Von Tieren, Visionen und Krediten - Serengeti Park Hodenhagen
Shownotes
Es geht um ein tierisch aufregendes Business. Um einen Mann, der für seine Vision brennt und der selbst in der Corona-Pandemie Kredite für neue Investitionen bekommen hat.
Fabrizio Sepe, Geschäftsführer des Serengeti Parks Hodenhagen. Wie er aus einem scheiternden Riesenprojekt ein zukunftsfähiges Millionen Unternehmen gemacht hat und mit wessen Hilfe das gelungen ist.
Auch zu Gast:
Torsten Zimmer, Abteilungsleiter im Unternehmenskundenbereich der Hamburger Sparkasse
Kapitel:
03:11 - Serengeti-Park Hodenhagen und Expansion
07:47 - Visionen Umsetzen
14:17 - Investitionen in die Zukunft
18:08 - Herausforderungen der Corona-Pandemie
25:11 -Erlebnis Serengeti-Park
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Skript: Serengeti-Park Hodenhagen
INTRO
Anmoderation
Hallo und herzlich willkommen in einer neuen Folge unseres Podcasts, in dem es heute um ein wirklich tierisch aufregendes Business geht.
Dafür habe ich mit einem Mann gesprochen, der von sich selbst sagt, dass er wohl zu den glücklichsten Menschen der Welt gehört. Denn er hat einen Job, der für ihn wirklich Berufung ist.
Sein Unternehmen wächst von Jahr zu Jahr.
Selbst in der Corona-Pandemie hat er noch Kredite für neue Investitionen bekommen.
Und das liegt nicht nur daran, dass man bei diesem Mann mit jeder Faser spürt, wie sehr er für seine Visionen brennt.
Ein Mann, der schon als Kind wusste, was er beruflich mal machen will und heute mit 51 Jahren sagt: Ich bereue es keine Sekunde.
DROP
[Anders:]
Das ist typisch!
Wieder mal Stau.
Kein Auto bewegt sich.
Alle warten, dass es da vorne endlich weiter geht.
Der Grund für den Stau – ist ein Nashorn – mitten auf der Straße!
Ein typischer Moment im Safari-Park Hodenhagen, etwas nördlich von Hannover.
Hier ist Fabrizio Sepe aufgewachsen.
O-TON Sepe: „Da hatte ich natürlich das unglaubliche Privileg, ein bisschen wie Tom Sawyer aufzuwachsen. Im Dreck, mit den Tieren. Es gab unheimlich viele Tierbabys, die von den Müttern nicht angenommen worden sind. Und da durfte ich mit den Jungtieren von Tigern, von Löwen spielen. Ich hatte einen kleinen Freund, das war ein Baby-Elefant. Ich bin auf dem Baby-Elefant geritten, jeden Nachmittag. Ich ging zur Schule hier in Hodenhagen mit einem kleinen Krokodil – versteckt in der Jacke – so ein Baby-Krokodil, mit dem ich natürlich die ganzen Mädels sehr beeindruckt habe. Und ich war schon seit dem Alter wie eine Art kleiner Crocodile Dundee … kannte mich mit allem aus …“
Und trotzdem zieht es ihn nach der Schule erst mal in die Heimat seiner Familie – zurück nach Mailand. Der großgewachsene Mann mit dunklen Locken studiert erst mal – Wirtschaft und Marketing. Aber die Tiere, die ihn schon seit seiner Kindheit begleitet hatten, bleiben immer im Hinterkopf.
