Wasserersparnis und Technologie: Die Evolution von Aqseptence
Shownotes
In dieser Folge tauchen wir in die faszinierende Geschichte von Aqseptence ein, einem Unternehmen, das sich von der Herstellung von Gullydeckeln zu einem weltweit führenden Anbieter von Wasseraufbereitungstechnologien entwickelt hat. Erfahren Sie mehr über ihre Transformation, die Herausforderungen des globalen Marktes und wie sie dazu beitragen, die wertvolle Ressource Wasser zu schützen.
Zu Gast: Florian Will - Mitglied der Geschäftsführung (CFO) der Aqseptence Group GmbH https://www.aqseptence.com/de/
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Skript: Weltweiter Einsatz für wichtige Ressource Wasser – Aqseptence
O-TON Will: „Unsere Entwicklung in dem Zuge war, dass wir früher historisch hier als Unternehmen auch mit unserer Marke Roediger weltweit ganze Kläranlagen gebaut haben. Also in Saudi Arabien, in irgendwelchen anderen Ländern auf der Welt wurde wirklich noch Zement und Speis angerührt und es wurden ganze Kläranlagen als Anlagenbauer in die Wüste gesetzt – sage ich jetzt mal ganz platt. Diese Art der Geschäftstätigkeit hat ein hohes Risikoprofil und wurde auch immer margenschwächer. Insofern hat da Risiko und Return nicht mehr wirklich zusammengepasst. Und dann wurde vor ungefähr 20 Jahren eine Transformation eingeleitet, dass man dieses Anlagenbaugeschäft verkauft hat und sich eher auf Maschinenbauspezialisten fokussiert hat. Und in diesem Zuge wurden verschiedenste Firmen akquiriert und diese Marken wurden dann in den Firmenbund integriert. (…)Also wir wurden von einem kommunalen Anlagenbauer zu einem kommunalen Maschinenbauer und dann zu einem industriellen Maschinenbauer.“
O-TON Will: „Warum hat das auch mit chinesischen Investor so gut geklappt? Weil der sich aus dem Tagesgeschäft und aus wirklich wichtigen strategischen Entscheidungen sehr stark rausgehalten hat und uns als dem Management hier mehr oder weniger freie Hand gelassen hat. (…)Das heißt, wir konnten wirklich hier sehr frei agieren und das war sicherlich einer der Gründe, warum das hier die letzten Jahre so gut lief.“
Jingle INTRO
Es gibt einen Stoff auf der Erde, der eigentlich in unvorstellbaren Mengen vorhanden ist. 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser gibt es auf unserem Planeten. Aber gerade mal 2,5 Prozent davon ist Süßwasser.
Und eine ganze Menge davon nutzen und verschmutzen wir Menschen jeden Tag. Ob im Badezimmer, in der Industrie, bei der Gewinnung von Rohstoffen oder vielem mehr. Sauberes und nutzbares Wasser für die Menschheit wird deshalb immer knapper.
Im hessischen Aarbergen sitzt ein Unternehmen, das auf der ganzen Welt dafür sorgt, möglichst viel Wasser wieder sauber zu bekommen: die Aqseptence Group.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.
Jingle CLOSER
Rohstoffe wie zum Beispiel Erdöl oder Kohle werden immer knapper, weil die Menschheit sie Stück für Stück verbraucht. Bei der Ressource Wasser ist das in gewisser Weise anders. Wasser ist Teil eines Kreislaufs und kann im Grundsatz erst einmal nicht aufgebraucht werden.
Das Problem ist allerdings: Die Menge des nutzbaren und sauberen Wassers kann sich immer weiter verringern. Also kommt es darauf an, gebrauchtes Wasser möglichst wieder sauber zu bekommen. Da kommt die Aqseptence Group ins Spiel.
