Von der Pleite zum Erfolg: Geschichten echten Unternehmertums - PT Fliesen & Innenausbau
Shownotes
Wir tauchen ein in die inspirierende Geschichte von Patrick Tschotow, dem Gründer von PT Fliesen & Innenausbau. Nach einer krachenden Insolvenz seines ersten Unternehmens und einer Zeit voller Herausforderungen wagte Tschotow einen mutigen Neustart. Mit minimalen Ressourcen, aber unerschütterlichem Willen, baute er sein Unternehmen von Grund auf neu auf. Heute ist PT Fliesen & Innenausbau ein florierendes Geschäft mit fast 30 Mitarbeitern und einer eigenen Holzmanufaktur. Wir sprechen über die Bedeutung von Resilienz, die Rolle der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien bei seinem Neuanfang und wie Tschotow's innovative Ansätze und Nutzung sozialer Medien zum Erfolg des Unternehmens beitrugen. Tauchen Sie ein in diese fesselnde Geschichte eines Unternehmers, der sich durch Widrigkeiten kämpfte und einen beeindruckenden Weg des Erfolgs beschritt.
Zu Gast: Patrick Tschotow, PT Fliesen & Innenausbau Simone Berndt, Firmenkundenberaterin Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien
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Skript: Erfolgreich nach dem Scheitern – PT Fliesen & Innenausbau
Jingle INTRO
Den Deutschen sagt man ja gerne nach, sie könnten fast alles – außer Scheitern. Wenn ein Unternehmer oder eine Unternehmerin scheitert und in der Insolvenz landet, dann haftet das lange und das Image ist erst mal ramponiert.
Der Umgang mit Fehlern und Pleiten gehört vielleicht tatsächlich nicht zu unseren Stärken.
Ganz anders als zum Beispiel in den USA, wo Gründer nach der Pleite einfach aufstehen und wieder von vorne anfangen – und niemand belächelt sie deswegen, im Gegenteil. DAS ist wahres Unternehmertum, heißt es dann manchmal.
Heute geht’s um einen Unternehmer, der krachend gescheitert ist. Jetzt macht er einiges anders – und das mit großem Erfolg.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.
Jingle CLOSER
O-TON Tschotow: „Ich sag mal so: Wenn man – und ich muss das einfach so deutlich sagen – wenn man mal richtig Dreck gefressen hat und richtig auf der Schnauze lag, dann will man das nicht mehr haben. Und dann überlegst du dir halt ganz, ganz genau, was du in der Zukunft tust und was du erreichen willst.“
Patrick Tschotow hat jede Menge Dreck gefressen, wie er es formuliert. Der Fliesenleger war früher einmal selbständig, hatte zusammen mit seinem Vater ein Unternehmen. Der kümmerte sich mehr oder weniger allein um das Kaufmännische, der Sohn vor allem ums Handwerk.
Darin kann man allerdings noch so gut sein – wenn auf der kaufmännischen Seite falsche Entscheidungen gefällt werden, dann kann das trotzdem irgendwann ordentlich in die Hose gehen. Und so ist es dann irgendwann auch passiert.
Das gemeinsame Unternehmen landete in der Insolvenz. Unter anderem auch, weil sich Vater und Sohn zu sehr auf einen großen Kunden verlassen hatten. Mit der Pleite hatte Patrick Tschotow dann plötzlich nicht nur keine Arbeit mehr, sondern auch noch einen Schuldenberg in fünfstelliger Höhe an der Backe. Nach durchaus erfolgreichen Jahren war er damit also ganz unten angekommen.
O-TON Tschotow: „Wenn man wirklich mal nichts hatte – und das war bei mir tatsächlich so – also ich musste mir tatsächlich überlegen, ob ich hier die zwei Euro irgendwie für ein paar Eier oder Brötchen beim Bäcker ausgebe … wenn man mal wirklich so tief unten war … es kann eigentlich nicht schlimmer sein, ja … ich bin glücklich, dass es alles so gekommen ist. Sonst wäre es heute nicht so, muss ich ganz ehrlich sagen, denn man weiß die Sachen ganz anders zu schätzen.“
Heute kann er darüber entspannt reden. Damals aber sei es alles andere als leicht gewesen. In der Insolvenzphase arbeitete er erst mal in einem anderen Betrieb und hielt sich irgendwie über Wasser. Mit den Jahren wurde für ihn eines aber immer mehr deutlich: Dieser Betrieb ist nichts für mich. Hier kann ich meine Ideen nicht umsetzen, hier werde ich nicht glücklich.