O-TON Sepe: „Dieser Geist, also diese Freude durch den Kontakt auch mit der Natur und mit den Tieren, das hat mich auch in dem Alter schon komplett gepackt. Und als die Frage meines Vaters kam, als ich meine Universität, Doktortitel bekam in Mailand: Was möchtest Du werden, Zahnarzt, Marketing-Mensch in der Ökonomie, willst du hier in Mailand bleiben, was möchtest du denn genau? Da kam sofort von mir die Antwort: Nee, nee, also ich mach das mit dem Park… mit dem ganzen Herzen … und ich komme sofort nach Deutschland.“
Und so steigt Fabrizio Sepe 1993 in den Serengeti-Park Hodenhagen ein und wird drei Jahre später Geschäftsführer. Die Idee für diesen Park hatte aber nicht etwa sein Vater Paolo, sondern der Unternehmer Charlie Stein. Als er in den 1960er Jahren bei einem Earl in England zu Gast war, sah er morgens beim Blick aus dem Fenster Giraffen. Die Frau des Earls hatte nämlich den Wunsch, auch ein paar ungewöhnliche Tiere in ihrem Garten zu halten.
In diesem Moment war Steins Idee geboren. Er wollte besondere Tierparks aufbauen. Und zwar welche, die nicht wie die typischen Zoos meistens rote Zahlen schreiben. Unter dem Namen „Wild Animal Kingdom“ sollten richtige Safari-Zoos entstehen. Auge in Auge mit den Tieren – das sollten die Besucher erleben.
Verantwortlich für den Aufbau ist: Paolo Sepe. Unter seiner Führung entstehen Tierparks in Montreal, New Jersey, Birmingham, in Beekse Bergen in den Niederlanden und im niedersächsischen Hodenhagen. Das Konzept geht auf.
Das Unternehmen von Charlie Stein aber geht trotzdem unter, weil er sich an anderer Stelle unter anderem mit dem Bau eines Nobelhotels verspekuliert, erinnert sich Fabrizio Sepe: Konkurs.
O-TON Sepe: „Und dieses riesige Lebenswerk von diesem Charles Stein wurde binnen ein paar Jahre dann aufgelöst, verkauft. Und mein Vater hatte den Riesenvorteil, dass er in seinem Geschäftsführer-Vertrag vereinbart hatte, dass er wenigstens in einem der Parks, die er aufgemacht hat, Vorkaufsrecht hätte. Und das hat er für Hodenhagen dann damals gelten lassen und ja, so ist die Familie Sepe zu so einem Park – eigentlich finanziert und aufgebaut von einem Konzern – zum Besitz des Parks gekommen.“
Nach fünf Jahren, in denen die Besitzverhältnisse erst mal geklärt werden müssen, kommt der Serengeti-Park Hodenhagen dann 1983 endlich in Familienbesitz.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Ruf des Parks allerdings nicht mehr der Beste. Denn jahrelang war nicht mehr investiert worden. Trotzdem glauben die Sepes an das Projekt und Stück für Stück geht es aufwärts. Sie investieren in ein Karussell, ein Riesenrad und die Affen- und Wasserwelt entstanden. Stück für Stück gehen auch die Besucherzahlen wieder nach oben.
Und der studierte Marketing-Experte Fabrizio Sepe erkennt die Zeichen der Zeit. Denn immer häufiger liest er von Besuchern, dass für sie der Tag im Serengeti-Park viel zu kurz war. Sie hätten gar nicht alles geschafft, was es zu erleben gab.
O-TON Sepe: „Irgendwann habe ich meinem Vater gesagt: Du, also wenn das nicht ein Zeichen ist, dass die Leute hier gerne übernachten wollen würden, dann sag Du es mir. Er hatte Angst, er wollte das nicht machen. Dieser Schritt, er sagte, wir haben keine Erfahrung als Hoteliers. Tut mir leid, ich hab da zu große Angst, lass das lieber. Und es vergingen leider drei sehr lange Jahre, bis ich meinen Vater überzeugen konnte, dass wir diese Bungalows bauen. Aber dann als ich es geschafft habe, mit sehr, sehr vielen Umfragen, sehr, sehr vielen Gutachten, dass die Nachfragen sehr hoch sind, habe ich ihn überzeugen können…“
Das sei typisch für ihn, schmunzelt Sepe, denn er sei Steinbock. Er gebe nie auf. Der Erfolg gibt ihm schließlich Recht. Auch wenn er zugibt, dass er nach der Fertigstellung der erste 80 Unterkünfte doch erstmal ganz schön nervös war, ob das Angebot tatsächlich angenommen wird.