Den Namen haben sie vielleicht noch nicht gehört und es gibt ihn auch erst seit 2016. Dafür kennen sie aber bestimmt einen anderen Namen: Passavant. Der steht heute noch auf vielen Gullydeckeln in ganz Deutschland und in vielen anderen Ländern. Passavant ist die Wurzel der heutigen Aqseptence Group, erzählt ihr kaufmännischer Geschäftsführer Florian Will:
O-TON Will: „Der Hauptsitz ist ja auch hier in Aarbergen, dem Standort, an dem die Marke Passavant im Jahre 1884 sozusagen ins Leben gerufen wurde. Und natürlich seitdem dann eine riesige Erfolgsgeschichte nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa genommen hat. Und in der Tat, auch mir geht es so, wenn ich irgendwo einen Gullydeckel in irgendeiner Straße sehe, dann fällt mir der Name Passavant an der Stelle immer noch auf und insofern läuft man ihm sehr häufig über den Weg.“
Passavant hat nicht nur eine lange, sondern auch durchaus wechselhafte Geschichte hinter sich. Im Laufe der Zeit spezialisiert sich das Unternehmen unter anderem auf Klär- und Entwässerungsanlagen, gerät aber in den 1980er Jahren in Turbulenzen, und dann übernimmt der Mannheimer Baukonzern Bilfinger + Berger die Mehrheit an Passavant.
In der Folgezeit wird einerseits die Gießerei-Sparte mit den Gullydeckeln verkauft. Auf der anderen Seite kommen Spezialfirmen aus der Filtertechnikbranche dazu. Für ein paar Jahre heißt das Ganze dann Bilfinger Water Technologies – bis 2016. Da ist Bilfinger selbst in der Krise und verkauft unter anderem die Wassertechnologie-Sparte an einen chinesischen Investor.
Es entsteht eine neue Unternehmensgruppe mit einem neuen Namen: Aqseptence.
O-TON Will: „Es ist gar nicht so einfach, für so ein international tätiges Unternehmen wie unseres einen Namen zu finden, der weltweit überall noch verfügbar und frei ist und noch nicht geschützt ist. Und da kamen wir dann auf das Kunstwort Aqseptence, was sich aus den drei Komponenten Aqua – wie Wasser – Seperation für Trennung – und Tence für Competence zusammensetzt. Also Wasser-Trennungs-Kompetenz ist die Bedeutung dann des Namens. Und der Name ist auch Programm, denn unsere Expertise und unsere Geschäftstätigkeit hängt eigentlich ausschließlich mit dem Thema Wasser, Wassertrennung, Wassertechnologie zusammen.“
Maschinen, Produkte, Lösungen, die in irgendeiner Form Wasser transportieren, reinigen, filtern und wieder aufbereiten – das ist heute das Geschäftsfeld.
O-TON Will: „Das können kleine Produkte und Komponenten für 50 Euro sein oder das können ganze Anlagen, riesige Anlagen für über 30 Millionen Euro sein. Also wir sind im Einzelproduktbereich als auch im Projektgeschäft tätig. Aber alles hat irgendwo mit Wasser oder der Trennung von Fest-Flüssigstoffen zu tun.“
Dabei sind die Produkte nichts für den Hausgebrauch – denn das Unternehmen ist rein im Business-to-Business-Geschäft unterwegs. Aber indirekt kommt wohl doch fast jeder von uns immer wieder mit den Aqseptence-Lösungen in Berührung.
O-TON Will: „Dann, wenn zum Beispiel Wasser durch irgendeinen Filter gelaufen ist, gereinigt wurde, um dann am Ende hier im Wasserhahn anzukommen zum Beispiel. Oder wo wir auch Filter liefern, sind zum Beispiel in Industrien. Also wenn sie ein Bier trinken, dann ist die Chance hoch, dass im Produktionsprozess, im Brauprozess irgendwann mal ein Filter von uns zum Einsatz kam, durch den dann irgendeine Maische oder ein Hopfengemisch gefiltert wurde.“
Rund 1.500 Mitarbeiter sind heute in den verschiedenen Sparten der Aqseptence-Gruppe beschäftigt – und das an mehr als 20 verschiedenen Standorten in Europa, Asien, Australien und Nord- und Südamerika.
Die Kunden kommen unter anderem aus dem kommunalen Bereich, wenn es zum Beispiel um das Abwasser geht. Und da geht es nicht nur um die klassische Technologie für Kläranlagen, wie man sie bei uns kennt. Denn längst nicht überall auf der Welt gibt es ein so dichtes Kanalisationsnetz wie in Deutschland.
