrzehnte erfolgreich aufstellen zu können. Dieser Prozess sei noch längst nicht

beendet, aber man sei auf einem guten Weg, sagt Ines Knauber-Daubenbüchel. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.

Aber wie kann die Zukunft eines Unternehmens eigentlich aussehen, das beim Thema Energie in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel auf Heizöl oder Gas gesetzt hat oder noch viel früher mal auf Kohle?

Das altes sind fossile Energieträger, deren Zeit abläuft und die für so manchen heutzutage fast schon nach „bähh" klingen. Wie verändert man ein solches

Energiegeschäft in eine zukunftsfähiges und immer mehr nachhaltiges Unternehmen — und wie funktioniert das auch glaubwürdig?

O-TON Knauber: „Das ist eine echte Herausforderung, sie haben das wunderbar auf den Punkt gebracht. Wir sind, wenn sie so wollen, eine fossile Bude. Und ich bin allerdings der Meinung, dass wir eine echte Chance haben, schrittweise das ganze Portfolio über die nächsten Jahre umzubauen und das ist auch unser Auftrag. Ich glaube, wenn wir das nicht tun würden, dann würde es langfristig Knauber auch gar nicht mehr geben. Wir müssen uns auf den Weg des Portfolioumbaus begeben und ich sage meinen Mitarbeitern immer, wir WOLLEN uns auf den Weg der Transformation begeben. Das heißt, von fossilen Produkten — und die fossilen Themen, die finanzieren ja letztendlich die neuen emissionsärmeren oder emissionsfreien Energieträger — geht es dann weiter in Brückentechnologien. Gott sei Dank haben wirja politisch gesehen eine Entwicklung, die etwas mehr Technologieoffenheit zulässt und so sehen wirjetzt die Chancen in Bioflüssiggas, in Bioerdgas, in Klimadiesel

. ...das-siad-aqes•.gcgekenteehae/egiet+, die schon deutlich C02-reduzierter sind. Und gleichzeitig — und das machen wir mit unseren strategischen Geschäftsfeldem — arbeiten wir schon wieder an den Energieträgern, die emissionsfrei sind, die echte Altemativen sind. Wie zum Beispiel das Thema PV-Speicher. "

Also doch eine Transformation, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so riesig klingt, weil man sich nach dem Kapitel mit den Freizeitmärkten „einfach" nur auf das Kerngeschäft — nämlich 100 Prozent Energie — konzentriert und dann aber doch eine gigantische Transformation bedeutet, die vieles auf den Kopf stellt, was bei Knauber jahrzehntelang gelerntes Geschäft war.

Deshalb ist auch für Ralf Kriechet von der Köln-Bonner Sparkasse der Wandel im Unternehmen gerade ein wahnsinnig spannendes Projekt.

O-TON Krieche]: „Also der Versuch des Untemehmens, sich von der heutigen Handelsstruktur, beziehungsweise dem Produktmix, den man heute vertreibt, so ein stückweit zu trennen. Wir haben — ganz spannend — im vorletzten Jahr schon beginnend, die Finanzierung begleitet neuer LNG-Tankstellen. Quasi Tankstellen für gasbetriebene Lkw. Und da baut Knauber gerade ein

Tankstellennetz auf. Die ersten Tankstellen sind da auch schon eröffnet

worden. Und das war ein spannendes Projekt, erst mal den Markt zu erkennen ist das überhaupt ein Markt der Zukunft? da hat uns natürlich sehr stark das Knowhow geholfen, was Knauber sich in der Zeit auch selber schon erarbeitet hat mit Marktrecherchen haben wir versucht, dieses Thema aufzubauen, was uns glücklicherweise auch gelungen ist. Man muss sicherlich viel Phantasie auch mitbringen, wenn man gerade jetzt die Verkehrswende sieht, welche Antriebe en vogue sind ... was sich dann tatsächlich durchsetzen wird. Und das Thema LNG war eines der Themen, wovon wir als Sparkasse Köln-Bonn letztendlich vom Konzept her auch überzeugt waren und diese Finanzierung dann auch mitbegleitet haben. "

Rund ein Dutzend LNG-TanksteIlen sind zum Beispiel in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern oder Sachsen-Anhalt bisher gebaut, beziehungsweise in Planung.

