Zwischen Handwerk und Hashtags: Fachkräftegewinnung bei der Tischlerei Dreyer

Shownotes

In dieser Episode werfen wir einen Blick auf die einzigartige Herangehensweise der Tischlerei Dreyer bei der Personalgewinnung und die Lösung ihres Fachkräftemangels. Entdecken Sie, wie dieses traditionelle Handwerksunternehmen moderne Marketingtechniken und Social Media nutzt, um erfolgreich neue Talente anzuziehen und dabei seine regionale Authentizität zu bewahren. Wir untersuchen die besonderen Herausforderungen, die ein schnell wachsendes Team und neue Standorte mit sich bringen, und wie die Unternehmenskultur eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Zukunft spielt. Zudem gewährt uns Robert Dreyer, der Geschäftsführer, Einblicke in seine langfristigen Pläne, die Ausbildung neuer Lehrlinge und den Aufbau einer diversifizierten Altersstruktur in seinem Unternehmen. Schließen Sie sich uns an, um mehr über diese spannende unternehmerische Reise und die Erfolgsstrategien der Tischlerei Dreyer zu erfahren.

Link zur Folge: www.sparkasse.de/fk/ratgeber/unternehmenssteuerung/fachkraeftemangel.html

Transkript anzeigen

Skript: Mit Social Media gegen den Fachkräftemangel – Tischlerei Dreyer

O-TON Dreyer:„

Jingle INTRO

Es ist egal, in welcher Branche man unterwegs ist: Ein paar Begriffe spielen so gut wie überall gerade eine große Rolle. Ob es die Energiekrise ist, die Nachhaltigkeit oder auch die Digitalisierung.

EIN Begriff bereitet vielen Unternehmen gerade aber besonders große Probleme: das ist der Fachkräftemangel.

Wie soll ich als Firma bestehen oder sogar wachsen, wenn ich keine guten Leute mehr finde? Vor diesem Problem stand auch die Tischlerei Dreyer.

Die Lösung: Wir müssen mehr online machen und Präsenz im Netz zeigen. Und das hat funktioniert. In nicht mal einem Jahr war die Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt – dank Instagram, Facebook und Co.

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

Jingle CLOSER

100 Jahre wird die Tischlerei Dreyer in diesem Jahr alt. Ein echtes Traditionsunternehmen auf dem Land, rund 50 Kilometer westlich von Magdeburg. Inzwischen hat mit Robert Dreyer die vierte Generation das Ruder im Familienbetrieb übernommen.

Innerhalb weniger Jahre hat er vieles ordentlich umgekrempelt, hat innerhalb kürzester Zeit mehr Mitarbeiter eingestellt als jemals vorher bei Dreyer gearbeitet haben und die Umsätze deutlich gesteigert.

Der Anfang einer Erfolgsgeschichte – die allerdings erst mal gar nicht absehbar war, gibt der heute 33-jährige zu. Denn als Kind oder Jugendlicher hat Robert Dreyer mit der Tischlerei gar nichts am Hut. Das Unternehmen, das sein Urgroßvater gegründet, sein Großvater und später sein Vater übernommen hat, ist für ihn einfach nur der Betrieb, der die Familie ernährt – Ambitionen, dort selbst zu arbeiten, hat er lange Zeit überhaupt nicht.

O-TON Dreyer: „Ehrlich gesagt war das überhaupt nicht klar – oder lange nicht klar, dass ich mal das Unternehmen übernehme. Ich habe ganz normal Abitur gemacht, habe auch nie in den Ferien oder sonst wie hier in der Firma mitgearbeitet. Ich hatte relativ wenig Berührungspunkte mit dem Unternehmen, weil meine Eltern mich bewusst nicht in eine Rolle drücken wollten.“

Nach dem Abi hat Robert Dreyer noch keinen genauen Plan … irgendwas mit Wirtschaft will er machen – also hat er die Idee, Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Von einem Bekannten bekommt er dann aber den entscheidenden Tipp:

Wenn Du jemals überlegen solltest, doch mal den Familienbetrieb zu übernehmen, dann musst Du unbedingt eine entsprechende Ausbildung in der Tasche haben, sonst nimmt Dich da keiner ernst. Vor dem Studium hat er noch ein halbes Jahr Zeit, zum ersten Mal in der Tischlerei zu arbeiten – also schnuppert er zum ersten Mal richtig im Unternehmen rein.