Da geht es dann beispielsweise darum, das Abwasser per Vakuum-Unterdruck von den Häusern abzuholen.
O-TON Will: „Also in Deutschland kennen wir das Problem nicht, weil in Deutschland 99 Prozent der Kommunen, der Dörfer kanalisiert sind. Aber in anderen Gegenden der Welt, wie zum Beispiel in Osteuropa oder auch im Süden der USA, in Florida, da sind ganz viele Häuser noch so an klassische septische Tanks angeschlossen und werden eben nicht eben nicht gesammelt und entsprechend geklärt, sondern das Wasser fließt in irgendwelche Flüsse und verschmutzt diese dann über die Jahre. Und dort werden dann neue Kanalisationen eingebaut und da kommt unsere Technologie zum Einsatz, wenn wir das Abwasser sammeln, also nicht per Schwerkraft, sondern per Vakuum. Und wenn es dann irgendwann an der Kläranlage ist, dann kommt unser anderer Geschäftsbereich zum Tragen. Wenn nämlich über die verschiedenen Klärstufen in einer Kläranlage – sei es die mechanische Reinigung oder die biologische Reinigung – dann entsprechend das verunreinigte Abwasser über viele Stufen so reinigen, dass am Ende wieder eine Wasserqualität rauskommt, die dann auch wieder zurückgeführt werden kann in den Kreislauf.“
Neben dem kommunalen Bereich ist eine weitere wichtige Kundengruppe die Industrie. Und da geht es dann nicht nur um Filter für Brauereien, sondern auch um viele andere ganz unterschiedliche Anwendungsgebiete, zum Beispiel auch bei der Rohstoffgewinnung.
Vielleicht haben Sie ja unsere vorige Podcast-Folge gehört und erinnern sich noch an Tradium – die Firma, die mit Seltenen Erden und anderen Industriemetallen handelt. Bevor diese Rohstoffe verkauft und verarbeitet werden, müssen sie erst mal gewonnen werden. Da sind wir dann im Bergbau …
O-TON Will: „Und dort wird nämlich unter Einsatz von unglaublich viel Wasser – also hier reden wir wirklich über einen riesigen Wasserverbrauch – nämlich die Metall, die Rohstoffe aus den Minen gewonnen. Da reden wir über Lithium, über Nickel, Kobalt, Kupfer und so weiter. Das sind ja alles wichtige Rohstoffe, die wir insbesondere auch für die Energiewende brauchen. Die werden dort gewonnen. Und das Wasser wurde dort in der Vergangenheit in riesigen Teichen gelagert und über viele Jahre dort einfach stehengelassen.“
Mehrmals ist es in der Vergangenheit allerdings bei solchen Rückhaltebecken schon zu Dammbrüchen gekommen. 2019 kommen zum Beispiel in Brasilien mehrere hundert Menschen ums Leben, als ein Damm an einer Mine bricht. Schätzungsweise 13 Millionen Kubikmeter giftiger Bergbauschlamm ergießen sich in die Region.
Dabei müssen die Abwasser, die im Bergbau entstehen, gar nicht jahrelang in entsprechenden Teichen bleiben, wie es Florian Will gerade beschrieben hat. Denn die Schlämme, die im Bergbau entstehen, lassen sich inzwischen durchaus entwässern – und die Forderungen, das auch zu tun, werden immer lauter.
O-TON Will: „Und für diesen Entwässerungsschritt bieten wir mit unseren Kammerfilterpressen die weltweit State-of-the-art-Technologie an. Indem wir nämlich diese Schlämme dann entwässern, so dass am Ende ein trockener Kuchen – das ist wie so ein trockenes Steingemisch – übrig bleibt. Und das Wasser, was durch den Filtrationsprozess und durch den Entwässerungsprozess rauskommt, wird dann wieder im Produktionsprozess verwandt. Das heißt, wir haben dann einen Kreislauf etabliert. Und das ist vor dem Hintergrund von Wasserknappheit in diesen Gegenden, wo Minen eben entstehen – da reden wir insbesondere über Südamerika, dort gibt es die größten Minen der Welt – dort musste das Wasser teilweise aus dem Pazifik per Wasserentsalzungsanlage erst mal entsalzt werden, um dann auf 4.000 Meter Höhe gepumpt zu werden und dort dann verwendet zu werden.“
Entsprechend teuer ist dann auch ein Kubikmeter Wasser. Deshalb können die beschriebenen Kammerfilterpressen für die Minenbetreiber interessant sein. Jeder zurückgewonnene Kubikmeter Wasser bedeutet sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht einen Gewinn, sagt Florian Will.