O-TON Sepe: „Und als wir sahen, dass die einfach gnadenlos ausgebucht wurden, haben wir stetig immer weiter ausgebaut. Haben heute 300 Bungalows, 1.000 Betten und die sind in den drei Monaten Hochsaison zu 98 Prozent ausgelastet. Und wir haben über acht Monate eine 80-prozentige Auslastung. Das heißt, sie müssen für gewisse Bungalows sogar ein oder zwei Jahre im voraus buchen.“
Visionen haben – aber die Ideen auch mit Umfragen und am besten mehreren Gutachten untermauern. Genau so erlebt auch Torsten Zimmer den Chef des Serengeti-Parks immer wieder. Zimmer ist Abteilungsleiter im Unternehmenskundenbereich der Hamburger Sparkasse und zählt Fabrizio Sepe seit inzwischen acht Jahren zu seinen Kunden.
O-TON Zimmer: „Also die Vision und auch die Leidenschaft auf der einen Seite, aber auch das Untermauern, das kaufmännische Untermauern der Zahlen, der Planungen, die dahinterliegen auf der anderen Seite – das gehört zusammen.“
[Anders:]
Vor einigen Jahren brauchte Sepe einen größeren Kredit als gewöhnlich. Da kam die HaSpa ins Spiel
O-TON Sepe: „Das war eine Anteilkauf-Investition. Meine Schwester wollte aussteigen aus dem Park, und ich brauchte quasi die Finanzen, um ihre 49 Prozent Anteile zu kaufen. Und das ist natürlich ein hohes Investment gewesen.
O-TON Zimmer: „In dem Zusammenhang fallen üblicherweise – Nachfolge ist ja ein ganz großes Thema in der Wirtschaft, schon seit vielen Jahren und wird uns auch noch lange begleiten – da hat man ja häufig die Situation, dass dann ganz plötzlich relativ große Beträge fällig werden, gegen die auch keine klassische Investition steht. Da wird also nicht eine Maschine angeschafft, oder um auf den Serengeti-Park zu gucken, eine Achterbahn oder eine Geisterbahn oder neue Elefanten, sondern in dem Fall dann: die Schwester, die Gesellschafterin, bekommt Geld dafür, dass sie aussteigt und Fabrizio hat dann die Anteile übernommen. Und diese Finanzierung, die haben wir damals auf die Beine gestellt. Und das Besondere ist bei solchen Finanzierungen, dass Du keine klassischen Sicherheiten hast. Das heißt, Du musst Dich sehr viel mehr betriebswirtschaftlich mit dem Unternehmen und mit dessen Zukunft auseinandersetzen.“
Zusammen mit einigen Spezialisten aus dem so genannten Corporate-Finance-Bereich wird dann analysiert und in die mögliche Zukunft des Parks geschaut – und dann gibt es das grüne Licht für den Ankauf der Anteile. Beim Gesamtpaket der Finanzierung sei man da immerhin schon deutlich im zweistelligen Millionenbereich gewesen. Und das, obwohl dem Geld keine wirklichen Sicherheiten gegenüber gestanden hätten, sagt Zimmer. Das aber sei bei Unternehmen wie dem Serengeti-Park und auch anderen durchaus eben anders, als wenn die Bank zum Beispiel ein Haus oder ein Auto finanziert…
O-TON Zimmer: „… und ich hab das Auto dagegen, dann kann ich mich als Geldgeber auch ausgesprochen sicher fühlen. Weil wenn es dann nicht läuft, dann bekomme ich über das Auto mein Geld zurück. Wobei das nie im Fokus steht. Man guckt sich ja immer an, dass auch wirklich der Kredit bedient werden kann. Das ist beim Haus genauso. Da habe ich das Haus eben sozusagen als Sicherheit. Dieses Geschäft geht ja auch nach relativ klaren und einfachen Regeln. Das ist im Firmenkunden- und Unternehmenskundenbereich – Firmenkunden sind ja meist die etwas Kleineren und Unternehmenskunden die etwas Größeren – ist das schon deutlich weniger reglementiert und auch deutlich weniger auf die Assets ausgerichtet. Also das Auto, das Haus, in dem Fall dann die anderen