Das Ganze wird allerdings möglicherweise eines von vielen Kapiteln in der Unternehmensgeschichte sein, die nicht ganz so lange anhalten werden wie so manch andere. Gas und Heizöl sind beispielsweise schon seit mehr als 70 Jahren ein fester Bestandteil des Geschäftsportfolios. Die Freizeitmärkte waren es immerhin auch mehr als 50 Jahre.

LNG könnte dagegen vielleicht schon in einiger Zeit wieder Geschichte sein — sicher sein kann man da nicht. Aber die Knauber-Chefin rechnet damit, dass dieses Kapitel vielleicht dann doch länger dauern wird, als so mancher im Moment glaubt.

O-TON Knauber: „Ich würde sagen, auch LNG — und in dem Fall natürlich BioLNG, sonst hätten wir diese Investition gar nicht getätigt — ist auch wieder eine langjährige, zukunftsweisende Brückentechno/ogie. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies EINE Alternative für den Schwerlastverkehr, aber auch für die Schiffahrt sein kann zum Beispiel, um die nächsten 20 Jahre im Logistik-, im Speditionsbereich wirklich eine gute Energie zu haben, bei der man eben deutlich emissionsfreier untemegs sein kann. Und das brauchen ja auch diese Unternehmen. Das heißt also, es ist wirklich dßsgt Ve«sinnvoll, in Brückentechno/ogien zu investieren — nicht für zwei, drei Jahre, sondern für zehn, zwanzig Jahre. Dass die dann wieder möglicherweise yød6r abgelöst werden — ich sag jetzt mal durch das Thema grüner Wasserstoff— das ist für mich gar keine Frage, das..wvd-ee-kemmet% Ich glaube nur, dass dieser Prozess ein deutlich längerer ist, als wir das vielleicht sogar noch vor fünf Jahren gedacht haben. "

Vier Generationen Knauber — das ist eine Geschichte gleich mehrerer Transformationen:

Vor mehr als 140 Jahren hat alles mit einem Kolonialwarengeschäft begonnen

Die nächste Generation vollzog einen Wandel hin zum Großhändler vor allem für Energieprodukte.

Der dritte Generation brachte mit den Freizeitmärkten eine völlig neue Geschäftsidee hinzu.

Und seit dem Jahr 2000 sitzt mit Ines Knauber als geschäftsführender

Gesellschafterin die vierte Generation am Steuer. Und wieder sind es neue Wege, auf denen sich das Unternehmen bewegt. Weil man es will — und weil man es muss, damit Knauber auch in Zukunft bestehen bleiben kann.

Moderne Energien sollen das Thema für die nächsten Jahrzehnte sein.

Manche wie LNG eher als eine Art Übergangsenergie, andere wie zum Beispiel der

Strom aus Wasserkraft oder Photovoltaik werden langfristig ein Thema bleiben. Kein Wunder, dass Knauber beispielsweise auch die E-Mobilität als eine weitere Säule für sich auserkoren hat.

O-TON Knauber: „Das ist noch in den Anfängen. Wir beschäftigen uns seit zwei, drei Jahren mit dem Thema für den Endverbraucher. Und wir stellen fest:

Was möchten doch die meisten Endverbraucher gerne an ihrem Haus haben? Eine PV-Anlage, einen Speicher und eine Wal/box. Das ist wohl das Paket, was sich am besten durchsetzt und das verfolgen wir auch. Und parallel dazu sehen wir auch die Chance im gewerblichen Bereich, denn es ist ja möglich zum Beispiel für Hausverwaltungen eine ganze Reihe von Wallboxen vor die Tür zu setzen und ich denke, dass diese Anforderungen, gerade auch im gewerblichen Bereich — ob im Handel oder im Hausverwaltungssektor — dass das zunehmen wird. "

Der Umbau von Knauber ist im vollen Gange und Firmenkundenberater Ralf Kriechel von der Sparkasse Köln-Bonn hält es für absolut logisch, dass sich das Unternehmen auf verschiedenen und durchaus unterschiedlichen Gebieten rund um

Energiethemen tummelt. Gerade das macht ihn zuversichtlich, dass die aktuelle Entwicklung in eine erfolgreiche Zukunft führen kann.

