Vom Baum zum Gebäude: Der nachhaltige Weg des Bauens - LiWooD AG

Shownotes

In dieser Episode tauchen wir tief in die Welt des nachhaltigen Bauens ein und entdecken, warum Holz das Baumaterial der Zukunft ist. Wir sprechen mit der LiWooD AG, einem Unternehmen, das sich der Revolutionierung des Bausektors durch den Einsatz von Holz verschrieben hat. Erfahren Sie, wie die LiWooD AG innovative und umweltfreundliche Baukonzepte entwickelt, die nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Von der Vision des Unternehmens über die Herausforderungen des Marktes bis hin zu beeindruckenden Projektbeispielen – begleiten Sie uns auf eine Reise durch die faszinierende Welt des Holzbaus.

Zu Gast:

Christian Czerny, Vorstand – LiWooD AG Josef Kreileder, Firmenkundenberater – Sparkasse Passau

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Skript: Mit dem Holzbau hoch hinaus – LiWooD AG

Jingle INTRO

In Deutschland fehlen hunderttausende Wohnungen – vor allem bei günstigem Wohnraum ist die Not groß. Es muss also dringend mehr gebaut werden.

Und das in einer Zeit, in der gleichzeitig der Kampf gegen den Klimawandel eine immer größere Rolle spielt.

Das Unternehmen, mit dem wir uns heute hier beschäftigen, macht genau das möglich: Klimaschonend bauen.

Und dabei schafft es oftmals neuen, modernen Wohnraum, ohne dass dafür neue Grundstücke versiegelt werden müssen

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

Jingle CLOSER

Zum Einstieg hab ich mal ein paar Schlagzeilen aus diesem Sommer mitgebracht. Das Handelsblatt meldet zum Beispiel im Juni:

O-TON Sprecherin: „Klimaneutrales Bauen: Bundesregierung beschließt Initiative für Holzbau.“

Auch auf der Onlineseite der Tagesschau kann man ebenfalls im Juni lesen:

O-TON Sprecherin: „Bis 2030 soll nach dem Willen der Bundesregierung deutlich mehr mit Holz statt mit Beton oder Stein gebaut werden. Das Kabinett beschloss eine entsprechende Initiative, um die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs beim Bau und bei der Aufstockung von Gebäuden voranzubringen.“

Und Zeit online meldet zum selben Thema:

O-TON Sprecherin: „Holz gilt als klimafreundlicherer Baustoff, weil Bäume Kohlendioxid speichern, das im verbauten Holz auf Dauer gebunden bleibt Zudem argumentiert die Bundesregierung mit kürzeren Transportwegen, da der Rohstoff nicht nur nachwachsend, sondern auch heimisch ist. Auch eigne sich Holz gut für serielles, modulares und damit günstigeres Bauen.“

Seit Jahren steigt der Anteil der Wohngebäude, die in Holzbauweise errichtet werden, langsam, aber stetig an. Vor zwei Jahren lag die Quote zum ersten Mal sogar bei über 20 Prozent. Bisher liegt das allerdings vor allem an vielen Ein- oder Zweifamilienhäusern. Wenn es nämlich um große Wohneinheiten geht, dann wird in Deutschland immer noch vor allem mit Beton, Stein und Stahl gebaut.

Dass sich aber auch hier deutlich etwas tut, das erlebt die LiWooD AG aus Süddeutschland. Vor 15 Jahren erst hat Christian Czerny das Unternehmen gegründet.

O-TON Czerny: „Wir sind heute in einer Größe von etwa 50 Millionen Umsatz unterwegs. Mit einem sehr steil ansteigenden Wachstum … bis 120 Millionen im Jahr 25.“

Falls sie denken, dass sie sich verhört haben, noch mal zum Mitschreiben: Umsatz derzeit bei rund 50 Millionen Euro – in zwei Jahren sollen es schon 120 Millionen sein.

