Innovativ & Nachhaltig: Bauen mit Stroh - Lorenz GmbH

Shownotes

So langsam fängt das Getreide auf den Feldern an zu wachsen. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis die Mähdrescher unterwegs sind. Das Stroh, was dabei dann abfällt, wird vor allem in der Tierhaltung eingesetzt. Bisher!

Denn es ist auch gutes Baumaterial. Das hat auch eine noch junge Firma aus dem sächsischen Taucha für sich entdeckt. Nordöstlich von Leipzig ist das Unternehmen Lorenz vor gut drei Jahren entstanden und war im vergangenen Jahr sogar schon als Finalist für den renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Nachhaltiges Bauen mit Stroh – in einigen Ländern ist das schon ein größeres Thema und inzwischen wächst das Interesse auch hier bei uns von Jahr zu Jahr.


Zu Gast:

Rainer K. Schmidt - Geschäftsführer, Lorenz GmbH

https://lorenzsysteme.de


Moriz Reichert - Produktionsleiter, Lorenz GmbH

https://lorenzsysteme.de


Frank Apitz - Firmenkundenberater, Stadt- und Kreissparkasse Leipzig

https://www.sparkasse-leipzig.de

Transkript anzeigen

Skript: Nachhaltig bauen mit Stroh – Lorenz GmbH

O-TON.“

Jingle INTRO

So langsam fängt das Getreide auf den Feldern an zu wachsen. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis die Mähdrescher unterwegs sind. Das Stroh, was dabei dann abfällt, wird vor allem in der Tierhaltung eingesetzt. Bisher!

Denn es ist auch gutes Baumaterial. Das hat auch eine noch junge Firma aus dem sächsischen Taucha für sich entdeckt. Nordöstlich von Leipzig ist das Unternehmen Lorenz vor gut drei Jahren entstanden und war im vergangenen Jahr sogar schon für den renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Nachhaltiges Bauen mit Stroh – in einigen Ländern ist das schon ein größeres Thema und inzwischen wächst das Interesse auch hier bei uns von Jahr zu Jahr.

Und damit herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.

Jingle CLOSER

Kennen Sie noch das Märchen von den drei kleinen Schweinchen? Jedes von den dreien baute sich ein eigenes kleines Häuschen. Eines aus Stroh, eines aus Holz und eines aus Stein.

„Ich habe ein schönes Haus von Stroh, ich bin so sicher und so froh“, freute sich das Schweinchen in seinem Strohhaus. Wenn dann nicht der böse Wolf gekommen wäre. Der wollte nämlich alle drei Schweine fressen und drohte damit, jedes Haus umzupusten.

Das gelang dem Wolf dann schließlich auch sowohl mit dem Stroh- als auch dem Holzhaus. Nur im Steinhaus waren die drei kleinen Schweinchen sicher. Am Ende ging die Geschichte für den Wolf aber trotzdem nicht gut aus.

Und die Schweinchen? Hatten schließlich alle ein Steinhaus – denn das war einfach sicherer.

Heute aber geht’s zumindest in kleinen Schritten weg vom Stein- und wieder hin zum Strohhaus. Genauer gesagt sind es Holz-Stroh-Module, die die Lorenz GmbH aus Taucha inzwischen maschinell herstellt.

Die leeren Holzrahmen erinnern ein bisschen an hohe Bücherregale. Nur, dass eben keine Bücher reinkommen, sondern dort Stroh hineingepresst wird.

Moritz Reichert ist Produktionsleiter bei Lorenz und er gibt zu: Vor einigen Jahren, da war die Reaktion der meisten Menschen immer gleich, wenn er ihnen erklärt hat, wie gut man mit Stroh bauen kann.

O-TON Reichert: „Ja, große Augen [lacht] … auf jeden Fall. Es ist so, ich beschäftige mich schon seit vielen, vielen Jahren, ich sage mal so seit 15 Jahren intensiv damit. Und wenn ich das vor 15 Jahren jemandem gesagt habe, da wusste noch kein Mensch, um was es geht. Also selbst meine engsten Bekannten haben gesagt, Strohbau? Das kannten sie zwar aus Fachwerkausfachung, dass man früher das mit Lehm gemischt hat, aber das ist ja was anderes. Wir verwenden ja das reine Stroh ohne irgendwas dazu zumischen. Und inzwischen ist es aber so, dass schon viele Leute davon gehört haben. Ich bin immer erstaunt, dass doch dann, wenn man auf das Thema kommt, dass die sagen, habe ich schon mal gehört oder schon mal irgendeine Sendung gesehen oder so. Also da hat sich viel getan.“

Geschäftsführer von Lorenz ist Rainer Schmidt. Er hat schon drei andere Unternehmen, bei denen es auch um Nachhaltigkeit geht, zum Beispiel um Solarenergie. Und entsprechend begeistert war er dann, als er immer mehr ins Thema Strohbau eingestiegen ist. Denn Stroh sei ein sehr nachhaltiges Material – das allerdings auch noch bei vielen Menschen mit Vorurteilen zu kämpfen habe.

