Verantwortungsvoll bis zum letzten Blatt – Druck- und Papier-Service Liebers GmbH

Shownotes

Hans Liebers ist nicht Ihr gewöhnlicher Geschäftsmann. Von seinen Anfängen in der Druckwelt bis hin zu seinem Einstieg in die Welt des Lachses, der Organisation von Reisen nach Irland und dem Betrieb von zwei Irish Pubs hat Liebers alles erlebt. Begleiten Sie uns auf die einzigartige Reise dieses facettenreichen Unternehmers. Immer mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit.

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Skript: Warum nur ein Standbein, wenn es auch mit mehreren geht? Liebers

O-TON Liebers: „Die Druckereien waren früher immer absolut super beschäftigt. Es gab dann eine Zeit, da ist die Technik immer besser geworden. Und wenn man sich das heute mal anschaut: Es gibt ja kaum noch Druckereien. Zum Beispiel hier in Speyer, das war eine Druckerei-Stadt. Ich sag mal, zehn bis 15 Druckereien waren da ohne Probleme ansässig, auch große. Die sind alle weg. Die gibt’s wirklich gar nicht mehr. Wir sind die einzigen, die übrig geblieben sind. Das zeigt auch, dass wir da immer auf dem richtigen Weg waren … zu schauen, wo bekommt man was her. Und da hat sich unheimlich was getan. Auch gerade die Online-Druckereien. Man sieht ja, was da hier alles möglich ist und angeboten wird – auch die Preise –ganz normale Druckereien vor Ort, regionale Kleine, die haben da gar keine Chance.“

Jingle INTRO

„Druckereien im Land unter Druck“: Eine Online-Schlagzeile des Norddeutschen Rundfunks aus diesem Jahr, die durchaus beschreibt, wie es vielen in der Druck-Branche überall in Deutschland schon seit längerer Zeit geht.

Digitalisierung, Corona, Energiepreise, Papiermangel – die Herausforderungen waren und sind enorm. Viele kleine und große Druckereien sind in den vergangenen Jahren verschwunden.

Für einen Unternehmer kann es deshalb sinnvoll sein, nicht nur EIN Standbein zu haben, sondern gleich mehrere.

Wie wäre es dann vielleicht damit, zusätzlich zum Druckereigeschäft auch noch geräucherten Lachs aus Irland zu importieren? Oder vielleicht sogar noch ein drittes Standbein als Reiseveranstalter?

Klingt total verrückt? Ja – na dann herzlich willkommen bei dieser neuen Folge unseres Podcasts.

Jingle CLOSER

Normalerweise geht es hier ja immer um die Erfolgsbilanz EINES Unternehmens. Heute machen wir mal was anderes. Es geht nicht um eine Firma allein, sondern um einen ungewöhnlichen Unternehmer, der über seine ganz eigene Erfolgsbilanz im Laufe der Jahrzehnte erzählen wird – und über gleich mehrere Unternehmen, mit denen er sein Geld verdient.

Hans Liebers aus Rheinland-Pfalz.

Zuerst mal ist da die Druck- und Papier-Service Liebers GmbH in Speyer. Die Kunden sind bis heute fast ausschließlich Geschäftskunden, die unterschiedlichste Druck-Erzeugnisse benötigen. 1984 hat Liebers‘ Vater das Unternehmen gegründet.

O-TON Liebers: „Es war eigentlich keine reine Druckerei, sondern wir sind eine Druckerei-Vermittlung. Wir stellen also Drucksachen her für unsere Kunden und suchen dann immer die passende Druckerei dazu, damit wir das auch günstig anbieten können.“

Und auch wenn SIE Herrn Liebers nicht kennen sollten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie schon mal eines seiner Druckerzeugnisse in der Hand hatten. Vor allem in der Spargelzeit. Aber dazu kommen wir noch.

Also ein Unternehmen, das mit der Druckerei sein Geld verdient – aber gar keine eigenen Druckmaschinen hat? Das hat sich im Laufe der Zeit durchaus als Vorteil erwiesen.