O-TON Kriechel: „Man muss halt frühzeitig auf sich verändernde Märkte reagieren. Das macht Knauber. Man stellt sich breit auf, wird natürlich auch den Bereich der fossilen Energieträger— so lange der Bedarf am Markt besteht — auch intensiv weiter bearbeiten. Wird das aber auch und da bin ich fest von überzeugt es wird gelingen, auch die neuen Möglichkeiten weiter zu entwickeln. Um dann, ich sag mal, ich nenne es jetzt mal mit dem Niedergang der fossilen Energieträger, es schaffen wird, die Kurve der erneuerbaren Energieträger so nach oben zu fahren, dass das Unternehmen, die Unternehmensgruppe auch in der Zukunft erfolgreich operieren wird. Da sind wir als Sparkasse von überzeugt. "

Der Blick auf Transformationen wie die bei Knauber sind für die Sparkasse ein immer wichtigeres Thema. Wie schaut ein Unternehmen auf die eigene Zukunftsfähigkeit? Wie beobachtet man den Markt? Und wie schnell reagiert man auf Entwicklungen, damit man nicht morgen plötzlich abgehängt wird, obwohl man heute noch

erfolgreich ist? Mit diesen Fragen gehen Unternehmen bisher durchaus noch sehr unterschiedlich um.

O-TON Kriechel: „Da sieht man doch eine sehr starke Spreizung zwischen Unternehmen, die sich eigentlich noch gar nicht so richtig mit ihrer Zukunft beschäftigt haben — natürlich schon glauben, dass sie mit ihrem

Geschäftsmodell in der Zukunft auch Erfolg haben — aber doch nicht wirklich intensiv wirk/ich an diesen Themen arbeiten. Bei Knauber sind wir da am ganz anderen Ende. Schon in der Vergangenheit war es so, dass das Unternehmen sich immer wieder neu erfunden hat. Immer wieder neue Themen aufgemacht hat. Früher gab es den Mineralölhandel und den Gashandel, man hat Erdgas irgendwann mit dazu genommen. Man hat dann irgendwann den Stromhandel aufgenommen, ist jetzt im Bereich Energie unterwegs. Also man sieht die Palette — man hat sich immer wieder auch dem Verbraucherverhalten angepasst. Und wir sehen ja auch in der Produktpipeline, die man versucht zu entwickeln, dass da sehr viele Dinge einfach schon in Vorbereitung sind. Und insofern sehen wir Knauber, was die Innovationsfähigkeit und den Innovationswillen betrifft, ganz weit vorne. "

Deshalb werde das mittelständische Unternehmen auch auf einem umkämpften Energiemarkt bestehen bleiben können, glaubt Kriechel. Erst recht, wenn man dafür bekannt ist, besonders kundenorientiert zu agieren — und das sei bei Knauber der

Es gibt allerdings auch Dinge, auf die haben weder Sparkasse noch Unternehmen einen Einfluss. Äußere Faktoren, die einem das Leben schwer machen und die so manches Geschäft gerade in den vergangenen Jahren ins Schleudern oder sogar zu Fall gebracht haben.

Erst Corona und dann der Krieg in der Ukraine. Vor allem die dann folgende Energiekrise war für ein Unternehmen, das sich mitten in der Transformation befindet, noch einmal eine besondere Herausforderung.

O-TON Knauber: „ Von jetzt auf gleich fielen eine ganze Reihe von Lieferanten weg. Von jetzt auf gleich stiegen die Energiepreise rasant. Und wir als Mittelständler standen da und mussten erst mal sehen, wo kommt die Ware her? Und letztendlich muss man sich auch vorstellen, gerade wenn wirjetzt zum Beispiel an das Thema Erdgas — das galt für alle Energieträger hier im Haus, aber ganz besonders für den Bereich Erdgas und Strom — dann gab es Anbieter, die gesagt haben: Kommunale Kunden, kein Thema, alles sicher. Aber private Unternehmen — sind das noch solvente Kunden? Und da muss ich wirk/ich sagen, kommt auch die Sparkasse wieder ins Spiel, denn es galt Bürgschaften zu erhöhen. Und da einen Panner an der Seite zu haben, die sehr pragmatisch, sehr schnell solche Bürgschaften innerhalb kürzester Zeit, weniger Tage, dann auch erhöht haben, so dass wir dann auch wieder an

"

unsere entsprechenden Lieferanten zugehen konnten, um Ware zu bekommen — das war essentiell wichtig.