O-TON Dreyer: „Und hab dann festgestellt, das ist ziemlich cool, was wir da machen – was die da machen.“

Die Leidenschaft für die Tischlerei ist geweckt und Dreyer hängt direkt noch eine Ausbildung dran. Dann aber zieht es ihn trotzdem erst mal noch zum Studium nach Dresden. Nach mehreren Semestern wird für ihn aber immer mehr klar, dass er tatsächlich lieber ins heimische Unternehmen einsteigen will als irgendwo anders zu arbeiten.

Also macht er noch seinen Bachelor und der Rest ist schnell erzählt. Nach dem Abschluss 2014 fängt er direkt als Tischler im väterlichen Betrieb an. Es folgt die Meisterschule und in dieser Zeit entwickeln Vater und Sohn auch den konkreten Plan, wann der Junior das Unternehmen übernehmen soll. Im Januar 2019 ist es soweit. Robert Dreyer wird der neue Chef eines zu diesem Zeitpunkt 15-köpfigen Teams.

O-TON Dreyer: „Was außergewöhnlich bei der ganzen Sache ist, das ist vielleicht wirklich der Fakt, dass ja mein Vater tatsächlich noch nicht so alt ist. Jetzt muss ich kurz rechnen … zum Zeitpunkt der Übergabe war er noch 60, ist in dem Jahr dann 61 Jahre alt geworden. Das ist ja quasi noch nichts. Aber – und das muss man ihm sehr, sehr hoch anrechnen –, dass er es gewagt hat, das ist ja auch eine enorme Veränderung für ihn gewesen, er hat mir komplett die Entscheidungsgewalt übergeben. Er ist jetzt mein Angestellter. Wir haben die Rollen getauscht.“

In den ersten Jahren arbeitet er sich Stück für Stück in seine neue Rolle ein. Nach gut zwei Jahren werden die Pläne für die Zukunft des Unternehmens konkreter. Dreyer will den Familienbetrieb weiterentwickeln, will wachsen und investieren. Dafür ist er irgendwann auf der Suche nach einer neuen so genannten CNC-Maschine zur Fertigung von Fenstern. Die findet er nur wenige Kilometer entfernt in einem größeren Tischlereibetrieb, der ein paar Jahre vorher Insolvenz anmelden musste.

O-TON Dreyer: „Und dann habe ich den ehemaligen Eigentümer angerufen und wollte ihm die Maschine abkaufen. Und dann sagte er, die Maschine kann er nicht verkaufen, weil er verkauft jetzt den ganzen Betrieb, alles, was dazugehört. Also die ganzen Produktionsanlagen und die Halle. Und ich solle doch die kaufen. Ja und ich hab natürlich nicht sofort gesagt, ich mach’s, aber das hat dann ein Jahr gedauert und dann war es tatsächlich soweit.“

Plötzlich hatte der junge Unternehmer einen zweiten Produktionsstandort – ABER keine Mitarbeiter dafür – und auch noch keine Aufträge. Schon vor der Übernahme war klar: Jetzt muss alles gleichzeitig passieren. Die Finanzierung muss klappen, gleichzeitig braucht die Firma neue Mitarbeiter UND neue Kunden.

Das Finanzielle sei dank der Sparkasse noch der einfachste Teil gewesen, sagt Robert Dreyer. Beim Thema Akquise von neuen Mitarbeitern und Kunden geht Robert Dreyer einen Schritt, den sein Vater wohl niemals gegangen wäre. Denn der hat es noch nicht mal mit Computern, geschweige denn mit Facebook und Co, lacht Robert – er selbst aber setzt verstärkt auf Online-Werbung und -präsenz der Tischlerei.

O-TON Dreyer: „Ich hab dann zum Beispiel im Zuge des Projekts letztes Jahr einen Mitarbeiter eingestellt, der sich mal komplett um das ganze Thema Social Media und Online-Präsenz bei uns kümmert im Unternehmen. Weil ich wusste, dass das ein wichtiges Thema ist und wenn du so ein 10-15-Mann-Unternehmen bist, dann hast Du nicht so viele Leute, die sich darum kümmern können. Weil ich hab da immer gedacht, das muss ich machen, und das ist dann immer so halbherzig was geworden – oder gar nichts geworden. Und dann habe ich gesagt, okay, mir bleibt keine andere Wahl, wir schaffen jetzt eine Stelle. Wir haben jetzt jemanden, der kümmert sich ausschließlich darum – heute macht er auch ein bisschen andere Aufgaben noch – aber zu dem Zeitpunkt hat er sich nur darum gekümmert, um unsere Außendarstellung und unsere Mitarbeitersuche. Aktiv auf Social Media … Instagram, Facebook und so weiter und sofort. Da sind wir brutal in die Außendarstellung und in die Offensive gegangen. Also meine Freunde haben mich schon drauf angesprochen, ich gehe ihnen gewaltig auf den Sack – sie sehen in der Timeline nur noch Tischlerei Dreyer [lacht] … und das war Mitarbeitersuche. Und ich hab gesagt, ja, nützt nix, ist aber erfolgreich – funktioniert.“