Assets wie die Achterbahn und so weiter, sondern es geht in erster Linie darum: Wo sehe ich das Unternehmen in den nächsten Jahren, wird es den Kapitaldienst – auch so ein Begriff, der in der Bank eine große Rolle spielt, insbesondere im Firmenkundenbereich – wird der Kapitaldienst in den nächsten Jahren gebraucht werden können. Und dafür setzt man sich mit dem Unternehmen und der Zukunft sehr viel mehr auseinander als bei Privatpersonen, die ein Objekt kaufen – klassische Baufinanzierung – wo ich ja auch eine relativ klare und überschaubare Einkommenssituation habe.“
Die Idee des Serengeti-Parks war es von Anfang an, die Besucher gleich mit zwei Erlebnissen anzulocken. Einerseits sind da die freilaufenden Tiere, denen man ungewöhnlich nahe kommt. Andererseits aber locken auch viele Attraktionen im Freizeitpark. Sepe hätte im Freizeitpark auch noch stärker auf weitere Karussels und andere klassische Fahrgeschäfte setzen können. Um die Jahrtausendwende läutet er erst mal einen Kurswechsel ein. Denn im Serengeti-Park sollte an erster Stelle immer noch das Thema Safari stehen.
O-TON Sepe: „Und da passten einfach besser solche außergewöhnlichen Attraktionen wie zum Beispiel eine Jeep-Safari. Also 2001 haben wir die Dschungel-Safari eröffnet mit so großen Unimogs, die komplett umgebaut wurden, mit 25 Sitzplätzen und einem Fahrer von uns…“
… und diese Unimogs fahren jetzt durch den Park, die Fahrer – natürlich in Wildhüter-Outfit – erzählen dabei von den Tieren und geben den Besuchern jeweils das passende Futter, um zum Beispiel die Dromedare oder Giraffen anzulocken. Die Besucher steigen am Ende der Tour regelmäßig mit Applaus aus dem Fahrzeug, erzählt Sepe.
Einige Jahre später eröffnet der Park die Aqua-Safari. Denn zu einer richtigen Safari gehört schließlich auch eine Fahrt auf einem Sumpfboot – das sind die flachen Boote, die von einem riesigen Propeller am Heck angetrieben werden.
O-TON Sepe: „Haben zehn Stück gekauft und haben einen Kanal gebaut, einen riesigen See gebaut mit ganz vielen Sumpfpflanzen und verschiedenen animatronischen Attraktionen und am Ende der Fahrt kommt ein riesiger King Kong, ein riesiger Gorilla, der kommt plötzlich aus einem Wasserfall rausgeschossen und ja: Wer ist schon mal mit so einem Sumpfboot gefahren? Dann haben wir weitergemacht mit den Quads. Wir haben Quads gefunden, wo bis zu sieben Personen passen. Also etwas größere, haben die umgebaut. Auch da fährt jemand von uns, also ein Ranger, fährt über eine Schotterpiste, auch da mit verschiedenen Attraktionen mit einem Quad. Welches Kind, welches Familienmitglied ist schon mal mit so einem Quad gefahren?“
Über die Jahre kommen immer weitere Attraktionen dazu – Jetboote aus Neuseeland – Schlauchboote, die mit bis zu 50 Stundenkilometern übers Wasser rasen, und es gibt inzwischen auch einen Monstertruck-Parcours
O-TON Sepe: „Da muss man sich wirklich in so ein Kind versetzen, das sagt: Wow, ich war heute auf einem Monstertruck, auf einem Jetboot, auf einem Airboot, auf einem Unimog, auf einem Speedboot, auf einem Quad – also das habe ich im Leben noch nie gemacht. Und so haben wir gesagt, okay, wir nehmen mehr diese Richtung, und darauf bin ich natürlich sehr, sehr stolz, weil auch das waren alle so ein bisschen meine Ideen…“
Die Tiere sind die Stars im Serengeti-Park: Ob Kängurus, Affen, Antilopen, Jakobsschafe oder das gerade erst im Januar 2021 geborene Nashorn – genauso wie die afrikanischen Elefanten, zum Beispiel der Zuchtbulle Tonga mit Veri und deren Tochter Nelly.