O-TON Liebers: „Ganz genau. Das ist ja das Problem, sie müssen ja relativ viel investieren in Druckmaschinen oder auch Drucktechnik. Dann können sie trotzdem meistens nur einen sehr kleinen Teil der Produkte liefern oder auch günstig anbieten. Wir hatten wirklich den großen Vorteil, egal, was für Produkte der Kunde gebraucht hat – früher waren es zum Beispiel in den 80er, 90ern durch die EDV viele Endlossätze. Also die man noch schön in die Drucker gemacht hat, mit den Löchern rechts und links. Das war natürlich sehr aufwändig und teuer und da braucht man spezielle Maschinen. Viele andere brauchten einfach nur Visitenkarten oder Flyer oder Schnelltrennsätze, auch andere Akzidenzdrucksachen wurden da benötigt. Und da können sie gar nicht alle Maschinen im Park haben. Und das war unser großer Vorteil. Wir wussten in ganz Deutschland und im Ausland, wo welche Druckereien welche Produkte günstig herstellen konnten.“

Nur kurz mal erklärt: Akzidenzdrucksachen, das sind die typischen kleinen Gelegenheitsdrucksachen, mit denen viele Unternehmen immer mal ankommen – Visitenkarten, Prospekte oder Speisekarten zum Beispiel. Keine große Auflage, das bedeutet also für ein Druckerei-Unternehmen in der Regel auch keinen großen Umsatz.

Und Schnelltrennsätze – das können beispielsweise Formulare sein, bei deren Ausfüllen man gleich mehrere Durchschläge hintereinander hat und die dann einfach an einer perforierten Kante abgerissen werden – die bedeuten ebenfalls nicht gerade das große Geschäft. Viele Unternehmen brauchen sie zwar auch heute noch, aber dafür eigene Druckmaschinen anzuschaffen? Das haben Hans Liebers und schon vorher sein Vater nicht eingesehen.

Diese großen Investitionen hätten sich auch für das Unternehmen tatsächlich zu einem großen Problem entwickeln können. Denn Ende der 1990er waren plötzlich Begriffe wie „Digitalisierung“ oder „papierloses Büro“ immer häufiger zu hören. Die Konkurrenz der Druckereien untereinander wurde immer härter.

O-TON Liebers: „Das war natürlich extrem. Die Druckereien waren früher immer absolut super beschäftigt. Es gab dann eine Zeit, da ist die Technik immer besser geworden. Und wenn man sich das heute mal anschaut: Es gibt ja kaum noch Druckereien. Zum Beispiel hier in Speyer, das war eine Druckerei-Stadt. Ich sag mal, zehn bis 15 Druckereien waren da ohne Probleme ansässig, auch große. Die sind alle weg. Die gibt’s wirklich gar nicht mehr. Wir sind die einzigen, die übrig geblieben sind. Das zeigt auch, dass wir da immer auf dem richtigen Weg waren … zu schauen, wo bekommt man was her. Und da hat sich unheimlich was getan. Auch gerade die Online-Druckereien. Man sieht ja, was da hier alles möglich ist und angeboten wird – auch die Preise –ganz normale Druckereien vor Ort, regionale Kleine, die haben da gar keine Chance.“

Spätestens zur Jahrtausendwende wurde die Sorge auch bei Hans Liebers immer größer: Was bedeutet der technische Fortschritt rund um Digitalisierung in den Unternehmen irgendwann auch für ihn selbst?

O-TON Liebers: „Da macht man sich natürlich Gedanken. Wir haben natürlich den Vorteil gehabt, dadurch dass wir keinen Maschinenpark hatten, waren unsere Kosten relativ gering. Also da war das für uns ein bisschen einfacher als bei den Druckereien, die natürlich hohe Kosten, große Räume, viel Miete bezahlen müssen …“

Für Liebers stellt sich im Laufe der Jahre immer mehr die Frage, wie er auf die Veränderungen reagieren sollte. Braucht er zur Sicherheit weitere mögliche Standbeine? Und kann das Druckgeschäft auch in Zukunft noch Bestand haben?

Hans Liebers, der von sich selbst sagt, er sei schon immer ein bisschen „grün“ im Kopf gewesen, entdeckt das Thema Nachhaltigkeit für sein Unternehmen. Und das in einer Zeit, als der Begriff noch gar nicht so wie heute auf der ganz großen Bühne angekommen war.