Aber vielleicht sollten wir erst mal kurz klären, was die LiWooD AG überhaupt genau macht.

O-TON Czerny: „Wir haben uns dem Holzbau verschrieben. Das bedeutet, dass wir Gebäude bauen, rein aus Holz. Wir benutzen keinen Beton mehr oder keinen Stahl, keine sonstigen Dinge – und bauen Häuser rein aus Nadelhölzern.“

Und hier reden wir nicht von kleinen Häusern, sondern von großen Wohneinheiten. Entweder als kompletter Neubau mit bis zu acht Etagen. Oder als Aufstockung von bereits bestehenden Gebäuden, über die zum Beispiel auch die Tagesschau schon berichtet hat.

O-TON Tagesschau-Bericht: „In Frankfurt gibt’s was aufs Dach. Wohnmodule schweben auf 50er-Jahre-Bauten herab. Aus alt wird anders. Aus drei Stockwerken werden fünf. Wohnraum wächst – nach oben. Nicht genutzte Dachstühle weichen.“

Diese Wohnmodule aus Holz kamen von LiWooD. Für Vorstand Christian Czerny sind sie die konsequente und logische Antwort auf die Wohnungsnot.

O-TON Czerny: „Eine Aufstockung kostet per se auf einen Quadratmeter Wohnfläche gerechnet ein bisschen mehr, als wenn sie ein Haus auf der grünen Wiese bauen. Allerdings brauchen sie keinen Euro aufwenden für ein Grundstück, weil ihr Grundstück haben sie schon – in zehn Meter Höhe zum Beispiel, wenn es ein dreigeschossiges Haus ist. Und davon gibt es jede Menge.“

Nach einer Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover könnten allein auf Wohngebäuden aus den 1950er bis 90er Jahren bis zu 1,5 Millionen Wohneinheiten entstehen. Aber auch auf Supermärkten oder Parkhäusern seien demnach weitere Etagen für Wohnungen in großer Zahl machbar.

Gerade in Städten, in denen einerseits der Wohnraum knapp ist, andererseits aber auch keine freien Bauflächen mehr verfügbar sind, könnte man mit dem Aufstocken von Gebäuden also wesentlich mehr gewinnen als bisher realisiert wird.

Es werden keine teuren Grundstücke benötigt, die zudem auch nicht mehr erschlossen werden müssen. Außerdem werden keine neuen Flächen verbraucht. Das käme auch dem Ziel der Bundesregierung entgegen. Denn eigentlich hatte man sich für das Jahr 2030 vorgenommen, dass der Flächenverbrauch auf unter 30 Hektar pro Tag reduziert wird.

„Eigentlich“ – denn tatsächlich ist der Flächenverbrauch in den vergangenen Jahren sogar noch angestiegen auf inzwischen rund 55 Hektar pro Tag. Das ist eine Fläche von knapp 80 Fußballfeldern, die in Deutschland für Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen werden – pro Tag.

Da, wo es geht, also bestehende Gebäude aufzustocken, sei wesentlich sinnvoller, als nach neuen Flächen zu suchen, sagt Czerny. Und wenn man dann schon aufstockt, dann ist das mit Holz wesentlich einfacher als mit herkömmlichen Baumaterialien wie Beton.

O-TON Czerny: „Und zwar deswegen: Spezifisches Gewicht von Holz ist 0,5 – spezifisches Gewicht von Beton ist 2,5. Das heißt, das Holz ist fünfmal leichter als Beton, zudem brauche ich auch noch weniger. Ich kann nämlich eine zehn Zentimeter Holzwand bauen, das kann ich mit Beton nicht machen. Per se können sie sagen, dass ein Holzgebäude weniger als die Hälfte wiegt von einem konventionell hergestellten Gebäude. Was im Umkehrschluss heißt, dass sie doppelt so viel aufstocken können, als wenn sie es konventionell tun müssten.“

Die LiWooD AG stockt aber nicht nur auf. 15 Jahre nach ihrer Gründung baut das Unternehmen inzwischen alle möglichen Gebäude aus Holz. Nur zu klein dürfen sie nicht sein.

