Im Sturm der Zeit: Wie Hela den Wandel meistert - Hela
Shownotes
In dieser Episode tauchen wir tief in die Geschichte von Hela ein, einem der führenden Gewürz- und Ketchup-Hersteller in Deutschland. Von seinen bescheidenen Anfängen bis hin zu den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung, erfahren Sie, wie dieses Familienunternehmen sich stetig weiterentwickelt hat, um den sich ändernden Marktbedingungen gerecht zu werden. Wir sprechen über die Kunst, Traditionen zu bewahren, während man sich gleichzeitig anpasst und innoviert, und wie Hela sich der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verpflichtet hat. Begleiten Sie uns auf dieser faszinierenden Reise, die zeigt, wie Tradition und Fortschritt Hand in Hand gehen können.
Zu Gast:
Alexander Laue, CEO – Hela Gewürzwerk Hermann Laue GmbH
Meiko Oeser, Deutsche Leasing
Transkript anzeigen
Skript: Hela – Ketchup und Gewürze auf der ganzen Welt
O-TON Laue:„
Jingle INTRO
Schätzungsweise 80.000 Tonnen Ketchup verputzen wir in Deutschland jedes Jahr. Ob zur Bratwurst, auf Pommes – oder so wie meine Tochter auf ihren Nudeln. Da lässt sie jede Bolognese links liegen.
Und ich gebe es zu: Ich habe als Kind sogar ganz oft einfach mal eine Scheibe Brot mit Ketchup gegessen. Dieser Ketchup auf meinem Brot damals, der kam aus dem Unternehmen, um das es heute hier bei uns geht. Das war nämlich Hela Gewürzketchup.
Hela – ein Name, der in Deutschland vor allem für Ketchup steht. Der aber in vielen Teilen der Welt gar nicht so sehr für seine rote Sauce bekannt ist, sondern für etwas, das IM Ketchup drin ist. Und zwar für Gewürze und Gewürzmischungen.
Gerade erst hat das Unternehmen die größte Investition seiner Unternehmensgeschichte hinter sich und startet damit in die Zukunft.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.
Jingle CLOSER
Nudeln mit Gewürzketchup … Reis mit Gewürzketchup … Brot mit Gewürzketchup …
… dass die Sauce aus dem Hause Hela längst nicht nur zu Pommes oder Würstchen gegessen wird, das hört Alexander Laue immer wieder.
O-TON Laue: „Wir hatten auch so einen Social Media-Post, den hat irgendjemand gemacht: German Pesto. Weil man das einfach zu vielem essen kann. Das können sie auch in die Bolognese machen, zum Verfeinern zum Beispiel. Muss ja nicht komplett [schmunzelt] Nudeln mit Gewürzketchup sein, sondern viele benutzen das auch Verfeinern von Gerichten und so – ist schon sehr universell, der Ketchup…“
Alexander Laue ist seit einiger Zeit der neue Chef im Hause Hela. Erst im Frühjahr hatte sein Vater Björn – bis dahin noch der Geschäftsführer – auf Instagram bei den Hela-Fans für Aufregung gesorgt. Denn da tauchte ein Video auf, in dem der rüstige Noch-Chef in seinem Büro genervt ist von Laptop, Akten und Co …
O-TON Ausschnitt Insta-Video: „Frau Fuchs – der Kaffee ist alle … ach, Himmel-A… [pieeep] rauchen darf ich hier auch nicht mehr … so ein Mist …Frau Fuchs, geht bei Ihnen das WLan? … [haut auf Tasten] warum geht denn das nicht? … [schmeißt Laptop in die Ecke]Frau Fuchs, das ist die falsche Akte … [grummelt] … keine Lust mehr … ich gehe jetzt – und zwar in Rente … und den Ketchup nehme ich mit. So! Das haben die jetzt davon!“
Unter dem Video stand dann die Schlagzeile:
Sprecherin: „Der Gewürz Ketchup wird aus dem Sortiment genommen. Herr Laue geht in Rente und nimmt sein Lieblingsprodukt mit in den Ruhestand …“
… das mit dem Ketchup war dann aber doch nur ein Aprilscherz – der Ruhestand von Björn Laue allerdings nicht. Jetzt steht Sohn Alexander in vierter Hela-Generation an der Spitze des Unternehmens. das vor rund 100 Jahren in Hamburg gegründet wurde und inzwischen seinen Sitz im schleswig-holsteinischen Ahrensburg hat.