Mitte 2015 ist es dann so weit. Nach viele Monaten des Zögerns und Zweifelns, ob das wirklich der richtige Schritt ist, wagt er noch einmal den Schritt in die Selbständigkeit und startet als Ein-Mann-Betrieb im sächsischen Landkreis Görlitz neu durch.
O-TON Tschotow: „Ja, ich hab gekündigt, hab mir einen Gewerbeschein geholt, hab bei der Handwerkskammer so einen Zuschuss bekommen für die Unternehmensgründung. Und dann hatte ich da irgendwie die ersten zwölf Monate jeden Monat noch mal so um die 1.100 Euro glaube ich bekommen. Und das war quasi mein Background für die ersten zwölf Monate. Und ja, man ist natürlich, wenn man handwerklich begabt ist, schon immer an allen Ecken und Enden fleißig – und das hat dazu geführt, dass man damals schon sehr gefragt war. Und ich hatte keine Probleme, die ersten Aufträge zu generieren und habe halt ganz allein angefangen, mit einem alten Bulli, den ich mir irgendwie vom Munde abgespart hatte für 2.000 Euro – und mit einer, ich sag immer, mit einer dreckigen Zahnkelle und einem alten Fliesenschneider, denn mehr hatte ich nicht.“
Die erste Zeit war allerdings alles andere als einfach, erinnert sich Tschotow heute.
Denn wie es bei einem Insolvenzverfahren häufig der Fall ist, hatte Tschotow zwar über mehrere Jahre seine Schulden bei den Gläubigern reduziert, aber noch nicht komplett abbezahlt. Was dann folgt ist die Restschuldbefreiung, mit der ein wirtschaftlicher Neustart möglich werden soll.
Die restlichen Schulden werden dann erlassen – aber erst nach einer gerichtlichen Prüfung und nach einer mehrjährigen so genannten „Wohlverhaltensperiode“. Wenn die abgelaufen ist und der Schuldner sich nach Ansicht des zuständigen Insolvenzgerichts angemessen verhalten hat, dann werden die Schulden auf Null gesetzt.
Bis dahin ist aber zum Beispiel an einen Kredit für neue Maschinen und besseres Werkzeug erst mal nicht zu denken.
O-TON Tschotow: „Dazu ist zu wissen: In der Zeit, wo ich mich selbständig gemacht habe – ich bin direkt aus der Insolvenz wirklich knapp rausgewesen – und dann gibt es ja diese so genannte Restschuldbefreiung. Da können sie wieder ganz normal verdienen und alles, was sie verdienen, können sie wieder behalten, sie müssen nichts mehr abgeben oder dem Insolvenzverwalter zukommen lassen. Aber die Restschuldbefreiung ist ja quasi wie noch mal ein Deckel, so ein kleiner Rattenschwanz hintendran, der dann heißt: Du kriegst keine Kredite, du hast keine Bonität und wenn dann jemand eine Schufa-Abfrage macht, dann ist immer noch alles auf Rot. Obwohl die Insolvenz vorbei ist. Das ist eine blöde Regelung, finde ich total bekloppt, dass das in Deutschland immer noch so ist. Und dann habe ich natürlich auch mit dem Zuschuss so die ersten Werkzeuge mir besorgt. Und ja, wenn du tanken musstest, das ging schon alles klar…“
… aber viel Luft hatte der Fliesenleger in dieser Zeit nicht. Und das hieß dann unter anderem, dass er eigentlich keinen Auftrag annehmen konnte, wenn der Kunde nicht bereit war, im voraus eine Anzahlung zu leisten.
O-TON Tschotow: „Ja, wenn der Auftrag 3.000 Euro war, hab ich sofort gesagt, Leute, ich brauch 50 Prozent Anzahlung, habe gerade neu gegründet. Ich bin immer – immer! – offen und ehrlich mit allen umgegangen, hab wirklich versucht, denen auch immer das Gefühl zu geben, die haben es da mit einem ehrlichen jungen Handwerker zu tun … an Unternehmer war ja noch lange nicht zu denken, ich war einfach nur ein, ja, selbständiges Greenhorn [lacht] und hab immer ehrlich gesagt, ja, ich habe gerade angefangen. Und Leute, ich brauch hier die Kohle, ein bisschen was im voraus. Ich muss Fliesen und Platten kaufen, ich muss den Kleber bezahlen. Und dadurch war ich immer liquide und konnte natürlich die Aufträge bearbeiten. Und wenn sie da zwei, drei Aufträge haben, dann kommt das Ding schon so ein bisschen ins Laufen. Aber du musst dich drum kümmern – Tag und Nacht.“
Aber eines, was heute vielen Bauherren oder Hausbesitzern zu schaffen macht, war auch schon vor acht Jahren nicht viel einfacher: Gute Handwerker sind nicht so leicht zu finden. Und wenn einer seinen Job zur Zufriedenheit der Kunden erledigt, dann spricht sich das schnell rum.