Genauso ziehen aber auch die Attraktionen im Freizeitpark die Besucher an. Und auch wenn sich viel um das Thema Safari dreht, braucht es trotzdem auch immer wieder mal neue und typische Freizeitpark-Highlights. Deshalb will Fabrizio Sepe auch eine neue Achterbahn haben – und zwar eine, die es in sich hat. Eine Indoor-Coaster mit 80 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit und gespickt mit vielen Spezialeffekten.
Der Bank- und Investitionsfachmann Torsten Zimmer ist aber erst mal nicht so begeistert.
O-TON Zimmer: „Als ich das erste Mal gehört habe von Fabrizio, dass er eine Achterbahn kaufen will für einen wirklich ordentlichen Betrag – da spielen auch mehrere Millionen eine Rolle – da habe ich gedacht: Okay, eine Achterbahn? Die Leute fahren doch in erster Linie hin, weil sie sich Tiere angucken wollen und weil sie die Natur erleben wollen. Jetzt haben wir den Freizeitpark, ja, das wissen wir, der spielt eine wichtige Rolle als Synergie, weil einige Leute auch deshalb kommen oder nachdem sie sich die Tiere angeguckt haben, die Kinder dort auch spielen wollen. Das verstehe ich, aber ist die Achterbahn wirklich etwas weshalb Leute kommen und was die Leute brauchen. Und Fabrizio hat mir – auch mit einer Studie unterlegt – aber viel erzählt davon, dass es zum Beispiel Menschen gibt in Europa und auf der ganzen Welt, die machen nichts anderes als ihre gesamten Urlaube zu verbringen und von einer Achterbahn zur anderen zu reisen. Und das kann man dann eben auch nachlesen und nachvollziehen. Und das zeigte mir auch wieder, wie intensiv er sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Und die Leidenschaft, die er dann eben auch für so ein Thema entwickelt. Er wusste ALLES zu dem Zeitpunkt über Achterbahnen, wie die Besucherzahlen sind und hat uns dann davon überzeugt – losgelöst von Zahlen, die er nachgeliefert hat – überzeugt davon, dass es eine gute Investition ist und dass es Leute geben wird, die wegen der Achterbahn kommen, die sich dann aber auch gleichzeitig den Park angucken. Und dass es eben auch Leute gibt, die sich den Park angucken und begeistert hinterher in die Achterbahn steigen. Und das hat sich ja auch genauso realisiert und genauso auch gezeigt, dass diese Vision aufgeht.“
Denn für einen Banker – so gibt Torsten Zimmer zu – sei es dann schon etwas anderes, ob er für ein Unternehmen einen neuen Lkw oder aber eine Achterbahn finanziert.
Fabrizio Sepe aber bekommt das nötige Geld von der Bank – nicht nur für die Achterbahn, sondern zum Beispiel auch für eine neue Erdmännchen-Anlage, die zwei der Neuheiten im Jahr 2019 waren. Wie er das immer wieder schafft? Das liege natürlich einerseits an den guten Zahlen, die der Park immer wieder schreibe, sagt Sepe – aber nicht nur.