Hela ist ein echtes Familienunternehmen. Benannt nach Hermann Laue, von dem auch sich Firmenname ableitet. Hermann Laue - He La. Dessen Kinder stiegen in die Firma ein, als gerade die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden war. Ähnlich lief es mehrere Jahrzehnte später bei der nächsten Generation. Und jetzt gibt es wieder einen Generationswechsel.
Das Augenzwinkern, mit dem sich der alte Chef im Instagram-Video verabschiedet hat, verrät vielleicht auch ein bisschen was über den Umgang in der Familie miteinander. Und über die Kunst, nicht nur erfolgreich ein Unternehmen zu führen, sondern auch den Nachwuchs erfolgreich in den Familienbetrieb zu lenken.
Denn da ist kein Patriarch von Bord gegangen, der für seine vier Kinder einen festen Plan hatte – nach dem Motto: Ihr seid meine Erben und müsst den Laden gefälligst weiterführen. Tatsächlich stand für Alexander Laue sogar erst mal gar nicht fest, dass er wirklich das Geschäft übernehmen würde.
O-TON Laue: „Ich weiß gar nicht, wie das mein Vater so hinbekommen hat … das ist bei meinen Geschwistern aber auch so. Und ich habe das, als wir hier den Abschied gemacht haben, auch gesagt. Vielleicht war das eines seiner Geheimnisse, dass er geschafft hat, dass sich alle seiner Töchter und Söhne fürs Unternehmen interessieren: Wir hatten nie den Zwang, das zu machen. Auch jetzt nicht versteckt oder so. Wir haben da auch nie irgendwelche Bemerkungen gehabt, dass wir das mal machen können. Er hat uns natürlich nie ausgeschlossen oder so – aber es war auch nie der Zwang da.“
Alexander Laue hätte sich zum Beispiel nach seinem Studium durchaus vorstellen können, auch erst mal in einem anderen Unternehmen zu arbeiten. Dann aber spricht ihn ein scheidender Hela-Geschäftsführer an, ob er ihm nicht mal das Unternehmen zeigen solle. Und so ergibt das eine das andere und Laue steigt vor rund zwölf Jahren bei Hela ein.
Nach einiger Zeit wird er Geschäftsführer für den internationalen Firmenbereich. Das habe sehr wenig mit dem deutschen Geschäft zu tun gehabt. Mit Niederlassungen und Tochterunternehmen zum Beispiel in Österreich und Schweiz, aber auch Kanada, Lateinamerika, Australien, Singapur oder China. Und da geht eher weniger um den Ketchup.
O-TON Laue: „Nee, also die Marke ist dieselbe, der Unternehmensname ist auch derselbe. Aber die haben damals angefangen so wie Hela Deutschland auch – das ist den meisten Konsumenten ja nicht so bekannt – eigentlich als Zulieferer für die Lebensmittelindustrie, beziehungsweise ganz am Anfang für das Fleischereihandwerk. Und so sind auch unsere internationalen Unternehmen groß geworden. Also die sind Zulieferer für die Lebensmittelindustrie und nur vereinzelt verkaufen die auch Ketchup. Also wenn sieht, natürlich Europa, in Holland oder Österreich sind wir noch stark vertreten mit dem Ketchup. Aber ansonsten in China oder so, das ist ein Nebengeschäft. Da liefern wir an die großen Konzerne wie Unilever, wie Nestle und sowas.“
Denn auch wenn für viele deutsche Pommes- und Würstchenesser ganz klar ist, für welches Produkt der Name Hela steht – so klar ist das gar nicht. Nicht umsonst heißt das Unternehmen Hela Gewürzwerk.
Gegründet hat Hermann Laue den Betrieb im Jahr 1905 – und als Unternehmenszweck gab er damals an: „Handel mit Gewürzen“. Und das macht Hela bis heute. Das sind Gewürze, Gewürzsalze und Gewürzmischungen – und zwar vor allem für die Fleisch- und Wurstherstellung. In manchen Ländern gehört auch die Gastronomie noch zu den Kunden.
Jahrzehntelang spielte ausschließlich das Gewürzgeschäft eine Rolle. Anfang der 1960er Jahre aber setzt eine Transformation ein, die das Unternehmen im Laufe der Zeit noch einmal deutlich breiter aufstellt.