O-TON Liebers: „Wo können hier noch gewisse Ideen einbringen, um nicht nur den Druck zu machen, wie jeder druckt, sondern was können wir speziell anbieten? Und das war – wenn man es heute sieht – ein ganz wichtiger Punkt. Und heute stehen wir super da mit unserem Geschäft und es wird immer besser, und auch speziell die Nachhaltigkeit spielt da eine große Rolle.“

Denn neben den üblichen Alltags-Drucksachen gibt es vor allem einen Bereich, mit dem Liebers heute sein Geld macht:

O-TON Liebers: „Unser Hauptgeschäft inzwischen in der Druckerei ist das Geschäft mit Banderolen. Das heißt also Lebensmittelbanderolen für Gemüse. Hauptsächlich für Spargel.“

Auch wenn der große Spargelverkauf erst im März startet, beginnt für ihn die Spargel-Saison schon im Januar. Denn wir reden hier nicht nur von ein paar tausend Banderolen.

O-TON Liebers: „Es geht um zwei, drei Millionen, wenn nicht sogar noch einige mehr. Es sind verschiedene Kunden, das muss alles gesammelt werden und das machen wir eigentlich so wie bei einer Online-Druckerei. Das heißt, wir sammeln die ganzen Aufträge von unseren Kunden, das sind die verschiedensten Banderolen. Spargel aus Deutschland, aus Österreich, Spargel aus Frankreich, wie auch immer – dann werden einfach die Banderolen gedruckt.“

Plastikverpackungen sind inzwischen immer mehr verpönt. Deshalb wird der Spargel heute vor allem in Papierbanderolen verkauft. Der Handel will signalisieren, dass er auch auf Nachhaltigkeit setzt. Und da ist dann ein wichtiges Stichwort auch das so genannte Deinking. Die Druckfarben sollen sich später komplett entfernen lassen können.

O-TON Liebers: „Lebensmitteldruckfarben – es ist ein wasserabweisender Lack drauf, der auch total biologisch abbaubar ist. Und sie können unsere Banderolen ins Altpapier stecken. Und das ist natürlich ein Riesenvorteil. Und immer mehr Kunden – zum Beispiel die Firma Migros in der Schweiz, da produzieren wir für die Schweiz selbst… für Italien, für Spanien, für Ungarn … auch in Deutschland die ganzen Obstmärkte, für Kaufland, Lidl, Aldi, wenn alles nennen wollen – die versuchen jetzt einfach auch auf Nachhaltigkeit zu gehen. Und da ist einfach das Produkt Banderole hier anbieten mit sämtlichen Zertifikaten, da sind wir relativ führend in Deutschland.“

Dabei liefert er seine Banderolen nicht direkt an die Supermärkte, sondern an die jeweiligen Erzeuger, die ihren Spargel oder andere Gemüsesorten wiederum an Lidl, Aldi und Co verkaufen. Das alles klingt nach einem gut laufenden Geschäft und Liebers sagt tatsächlich: 60 Prozent seines Umsatzes im Druckgeschäft macht er heute mit den Banderolen.

Aber jetzt kommen wir mal auf die Sorgen zurück, die er sich spätestens um die Jahrtausendwende angesichts der Digitalisierung gemacht hat – und welche Folgen das alles für sein Unternehmen haben könnte.

Erinnern Sie sich? Da war doch was mit Lachs aus Irland?

Dazu muss man wissen: Hans Liebers sagt von sich selbst, er sei sogar im doppelten Sinne „grün“ im Kopf. Nicht nur was die Nachhaltigkeit angeht. Liebers ist auch ein großer Irland-Fan und deshalb schon früher gerne und häufig auf der grünen Insel gewesen. Dort hat er irgendwann an der Südwestküste einen Familienbetrieb entdeckt, deren geräucherter Lachs ihm besonders gut schmeckt.