Tschotow hatte innerhalb kurzer Zeit immer mehr zu tun und musste sich nach nach zwei Jahren schon dringend nach Verstärkung umsehen. Aber auch für ihn war es erst mal nicht leicht, einen guten Fliesenläger zu finden. Bis ihm jemand von einem erzählte, der angeblich sein Handwerk verstehen sollte.
Einziges Problem: Der Mann ist Afghane und lebt noch in einem Asylheim. Tschotow hatte erst mal einige Bedenken, wie das denn gehen soll, mit einem Handwerker …
O-TON Tschotow: „… der kein richtiges Deutsch spricht, der geflüchtet ist, der viel Leid gesehen hat … der ihnen bestimmt auch über den Tagesablauf ab und an mal eine Geschichte erzählt, die sie vielleicht gar nicht so hören wollen – oder sie hören sich die Geschichte an und machen sich dann darüber Gedanken. Weil, der hat Sachen gesehen, die haben wir beide noch nicht gesehen, das ist ganz schlimm. Aber ich habe das trotzdem gemacht. Ich bin dahingefahren, habe den kennengelernt und der war einfach nett. Der war nett und sympathisch und hat gesagt, ich habe im Iran und in Afghanistan Fliesen und Platten gelegt. Aber ich kenne mich natürlich nicht mit Eurer Bauchemie aus, aber das kriege das schon hin, ich kann gut mit Fliesen und Platten – ich bin Fliesenleger. Er hat immer gesagt, ich bin Fliesenleger. Tja, und dann habe ich den mitgenommen. Und die ersten Erfahrungen waren … sehr speziell, weil [schmunzelt] der hat’s natürlich auf seine Art und Weise gemacht. Aber in kürzester Zeit hat sich das entwickelt. Und tatsächlich ist der besten Fliesenleger, die jemals bei mir waren.“
Nach einigen Jahren zieht es den afghanischen Fliesenleger dann zu Verwandten nach Hamburg. Bis dahin aber ist er für Tschotow eine wichtige Hilfe und auch durch seine Tatkraft und Fähigkeiten kann das kleine Unternehmen langsam wachsen.
Die Zahl der Aufträge wächst – und langsam auch die der Mitarbeiter. Während andere Unternehmer zum Beispiel über die Arbeitsagentur nach Verstärkung suchen würden, findet Tschotow seinen zweiten Mann durch Zufall und Kontakte an einem Ort, wo er niemals nach einem Fliesenleger gesucht hätte. Denn da hatte jemand seinen alten Beruf an den Nagel gehängt.
O-TON Tschotow: „Der hat hier tatsächlich im Gewerbegebiet in Oderwitz an der Waschanlage gearbeitet. Und ist wirklich ein begnadeter Fliesenleger. Heute noch bei mir – unser lieber Carsten, kann man ja ruhig so sagen. Wohnt hier noch im Dorf, ist einer unser besten Fliesenleger, und der kam direkt nach unserem Afghanen … nach unserem Safi – den Namen möchte ich auch gerne nennen.“
Wachstum bedeutet dann im Laufe der Zeit allerdings auch, dass die Firma irgendwann mehr Platz braucht. Der Jungunternehmer erfährt von einem größeren Betrieb, der wegen eines Todesfalls geschlossen werden musste. Eigentlich hatte sich Tschotow dort nur für ein paar Maschinen interessiert, dann aber kommt das Angebot: Kauf das doch alles. Maschinen, Büro, Gebäude mit kleiner Halle und der Möglichkeit auch noch auf dem Grundstück mehr zu bauen.
Aber wie soll das funktionieren, wenn man im Hinterkopf immer noch die alte Insolvenz hat? Ein Kunde, der damals schon begeistert von Tschotows Arbeit war, sagt zu ihm. Ich kenne da jemanden bei der Sparkasse. An die solltest du dich mal wenden.