Der Erfolg gibt ihm recht, davon ist Robert Dreyer überzeugt. Denn innerhalb eines Jahres stellt er 19 neue Leute ein. Und das in einer Zeit des Fachkräftemangels, in der viele Unternehmen klagen, sie könnten schon einzelne freie Stellen kaum noch besetzen.

Die Frage ist natürlich: Wie groß ist denn tatsächlich der Anteil der Social Media-Arbeit am Erfolg? Wie viele der neuen Kolleginnen und Kollegen wären heute nicht dabei, wenn die Tischlerei nicht bei Instagram und Co aktiv gewesen wäre?

O-TON Dreyer: „Also grundsätzlich ist ja der Vorteil bei Social Media, dass du alles ganz genau tracken kannst. Also ich kann zum Beispiel sehen, dass wir 120 Bewerbungen erhalten haben, davon haben es dann so und so viele – habe ich jetzt nicht im Kopf die Zahl – zum Bewerbungsgespräch geschafft. Und ich kann es quasi rausklamüsern, dass wir es dadurch geschafft haben. Aber ich würde sagen: Ohne maximal fünf hätten wir geschafft – ohne Social Media, um die Frage mal zu beantworten. Fünf von 19 hätte ich bestimmt auch so gekriegt, aber alles andere vor allem deswegen, ja.“

Diesen Erfolg findet auch Jan-Niklas Hustedt mehr als erstaunlich. Hustedt ist Leiter der Sparkassen-Personalberatung bei der GSD – der Gesellschaft für Sparkassendienstleistungen. Robert Dreyer und er kennen sich schon seit Schulzeiten. Und eigentlich hätte sich sein Schulfreund in Sachen Mitarbeitersuche auch direkt an ihn wenden können.

Denn wenn Unternehmen nach Mitarbeitern suchen, zum Beispiel Fach- oder Führungskräfte, dann wird Hustedt mit seinem Team aktiv. Recruiting ist sein Geschäft. Und deshalb kennt er auch die Probleme vieler Firmen nur zu gut, wenn es darum geht, neue Fachkräfte zu gewinnen.

Umso erstaunlicher ist für ihn das, was in der Tischlerei Dreyer passiert ist.

O-TON Hustedt: „Robert hat das aus meiner Sicht auch in diesem ganzen Bereich digitales Marketing, Sichtbarkeit des Unternehmens auf eine ganze andere Ebene gehoben, was man vielleicht so nicht von Handwerkern kennt. Zumindest nicht von vielen. Und das ist schon eine erstaunliche Leistung, jetzt auch noch mal die Mitarbeiterzahl stark vergrößert. Also wirklich Hut ab, so kennt man das in der Region oder im Bereich Handwerk selten, dass jemand so große Sprünge macht. Das ist sehr, sehr erstaunlich und sehr bemerkenswert.“

Die Entscheidung, auf Wachstum zu setzen, sei das eine – aber vor allem habe Robert Dreyer die Weichen genau in die richtige Richtung umgelegt.

O-TON Hustedt: „Weil er die neue digitale Welt verbindet – sage ich mal – mit der alteingesessenen Handwerkswelt.“

Und auch wenn es für manchen immer noch etwas sonderbar wirken mag, wenn sich ein Handwerksunternehmen bei Instagram und Facebook präsentiert – für Hustedt ist das heutzutage nur logisch und der Erfolg durchaus erklärbar.