O-TON Liebers: „Natürlich hat man sich Gedanken gemacht. Meine Überlegung war, auf zwei Beinen steht man besser wie auf einem. Aber es war nie so geplant, dass ich jetzt zum Beispiel gesagt habe, ich mach jetzt morgen ein Irland-Lachs-Geschäft auf. So funktioniert’s [schmunzelt] eigentlich nicht. Es hat sich eigentlich daraus ergeben – ich als Irland-Freund habe früher, wenn ich in Irland war, oft auch Lachs mit hier nach Deutschland gebracht, um das meinen Kunden für das Druckgeschäft zu schenken.“

Sie können sich das ganz einfach so vorstellen: Auf seiner Rückreise hatte Liebers regelmäßig zwei Koffer voll mit geräuchertem Lachs dabei. Das sei früher kein Problem gewesen, lacht der Unternehmer.

Diesen Lachs hat er dann vor allem vor Weihnachten an ausgesuchte Kunden verschenkt. Und was ist prompt passiert? Die Kunden fragten immer häufiger: Wo kann man denn diesen Lachs kaufen, gibt’s den auch hier bei uns?

O-TON Liebers: „So ist mir dann die Idee gekommen zu sagen: Wenn man schon ein gutes Produkt hat, kann man natürlich auch versuchen, es an den Mann zu bringen. Das haben wir dann einfach langsam über die Jahre hin aufgebaut, so dass es inzwischen schon ein größeres Geschäft ist.“

An dieser Stelle kommt Martin Römisch ins Spiel. Er ist Gewerbekundenberater bei der Sparkasse Vorderpfalz.

Das Lachsgeschäft wurde nämlich im Laufe der Jahre so groß, dass die ursprünglichen Räumlichkeiten von Hans Liebers eindeutig zu klein wurden. 2018 hat er deshalb eine neue Gewerbehalle gebaut – weniger fürs Druckerei-Geschäft, sondern vor allem für den Lachs: mehr Fläche, mit einem Kühlhaus und allem, was dazu gehört.

Finanziert hat er das über die Sparkasse und deshalb weiß Römisch auch, wie gut das Unternehmen „Irland Lachs Hans Liebers“ inzwischen läuft.

O-TON Römisch: „Hat sich ganz, ganz toll entwickelt. Sowohl die Umsatzzahlen, aber auch ertragstechnisch, was den Gewinn angeht. So dass das Kredit-Obligo da sukzessive zurückgeht. Und eigentlich will man ja bei guten Bonitäten weiter wachsen und ich sage jedes Mal so spaßeshalber, wollen sie nicht noch ein bisschen Kredit? Und da sagt er jedes Mal, nein, nein, ich bin froh, wenn ich das schnell zurückbezahlen kann. Das heißt, auf der einen Seite Finanzierungsmittel zur Verfügung gestellt, aber er zahlt schneller zurück, wie es eigentlich der Sparkasse lieb ist.“

Allerdings gibt der Finanzfachmann auch zu: Als er von seinem Vorgänger über den umtriebigen Unternehmer und dessen Geschäftsaktivitäten hörte, da fand er das erst mal etwas sonderbar:

O-TON Römisch: „In der Tat, ja. Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, am Anfang auch so ein bisschen meine Zweifel gehabt. In der Regel soll man sich ja eher fokussieren auf gewinnträchtige Geschäftsmodelle. Aber bei Herrn Liebers war das immer sehr breit aufgestellt. Da hatte ich wie gesagt meine Zweifel. Gleichwohl hat er die relativ schnell relativiert. Das merke ich immer wieder, wenn wir uns einmal im Jahr sehen zum Jahresgespräch, wo wir dann auch die Zahlen besprechen, die er gut aufbereitet mitbringt und die im Detail durchgehen. Da habe ich relativ schnell gemerkt, der Herr Liebers … das, was er plant und auch dann umsetzt in die Tat, das ist wirklich gut durchdacht. Und hab da von Anfang an größtes Vertrauen in ihn gehabt, so dass wir da von Anfang an schon immer sehr gute Geschäftsverbindungen zur Sparkasse hatten.“

Und wir haben ja noch gar nicht über die anderen Standbeine von Hans Liebers gesprochen. Ja, sie haben richtig gehört. DIE anderen Standbeine. Denn zeitweise hatte Liebers nicht nur zusätzlich ein drittes, sondern sogar ein viertes Standbein. Aber eins nach dem anderen, damit wir hier nicht total durcheinanderkommen.