Denn im Jahr 1963 kommt der bekannte Hela Gewürz Ketchup zum ersten Mal in die deutschen Supermarktregale. Entwickelt von Alexander Laues Großmutter Martha Laue. Die fand den ganz normalen Tomatenketchup einfach zu langweilig und wollte etwas Neues auf den Markt bringen.
Bevor das Produkt damals aber reif für den Markt war, musste Martha erst mal immer wieder neuen Ketchup kochen – mit immer neuen Gewürzkombinationen. Und wer musste den Ketchup immer wieder literweise probieren? Der zehnjährige Sohn Björn.
Der spätere Unternehmenschef konnte also wirklich von sich sagen, dass der Gewürzketchup ganz nach seinem Geschmack war. Und damit treffen er und seine Mutter auch den deutschen Geschmacksnerv – im Laufe der Jahre entwickelt sich ein echter Verkaufsschlager. Trotz des Erfolgs: Auf der Weltkarte spielt der Ketchup tatsächlich bisher nur in einem begrenzten Gebiet eine zentrale Rolle für das Unternehmen.
O-TON Laue: „Man könnte fast sagen, in den deutschsprachigen … oder hier in Europa … ja, was heißt bekannt? Ich würde sagen, wir haben noch eine starke Position in Holland und in Österreich. In viele Länder Europas exportieren wir den Ketchup, da haben wir aber keine wirkliche große Relevanz. Auch gerade wenn man das mit Deutschland vergleicht. Also hier sind wir mit Heinz Marktführer und in den anderen Ländern sind wir unter ferner liefen. Da haben wir auch gerade ein Projekt laufen seit zwei Jahren, da haben wir ein Re-Branding gemacht. Also unsere Ketchup-Flasche sieht dort etwas anders aus. Also nicht in Holland und Österreich, aber in allen anderen haben wir ein Re-Branding durchgeführt, weil unser deutsches Etikett … wenn man sich das so vorstellt, das ist sehr … sie haben es als Junge schon gegessen, also das hat sich nicht groß verändert … und das sieht auch so ein bisschen klassisch aus, sage ich jetzt mal so. Wenn man das in neue Märkte reinbringt, dann wirkt das eher altbacken.“
Viele Jahre hatte Hela es mit seinem Ketchup auch mit klassischen Design probiert – aber das hat nicht so richtig funktioniert. Deshalb gibt’s jetzt seit zwei Jahren einen neuen Anlauf, den Marktanteil in vielen Ländern auszubauen. Die Form der Flasche ist geblieben, aber das Etikett wirkt frischer – und es gibt einen neuen Namen für die Ketchupmarke.
O-TON Laue: „Die heißt Martha. Ist angelehnt an meine Oma, die auch den Ketchup mit meinem Vater zusammen sehr oft gekocht hat. Heißt Marthas Original Ketchup und hat auch ein Konterfei von meiner Oma drauf. Das ist ein bisschen jünger und sieht ein bisschen schöner aus. Damit versuchen wir jetzt gerade noch mal einen neuen Marktstart in vielen Ländern – das sieht auch ganz gut aus …“
Mehr als 40.000 Tonnen Ketchup verkauft Hela jährlich und das macht inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Der lag im Jahr 2020 bei rund 180 Millionen Euro. Trotzdem sind im internationalen Geschäft vor allem noch der Handel mit tausenden Gewürzen und Mischungen elementar wichtig für den Betrieb.
Seit vielen Jahrzehnten hat Hela fast überall auf der Welt ein Netz aus Tochterunternehmen, Handelspartnern und Vertriebsorganisationen aufgebaut. Die sorgen für einen Absatz von rund 30.000 Tonnen im Jahr. Eigentlich sind es nur Afrika und Indien, die da bisher keine Rolle spielen, sagt Laue. Wenn man doch aber zum Beispiel schon lange in China oder Singapur aktiv ist – wäre es dann nicht schön, dort neben den Gewürzen auch den Ketchup in die Supermarktregale zu bekommen? Denn vielleicht schmeckt den Menschen dort der Reis auch mit Gewürzketchup?