O-TON Tschotow: „Das war die liebe Frau Berndt – und er hat den Kontakt hergestellt, der hat die irgendwann angerufen und hat gesagt, hier, ich hab da so einen verrückten Fliesenleger, ich glaub, der braucht Hilfe. Aber der hat noch ein Thema, irgendwas klappt da nicht so ganz mit der Bonität [lacht] … ja, weil ich ja die Restschuldbefreiung hatte aus der Insolvenz. Und das war der Tag, da bin ich dann irgendwann mit einer Frau Berndt zusammengerückt, die kam zu mir nach Hause, ich hab mich mit ihr getroffen, hab meine ganze Geschichte erzählt. Und die war völlig offen dafür.“
Simone Berndt ist Firmenkundenberaterin bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Und sie erinnert sich noch genau an das erste Zusammentreffen mit dem Unternehmer, der ja immer noch in der Gründungsphase war – und der zu diesem Zeitpunkt nicht mal einfach einen Kredit für einen Autokauf bekommen hätte… der jetzt aber für einen sechsstelligen Betrag eine Gewerbeimmobilie kaufen wollte.
Tschotow erzählte ihr seine ganze Geschichte.
Er begeisterte sie mit seinen Ideen vom Fliesenlegen … und vom Trockenbau, den er mit seinem wachsenden Team auch immer mehr in die Tat umsetzen konnte … von seiner Vorstellung, noch weiter wachsen zu wollen, indem er für die Kunden immer mehr zum Komplett-Partner werden wollte …
Und Tschotow erzählte natürlich auch von seiner finanziellen Situation. Von der Insolvenz und allem, was dazu gehört. Und was ihm bis zu diesem Zeitpunkt immer noch das Leben schwer machte.
Das sorgte von Anfang an für Vertrauen bei Simone Berndt, das im Laufe der Jahre dann immer weiter wachsen konnte …
O-TON Berndt: „Dass er von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat. Er beim Erstgespräch uns davon berichtet hat. Die Restschuldbefreiung war erteilt zu dem Zeitpunkt, aber beispielsweise in der Schufa hängt das wohl noch drei Jahre hintenan. Damit war er für andere Finanzierungspartner quasi raus, beispielsweise Autokäufe et cetera, das ging alles zu dem Zeitpunkt nicht. Und wir haben hausintern uns abgestimmt und haben gesagt, okay, die Restschuldbefreiung ist durch und die sieben Jahre waren rum. Und wir haben jetzt zu dem Zeitpunkt – und wie er angefangen hat und mit dem Enthusiasmus, den er da an den Tag gelegt hat – eben das Gefühl, dass das was werden kann. Jetzt, wenn er allein für sich selbständig Entscheidungen treffen kann, nicht mehr auf seinen Partner angewiesen ist … ja, das war eigentlich der ausschlaggebende Punkt.“
Denn Tschotow erklärte ihr auch genau, warum er sich im Laufe der Jahre überhaupt selbst aus dem Sumpf ziehen musste, um wieder auf eigenen Füßen zu stehen – wie es überhaupt zur unternehmerischen Pleite mit seinem Vater gekommen war.
O-TON Berndt: „Er war damals mehr für den fachlichen Bereich zuständig in dieser Partnerschaft mit seinem Vater. Und der Vater für das kaufmännische. Und da hat er sich zu hundert Prozent darauf verlassen. Und hat aber gemerkt, diesen Part, diesen kaufmännischen Part, den darf ich nie wieder aus der Hand geben. Und jetzt als Einzelunternehmer, wie er bei uns quasi angeklopft hat und uns rübergebracht hat, was er machen und unternehmen möchte, um sich da auch entsprechende Kenntnisse anzueignen, die ein Jungunternehmer braucht, das war das Paket … plus seine fachliche Expertise, die uns dazu bewogen haben zu sagen, okay, diese Gewerbeimmobilie, das könnte passen und das ist für ihn der Startschuss und das könnte etwas Größeres werden.“
Und das ist es inzwischen auch geworden.
Das Unternehmen „PT Fliesen und Innenausbau“ hat inzwischen bald 30 Mitarbeiter. Und seit drei Jahren zählt Patrick Tschotow auch eine so genannte Holzmanufaktur zu seinen Standbeinen. Das Paket wird immer kompletter.
Denn viele Kunden hatten zum Beispiel den Wunsch nach Wänden, die zum Teil mit Echtholz verkleidet werden sollten – oder nach Holzdecken … oder auch nach exklusiven Holzmöbeln, zum Beispiel fürs Badezimmer.