O-TON Czerny: „Man muss sich das so vorstellen, dass wir jetzt nicht in einem Einfamilienhaus unterwegs sind. Sondern wir haben uns spezialisiert auf Projekte, die so ab 5.000 Quadratmeter losgehen. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus hat vielleicht 150 oder maximal 200 Quadratmeter – nur, um mal die Größenordnung zu sehen. Also wir sind unterwegs im Bereich Geschosswohnungsbau, dann sehr stark im Kommen ist der Bereich Aufstockungen auf bestehenden Gebäuden, aber auch derzeit Flüchtlingswohnheime, Schulen und Studentenwohnheime – sowas ist alles in unserem Portfolio enthalten.“

Im September vergangenen Jahres gab es für das Unternehmen eine besondere Premiere. Im Südosten des Landkreises München plant der dortige Zweckverband für weiterführende Schulen ein neues Gymnasium. Für die ersten Vorläuferjahrgänge musste aber jetzt schon eine provisorische Schule her – und es sollte keine typische Containerschule werden.

Nur knapp elf Wochen hat es gedauert, dann stand ein dreigeschossiger Bau als Provisorium, bevor das eigentliche Gymnasium in einigen Jahren fertig ist. Eine Schule, die bis auf eine Betontreppe so gut wie komplett aus Holz besteht.

O-TON Czerny: „Die hat zwölf Klassenzimmer, Nebenräume, Lehrerzimmer, Lernbereiche – alles, was eine Schule braucht. Und das Tolle an dieser Schule, das Faszinierende ist, dass dieses Schulgebäude nach drei Jahren wieder abgebaut, zerlegt wird und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut wird. Und das ist jetzt aus meiner Sicht ein bisschen weg vom Provisorium, sondern das ist tatsächlich eine Interimsschule, die ich für kurze oder auch längere Zeit nutzen kann, die dann wieder wegnehme und dann wieder woanders hinsetze und dann kann ich sie wieder weiternutzen. Das finden wir ein faszinierendes Konzept und das sind eben keine Stahlbauten.“

Dieses Projekt war für Czerny auch die erste große Zusammenarbeit mit Josef Kreileder von der Sparkasse Passau. Der Firmenkundenbetreuer hatte zwar auch schon vorher mit LiWooD zu tun. Aber die Schule war dann doch ein ganz besonderes Projekt.

Denn der Münchener Zweckverband für weiterführende Schulen wollte das Gebäude nicht etwa kaufen, sondern nur auf bestimmte Zeit mieten. Damit sollten die Kosten für den Steuerzahler überschaubar und planbar bleiben. Also hat sich Christian Czerny gesagt: Dann bauen WIR eben selbst die Schule und vermieten sie dann an den Schulträger. Dafür wurde dann auch eigens ein neues Unternehmen gegründet – mit dem passenden Namen „LiWooD Rent-a-school GmbH“

Und an dieser Stelle kam die Sparkasse ins Spiel. Firmenkundbetreuer Kreileder war fasziniert von der Idee einer Schule, die für ein paar Jahre vermietet und dann irgendwann abgebaut und an der nächsten Stelle wieder aufgebaut wird – und das nicht etwa in Containerbauweise, sondern als ansprechender und moderner Holzbau. Aber ein solches Vorhaben zu finanzieren, das sei auch für ihn totales Neuland gewesen, sagt Kreileder:

O-TON Kreileder: „Weil diese Schule, das muss man jetzt dazusagen, Schule, da sagt man, da kriege ich irgendwo eine Sicherheit damit – diese Schule wird auf einem staatlichen Grundstück, wo eine Absicherung nicht möglich ist, gebaut. Die Absicherung ist die Mietzahlung. Und das war natürlich schon herausfordernd, so ein Projekt von der Sicherheitenkonstellation … wie kann man sowas machen, was sind dann die Risiken … aber das macht die Würze meines Jobs aus, dass ich Sachen auch zum ersten Mal machen darf, die im Haus noch niemand gemacht hat oder die ich noch niemals gemacht habe. Das ist eigentlich die Herausforderung und das macht dann Spaß.“