O-TON Laue: „Das wäre natürlich schön, wenn das funktioniert. Ich denke, wir müssen da auch realistisch sein. Das ist heutzutage natürlich auch alles mit Investitionen und Marketingbudgets verbunden. Und wir sind weltweit eher auf die Industrie ausgerichtet. Also wir nehmen jetzt mal China: Da hatte mein Vater auch immer den Traum, jeder zehnte Chinese einmal im Jahr eine Ketchupflasche. Dann würde es unserem Unternehmen gut gehen [schmunzelt]. Aber die ganzen Unternehmen sind aufgewachsen und großgeworden im Industriebereich und der Ketchup ist dann doch ein ganz anderes Geschäft. Wir haben da nicht die Produktionsmöglichkeiten, wir haben da nicht die Verkaufskontakte in die Supermärkte rein. Das wäre noch mal eine sehr große Investition, die wir da tätigen müssten. Was nicht heißt, dass wir das nicht irgendwann tun. Aber als Mittelständler sind da auch unsere finanziellen Ressourcen begrenzt. Und so einen Ketchup irgendwo anders herzustellen, ist natürlich auch immer vom Rezepturgeheimnis und Rezepturschutz … zumindest führt das zu Diskussionen auch innerhalb der Gesellschafter. Und jetzt wollen wir erst mal in Europa gucken, dass wir da mit unserem Re-Branding zurecht kommen und dann kann man sich vielleicht noch mal um andere Märkte kümmern. Aber Europa ist schon erst mal Hauptaufgabe.“
… zumal es nicht so ist, dass man in den vergangenen Jahren Langweile bei Hela hatte. Denn 60 Jahre nach der Erfindung des Gewürz Ketchups hat nicht nur die vierte Laue-Generation die Führung übernommen.
Das Unternehmen hat in den internen Prozessen auch die Digitalisierung vorangetrieben. Und sich außerdem auch noch am Firmenstandort mit seinen allein hier mehr als 500 Mitarbeitern verändert und gerade erst eine neue Logistikhalle in Betrieb genommen. In der ersten Phase erst mal noch in einem Teilbetrieb.
Eine Investition im zweistelligen Millionenbereich – die größte in der Firmengeschichte. Modernste Fabrik- und Hochregallager-Technologie. Mehr Kapazitäten im Lager und für die Abfertigung der Lkw. Die Abläufe sollen in allen Bereichen noch effizienter werden.
Mit dieser Investition verbindet man bei Hela durchaus große Hoffnungen – eine weitere Transformation – aber das Ganze bedeutet gleichzeitig auch eine Belastung, die man erst mal schultern muss.
O-TON Laue: „Das ist Teil eines größeren Plans – wir haben das irgendwann mal Hela 2025 genannt. Das ist ja jetzt schon bald. Und das war eigentlich so ein bisschen der komplette Neubau der Fabrik oder der Firma hier. Wir haben ja in Deutschland nur einen Firmenstandort und wir haben uns vor zehn Jahren überlegt, wie soll es denn weitergehen? Weil man Vater 1990 umgezogen ist und die Gebäude hat er auch übernommen, die sind jetzt nicht mehr die jüngsten. Und da haben wir uns überlegt, wie soll das jetzt hier weitergehen und so nach und nach bauen wir neu und investieren. Und jetzt wird am 1.1. nächsten Jahres unser neues Logistikzentrum komplett live gehen. Wir sind im Teil-Livebetrieb, also unser Ketchup läuft da komplett jetzt drüber und dann wird auch unser Paketversand da komplett drüber laufen. Vorher haben wir noch ein neues Abpackgebäude gebaut und jetzt das Logistikzentrum. Und diese beiden Gebäudeteile sind Teil dieser Großinvestition. Und ja, das ist im zweistelligen Millionenbereich, und das ist schön anzusehen, aber auch wie sie gesagt haben, eine große finanzielle Verantwortung und das muss sich jetzt erst mal alles rentieren.“
Bei solchen Summen stellt sich immer die Frage, wie stemmen wir das denn jetzt am besten? Bei Hela hat man sich entschieden, die Deutsche Leasing mit ins Boot zu holen. Bei der herstellerunabhängigen Gesellschaft, die von rund 350 Sparkassen getragen wird, ist Meiko Oeser als Großkunden-Gebietsleiter für Hela verantwortlich.
Das komplette Logistik-Innenleben des neuen Hochregallagers wurde über ein Leasing-Modell finanziert. Das hat seine Vorteile, sagt Oeser. Zum Beispiel gegenüber einem Kredit. Denn eine so große Investition würde sich als Kredit deutlich auf die Relationen in der Unternehmensbilanz auswirken.