Allein fünf Tischler arbeiten schon für ihn und er sucht immer weiter nach Verstärkung. Inzwischen aber nicht mehr in der Flüchtlingsunterkunft oder an der Waschstraße, sondern vor allem über Social Media-Kanäle wie zum Beispiel Instagram… und dabei zeigen seine Leute gleich ganz nebenbei, was sie alles machen.
O-TON Instagram-Video-Ausschnitt mit Musik: Tschotow: „Tischler aufgepasst! Du bist gelernter Tischler und suchst nach einer neuen Herausforderung. Das Arbeiten mit Holz macht dir immer noch riesengroßen Spaß und die Liebe zum Handwerk treibt dich an? Dann ist das die PT Holzmanufaktur, wir sind in Oderwitz, komm mal mit, ich zeig dir was.Deine Aufgaben bei uns: Moderne Wände und maßgeschneiderter Möbelbau.“Tischler 1: „[atmet tief durch die Nase ein] … aus guter, gehackter Zirbel.“Tschotow: „Aus Thermofichte und außerdem baust du mit uns…“Tischler 2: „Die schönsten Badmöbel“ Tischler 3: „Extravagantes Deckendesign“Tischler 4: „Egal ob Decke oder Wand – alles aus einer Hand … natürlich auch mit Licht.“Tschotow:„Wenn du jetzt also Bock hast auf ein richtig cooles Team und brennst für dein Handwerk, dann bewirb dich, liebe Grüße.“
Social Media, das ist für ihn aber nicht nur der Weg, um neue Mitarbeiter zu finden. Seit mehreren Jahren stellt er fast täglich sich, sein Unternehmen und seine Arbeit immer wieder mit neuen Bildern und Videos dar. Er macht damit auf sich aufmerksam und gewinnt so auch immer mehr Kunden.
Natürlich hat er auf dem Firmengelände inzwischen auch einen eigenen Showroom. Aber auf Instagram und Co. kann er viel mehr zeigen – nämlich das, was er tatsächlich bei seinen Kunden realisiert … und was er mit seiner ihm eigenen Begeisterung dann auch präsentiert…
O-TON Instagram-Video-Ausschnitt:Tschotow: „Riesengroße XXL-Platten, ja, ihr seht das hier direkt schon, die ganze Wand anthrazit-gefliest, mit elektrisch beheizten Wänden, einem beheizten Sitzblock, einer Eiche-Decke – gehackt – das hatten wir in einem anderen Bad schon mal, aber die Beleuchtung anders ausgeführt … schaut euch das mal an: Möbel aus der PT Holzmanufaktur … ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll … eine Atmosphäre hier in diesem Bad, da drehst du völlig durch. Wenn du sowas hast, dann freust du dich einfach jeden Tag – darum geht’s Leute.“
Auch wenn er durchaus noch die typischen Standardbadezimmer oder Fliesenarbeiten übernimmt, manchmal auch bei öffentlichen Aufträgen, setzt Tschotow inzwischen vor allem auf Kunden, die das Besondere suchen.
Sei es die besondere Optik durch riesige Feinsteinzeug-Platten, die mehr als zwei bis drei Meter Kantenlänge haben können und die seine Leute fast schon regelmäßig verlegen. Sei es durch gehackte Holzwände oder -decken mit besonderer Beleuchtung natürlich integriert. Maßgefertigte Möbel, Türen und so weiter.
Vom Badezimmer über Küche, Flur, Wohnzimmer und so weiter – in so manchem Haus ist die individuelle Handschrift von Patrick Tschotow inzwischen von oben bis unten zu erkennen. Und wenn möglich, dann macht er damit gleich wieder auf seinen Social Media-Kanälen Werbung. Sowohl um Kunden zu gewinnen – als auch potenzielle Mitarbeiter zu interessieren.
Und die Konkurrenz? Ist manchmal wohl mindestens – na, sagen wir es mal vorsichtig – irritiert.