Und so gelang es Kreileder dann auch, die zuständigen Sparkassengremien für die Finanzierung nach einigen internen Diskussionen vom Projekt zu überzeugen. Das kostete allerdings auch etwas Überzeugungsarbeit. Denn ein Schulgebäude zu finanzieren, das erst mal nur ein paar Jahre an einer Stelle stehen soll und dann „voraussichtlich“ an anderen Stellen weiter genutzt werden soll, dass werfe einfach erst mal eine Menge Fragen auf.

O-TON Kreileder: „Genau! Das war genau bei uns die Sache, auch die Frage, was passiert nach vier Jahren? Ist nach vier Jahren der Bedarf wieder so da? Das muss wieder abgebaut werden und an einer anderen Stelle aufgebaut werden. Ist das technisch so möglich, was kostet das? Wie hoch ist die Nachfrage? Und das waren Positionen im Haus aus Risikogesichtspunkten auch klären mussten. Wo wir uns am Markt umgehört haben, wo wir versucht haben, diese Risiken richtig einzuschätzen…“

… aber sehr schnell wurde auch deutlich: Das war ein ungewöhnlicher, aber auch toller Weg, den man da eingeschlagen ist.

O-TON Kreileder: „Schon bei der Eröffnung im September wurde dann gesagt, ja, also der Landkreis München, die Stadt München sind alle begeistert, wie das gelaufen ist, wie das gemacht wurde … und es sind Interessenten da für andere Standorte, wo man sowas oder ein ähnliches Vorhaben auch machen kann, weil es einfach vom Raumklima, von der Schnelligkeit und so wirklich 1a war. Also auch aus der Politik – wir waren da bei der Eröffnung – haben wir dieses positive Feedback, als das Projekt fertig war … und das ist ja auch wichtig, dass das fertige Projekt so gut ankommt, wie wir das gedacht haben … das war dann auch von der Politik eine Bestätigung, dass sowas genau die richtigen Konzepte sind.“

Nicht nur die Politik, auch der Gymnasialdirektor lobten die helle und freundliche Interimsschule aus Holz als „sehr schönen Bau“ – der sowohl von den pädagogischen als auch planerischen Aspekten sehr gelungen sei. Vom Raumklima mal ganz abgesehen, dass in einem Holzbau weitaus besser ist als in einem Container-Provisorium.

Für die Bank war das ganze Projekt ein Novum – genauso aber auch für die Holzbau-Profis. Denn auch für LiWooD galt es, bei der Schule das eine oder andere neu zu denken. Denn in diesem Fall gab es ja die Herausforderung: Das Gebäude soll in ein paar Jahren wieder abgebaut, dann aber auch an anderer Stelle wieder aufgebaut werden können. Das sei jetzt tatsächlich möglich.

O-TON Czerny: „Ja, in der Tat können wir das. Wir haben das natürlich entwickeln müssen. Wenn sie ein Holzhaus bauen, überlegen sie natürlich, wollen sie es stehenlassen für die Ewigkeit oder wollen sie es wieder abbauen? Und das hat natürlich andere Herausforderungen bei der Entwicklung eines Gebäudes. Die Klassenzimmer, an denen ist das kaum erkennbar – auch an der ganzen Schule ist das praktisch nicht erkennbar, wenn man das nicht weiß. Aber tatsächlich können wir die wieder so zerlegen, dass man sie, ich sage mal weitgehend zerstörungsfrei zerlegen kann. Natürlich sind da bestimmte Dinge kaputt. Wenn sie an ein Dach denken, dass im Grunde komplett dicht sein muss und sie das Dach abreißen, dann ist diese Dachhaut kaputt. Bestimmte Dinge müssen sie erneuern. Denken sie an ein Stromkabel, da müssen sie es halt neu machen, aber das sind Kosten die überschaubar sind. Das ist auf jeden Fall hundertmal besser als das Gebäude wegzuschmeißen oder an anderer Stelle ein neues zu bauen. Das ist auch eine ganz besondere Form der Nachhaltigkeit, die hoffentlich in Zukunft mehr Schule machen wird.“