Vor kurzem erst hat sein Unternehmen eine neue Kammerfilterpresse vorgestellt –deutlich größer als alles bisher Dagewesene. Eine mechanische Presse mit rund 400 Tonnen Gewicht – besonders leistungsfähig.
O-TON Will: „Die Nachfrage nach dieser Technologie ist sehr stark, sehr hoch. Und da hoffen wir auch in Zukunft, viele davon zu verkaufen, um da auch unseren kleinen Beitrag für Wasserersparnis in einer Branche zu leisten, die für uns alle sehr wichtig ist. Um unseren Lebensstandard irgendwie zu erhalten oder auch weiterzuführen.“
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Unternehmen mit Stammsitz in Hessen immer wieder verändert und ist entsprechend immer wieder auch auf der Suche nach neuen Märkten und Kunden. Mehr Internationalisierung und weltweite Projekte bedeuten aber auch immer wieder ein gewisses Risiko. Vor allem, wenn es um Millionen-Summen geht.
O-TON Will: „Für diese Projekte ist es in vielen Märkten Usus, dass die Kunden Anzahlungen leisten für so ein Projekt und dafür aber eine Bürgschaft einfordern. Und diese Bürgschaften legen wir durch unsere Bankpartner aus. Ohne diese Bürgschafts- oder Garantieherauslegung würden wir das Geld bar hinterlegen müssen.“
Das hätte zur Folge, dass die liquiden Mittel des Unternehmens viel stärker und länger gebunden wären – nicht gut, wenn man weiter wachsen will. Die Garantien sollen zum Beispiel absichern, dass die Leistungen nach entsprechender Anzahlung auch tatsächlich erbracht werden.
Bei der Nassauischen Sparkasse ist Axel Müller für diese Bürgschaften zuständig.
O-TON Müller: „In der Regel bestehen diese Projekte aus dem Zusammenfügen von verschiedenen Produkten und Komponenten und Leistungen und erfordern so einen relativ hohen Bedarf an Vorleistungen, bis ein Projekt irgendwann fertig ist und quasi ins Go-Live gehen kann. Und genauso wie Aqseptence sind auch deren Auftraggeber natürlich daran interessiert, dass beide Vertragspartner ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen können, die einmal vereinbart wurden. Und um das zu unterlegen und abzusichern, – diese gegenseitigen vertraglichen Verpflichtungen – stellen wir der Aqseptence einen Bürgschaftsrahmen zur Verfügung, den die Aqseptence dann, wenn erforderlich im Projektgeschäft individuell und flexibel abrufen kann.“
Einer der bedeutendsten Bereiche für die Bürgschaften sind die Vorauszahlungen. Die werden in der Regel gerade bei lange laufenden Projekten vereinbart, genauso wie weitere Zahlungen nach Baufortschritt. So kann Aqseptence die Liquidität gewährleisten, um das Projekt überhaupt abzuwickeln.
Für den Auftraggeber zum Beispiel in Südamerika bedeutet das wiederum, dass er finanzielle Mittel bereitstellt, deren Gegenleistung noch gar nicht erbracht ist. Das ist, als würden sie für ein neues Auto schon einen Teil des Kaufpreises bezahlen, obwohl noch gar kein einziges Teil vom Auto hergestellt wurde. Nur geht es hier dann anders als beim Auto schnell in die Millionen.