O-TON Sepe: „Sie müssen zeigen, dass sie nicht nur ein Idealist oder Visionär sind und mutig sind, sondern dass sie das auch wirklich knallfest belegen können, dass ihre Investition – auch wenn keiner wissen kann, ob noch eine Pandemie kommt, sowas ausgeschlossen – aber dass sie knallhart beweisen können – und das geht nur, wenn man ganz tief in die Komplexität jener Investition reintaucht und das dann auch so komplex es schafft, erwachsen, ehrlich und klar dann der Bank zu kommunizieren. Sie brauchen eine Vision, jedes Mal mit der Bank – also wie sieht es aus in zehn Jahren? Und die muss wirklich glasklar sein, wo will man hin, was für Ziele hat man, wie will man die erreichen…“
… einen Strich durch die Rechnung macht ihm dann aber – wie auch vielen anderen Unternehmen – das Jahr 2020. Die Corona-Pandemie bedeutet für ihn einen tiefen Einschnitt.
[Anders:]
Es war nicht nur das viele menschliche Leid, sondern auch die Schließung seines Parks direkt nach der Winterpause, das ihm zu schaffen machte.
O-TON Sepe: „Ich muss sagen, die ersten Monate waren wirklich … ja, die schlimmsten Schreckmomente meines Lebens – bis heute. Meine Frau war hochschwanger … und wir lagen in unserem Bett Anfang März und haben uns angeguckt und haben uns wirklich im Arm genommen, haben geweint und wussten wirklich nicht mehr, was wir machen sollten…“
In dieser Zeit bekommt Sepe es mit der Angst zu tun, dass sein Lebenswerk in Gefahr ist. Ja, auch eine mögliche Pleite habe er immer wieder vor Augen gehabt – obwohl der Park bis dahin jahrelang gut lief.
O-TON Sepe: „Dann diese ganzen Verordnungen und diese Erlasse… und man darf nicht öffnen … und wer darf öffnen? Ich hab angefangen, natürlich nur noch wenige Stunden pro Nacht zu schlafen, weil ich hab nur Zeitungen gelesen, um zu versuchen, quasi mit der Politik oder sogar vor der Politik zu sein. Um Möglichkeiten zu schöpfen, um zu sagen, ahh, aber wenn Autokino eröffnen darf, dann kann doch ein Safari-Park wenigstens die Safari-Anlage auch öffnen, oder nicht? Und dann den ganzen Tag am Telefon mit Ministern, Ministerpräsidenten, Wirtschaftsministern hier aus Niedersachsen. Die Politik war natürlich total überfordert und auch erschrocken und konnte am Anfang nicht so sehr helfen, aber … ja, es waren sehr, sehr harte Momente, muss ich ganz ehrlich sagen und was Einstein aber sagte: In solchen Momenten kommen die besten Ideen und die besten Strategien.“
Natürlich ist die Pandemie eine Extremsituation – aber grundsätzlich, so sagt Torsten Zimmer, lasse sich im Verhältnis zu einer Bank daran sehr gut festmachen, was jemand mit einer Firma unbedingt tun sollte, wenn es gerade nicht läuft.
O-TON Zimmer: „Und da kann der Unternehmer eigentlich nur eine Sache richtig machen, indem er frühzeitig in so einer Situation auf die Bank zugeht und frühzeitig spricht. Das hat Fabrizio mit uns gemacht, so dass wir nie das Gefühl hatten, wir sind abgehängt von den Informationen, sondern er war sogar eher noch kritischer und vielleicht auch ängstlicher als ich es war – was die ganze Pandemiesituation angeht. Wir waren dann in Gesprächen und haben frühzeitig a) die Situation erkannt und verstanden und auch was Liquidität und so weiter angeht gemeinsam überlegt, was wir tun können.“
O-TON Sepe: „Die Verhältnisse mit den Banken in der Pandemie waren sensationell: Also natürlich kamen wir von sechs Jahren, wo wir so gut erwirtschaftet haben, dass sie unsere Bilanzen mit einer Sonnenbrille aufmachen mussten, sonst würden sie fast geblendet. Wir hatten vor Steuer und vor AfA fast jedes Jahr fünf bis sechs Millionen Euro Gewinn in unserer Bilanz. Und unglaublich positive Tendenzen, Wachstum, also wirklich vorbildliches Unternehmen. Das war unser Part. Natürlich in der Pandemie wurde das sofort belohnt. Da gab’s nicht eine Diskussion, da gab’s nicht eine unangenehme Situation oder ein Meeting, wo man sagte, ach Mensch, was ist denn … die wollen nicht. Die haben sofort gesagt: Überhaupt keine Diskussion, vollstes Verständnis, wir setzen aus, packen das ganz hinten an, und wir helfen so einem Unternehmen wie Serengeti und das war einfach … ja, wie ich sagte: sensationell, kein anderes Wort.“
Trotz Pandemie schafft Fabrizio Sepe es sogar, die Banker – unter ihnen Torsten Zimmer – davon zu überzeugen, dass er weiter investieren muss und neue Kredite braucht.