O-TON Tschotow: „Das ist aber auch echt ein witziges Thema muss ich sagen, weil es gibt ja wirklich auch andere Unternehmer und Unternehmen, die so draufschauen von außen und sagen: ‚Ey, guck dir mal den bekloppten Selbstdarsteller an – der macht sich ja komplett zur Feile.‘ Die gibt es schon, aber ich kann damit gut umgehen, weil ich sehe ja, dass es bei mir deutlich besser läuft als bei denen. Weil wir haben Zuspruch ohne Ende. Weil ich hab tatsächlich – gestern haben wir das gecheckt, wir müssen das heute durchgehen – wir haben noch mal sechs Tischlerbewerbungen. Und ich rede nicht von irgendwelchen Leuten, die schreiben, ich hab schon mal mit einer Laubsäge im Garten was gemacht, ich möchte bei dir als Tischler anfangen. Ich rede von Leuten, die wirklich viele Jahre in Betrieben sind, die am Ende eingefahrene Prozesse haben, wo sich einfach nix dreht. Die sitzen immer noch irgendwie im Hinterhof in einer Doppelgarage und bauen die Schränke zusammen. Es geht aber auch anders. Ich betone wirklich, deswegen sind das keine schlechten Unternehmen. Die machen auch supergute handwerkliche Arbeit. Aber die haben nicht verstanden, dass der moderne Weg anders ist. Und Social Media gehört heute hundertprozentig mit dazu.“
O-TON Berndt: „Also er polarisiert natürlich enorm mit seiner extrovertierten Art und wie er sich zeigt und präsentiert. Gerade alteingesessene Unternehmer … das kriege ich auch zu hören, wir sind ja in einem ländlichen Gebiet, da kommt man ins Gespräch und als Kundenbetreuer hat man da sowieso immer so ein offenes Ohr in alle Richtungen … und natürlich kommen da auch kritische Stimmen. Aber am Ende des Tages denke ich, wenn die Zahlen, die Umsätze, das alles kommt und er diese Aufträge auch gewinnt, die er sich vorstellt, dann kann er aus meiner Sicht jetzt nicht so viel falsch machen. Und es ist vielleicht auch eher von anderer Seite dann so ein Stückweit, ich will es jetzt mal nicht Neid nennen, aber jetzt kommt so ein Jungunternehmer und zeigt uns eigentlich, wie das Geschäft läuft und wie man es voranbringen kann. Und dass das natürlich nicht immer sofort auf positive Resonanz bei Mitbewerbern stößt, ist klar.“
Es ist noch nicht so lange her, da war Patrick Tschotows berufliche Karriere scheinbar am Ende. Die Insolvenz und eine mehrjährige Durststrecke aber sind inzwischen überwunden und der Betrieb wächst und wächst. Das allerdings hat den Unternehmer auch wiederum vor neue Herausforderungen gestellt, sagt die Firmenkundenbetreuern Simone Berndt von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien.
Denn einerseits hatte ihr Kunde damals mit seinem Vater als demjenigen, der fürs Kaufmännische verantwortlich war, eine Pleite erlebt. Als Konsequenz hat Tschotow sich dann jahrelang um alles selbst gekümmert und wollte auch keine Verantwortung mehr abgeben.
Ein so stark wachsendes Unternehmen bedeutet allerdings genau das: Aufgaben delegieren müssen – und zwar auch und gerade im kaufmännischen Bereich. Deshalb hat nicht zuletzt auch Simone Berndt den Unternehmer dahingehend beraten und ihm gesagt, dass er nicht nur bei den Handwerkern einstellen muss.
O-TON Berndt: „Das hat mich auch gefreut, dass er sich solchen Dingen auch stellt und solche Ratschläge und Empfehlungen auch annimmt und auch umsetzt. Und jetzt hat er eine Kollegin, eine Leiterin Finanzen, integriert. Und mit der Frau Gude an der Seite habe ich jetzt auch das Gefühl – sie ist jung, sie ist ähnlich dynamisch wie er –, das ist jetzt ein richtiges Team, die da zusammen agieren und dass er jetzt im nächsten Jahr auch in diesem Bereich einen wirklichen Sprung nach vorne machen wird. Was ihn natürlich auch erheblich entlastet und ihm mehr Freiraum lässt. Weil seine große Stärke ist absolut der Vertrieb, die Akquise, das ist das, was er kann – was er am besten kann.“
Achteinhalb Jahre ist es her, dass Patrick Tschotow mit – wie er es selbst so schön beschrieben hat – einer dreckigen Zahnkelle und einem alten Fliesenschneider noch mal ganz von vorn begonnen hat. Achteinhalb Jahre, in denen das Unternehmen PT Fliesen und Innenausbau entstanden und immer weiter gewachsen ist – und noch weiter wächst.
Denn schon vor einiger Zeit hatte Tschotow das Gefühl, seine Gewerbefläche mit 6.000 Quadratmetern, auf der im Laufe der Zeit auch noch eine weitere Halle entstanden ist, könnte trotzdem irgendwann zu klein sein. Deshalb hat er sich rechtzeitig direkt nebenan ein weiteres rund 8.000 Quadratmeter großes Grundstück bei der Gemeinde gesichert.