O-TON Müller: „Das ist ein großer Bereich. Ein zweiter Bereich ist der, gerade wenn es darum geht, neue Geschäftsverbindungen zu begründen oder anzubahnen. Insbesondere auch im internationalen Bereich, da sind doch die Geschäftspartner durchaus sensibel und vorsichtig, ob so ein neuer Geschäftspartner auch in der Lage ist, vertragliche Vereinbarungen, die man eingehen möchte, diese erfüllen zu können. Und für solche Zwecke kommt die Vertragserfüllungsbürgschaft ins Spiel.“
Das geht dann bis zu Garantien, die auch die Funktionsfähigkeit einer millionenschweren Anlage absichern können. Denn auch wenn beide Seiten erst mal in guter Absicht und mit einem guten Gefühl ihre Verträge abgeschlossen haben, heißt das noch lange nicht, dass zum Ende auch alles immer gut wird.
Und so könnte es auch für ein Unternehmen wie die Aqseptence Group äußerst problematisch werden, wenn ein Auftrag fest eingeplant ist, die entsprechenden Arbeiten und Investitionen auch längst laufen und es plötzlich heißt: Der Deal könnte trotz aller Verträge doch noch platzen.
O-TON Müller: „So etwas kommt vor. Es kommt insbesondere vor bei jüngeren Unternehmen, möglicherweise auch noch nicht über eine hinreichende Bonität verfügen, um überhaupt in der Lage zu sein, einen Bürgschaftsrahmen zu erhalten und wo man dann solche Risiken auf die eigene Kappe nimmt. Von daher erleben wir das schon. Und wer sein Geschäft professionell betreibt, der achtet darauf, dass man sich solche Risiken auch durch Bürgschaften oder Garantien unterlegen lässt.“
Allerdings gibt es gerade bei global agierenden Unternehmen eine ganze Mengen an Risiken, die sich manchmal nur schwer und manchmal auch gar nicht absehen lassen. Das haben gerade die jüngsten Krisen in den vergangenen Jahren bewiesen. Gerade deshalb geht es auch darum, sich immer wieder aufs Neue mit dem Thema Risikomanagement auseinanderzusetzen, sagt Sparkassen-Finanzexperte Müller.
Denn in jeder Region, in jedem Land, auf jedem Kontinent und auch weltweit können sich die Voraussetzungen für Geschäftstätigkeiten von einem auf den anderen Tag verändern.
O-TON Müller: „Als jüngste Beispiele kann man da vielleicht nennen: Sanktionen, da ging es zunächst mal los mit dem Thema Iran-Sanktionen. Jetzt natürlich seit Kriegsbeginn Sanktionen gegen Russland. Wir hatten Corona. Und das sind Dinge, die haben gezeigt, dass selbst für unmöglich gehaltene Dinge eintreten können. Und die auch entsprechende Auswirkungen haben auf Organisation und auf das Geschäftsmodell von Unternehmen. Von daher ist es für uns wichtig, ein Gefühl dafür zu haben, wie geht ein Unternehmen im Bereich des Risikomanagements damit um. Und wir werden von Aqseptence sehr gut informiert. Also über die jährlichen Prüfungsberichte hinaus bekommen wir unaufgefordert ein vierteljährliches Reporting, aber es geht auch auf Sonderfaktoren ein, insbesondere Risiken. Das gibt uns auch ein Gefühl dafür, soweit möglich, hat das Unternehmen die Sachen im Griff oder tut alles dafür, um die Sachen im Griff zu haben? Und es geht sogar soweit, dass es für bestimmte Risiken Notfallpläne gibt, die dann, wenn wirklich dieser Fall eintritt, aktiviert werden und dann quasi strukturiert abgearbeitet werden können. Und das alles gibt uns ein ganz gutes Gefühl als finanzierende Bank.“
Neben den Bürgschaften und Garantien, die für Aqseptence eines der wichtigsten Themen in der Zusammenarbeit mit der Sparkasse sind, ist für den kaufmännischen Geschäftsführer darüber hinaus auch wichtig, dass ein Bankpartner im täglichen Geschäft möglichst unkompliziert ist. Und da sieht Florian Will im Vergleich zu mancher großen deutschen Bank durchaus Unterschiede bei der Geschäftsbeziehung mit der Nassauischen Sparkasse:
O-TON Will: „Die erlebe ich als extrem pragmatisch. Also man merkt schon – und das im positiven Sinne natürlich – man merkt schon, dass eine Sparkasse keinen börsennotierten Hintergrund hat, sondern vielleicht etwas schneller und freihändiger agieren kann. Und das ist sicherlich für uns von Vorteil. Diese Schnelligkeit, dieser Pragmatismus, der ist mir in der Zusammenarbeit mit der Sparkasse schon sehr oft sehr positiv aufgefallen…“
… dafür sind allerdings auch immer beide Seiten verantwortlich, glaubt Kundeberater Axel Müller. Ein Faktor sei dabei, auf Bankseite erst einmal möglichst viel über das Unternehmen zu wissen und das Geschäftsmodell so gut wie möglich zu verstehen. Darüber hinaus spiele aber immer auch der persönliche Kontakt eine wichtige Rolle.