O-TON Oeser: „Der Vorteil ist im Leasing, dass die Investition nach dem Handelsgesetzbuch bilanzneutral dargestellt werden kann. Das heißt, der Kunde neutralisiert die Bilanzrelationen und hat dann beispielsweise keine Rating-Einbußen, das heißt er optimiert sein Rating. Was bedeutet das Rating? Also Rating ist so eine Art Schulnote für die Unternehmen, um dann auch das Thema Pricing und Kapitalbeschaffung für die Zukunft zu machen. Das heißt, Leasing schont die Liquidität und schont die Bilanzrelationen, damit der Kunde auch in Zukunft nachhaltig aufgestellt ist.“
Und selbst, wenn ein Unternehmen das nötige Geld auf der hohen Kante hat, kann es durchaus wesentlich interessanter sein, über ein Leasing nachzudenken, sagt Oeser. Genau deshalb würden auch so viele Firmen auf entsprechende Finanzierungsmodelle zurückgreifen.
O-TON Oeser: „In der Tat machen das sehr, sehr viele Unternehmen. Und das ist auch für das Unternehmen vorteilhaft. Selbst, wenn das Geld da ist, ist es oft günstiger und wirtschaftlich sinnvoller, sich das Geld in Form einer Leasing-Finanzierung zu leihen und dann beispielsweise auch noch Fördermittel einzubeziehen.“
Gerade das Thema Fördermittel interessiert viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Ob es um Elektro-Fahrzeugflotten, neue Verpackungsanlagen, neue Betriebssoftware oder andere Investitionen geht.
Es gibt viele Zukunftsinvestitionen, die gefördert werden können – egal ob beim kleinen Gewerbetreibenden oder beim Mittelständler wie Hela. Gerade wenn es zum Beispiel um Nachhaltigkeit und Energieeffizienz geht oder auch um die Digitalisierung.
Da gibt es nur ein Problem: Es gibt Zuschussprogramme oder geförderte Finanzierungen wie Globaldarlehen oder Programmkredite … es gibt bundesweite Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau oder Programme der Landesförderinstitute – ach ja, und natürlich auch Förderungen auf europäischer Ebene. Auf gut deutsch – wir sprechen von einem echten Förder-Dschungel.
O-TON Oeser: „Da sprechen sie genau das richtige Thema an. Der Förder-Dschungel ist sehr, sehr unübersichtlich. Oder es gibt bestimmte Auflagen und Bedingungen. Wir als Deutsche Leasing haben ein spezielles Deal- und Fördermittelteam. Wir haben Experten, die sich sozusagen rund um die Uhr um das Thema aktuelle Fördermittel kümmern, so dass wir dann dem Kunden für das Investitionsvorhaben die optimalen Fördermittel bereitstellen können.“
Dabei können ganz verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Muss man in einem Projekt zum Beispiel besonders lange Lieferzeiten für bestimmte Komponenten berücksichtigen, dann gibt es einige Fördermittel, die eine besonders lange provisionsfreie Zeit bei der Bereitstellung bieten. Oder sie bieten je nach Programm auch eine Zinssicherung. Und so ist vieles möglich, das sich bei den Fördermitteln allerdings auch von Tag zu Tag wieder ändern kann.
Bei Hela lief das ganze Projekt mit der Deutschen Leasing reibungslos, erzählt Alexander Laue. Angeschoben hat das noch der frühere Finanzchef, der sich genau ausgerechnet hat, was für das Unternehmen am besten finanzierbar und sinnvoll ist. Und dabei kam dann eben auch heraus, einen beachtlichen Teil über ein Leasing-Modell umzusetzen.
O-TON Laue: „Das haben wir in diesem großen Umfang vorher auch noch nicht gemacht. Aber ich sag mal so, wenn man so große Sachen macht und wie sie sagen, sich transformiert, dann sind auch vielleicht neue Finanzierungsformen mal ganz interessant. Und er hat das damals und wir würden das auch heute noch sagen, das war eine interessante Geschichte und so ist das im Prinzip gekommen.“
Bei Hela spielte dabei eine große Rolle, dass das Leasing cash-neutral ist. Denn eine solch millionenschwere Investition ist auch für einen Mittelständler nicht mal eben so nebenbei zu realisieren. Und statt einer stark aufgeblasenen Bilanz wegen hoher Verbindlichkeiten stehen jetzt nur die Leasingraten in den Büchern.