Und da entsteht gerade der erste Teil einer neuen Halle. In die soll erst mal das Lager für die Bauchemie, Dämmstoffe und so weiter einziehen – denn die Firma braucht inzwischen viel mehr Lagerfläche und auch sonst wird alles immer enger.
O-TON Tschotow: „Die Halle ist deutlich größer als die, die jetzige Halle, die wir haben. Und es wird so sein, dass auch die Holzmanufaktur, die ist einfach zu klein. Wir haben mittlerweile um die fünf Tischler, es wird dann auch demnächst noch einen sechsten geben. Und die können sich nicht mehr ordentlich bewegen und haben keine großzügigen Arbeitsbereiche mehr. Deswegen haben wir gesagt, okay, wir haben uns hier zusammengesetzt, wir bauen die Holzmanufaktur um. Die kommt komplett in die Halle zwei, die vor zwei Jahren gebaut wurde. Wir erweitern die Holzmanufaktur von ihren zweihundert … kann’s nicht genau sagen … 220 Quadratmeter drüben, 250 … erweitern wir drüben in die große Halle auf über 500 Quadratmeter. Und nehmen die ganze Bauchemie in die neue Halle drei und machen drüben wirklich komplettes Baustofflager, was dann aber auch noch mal größer ist.“
Das klingt jetzt vielleicht alles ganz leicht und locker – war es aber gar nicht, sagt Firmenkundenbetreuerin Sabine Bernd. Denn die Finanzierung des nächsten Wachstumsschrittes kratzt schon an einer Million Euro. Und dafür galt es viele Eventualitäten und Absicherungen einzubauen.
Unter anderem wurde dabei die Bürgschaftsbank Sachsen ins Boot geholt. Und auch hier musste Patrick Tschotow noch einmal zeigen, wie sehr er überzeugen kann. Denn seine Kunden von besonders edlen Fliesen oder exklusiven Möbeln zu überzeugen, das ist das eine … aber jetzt ging es um viele hunderttausend Euro.
O-TON Berndt: „Wir hatten das in einer Teams-Sitzung abgehalten … und ja, ich musste schmunzeln, weil die Kollegin von der Bürgschaftsbank, die war danach – ich weiß gar nicht, wie lang wir das Gespräch geführt haben – wahrscheinlich ähnlich in Anführungsstrichen ‚erschlagen‘ wie sie [lacht] von der Überzeugungskraft von Herrn Tschotow … und sie hat’s dann auch mit ins Gremium mitgenommen und das war ja keine geringe Summe, die wir da beantragt haben. Und es ging trotzdem auch durch den großen Ausschuss, wo ja auch Vertreter aus Wirtschaft, von Banken etc. alle drin sitzen. Und auch dort konnte überzeugend rübergebracht werden, dass es lohnenswert ist, den nächsten Schritt mit Herrn Tschotow zu gehen.“
Jaaaa … Patrick Tschotow kann die Menschen wohl überzeugen.
Mich hat er auf jeden Fall davon überzeugt, dass er für seinen Beruf und sein Unternehmen brennt.
Und seine Kunden überzeugt er anscheinend immer wieder von Tag zu Tag, dass sie ihm vertrauen können. Dass sie bei ihm ihr Traumbadezimmer, ihren schönen Wohnbereich und vieles mehr bekommen können.
Da gibt es allerdings einen Faktor, auf den hat auch jemand mit viel Überzeugungskraft nur wenig Einfluss. Die Krisen in den vergangenen Jahren mit ihren Folgen wie verteuerten Baustoffen, Inflation und gestiegenen Zinsen machen es der Bauwirtschaft im Großen und Ganzen deutlich schwerer als vorher. Das bekommt auch Tschotow zu spüren.