Ich hab ihnen ja schon ganz am Anfang das Stichwort Reiseveranstalter verraten – aber davor gab es noch ein anderes geschäftliches Kapitel. Und das hatte ebenfalls mit seinem Faible für Irland zu tun.

O-TON Liebers: „Auch einfach zu erklären. Klar, Irland war immer so für mich ein Mittelpunkt. Es hat viel gebracht. Die Reisen haben viel gebracht, der Lachs hat viel gebracht und ich hab mich so in das Land verliebt, dass ich auch in Speyer Inhaber von zwei Irish Pubs war.“

Na klar, warum auch nicht? Diese Geschichte kürzen wir mal ein bisschen ab. 1998 ist Liebers regelmäßig als Gast in einem Pub. Da kommt eines Abends der Inhaber und sagt in die Runde:

O-TON Liebers: „Die bisherige Mieterin bezahlt ihre Miete nicht, und ob wir jemanden kennen, der das Pub übernehmen würde. Da habe ich meinen Finger gestreckt und gesagt, ich mach’s.“

Für viele wären wohl das Druckereigeschäft und der Lachshandel schon mehr als genug gewesen – aber Hans Liebers sagt sich, da geht noch was. Also übernimmt er sein erstes Pub, lässt es umbauen, organisiert neue Veranstaltungen und mit der Zeit brummt der Laden.

O-TON Liebers: „Und es war natürlich toll als Irland-Liebhaber in ein eigenes Pub zu gehen und umsonst zu trinken – in Anführungsstrichen, weil es ja so nicht stimmt [lacht] – war eine tolle Zeit. Und dann war noch anderes Irish Pub hier in Speyer, ein bisschen außerhalb, das hatten Iren betrieben … ja, die Iren trinken gern … und dann war der von heute auf morgen auf einmal nicht mehr da und die Brauerei hat mich gefragt, ob ich übernehme – habe ich gemacht. War auch sehr erfolgreich. Großer Biergarten, hier haben wir viel Live-Musik gemacht … beide sind inzwischen verkauft … es ist viel Arbeit … mit Personal … und wenn man es dann nebenbei macht, ist es dann schon ein bisschen aufwändig.“

Immerhin aber ist Liebers insgesamt 15 Jahre so ganz nebenbei auch Gastwirt, bis er beide Pubs wieder verkauft hat.

Und warum erzähle ich ihnen von diesem Kapitel überhaupt? Ganz einfach, denn damals ergab sich wiederum die Geburtsstunde für ein weiteres Standbein, das bis heute Bestand hat.

Wer ein Irish Pub betreibt, der kommt am Thema Whisky-Tasting nicht vorbei. In den Lokalen von Liebers gab es also regelmäßige Probierstunden – natürlich mit irischen, aber auch schottischen Whiskys.

O-TON Liebers: „Und dann ist natürlich auch oft der Wunsch der Kunden gekommen: Macht doch mal eine Reise nach Schottland, damit wir mal die Brennereien sehen können.“

Da auch sie inzwischen Hans Liebers ein bisschen kennen, ahnen sie mit Sicherheit den Rest schon. Anfang der 2000er organisiert er die erste Reise. „The Celtic Company“ heißt irgendwann das dritte Standbein, auf dem Hans Liebers heute noch unterwegs ist – auch wenn die beiden Pubs längst verkauft sind.

Als Reiseziele steuern er und ein weiterer Mitarbeiter regelmäßig Irland, Schottland und das englische Cornwall an.

O-TON Liebers: „Ich bin dann als Reiseleiter in Irland unterwegs und ja, inzwischen haben wir im Jahr 20-25 Reisen ausgebucht … für nächstes Jahr sind wir schon ausgebucht. 2025 schon die Hälfte ausgebucht. Weil wir das in sehr kleinen Gruppen machen, sechs bis sieben, sehr individuell, sehr schöne Gästehäuser, keine großen Hotels. Also das ist das, was die Leute auch wollen. Und da haben wir auch wieder ein bisschen Nachhaltigkeit. Wir versuchen immer, das nicht in ganz großen Gruppen zu machen, sondern immer ein bisschen klein und fein – dass das einfach passt.“

Und auch da ist gerade wieder das Stichwort Nachhaltigkeit aufgetaucht. Ein Begriff, der in den unterschiedlichsten Branchen eine immer wichtigere Rolle spielt, sagt Martin Römisch von der Sparkasse Vorderpfalz.