Anders als beim Rezept für den Gewürzketchup, das seit Jahrzehnten so gut wie gar nicht angetastet wird, sind andere Veränderungen und Transformationsprozesse durchaus gewünscht. Ob es die Expansion auch in anderen Ketchup-Märkten ist. Ob es mehr Effizienz bei der Produktion und Lagerlogistik sind. Und nicht nur dort spielt auch die Digitalisierung eine zunehmend wichtigere Rolle.
Wer verkaufen will, der sollte auch im Internet aktiv sein, das hat man sich irgendwann auch bei Hela gesagt. Gerade wo jüngere Kunden unterwegs sind, da muss auch sein Unternehmen Präsenz zeigen, sagt Alexander Laue. Vor vier Jahren ging der Instagram-Account an den Start. Zum Beispiel mit Rezepttipps.
Und einige Zeit später folgte der eigene Webshop unter anderem auch mit den ersten Merchandise-Artikeln. Merchandise für Ketchup? Tja, auch so mancher bei Hela wollte wohl zuerst nicht glauben, dass es dafür tatsächlich genug Fans gibt.
Als erstes gab es eine Hela-Luftmatratze und als zweites eine Trinkflasche – die exakt genauso aussieht wie die original Ketchupflasche, nur eben mit Trinkverschluss. Aber wer kauft schon eine Ketchup-Trinkflasche, zweifelte auch Alexander Laue.
O-TON Laue: „Und wir waren dann doch etwas verwundert, was dort geschieht. Ich weiß gar nicht mehr, wann das war … ich glaube freitags um zwölf oder so … und dann rief mich der Marketingchef an, ich glaube, um zwei Uhr und meinte, Herr Laue, sie müssen mal in den Webshop reingehen. Wir wissen nicht, was da los ist. Und dann waren wir innerhalb von sechs Stunden ausverkauft und hatten irgendwie 4.000 Aufträge.“
Zeitweise waren sogar die Server unter der Last der Anfragen zusammengebrochen, weil man auf einen solchen Ansturm gar nicht vorbereitet war. Und die Trinkflasche musste nach wenigen Stunden aus dem Shop genommen werden, weil gar nicht genug Leute da waren, die die Flut an Bestellungen abarbeiten konnten.
Für das Team bedeutete das zusätzliche Arbeit am Wochenende … Pakete packen auf schnell zusammengestellten Extratischen. Da musste dann sogar die Marketingabteilung mit anpacken, denn die Hela-Fans sollten nicht zu lange auf ihre Fanartikel warten.
Und die reagieren dann sogar schon mal bei Instagram oder TikTok auf einen Lieferengpass …
O-TON Videoausschnitt Instagram: „Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Hela-Shop ist komplett ausverkauft. Aber auf Instagram sagen sie, dass sie mit Hochdruck an Nachschub arbeiten. Das heißt, die Luftmatratze kommt bald zurück und sicherlich auch die Socken … und die Trinkflasche natürlich auch.“
Auch wenn man in der Firmenzentrale genau weiß, dass man mit diesen Artikeln nicht so viel Geld verdienen kann, als wenn jeder zehnte Chinese einmal im Jahr den Hela-Ketchup kaufen würde. Aber der neue Unternehmenschef ist inzwischen fest überzeugt: Da geht noch was.
O-TON Laue: „Also da hat uns die Digitalisierung doch gezeigt – das war ja auch so zum Testen – da sind Märkte … also Merchandise, sowas haben wir ja vorher gar nicht verkauft. Also das war alles Zusatzumsatz, den wir gemacht haben, der uns neue Marktfelder ermöglicht. Und wir wissen jetzt – oder das wussten wir auch vorher schon – aber wir haben es jetzt am eigenen Leibe erfahren, wie viele Fans wir doch draußen haben und auch, was für eine Community da draußen, was es da gibt, wie die untereinander reden. Das hat uns schon noch mal zum Nachdenken gegeben und da wollen wir auch in Zukunft noch ein bisschen Gas geben.“
Weniger zum Nachdenken angeregt als vielmehr für Kopfzerbrechen gesorgt haben allerdings in den vergangenen Jahren auch die verschiedenen Krisen. Denn die gingen auch an Hela nicht vorbei. Zum Beispiel als es um die Rieseninvestitionen in die neue Lagerlogistik ging, erinnert sich Meiko Oeser von der Deutschen Leasing.