O-TON Tschotow: „Ich persönlich merke auch, dass es auf jeden Fall schwieriger wird. Wir haben immer noch Aufträge – gute Aufträge. Liegt aber natürlich, muss ich sagen, tatsächlich – und jetzt komm ich wieder auf das Thema zurück – an der Reichweite, die wir auch über Social Media generieren. Weil wir immer wieder Kunden finden, die das Geld haben und die das Geld gerne ausgeben und die ein Bad brauchen. Und es braucht jeder ein Bad. Vor der Krise, während der Krise und nach der Krise brauchen wir Bäder – und auch neue Bäder … die wir sanieren … die Leute müssen nur drauf aufmerksam werden, dass sie zum richtigen Betrieb kommen. Und dann haben sie natürlich schon zu tun, dass sie das so präsentieren. Also wir müssen wieder richtig verkaufen. Die Zeiten, wo das alles so ein bisschen locker flockig ging, die Zinsen waren niedrig, die sind tatsächlich vorbei. Also das merke ich schon auch. Also wir haben auch einige Auftragsabsagen erhalten von Kunden, die gesagt haben, nee, ich kann mir das einfach nicht leisten. Ich leg jetzt keine Fliese, ich muss mir einen Vinylboden reinlegen, der ist deutlich günstiger. Das merkst du schon. Also umso wichtiger noch mal, die richtigen Kunden auf sich aufmerksam zu machen, die das wollen, was wir hier bieten können.“
Und wer wirklich einen Auftrag hat, der landet möglicherweise bei Tschotow und stellt dann fest, dieses Unternehmen, das hat irgendwas. Und das ist nicht nur die tägliche Leistung auf der handwerklichen Ebene.
Auch die Atmosphäre IM Betrieb sei ungewöhnlich, sagt Sparkassen-Firmenkundenberaterin Simone Berndt. Sie habe von regelmäßigen Grillabenden des Teams gehört… von wöchentlichen Massage-Angeboten, als Ausgleich für die harte Arbeit … und wie gut das Team miteinander funktioniert, das zeige nicht zuletzt die Tatsache, dass ungewöhnliche viele Mitarbeiter auch bei den Social-Media-Videos mitmachen würden. Denn davon kann man normalerweise längst nicht jeden so einfach überzeugen.
O-TON Berndt: „Ich hatte jetzt vorige Woche mit der Leiterin Finanzen, die jetzt erst wenige Monate bei ihm jetzt tätig ist, mal gesprochen und hab mir von ihr mal ein Feedback abgeholt, wie sie angekommen ist und wie sie sich fühlt. Und sie sprach davon, dass sie sowas noch nie erlebt hat. Also diese Atmosphäre und wenn er seine fast täglichen Filme einstellt bei Facebook, Instagram und diese ganzen Netzwerke, die er da nutzt, da sind ganz oft Mitarbeiter abgebildet oder werden gezeigt, die sich auch äußern dazu. Was ich schon beachtlich finde, weil in der Regel haben Mitarbeiter eher eine Scheu und sind da zurückhaltend und wollen das in der Öffentlichkeit nicht so. Aber in seinem Team und wie das so aufbaut und macht, spielt das eine wesentliche Rolle. Er vermittelt wahrscheinlich auch diesen Zeitgeist, also wenn wir nach vorn kommen wollen, dann müssen wir uns so zeigen und am besten täglich präsentieren, was wir können und wo unsere Stärken liegen. Und das gelingt ihm aus meiner Sicht schon recht gut.“
Auch wenn mit Sicherheit nicht jeder Unternehmer so tickt wie Patrick Tschotow, so meint Berndt, sein Beispiel könne man sich durchaus mal genauer anschauen und vielleicht das eine oder andere abgucken: die eigene Komfortzone mal zu verlassen und sehen, wie man heute als Unternehmer agieren und damit Erfolg haben kann.
Und Tschotow? Sagt, er sei noch längst nicht am Ziel. Jetzt muss erst mal die neue Halle fertig werden. Und dann habe er noch ein paar Ideen, mit denen vielleicht in absehbarer Zeit auch eine Vergrößerung der Hallenfläche schon wieder nötig werden könne – aber über die will er erst mal noch nicht reden.
O-TON Tschotow: „Also ich fühle mich derzeit wirklich wohl. Ich bin stolz, wirklich stolz auf jeden einzelnen, der jetzt hier arbeitet bei uns. Und jeden Tag treibt uns das gemeinsam an. Natürlich bin ich die Lokomotive, die jeden Tag rausgehen muss und ein bisschen Volldampf gibt, dass auch alle mitziehen, aber das macht einen Riesenspaß. Also ich brenne hier für die Sache und freue mich eigentlich jeden Tag auf morgen [schmunzelt].“
Mehr Infos zu diesem Thema finden sie wie immer noch in unseren Shownotes zu dieser Folge.
DROP
Schön, dass sie wieder dabei waren.
Ich freue mich, wenn sie in die nächste Folge wieder reinhören.
Bis dahin, machen Sie’s gut.