O-TON Hustedt: „Naja, die Kunden sind dort! Also so wie jeder andere Mensch, wenn man sich die Zahlen der User anguckt im Social Media-Bereich, dann ist das heutige Hier und Jetzt direkt vor einem – nämlich auf dem Handy. Und dort muss man als jedes Unternehmen aus meiner Sicht auftauchen. Und das tut Robert. Robert taucht mit seinem Handwerksunternehmen auf, indem er dort Mitarbeiter sucht. Also bewirbt, dass er weiter wächst, dass er weiterhin Leute einstellen möchte. Und aus der zweiten Wahrnehmung natürlich, dass er sagt, schaut hier, ich hab ein super Produkt. Die Holzfenster fallen mir da direkt auf. Und bewirbt das auch vielleicht überregional. Und dort sind dann seine Kunden unterwegs und sehen, da ist ein Handwerksbetrieb, der hat gute Rezensionen, der hat einen super Auftritt – das ist schon eine gute Sache.“

Eine einfache Zeitungsannonce nach dem Motto „Wir stellen ein und suchen Tischer, Bürokauflaute …“ und so weiter – so hätte Robert Dreyers Vater vielleicht früher nach neuen Leuten gesucht.

Heute steckt hinter einer Kampagne ein ganz anderes Konzept.

O-TON Musik Instavideo „To another level…“

Mit frischer Musik und schnellen Videoschnitten präsentiert sich da die Tischlerei zum Beispiel bei Instagram. Und gibt ganz nebenbei auch viele Einblicke in den Arbeitsalltag …

O-TON Ausschnitt Instavideo„Hallo, ich bin Florian, bin seit August `22 im Team. Wir befinden uns hier gerade im Bereich Lackieren an unserem Standort in Bottmersdorf. Und hier werden die Fenster lasiert und lackiert für den Kunden.“

Die Videos und Bilder funktionieren auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

„Mitarbeiter gesucht“ – das taucht nur mal zwischendurch in einem Post auf. Vielmehr ist es ein Gesamteindruck, den die Tischlerei vermittelt. Ein modernes Unternehmen mit einem freundlichen Team, in dem man zum Beispiel vielleicht gerne arbeiten möchte – oder aber dessen Arbeit, beispielsweise die Türen und Fenster, einen hochwertigen Eindruck macht.

Vor allem geht es erst mal um Aufmerksamkeit. Es ist wie ein Stein, der in einen ruhigen See geworfen wird. Immer weiter breiten sich die Wellen aus und an manchen Stellen entfalten sie dann plötzlich ihre Wirkung.

O-TON Dreyer: „Weil – ganz einfach – jeder erst mal gesehen hat, hier passiert was. Die suchen, die erweitern sich, Mensch die entwickeln sich, hier passiert viel. Und wir haben Aufmerksamkeit erregt. Und dann kommt es natürlich auch dazu, wenn du dann einen Mitarbeiter gefunden hast, dann kennt der natürlich noch jemanden – aus der Berufsschule und so weiter. Und dann geht die Spirale erst los. Wenn dann so zwei, drei, vier neue kommen, die kennen ja dann auch wieder andere Leute und man kriegt dann noch mehr Bewerbungen rein. Es war alles – ein Kunde von uns hat Fenster von uns gekauft, der ist jetzt mein Mitarbeiter. Der hat Fenster gekauft, hat gesehen, wir suchen Mitarbeiter, wollte sich beruflich umorientieren und ist jetzt wieder zurückgekommen in den Beruf.“

Für den Sparkassen-Fachmann in Sachen Personalgewinnung, Jan-Niklas Hustedt, kommen die weiten Kreise, die eine solche Social-Media-Kampagne zieht, gar nicht überraschend. Mit dem Schritt, jemanden fürs Marketing einzustellen, der sich erst mal nur um die Außenwirkung der Tischlerei kümmert, sei Robert Dreyer einen der entscheidenden Schritte gegangen.

O-TON Hustedt: „Die richtige Idee bei Robert dahinter ist, sich als authentischer, regionaler Unternehmer/Arbeitgeber zu präsentieren. Und das auf vielen Kanälen, wo die Menschen seiner Region unterwegs sind. Er gibt ja echte Einblicke, er macht gute Werbung, er nimmt Videos auf, er zeigt, was er für Produkte hat. Er zeigt Situationen von der Baustelle, also sehr authentisch unterwegs. Und ich glaube, den alle gehen müssen. Dieses „Ich werbe in einer Zeitung“ – gut, das ist jetzt vielleicht ein bisschen weit her gegriffen – aber diese traditionellen Wege oder dass jemand von allein drauf kommt, sich bei Firma A oder B zu bewerben, das funktioniert nicht mehr. Also das heißt, wir müssen diesen Recruiting-Prozess wesentlich werblicher denken. Also Recruiting ist gleich Verkaufen, ist einer meiner Lieblingssprüche. Und das versteht er. Er bewirbt ein Produkt und gleichzeitig sagt er, dass er Leute sucht. Das macht natürlich nach außen einen Super-Eindruck und das gilt glaube ich branchenübergreifend.“

Das allerdings heißt nicht gleich, dass Entscheidungen und Kampagnen wie die von der Tischlerei Dreyer DAS Rezept gegen den Fachkräftemangel sind.