O-TON Oeser: „Natürlich auch hier das Thema Lieferverzögerungen. Also wir hatten Corona, wir hatten dann inflationsbedingt bestimmte Materialien, die dann ersetzt werden mussten, wir hatten dann Fachkräftemangel … so dass die Investition insgesamt dann doch etwas länger gedauert hat oder länger andauert als ursprünglich geplant und wir dort dann aber auch ganz flexible Lösungen anbieten.“
Wenn man das SO hört, klingt es nach etwas windigen Zeiten, durch die Hela in den vergangenen drei Krisenjahren gehen musste. Wenn man Alexander Laue allerdings zuhört, dann klingt es eher nach einem ausgewachsenen Orkan.
Corona, Ukraine-Krieg, Inflation, Energiekrise … das alles traf ausgerechnet auf eine Phase einer größeren Transformation im Unternehmen. Und deshalb meint der Hela-Chef:
O-TON Laue: „Ich sehe das letzte Jahr – besonders Ende letzten Jahres – war für uns das schwierigste oder fast das schwierigste seit Firmenbestehen. Wir hatten einmal in den 90er Jahren einen Rückruf von unserem Ketchup, der hat das Unternehmen fast in den Ruin getrieben. Das hat mein Vater dann sehr hautnah miterlebt. Ich sag mal so, jetzt ist er auch pensioniert und hat die letzten ein, zwei Jahre mir das überlassen, mir Sorgen zu machen [lacht] … und das war schon Ende letzten Jahres extrem schwierig. Wie sie gesagt haben, die einzelnen Sachen hätten schon gereicht. Jetzt kommt bei uns noch als individuelle Situation dazu die Großinvestition, die wir betrieben haben … wo wir die Effizienzen noch nicht haben, aber die Kosten. Und es kommt hinzu, auch wenn ich schon seit zwölf Jahren dabei bin, wie sie gesagt haben, in der Digitalisierung viel Transformation hatten. Nicht nur durch Corona, das mit dem Homeoffice und das mit dem ganzen digitalen Kommunizieren. Sondern wir wollten uns auch so weiterentwickeln und so haben wir zahlreiche neue Software im Unternehmen eingeführt et cetera. Also neben diesen externen Krisen haben wir intern noch – jetzt haben wir meinen Vater wirklich in den Ruhestand gelassen – ein bisschen noch Nachfolgewechsel gehabt … also wir hatten intern extreme Umwälzungen, extrem große Investitionen und dann das externe … also das war wirklich extrem, was wir die letzten Jahre gemacht haben…“
Inzwischen aber sei der Ketchup- und Gewürzanbieter über den Berg. Dank einer starken Marke … dank seines Vaters, der den Betrieb finanziell gut aufgestellt hatte … und dank guter Mitarbeiter und eines starken Teams, sagt Alexander Laue.
Er ist überzeugt, dass sich Hela auch in Zukunft anpassen und verändern muss. Die weitere Digitalisierung wird für das Unternehmen genauso eine Herausforderung wie zum Beispiel auch noch mehr Nachhaltigkeit. Ob in der energieintensiven Produktion, bei den Mitarbeitern oder den Lieferketten bei den Gewürzen.
Es gibt noch viel zu tun. Aber es ist auch schon viel getan. Und die Tatsache, dass Hela den Sturm der vergangenen Jahre überstanden hat, das ist kein Zufall oder Glück, sagt Meiko Oeser von der Deutschen Leasing.
Ja, die einzelne Entscheidung, sich zum Beispiel für eine Investition im richtigen Augenblick noch einen guten Zinssatz zu sichern, die könne zwar auch mal glücklich sein.
O-TON Oeser: „Glück allein … ja, das kann sein, die Ausgangslage kann glücklich sein oder unglücklich sein. Das kommt dann aber auf das unternehmerische Geschick an, zu jeder Zeit entsprechend die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Und da sieht der Finanzfachmann durchaus optimistisch in die Zukunft seines Kunden.
DROP
Schön, dass sie wieder dabei waren. Mehr Infos zu dieser Folge finden sie natürlich wie immer in unseren Shownotes.
Mit Hela waren wir diesmal in Schleswig-Holstein ganz im Norden der Republik, in der nächsten Folge geht’s in den Süden nach Bayern. Und zwar auch in ein Familienunternehmen. Das hat zum Beispiel die Paulaner Brauerei in München eingekleidet. Also nicht die Mitarbeiter, sondern den Neubau. Denn beim nächsten Mal geht’s um einen Spezialisten für komplette Gebäudehüllen.
Ich freue mich, wenn sie dann wieder reinhören.
Bis dahin, machen Sie’s gut.