O-TON Römisch: „Man merkt es schon auch durch einen gewissen gesellschaftlichen Druck, wo auch immer mehr Konsumenten darauf achten: Ist denn das Unternehmen nachhaltig aufgestellt, werden quasi die Ressourcen, die wir haben auf der Welt, entsprechend mit Bedacht eingesetzt? Das ist ein immer wichtigeres Thema geworden. Und so ist es auch bei Herrn Liebers. Papierdruck – da schaut er auch immer, dass er den neuesten Entwicklungen und Trends auch folgt in dem Bereich. Auch was das Thema Reisen nach Irland angeht … weil es ja schon immer mit einem Flug verbunden ist, dass er da mittlerweile auch mehrere Reisen miteinander kombiniert, dass er dann dort bleibt und nicht ständig wieder zurück nach Deutschland fliegt und dann wieder hin. Weil man kann ja mittlerweile auch vieles von zu Hause aus, beziehungsweise dann von Irland aus am Laptop abarbeiten. So dass er nicht jedes Mal nach Deutschland muss. Also man merkt schon, das kommt tatsächlich mittlerweile bei den Unternehmern an und die achten immer mehr auf das Thema Nachhaltigkeit.“

Aber selbst, wenn eine Firma heute einfach auf mehr Nachhaltigkeit setzt, heißt das noch lange nicht, dass sie morgen noch existiert. Es gilt, sich immer wieder neu zu erfinden und sich den aktuellen Gegebenheiten anzupassen, wenn man als Unternehmer langfristig bestehen will.

Das hat Hans Liebers inzwischen rund 40 Jahre lang geschafft – nicht nur in einem schwierigen Druckerei-Umfeld, sondern auch in ganz anderen Branchen. Das muss auch Sparkassen-Fachmann Römisch zugeben – obwohl er erst mal skeptisch war, dass jemand mit so unterschiedlichen Standbeinen tatsächlich überall erfolgreich sein kann. Das sei aber auch gleichzeitig der Vorteil von Hans Liebers: breit aufgestellt zu sein.

O-TON Römisch: „Das ist auch ein Unternehmer, der viele Ideen hat, der viel in die Tat umsetzt. Der nicht nur spricht, sondern das Ganze auch relativ schnell anpackt und in die Umsetzung bringt. Aber das nicht blind, sondern gut durchdacht. Hat alles Hand und Fuß bei ihm.“

Eine Sache versteht Martin Römisch allerdings bis heute nicht: Wie bekommt der Druckerei-Unternehmer, Lachs-Händler, Reiseleiter und zeitweiliger Irish Pub-Betreiber das überhaupt alles gleichzeitig hin?

O-TON Römisch: „Gefühlt braucht der, glaube ich, auch keinen Schlaf. Also wenn man sich da mit ihm unterhält und er sagt, was noch alles vorhat und was er alles macht, dann denke ich auch jedes Mal: Wie machst Du das eigentlich? Weil, jeder hat seine 24 Stunden am Tag, aber gefühlt hat Hans Liebers 36 … ich weiß es nicht [lacht].“

Es sei dabei zumindest ein Vorteil, dass die Geschäfte in Teilen durchaus jeweils ihre Saison innerhalb eines Jahres haben, sagt Hans Liebers dazu. Das Drucken vor allem der Spargel-Papier-Banderolen geht im Januar los … ab dem späten Frühjahr/Sommer kann er sich dann verstärkt auf seine Irland-Reisen konzentrieren und beim Lachs ist vor allem die Zeit vor Weihnachten wichtig.