Beim Bau der Schule hat Josef Kreileder von der Sparkasse Passau auch zum ersten Mal eine Besonderheit der Firma LiWooD beim Holzbau erlebt. Bevor es nämlich mit dem Bau losging, entstand etwas abseits davon eine große Halle – eine Feldfabrik, natürlich auch aus Holz.

Denn die verschiedenen Komponenten für die Schule wurden natürlich schon vorher gefertigt, zum Beispiel vorgefertigte Wände oder Böden komplett mit Estrich. Die kamen dicht an dicht und platzsparend gepackt per Lkw zur Feldfabrik vor Ort. Aber erst direkt in der Feldfabrik wurden daraus die einzelnen kompletten Module zusammengebaut – für die Klassen- oder Lehrerzimmer, für Toiletten oder andere Räume. Die fertigen Raum-Module wiederum schweben dann mit einem Kran in der Schule an die richtige Stelle zur Endmontage.

Der Firmenkundenberater hatte zwar vorher schon von der LiWooD-Feldfabrik gehört. Als er die mobile Montagehalle dann aber live im Einsatz erleben konnte, war er fasziniert von der Logistik, die in der Feldfabrik präzise, wie ein Uhrwerk funktioniert.

O-TON Kreileder: „Da sind so große Arbeitstische, wie man es vom Fertighausbau gewohnt ist … die Logistik ist so, dass die Holzteile, die da liegend geliefert werden, schon so geliefert werden in der Reihenfolge, dass eins nach dem anderen auf dem Tisch praktisch aufgebaut wird. Und dann wird der Boden gemacht, dann werden die Seitenteile gemacht, dann wird die Decke gemacht mit allen Aussparungen und so. Das wird dann in ein paar Stunden gemacht und dann ist das Bauteil fertig, läuft sozusagen über Fließband raus und dann sind große Baukräne oder Autokräne dort, die das Bauteil an die richtige Stelle bringen. Und das nächste Bauteil, sobald das erste Bauteil rausgerollt wird, fängt auf der hinteren Seite schon wieder der Lastwagen an, dass er die nächsten Teile liefert … da haben die Produktionsleute ihre Pause und dann geht’s, wenn der richtig reinrangiert ist, geht’s wieder weiter und das nächste Modul wird gebaut. Also das ist wirklich wie Fließbandarbeit direkt vor der Baustelle. Das ist beeindruckend. Auch die Logistik, die dahintersteht. Der Lastwagen, der das Produktionswerk zu Hause verlässt, der ist schon so konfiguriert, dass die Bauteile in der richtigen Reihenfolge mit einem richtigen Plan auch richtig auf die Baustelle kommen.“

O-TON Czerny: „Wir sparen dadurch, indem wir nicht ganze Module durch die Republik fahren, sondern nur eben diese Bauteile gepackt, unglaublich viele Lkw-Fahrten. Man kann sich vorstellen, dass zusammengelegt mehrere Module auf einem Lkw Platz finden. Während sie, wenn sie ein Modul fahren, natürlich für jedes Modul einen eigenen Lkw brauchen mit Überbreiten, mit Sondertransporten, alles Mögliche, was es da eben gibt. Wir haben aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus diesen Produktionsprozess so zerlegt, dass wir eben mit sehr viel weniger Lkws rauskommen – das ist auch ein weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit.“

Das Hauptargument für den Baustoff Holz ist vor allem seine Klimabilanz im Vergleich zum herkömmlichen Bauen. Denn zum Beispiel schätzt man, dass allein knapp acht Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen durch die Herstellung von Zement verursacht werden. Das, was also als Kleber im Beton gebraucht wird, gilt als einer der größten Treiber des Klimawandels. Und auch die Herstellung von Stahl verursacht jede Menge CO2.