O-TON Hustedt: „Es gibt nicht den EINEN Weg bei Personalgewinnung. Es gibt auch nicht die EINE Lösung für den Fachkräftemangel, sondern das sind im Zweifel hunderte – und sind maßgeschneiderte. Für ihn hat’s funktioniert, ob es für jeden so funktioniert, das bezweifle ich …“

… denn es kommt zum Beispiel auf die Branche an, aufs Unternehmen, auf die Region, auf die Konkurrenzsituation und vieles mehr.

Aber der Weg, den Robert Dreyer eingeschlagen hat, KANN für ein Unternehmen durchaus ein Teil der richtigen Antwort sein. Eine der Herausforderungen – die Gewinnung von neuen Mitarbeitern – hat er damit bewältigt, eine weitere lautet: Mit dem neuen Standort und dem größeren Team müssen auch mehr Aufträge her. Und auch da KANN auch Social Media die Chancen vergrößern.

O-TON Dreyer: „Da haben wir auch erstaunliche Resultate. Also wir hatten glaube ich nach der ersten Kampagne – auch da natürlich wieder ein bisschen Glück – hatten wir zwei große Aufträge mit einem Umsatzvolumen von knapp 50.000 Euro netto drin. Also eine Kampagne gefahren, zwei Wochen später dann … war auch wieder Glück dabei … ein Auftrag gewonnen, der hat uns bei Social Media gesehen, und zeitgleich hat sein Bruder auch gebaut. Und da haben wir dann die Fenster dafür auch gemacht.“

Und dank der größeren Belegschaft und des zweiten Standorts kann sich die Tischlerei jetzt auch um größere Projekte bewerben und bei Ausschreibungen mitmachen – etwas, das früher gar nicht denkbar gewesen wäre, weil es nicht genug Kapazitäten gab, erzählt Dreyer.

Und solche Projekte gab es auch tatsächlich schon. Zum Beispiel ein Großauftrag mit über 140 Fenstern in Berlin.

Ob die unternehmerische Reise der Tischlerei langfristig tatsächlich ein Erfolg wird, muss sich noch zeigen. Aber die heutigen Vorzeichen sehen zumindest schon mal vielversprechend aus.

Eine weitere Herausforderung für die nächsten Jahre sieht Robert Dreyer auch in der eigenen Unternehmenskultur. Denn zwei verschiedene Standorte mit einem schnell gewachsenen Team, das ist schon etwas anderes als früher.

O-TON Dreyer: „Wir haben auch Kulturunterschiede, muss man auch ganz klar sagen. Wir haben jetzt zwei Standorte. Wir haben einmal den historisch gewachsenen Standort hier in Wulferstedt und dann haben wir den neu aufzubauenden Standort in Bottmersdorf. Und am neuen Standort ist ja ein komplett neues Team, ein verhältnismäßig junges Team und so weiter – und wir haben da schon eine andere Kultur, das kann man auch schon sagen. Ich will das gar nicht bewerten, dass es da besser ist oder da besser ist. Am neuen Standort ist es eben anders und das ist auch sehr spannend für mich zu sehen, was sich wie entwickelt und wie die Sachen da laufen.“

Ihm sei bewusst, dass sich da auch einiges erst mal in der kommenden Zeit zusammenruckeln muss und es vieles zu bewältigen gibt, sagt Dreyer. Eine so schnell gewachsene Mitarbeiterzahl wird erst im Laufe der Zeit wirklich zu einem richtigen Team. Gleichzeitig bieten sich jetzt auch ganz andere Möglichkeiten – auch für die personelle Zukunft.

O-TON Dreyer: „Ich möchte jedes Jahr ein bis zwei Lehrlinge ausbilden. Das heißt wir haben dann in drei Lehrjahren insgesamt bis zu sechs. Jedes Jahr lernen dann ein, zwei Lehrlinge aus und natürlich geht dann auch mal wer in Rente, aber ich kann dann agieren. Ich kann gucken, ist da wer, habe ich selber wen ausgebildet, ist da jemand dabei? Ich habe vom 16-jährigen Azubi – aktuell schon im Unternehmen – bis zum 65-jährigen Facharbeiter alles dabei. Ich habe hier jemanden im Betrieb, der hat bei meinem Opa gelernt, mein Altgeselle. Der ist 43 Jahre im Betrieb.“

Und genau diese große Bandbreite, die er inzwischen bei der Altersstruktur im Unternehmen hat, die macht ihn wiederum auch für mögliche neue Mitarbeiter attraktiv, glaubt Robert Dreyer.