O-TON Müller: „Das Kennen der handelnden Personen und auch das Verstehen, wie sie handeln und warum sie wie handeln. Das spielt für mich eine herausragende Rolle. Wenn es auf der persönlichen Ebene nicht passt, dann kann glaube ich alles andere maximal zufriedenstellend laufen. Und deswegen kommt der persönlichen Ebene eine ganz besondere Bedeutung hinzu. Und bei allen digitalen Möglichkeiten, die wir natürlich gerade in der letzten auch immer stärker nutzen, versuche ich persönliche Gesprächstermine einzuflechten. Und sich mal eine Stunde zusammenzusetzen mit dem Herrn Will oder mit seinen Kollegen, das gibt viele Einblicke und noch mehr Gefühl und versetzt uns dann in die Lage, wenn Aqseptence dann Wünsche an uns heranträgt, auch relativ schnell zu reagieren.“
Darüber hinaus fühle er sich sowohl beim Thema Geschäftsentwicklung als auch anderen Aspekten immer auf dem Laufenden, sagt Müller. Dann sei es auch für eine Bank gar nicht so schwierig, schnell und pragmatisch zu handeln.
Nach seiner durchaus turbulenten Geschichte in den vergangenen Jahrzehnten sieht Will das Unternehmen inzwischen eher wieder in ruhigerem Wasser unterwegs. Dafür waren allerdings verschiedene Transformationsprozesse nötig. Man habe sich auf gewisse Weise immer wieder neu erfinden müssen.
O-TON Will: „Unsere Entwicklung in dem Zuge war, dass wir früher historisch hier als Unternehmen auch mit unserer Marke Roediger weltweit ganze Kläranlagen gebaut haben. Also in Saudi Arabien, in irgendwelchen anderen Ländern auf der Welt wurde wirklich noch Zement und Speis angerührt und es wurden ganze Kläranlagen als Anlagenbauer in die Wüste gesetzt – sage ich jetzt mal ganz platt. Diese Art der Geschäftstätigkeit hat ein hohes Risikoprofil und wurde auch immer margenschwächer. Insofern hat da Risiko und Return nicht mehr wirklich zusammengepasst. Und dann wurde vor ungefähr 20 Jahren eine Transformation eingeleitet, dass man dieses Anlagenbaugeschäft verkauft hat und sich eher auf Maschinenbauspezialisten fokussiert hat. Und in diesem Zuge wurden verschiedenste Firmen akquiriert und diese Marken wurden dann in den Firmenbund integriert. In einer zweiten Phase, die dann so ab 2010 bis 2013/14 sich ereignet hat, wurden dann – auch durch zwei Transaktionen, nämlich einer Firma in Italien und einer Firma in den USA – zwei Firmen dieser Unternehmensgruppe hinzugefügt, die eher den industriellen Fokus als Schwerpunkt hatten. Also wir wurden von einem kommunalen Anlagenbauer zu einem kommunalen Maschinenbauer und dann zu einem industriellen Maschinenbauer.“
Die Übernahme durch einen chinesischen Investor im Jahr 2016 sieht Will rückblickend als Erfolgsgeschichte. Zum einen habe sich die finanzielle Entwicklung deutlich verbessert, die Umsätze konnten stark wachsen. Dazu komme aber noch ein anderer Punkt …
O-TON Will: „Warum hat das auch mit chinesischen Investor so gut geklappt? Weil der sich aus dem Tagesgeschäft und aus wirklich wichtigen strategischen Entscheidungen sehr stark rausgehalten hat und uns als dem Management hier mehr oder weniger freie Hand gelassen hat. Also alle Maßnahmen, alle Investitionsvorschläge, die wir über die letzten Jahre hier gemacht haben, wurden ausnahmslos bestätigt und freigegeben. Das heißt, wir konnten wirklich hier sehr frei agieren und das war sicherlich einer der Gründe, warum das hier die letzten Jahre so gut lief.“
Und so spricht zum Beispiel auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Artikel über den alten Passavant-Standort vor einigen Monaten noch von einem „Erfolg mit chinesischen Investoren“ – durch den habe der „Standort Aarbergen eine Zukunft“.