Und dazu kommt für den Geschäftsmann noch etwas anderes: Auch wenn es vielleicht immer noch ein bisschen verrückt klingt … Druckerei, Lachs-Importeur, Reiseunternehmer …. Soooooo weit auseinander seien diese drei Standbeine gar nicht:

O-TON Liebers: „Es haben alle drei Geschäftszweige, sage ich mal so [schmunzelt] … was gemeinsam: Es geht um Organisation und es geht um ein gutes Produkt. Im Druckgeschäft verkaufen wir ein gutes Produkt. Wir haben Banderolen, wir sind zuverlässig, da geht’s viel ums Organisieren. Klar, Liefertreue … ist die Qualität einwandfrei … sind die Kunden zufrieden? Beim Lachs ist es ja ähnlich. Man muss die Webseite betreiben … man muss organisieren … es muss gut verpackt, es muss eingekauft werden … und man braucht ein gutes Produkt … das haben wir. Beim Reisen ist es ähnlich. Sie müssen alles organisieren … andere Sachen organisieren, aber es ist im Endeffekt dieselbe Arbeit … und sie brauchen ein gutes Produkt, sie brauchen gute Reisen. Also es hat schon viel gemeinsam. Es sind einfach nur drei komplett verschiedene Produkte. Aber die sind einfach gut. Und wenn sie was Gutes haben, ein bisschen etwas Nachhaltiges und sich das abhebt von anderen – dann können sie Erfolg haben.“

Jetzt kennen sie die besondere Erfolgsbilanz eines Unternehmers, dessen Herz für ganz unterschiedliche Produkte schlägt. Und auch wenn man Eltern nie danach fragen sollte, für welches Kind ihr Herz am stärksten schlägt … aber welcher Geschäftszweig wäre das wohl bei Liebers?

O-TON Liebers: „Zwei Herzen. Einmal das Herz, wenn es ums Verdienen geht – man muss ja sein Geld verdienen – dann ist es ganz klar das Druckgeschäft. Weil, da haben sie eigentlich am wenigsten Arbeit und die höchste Rendite, so will ich es mal ausdrücken. Als zweites kommt eigentlich der Lachs. Da haben sie sechs, acht Wochen Arbeit im Jahr und verdienen auch relativ gut Geld. Die Reisen mache ich natürlich sehr gerne, das ist wieder das Herz-Herz, würde ich mal sagen. Das macht unheimlich Spaß, aber rein von der Rendite ist es das Geschäft, das am wenigsten abwirft. Also wenn man hier mal den Stundenlohn umrechnen würde [schmunzelt] oder den Aufwand, den man hat … also ich sage mal, wenn ich mich entscheiden müsste, etwas nicht zu machen, dann wären es wahrscheinlich die Reisen. Wenn man jetzt die Arbeitskraft nicht mehr dazu hätte. Weil es einfach am wenigsten abwirft und am meisten Arbeit macht. Aber ich denke nicht, dass es so weit kommt.“

Denn auch wenn er schon rund 300 Mal in Irland war – genug hat er noch lange nicht von der grünen Insel.

Ach ja … Martin Römisch hat vorhin doch angedeutet, dass Liebers immer noch viele Ideen und viel vorhat. Also ist da vielleicht doch noch mal wieder ein viertes Standbein in Sicht? Dazu sagt der Unternehmer heute ganz klar: Nein danke!

O-TON Liebers: „Ideen hätte ich noch, aber machen werde ich sie nicht mehr. Also es reicht. Die drei reichen jetzt, habe ich mich entschieden [lacht] … ich bin jetzt 63, ich werde mit 65 bestimmt nicht aufhören, weil es einfach zu viel Spaß macht. Aber ich gebe jetzt auch schon wirklich viel in die Hände meines Sohnes. Der macht schon sehr viel im Druckgeschäft, Lachs macht er eigentlich auch schon zu 80 Prozent … alles was unten mit dem Handel, Verpacken et cetera ist. Also da versuche ich, mich schon ein bisschen zurückzuziehen. Aber ganz werde ich es nicht packen, aber was Neues – definitiv nicht!“

Den Markt beobachten, Trends erkennen, sich immer wieder hinterfragen, ob man vielleicht selbst tätig werden und sein Angebot ausweiten oder verändern muss – und die Gelegenheiten beim Schopfe packen, wenn sie sich ergeben. Das sind einige der Zutaten für das Erfolgsrezept von Hans Liebers.

DROP

Schön, dass sie wieder dabei waren. Weitere Infos wie immer in unseren Shownotes zu dieser Folge.

Ich freue mich, wenn sie auch beim nächsten Mal wieder reinhören.

Bis dahin, machen Sie’s gut.