O-TON Dreyer: „Ich habe 25-jährige, ich habe 35-jährige, ich habe 45-jährige, ich habe 55-jährige – ich habe jede Altersstruktur besetzt. Das sind natürlich enorme Vorteile, die wir haben, auch für neue Mitarbeiter. Die finden sich ja irgendwo immer überall wieder hier bei uns im Unternehmen. Also das ist immer ein Teil des großen Ganzen, was du sehen musst. Was für eine Kultur hast du, was für eine Altersstruktur hast du, hat dein Unternehmen noch eine Perspektive oder eben nicht? Bei uns im Umkreis werden ganz, ganz viele Tischlereien in den nächsten Jahren zumachen, ganz einfach weil die keine Nachfolger finden. Das sind dann klassische Vier-Fünf-Mann-Betriebe, sage ich mal. Wo der Meister noch mitarbeitet. Und die Altersstruktur sieht folgendermaßen aus: Nimm das Alter des Meisters und dann plus/minus maximal fünf Jahre ist die restliche Struktur der Mitarbeiter. Und wenn die natürlich einen Lehrling suchen, der vom Alter 20, 30 Jahre unterschiedlich schon ist, das ist eine komplett andere Generation. Dass da sich ein junger Mensch auch nicht zurechtfindet in solchen engen Unternehmen, das kann ich auch nachvollziehen. Und der fühlt sich vielleicht ein bisschen mehr bei uns zu Hause.“

Und den Weg zum Unternehmen wiederum findet dieser junge Tischler-Nachwuchs vielleicht auch am Wochenende ganz nebenbei beim Stöbern auf dem Handy – wenn unter den neuesten Instagram-Videos zwischendurch die Tischlerei Dreyer auftaucht.

Wie vorhin schon gesagt: Für Jan-Niklas Hustedt von der Gesellschaft für Sparkassendienstleistungen ist dieser Socia-Media-Erfolg zwar nicht DAS Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel. Aber er empfiehlt jedem, sich das Ganze durchaus mal anzuschauen.

O-TON Hustedt: „Wie wirkt das auf mich? Und vielleicht auch mal in der Familie zu fragen, hier schau mal, so bewirbt der Robert Dreyer sein Unternehmen, für seine Produkte oder auch für die Suche neuer Mitarbeiter. Um dann zu schauen, was kann ich mir davon abgucken? Was kann ich in meine eigene Sprache übersetzen? Also das glaube ich, ist schon ein interessanter Punkt, sich das mal genauer anzuschauen. Also der Erfolg, das ist schon krass. Er muss ja irgendwas richtig machen. Und gut kopiert ist besser als schlecht neu erfunden, oder wie auch immer der Spruch geht. Und das trifft auf jeden Fall hier zu.“

Auch wenn der Recruiting-Fachmann seinem früheren Schulfreund eigentlich auch ein bisschen böse sein könnte – denn schließlich hat er in diesem Fall überhaupt nichts zu tun gehabt.

O-TON Hustedt: „Also für ihn freue ich mich natürlich. Dass er über diesen Kanal die meisten Erfolge generiert hat – also ich bin ihm da nicht böse … … vielleicht ein bisschen [lacht herzlich].“

Eine echte Erfolgsbilanz beim Thema Fachkräftemangel.

DROP

Schön, dass sie auch in dieser Folge wieder dabei waren.

Und ich kann ihnen jetzt schon versprechen – es geht bald weiter mit neuen Folgen und interessanten Unternehmen, die uns spannende Einblicke gewähren.

Zum Beispiel ist da ein Rohstoffhändler, der unter anderem mit seltenen Erden oder Edelmetallen handelt – und als Lagerplatz dafür einen großen Bunker so sicher gemacht hat wie das berühmte Fort Knox.

Mit welchen Herausforderungen haben Firmen wie zum Beispiel ein ganz bekannter Ketchup-Hersteller oder ein großer Anbieter von Elektrowerkzeugen zu kämpfen? Wie verändern sich diese Unternehmen, um auch morgen noch erfolgreich zu sein?

Ich freue mich, wenn sie auch in die nächsten Folgen wieder reinhören.

Bis dahin, machen Sie’s gut.