Holz dagegen speichert Kohlenstoff. Damit verbessert ein Haus aus Holz beim Bau also sogar noch die CO2-Bilanz – und das über viele Jahrzehnte. Erst recht, wenn es dann auch noch gut gedämmt ist und zum Beispiel über Wärmepumpen und Photovoltaik geheizt wird. Viele Studien sehen im Holzbau deshalb inzwischen eine der Lösungen für klimafreundliches Bauen.

Inzwischen sind auch die Vorbehalte gegenüber dem Bauen mit Holz immer weiter gesunken. Der Brandschutz stellt genauso wenig ein Problem dar, wie das Bauen in früher kaum vorstellbaren Größenordnungen. In Hamburg hat gerade erst ein Holzhaus mit 65 Metern Höhe Richtfest gefeiert. In Norwegen wurde schon vor gut vier Jahren eines mit 85 Metern Höhe eingeweiht. Und weltweit sind bereits noch höhere Holzhäuser geplant.

Wenn es um mehr Nachhaltigkeit geht, sieht LiWooD-Chef Christian Czerny das Holzhaus aber nicht während der Bau- und Lebensphase im Vorteil. Auch wenn ein Haus das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat, spiele es noch einmal seine Stärken aus.

O-TON Czerny: „Sie können nämlich ein Holzhaus wieder zerlegen in viele seiner Bestandteile. Das funktioniert nicht zuletzt deswegen, weil sie so gut wie keine Verbundstoffe herstellen. Verbundstoff zum Beispiel ist Beton – warum? Sie schütten Zement, Sand, Kies und weitere Additive zusammen – die kriegen sie nie mehr auseinander. Selbst wenn die Betonindustrie davon spricht, dass man Beton recyclen kann, dann ist das per se richtig, aber man muss sich überlegen, was dabei passiert. In der Regel wird’s zermahlen und dann wieder woanders eingebaut, aber der Verbundstoff Beton bleibt an sich der Gleiche, auch wenn ich ihn kleinmahle.“

Das Holz aber könne man auch Jahrzehnte später wieder als Baustoff verwenden – auch für ein neues Haus, sagt Czerny.

Fest steht: Die Bundesregierung setzt mit ihrer Initiative zu mehr Holzbau auf einen Trend, den die Firma LiWooD schon längst für sich entdeckt hat. Seit 15 Jahren am Markt – in zwei Jahren soll der Umsatz bei 120 Millionen liegen, Tendenz weiter steigend. Und so ist es kein Wunder, dass nicht nur die Umsätze wachsen, sondern auch das Unternehmen und die Produktion wachsen muss. Entsprechende Pläne sind bald schon auf der Zielgeraden, sagt Josef Kreileder von der Sparkasse Passau.

O-TON Kreileder: „Der Produktionsstandort ist in Baden-Württemberg und der zieht um und wird erweitert. Und da ist man momentan an der Erarbeitung des Konzeptes, wie wir gemeinsam diese neue Produktion, die dann natürlich an den gestiegenen Umsatzerwartungen der letzten Zeit angepasst wird. Da sind wir gerade an der Erstellung des Finanzierungskonzeptes. Da sind wir schon sehr weit und das soll wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2024 fertig sein. Und dann wird der auch ähnlich gebaut wie die Wohnimmobilien und soll auch in einer relativ kurzen Bauzeit auch fertiggestellt werden.“

Auch für die nächsten Jahre sieht der Finanzfachmann optimistisch in die Zukunft der LiWooD AG. Das Unternehmen habe zur richtigen Zeit auf den richtigen Baustoff gesetzt und sich dadurch einen Vorsprung gegenüber vielen anderen in der Branche erarbeitet, der erst mal nicht so schnell eingeholt werden kann.