O-TON Zimmer: „Ja, das geht – und es geht insbesondere, weil man sagt: Mensch, das war bisher ein gutes Unternehmen, wir haben jetzt eine Zeit, die müssen wir gemeinsam überstehen und hinterher werden wir – und darum geht es ja immer bei Kredit, dass wir unser Geld wieder bekommen – und hinterher werden wir unser Geld schon wieder bekommen.“
Und so bekommt der Park das Geld, um den Grundstein dafür zu legen, dass die Besucher auch beim nächsten Mal sagen: Da ist gibt es schon wieder ein paar neue Highlights. Die kosten auch gleich wieder einige Millionen.
O-TON Sepe: „Oh das sind mehrere Investitionen, zum Beispiel eine Gorilla-Anlage. Eine neue Übernachtungsanlage mit 100 Bungalows. Eine neue Achterbahn. Mehrere Großreparaturen. Übernachtungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter. Eine neue Elefantenhalle, damit die Elefanten im Winter mehr Platz haben zum Laufen, auch wenn es richtig kalt wird, wenn so Minusgrade sind. Also richtig große bedeutsame Investitionen für unseren nächsten Step in die nächste Besucherdimension.“
Und die heißt: der Park will endlich die eine Million Besucher im Jahr knacken. Davon war er vor Corona noch gut 200.000 entfernt. Um das zu erreichen, hat Fabrizio Sepe noch mehr Ideen für die Zukunft. Zum Beispiel will er den Serengeti-Park auch stärker digitalisieren.
Ja – ein Safari-Erlebnis und Digitalisierung, das passe heute durchaus zusammen, meint Sepe. Denn schließlich geht es darum, dass die Besucher immer wieder etwas Neues erleben wollen und sollen.
O-TON Sepe: „Dass sie durch den Park fahren mit einer Brille, wo sie auf ein Tier schauen und plötzlich erscheinen sofort Informationen über das Tier zum Beispiel. Oder sie können über ihr Handy die Tiere füttern. Also es gibt ein Device in der Anlage, so einen Kunstfels, wo plötzlich Futter rausschießt für die Tiere. Das können sie steuern aus dem Auto oder so. Also solche richtig coolen Ideen. Und dafür bin ich ja da mit meiner Dusche – ich hab da so eine spezielle Dusche – wenn ich die betrete, da kommt immer so ein tolles, frisches Heidewasser raus wahrscheinlich – und da kommen immer die schönsten Ideen [lacht].
Für diejenigen Besucher, die aber noch nie im Serengeti-Park Hodenhagen waren, dürften auch schon die jetzigen Möglichkeiten ausreichen, um einen tollen Tag zu erleben. Allein schon der Moment, wenn eine Giraffe den Kopf ins Auto oder den Unimog steckt, ist etwas Besonderes – das gibt auch Torsten Zimmer zu.