Der Transformationsprozess sei aber jetzt nicht etwa beendet, glaubt Florian Will. Im Gegenteil müsse man sich zum Beispiel bei Forschung und Entwicklung jeden Tag weiter kräftig ins Zeug legen. Es müsse weiter investiert werden, denn neue Produkte und Lösungen müssen her. Denn die Position am Markt müsse immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Dazu gebe es zu viele Wettbewerber, die ebenfalls mit spannenden Produkten auf den Markt kommen. Das alles nennt der kaufmännische Geschäftsführer die „marktseitige Transformation“.
O-TON Will: „Der zweite Punkt der Transformation ist natürlich: Wie entwickeln wir die Gruppe weiter? Wir haben ja ein Dach, die Aqseptence Group, und haben dann die vier Segmente mit den entsprechenden Marken. Und da sind wir natürlich weiterhin sehr interessiert, vielleicht ein neues Segment noch dazuzunehmen, durch eine Akquisition oder auch innerhalb eines Segments uns weiterzuentwickeln und da neue Technologien oder neue Kompetenzen zu entwickeln … oder einzukaufen … die es uns ermöglichen, zum Beispiel eine ganze Lösung anzubieten und nicht nur ein Produkt. Sondern eine ganze Lösung für den Kunden, weil das am Ende dann auch vom Kunden anders vergütet wird, also wir können dadurch auch eine höhere Marge erzielen und wir machen uns auch nicht so einfach austauschbar, als wenn wir nur einfach einen Edelstahlfilter liefern. Sondern Edelstahlfilter plus Prozess-Knowhow plus Pumpentechnik et cetera das als Paket zur Verfügung stellen.“
Will blickt für das Unternehmen, das früher einmal den meisten vor allem für seine Gullydeckel bekannt war, optimistisch in die Zukunft. Denn auch die Krisen der vergangenen Jahre – von Corona, unterbrochenen Lieferketten, Krieg bis zu Inflation und gestiegenen Energiepreisen – seien zwar allesamt enorme Herausforderungen gewesen; aber allein im vergangenen Jahr sei der Umsatz auf die ganze Gruppe bezogen um rund 30 Prozent gestiegen. Unter anderem, weil Aqseptence inzwischen sehr diversifiziert aufgestellt ist. Die Gruppe ist auf global und auf verschiedenen Märkten unterwegs … mit unterschiedlichen Investitionszyklen und Konjunkturen – da könne man durchaus an einer Stelle mal zu kämpfen haben, dafür laufe es an anderen Stellen dann trotzdem gut und damit lasse sich vieles kompensieren.
O-TON Will: „Und so haben wir eigentlich die letzten Jahre in Summe [schmunzelt] es geschafft, mehr positive Einheiten zu haben als schlechtlaufende. So dass wir uns auf Gruppenebene sehr positiv entwickelt haben.“
Mehr Infos zu dieser Folge finden sie natürlich wie immer in unseren Shownotes.
DROP
Schön, dass sie wieder dabei waren.
In der nächsten Folge sind wir bei einer weiteren Firma mit langer Tradition: Ein Hersteller von Elektrowerkzeugen, der im kommenden Jahr auf 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt.
Das ist ein hart umkämpfter Markt, sowohl in Deutschland als auch weltweit – und da sprechen wir dann über die vielen Herausforderungen, wenn man mit Bohrmaschine & Co sein Geld verdienen will.
Ich freue mich, wenn sie dann wieder reinhören.
Bis dahin, machen Sie’s gut.