Oder ein anderes Thema: Ich denke an das Firmenkundenteam rund um Ralf Kriechel, die für uns die komplexen, schwierigen Anträge an die KW-Bank gestellt haben. Weil das Problem zu meistern war: Der Bund ist bereit, die Entlastungen für den Endverbraucher zu übernehmen. Wie man sich denken kann, läuft so etwas aber nicht so schnell. Wir als Händler mussten aber unsere Rechnungen bezahlen, also entsteht ein Delta. Und dann brauchen sie einen zuverlässigen Partner, der uns in dieser Zeit half mit erweiterten Kredit/inien, auf der anderen Seite aber gerade auch mit diesen extrem bürokratischen und komplizierten Anträgen im Zusammenhang mit der KWBank . und da jemanden zu haben, der uns—schnell geholfen hat, so dass a kein Delta im Rahmen der Liquidität entstand, das war dramatisch wichtig. "

Nach Jahrzehnten, in denen Knauber in vergleichsweise eher ruhigem und stabilen Fahrwasser unterwegs war, dann eine solche Phase — und das alles mitten in einer Zeit, in der auch noch viele Geschäftsfelder auf links gedreht und neu entwickelt werden Hand aufs Herz, denkt man da als Chefin nicht auch mal daran zu sagen: Wisst Ihr was, ich hab langsam keine Lust mehr, das wird mir zu viel?

O-TON Knauber: „Das hat für mich nie zur Debatte gestanden. Ich muss jetzt wirklich schmunzeln. Ich sehe gerade meine drei Kinder, erwachsene Kinder, vor mir, die bei der Frage glaube ich laut gelacht hätten und gesagt hätten: Unsere Mutter? Und Aufgeben? Das gibt's bei ihr nicht [lacht]. "

Und so wird Ines Knauber-Daubenbüchel die laufende Transformation noch einige Jahre selber vorantreiben — bis irgendwann die fünfte Generation in den Startlöchern steht, um das Ruder zu übernehmen. Und vielleicht wieder einen weiteren Wandel anzustreben? Aber in welche Richtung könnte es dann gehen? Vor welchen Herausforderungen wird das Unternehmen beim Thema Energie dann wohl stehen, wenn man heute noch gar nicht weiß, was morgen ist . geschweige denn übermorgen?

O-TON Knauber: „Ich finde, sie haben das selber schon ein wenig angerissen. Wir können einfach nicht in die Zukunft schauen, welche Energieträger sich letztendlich durchsetzen werden. Das heißt, nicht nur meine Generation, sondern auch die nachfolgende Generation muss sich wirklich parallel mit den unterschiedlichen Energiemög/ichkeiten ständig auseinandersetzen. Und das noch sehr viel schneller, als zum Beispiel in meiner Ära gdefP>aS6 oder gar der zweiten oder ersten Generation. Das Tempo und die Komplexität ist einfach dramatisch gestiegen und die wird aus meiner Sicht für die nächste Generation noch mal mehr steigen. Und wenn sie dann heute noch nicht wissen: Diese Energieform wird sich Hundertprozent durchsetzen, dann hat man natürlich viele Fragezeichen, die es zu bewältigen gibt. Und das ja,

.

wie soll ich sagen ...in Balance zu halten, das ist schon eine Herausforderung. "

Die aber steht dann im nächsten Knauber-KapiteI — bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.

Schön, dass sie wieder dabei waren. Mehr Infos zum Thema finden sie wie immer noch in unseren Shownotes.

Ich freue mich, wenn sie in der nächsten Folge wieder reinhören — in die spannende Geschichte eines weiteren Unternehmens.

Bis dahin, machen Sie's gut.