O-TON Zimmer: „Ja – und ich glaube … Mensch, ich hab auch den Namen sogar gewusst von der Giraffe… heißt sie Erika? Ich glaube, sie heißt Erika. Und wir haben von dem Busfahrer ein bisschen Grünzeug bekommen. Und dann hat die den Kopf einmal in den Bus rein, fast bis zur Hälfte durch und sie hat dann bei mir aus der Hand gefressen. Aber nur in dem Bus. In mein Auto kommt keine Giraffe rein. Ich tu mich auch ein bisschen schwer mit dem Auto durch den Serengeti-Park zu fahren, weil ich immer noch ein bisschen Angst habe – obwohl die ja da inzwischen alles sehr safe haben und im Griff haben, aber eine Giraffe in meinem Auto möchte ich glaube ich jetzt nicht unbedingt haben.“
Genau deshalb kann es ja jeder Besucher auch so machen wie er möchte – ob mit dem eigenen Auto oder im Bus oder Unimog. Die Zukunft des Parks sieht der Finanzfachmann mit einem Wort: rosig.
O-TON Zimmer: „Und er wird seine eine Million Parkbesucher sicherlich in absehbarer Zeit erreichen. Und da tragen all die Dinge zu bei, die man aus dem Park so kennt. Dass er immer attraktiver wird, dass man auch Events macht und vor allem auch, dass man diese Übernachtungsmöglichkeiten hat. Ich bin, was den Serengeti-Park angeht und seine Zukunft angeht, äußerst positiv und fest davon überzeugt, dass all das, was Fabrizio sich vorgenommen hat, dass er das alles erreichen wird.“
O-TON Sepe: „Also es ist eine – aus meiner Perspektive natürlich – aber eine der schönsten Aufgaben oder Arbeiten der Welt. Sie haben zu tun mit Familien und sie wollen deren Kinder glücklich machen. Das ist, was ich verkaufe [lacht] … Glück. Ich meine, jemand der auch – ich weiß nicht – Kondome herstellt, der verkauft auch vielleicht ein bisschen Glück. Aber hier ist es wirklich direkt. Also wir wollen wirklich Familien, hauptsächlich Kinder, die Natur, die Schönheit der Natur, der Tiere, sehr nah bringen. Und das mit Spaß in einer Umgebung, wo nicht alles so geregelt ist und alles so perfekt sein muss. Um den Kindern, wenn sie dann wieder nach Hause fahren, auch so ein Gefühl von Begeisterung und Hoffnung für eine Zukunft, wo Mensch, Tiere und Natur auch harmonieren kann, wo das auch geht. Und so einen Job findet man natürlich nicht hinter jeder Ecke.“
Und deshalb ist Fabrizio Sepe heute jeden Tag dankbar dafür, dass sein Vater damals die Chance ergriffen und den Park übernommen hat.
O-TON Sepe: „Und so ein Unternehmen, heute mit 600 Angestellten, 1.700 Tieren, sie haben Marketing, sie haben Gastronomie, sie haben Administration, sie haben Finanzen, sie haben Verhältnisse mit Banken, sie haben Personalabteilung, sie haben Souvenir, sie haben Merchandising, sie haben Fahrgeschäfte wie ein Freizeitpark, sie haben Artenschutz, Naturschutz, sie haben Stiftungsarbeiten, also gemeinnützige Arbeit. Also sagen sie mir, wo sie so eine Aufgabe haben, wo sie fast zehn Firmen in einer Firma gleichzeitig haben?“
Bei dieser Begeisterung des Chefs kann man sich gut vorstellen, dass dem 220 Hektar großen Park tatsächlich noch eine lange und rosige Zukunft bevorsteht.
Schön, dass sie bis hierhin dabei waren – jetzt heißt es gleich aussteigen.
Aber sein sie bei unserer nächsten Fahrt gerne wieder dabei.
Da tauchen wir in eine ganz andere Branche ein.
Es geht um einen deutschen Marktführer in der Industrie.
Ohne dieses Unternehmen würde bei vielen seiner Kunden die Bänder wohl erst mal still stehen.
Dabei sprechen wir dann auch über das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz.
Ich freue mich, wenn sie dann wieder dabei sind.
Bis dahin, machen Sie’s gut.