Und als ob die LiWooD AG mit dem Aufstocken von bestehenden Gebäuden oder neuen Holzhäusern als Wohnraum nicht schon genug zu tun hätte, gab es inzwischen auch schon ein weiteres Projekt, das dem der Interimsschule ähnelt – und dem bald schon weitere folgen könnten.

In diesem Fall war es aber keine Schule, die für eine gewisse Zeit benötigt und von einer Kommune angemietet wird. Die Holzbau-Fachleute haben stattdessen die Lösung für ein anderes Problem angeboten, das derzeit fast überall in Deutschland eine echte Herausforderung ist. Denn angesichts von immer weiter steigenden Flüchtlingszahlen wissen viele Städte und Gemeinden nicht mehr, wo sie noch weitere Geflüchtete unterbringen sollen.

Warum sollte man also nicht eine Flüchtlingsunterkunft auf Zeit bauen? Und das in nachhaltiger Bauweise aus Holz und nicht wie sonst häufig üblich mit Containern. Die Unterkunft kann entweder nach einigen Jahren abgebaut und anderer Stelle wieder aufgebaut werden oder aber auch von der Kommune irgendwann übernommen werden.

O-TON Czerny: „Warum ist das interessant? Die Kommunen oder die Landratsämter haben dringenden Bedarf natürlich nach solchen Unterkünften, haben aber zum Teil erhebliche Finanzierungsthemen damit zu lösen. Und dann haben wir also einem Landratsamt, das ist im Schwäbischen, haben das angeboten, dass wir diese Flüchtlingsunterkunft ihnen vermieten würden. Was die dankbar angenommen haben. Also dieses Modell, Vermietung von Gebäuden mit auch einer möglichen Übernahme nach einer Mietzeit, macht Schule.“

Nicht nur deshalb sieht LiWooD-Chef Czerny mit viel Optimismus in die Zukunft. Er geht fest davon aus, dass in den kommenden Jahren auch ganz generell das Bauen mit Holz immer mehr Verbreitung finden wird. Schon jetzt sei es so, dass sein Unternehmen trotz der vielen Krisen der vergangenen drei Jahre keinen Rückgang der Aufträge zu verzeichnen habe.

Im Gegenteil: Gerade in der letzten Zeit kämen sogar immer häufiger große Projektentwickler und Wohnungsbaugesellschaften auf sein Unternehmen zu, die gerne mit Holzmodulen bauen wollen. Denn ihnen sei immer mehr daran gelegen, beim Bau und im Lebenszyklus der Gebäude möglichst wenig CO2 zu verbrauchen.

O-TON Czerny: „Vor drei Jahren war keiner interessiert an sowas – heute geben sich die Unternehmen die Klinke in die Hand.“

Mehr Infos zu diesem Thema finden sie wie immer noch in unseren Shownotes zu dieser Folge.

DROP

Schön, dass sie wieder dabei waren.

Und in der nächsten Folge bleiben wir beim Thema Bauen. Da geht’s dann um die Erfolgsgeschichte eines Fliesenlegers, die nicht alltäglich ist.

Denn viele Handwerksbetriebe verändern sich oft über Jahrzehnte nur wenig. Und die Chefs freuen sich schon, wenn sich die Firma über Wasser halten kann. Der Unternehmer in unserer nächsten Folge aber hat sich gesagt, das reicht mir nicht aus. Ich will, dass der Laden brummt und wächst.

Und es funktioniert. So gut, dass selbst seine Bankberaterin verblüfft ist… und gerade die Finanzierung für die nächste Ausbaustufe des Unternehmens bewilligt hat.

Ich freue mich, wenn sie dann wieder reinhören.

Bis dahin, machen Sie’s gut.