O-TON Schmidt: „Das wird ganz oft verwechselt mit den Themen, dass es billig sei. Tatsächlich können wir, weil es eine sehr, sehr großzügige Ressource ist, die uns die Landwirtschaft schenkt, recht günstig produzieren. Das ist erst mal richtig zum einen. Zum zweiten wird es oft verwechselt mit so einem ärmlichen Dämmstoff. Wir kennen da so Filme mit drei Schweinchen drin, die drei Häuschen bauen und das Strohhaus weht’s als erstes weg. Aber in Wahrheit ist es uns gelungen, ein Industrieprodukt herzustellen. Und wenn die Menschen das erste Mal die Haptik bekommen, wenn die das erste Mal mit dem Dämmstoff in Berührung kommen, auch in Verbindung mit dem Holz, dann ist die Liebe sehr groß. Und es gibt überhaupt keinen einzigen, der nicht in Begeisterung ausbricht, wenn er unser Produkt in unseren Ausstellungsräumen sieht.“

Ihm ging es ähnlich. Deshalb hat er sich vor gut drei Jahren auch gesagt, das ist ein tolles Projekt, ich bin dabei und baue das Unternehmen mit auf. Ich will die Menschen begeistern von diesem nachhaltigen Baumaterial.

O-TON Schmidt: „Die Faszination im Dämmstoff Stroh liegt sicherlich in seiner Einfachheit. Es ist überraschend einfach, wie wir mit regionalen Produkten Bestandsgebäude und/oder neue Gebäude dämmen können. Und wir haben ein lastabtragendes System, das heißt, wir können mehrgeschossig bauen. Wir können in ganz Europa bauen. Wir adressieren an Bauherrenschaften öffentlicher Hand, institutionelle Anleger, zukünftige Einfamilienhausbesitzer, die allesamt das eine haben: Sie wollen sich ein gemütliches Zuhause schaffen und haben mit unserem Produkt den großen Vorteil, dass sie in einem sehr gemütlichen Haus leben werden.“

Auch wenn das Bauen mit Stroh im Vergleich zu herkömmlichen Baumaterialien immer noch eine kleine Nische ist – sie wächst inzwischen von Jahr zu Jahr. Seit gut 20 Jahren gibt es sogar einen eigenen Fachverband Strohballenbau Deutschland.

Und seitdem das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde ist, wird auch der Strohbau für immer mehr Menschen interessant. Denn ums Klima geht es bei einem Haus aus Stroh gleich in zweierlei Hinsicht.

Einerseits sei es für unser Gesamtklima und das Thema CO2 ein wertvoller Baustein. Zum anderen biete ein solches Haus auch ein ganz anderes Wohnklima, sagt Lorenz-Chef Schmidt. Ein Strohhaus unterscheide sich von einem klassischen Steinhaus dadurch, …

O-TON Schmidt: „ … dass es ein ausgezeichnetes Raumklima hat. Diffusionsoffen – die Feuchtigkeit kann rein ins Gebäude, raus aus dem Gebäude, wie man es braucht, bis hin zum Badezimmer. Und eben dieses Empfinden, diese Einfachheit und in Kombination mit der Haptik, dass es möglich ist, mit Stroh stabile, wertsteigernde Häuser zu bauen, das ist das Ding. Und da gibt’s aber noch ein zweites. Das ist eher so eine altruistische Ebene. Dass wir es schaffen, mit unserem Maschinenpark, den wir entwickelt haben, bei jedem einzelnen Hub, wo wir diese Quadratmeter zusammenpressen und in die Fachung einbringen, dass wir jedes Mal um die 50-55 Kilogramm CO2 speichern in dem Gebäude. Das heißt, wir haben eines der wenigen Produkte weltweit erfunden oder geschaffen, die es ermöglichen, CO2 zu speichern und zu bunkern.“

Ein durchschnittlich neu gebautes Haus mit einer Wohnfläche von rund 140 Quadratmeter könne so etwa 25 Tonnen CO2 binden, schätzt Schmidt. Und das netto, also abzüglich der Emissionen, die bei der Herstellung der Holz-Stroh-Module entstehen.

Für die einen kann das zumindest ein gutes Argument sein, über das eigentlich alte und inzwischen wieder modern werdende Material nachzudenken. Für die anderen ist es vor allem das Wohnklima, das auch Produktionsleiter Moritz Reichert immer noch fasziniert. Selbst wenn der Dämmwert nicht ganz so gut sei wie beim üblichen Dämmstoff Styropor.

O-TON Reichert: „Es hat andere wesentliche Vorteile. Zum Beispiel sommerlicher Hitzeschutz, das ist ein Riesenvorteil. Da spricht man von Phasenverschiebung. Wenn die Hitze oder Kälte durch ein Bauteil durchgeht, braucht es eine gewisse Zeit. Und das ist beim Stroh einfach optimal. Weil zum Beispiel, bis die Hitze im Sommer durch das Bauteil durch ist, ist es schon wieder Abend und kühlt schon wieder ab quasi. Und das können andere Materialien nicht. Also zum Beispiel Styropor oder auch Glaswolle kann das nicht in der Form.“

Was außerdem in einem gemauerten Haus bei schlechter Lüftung häufig zu einem Problem werden kann – nämlich die Feuchtigkeit, die irgendwann zu Schimmel führt – das werde durch das Stroh auf ganz natürlichem Wege geregelt, sagt Lorenz-Chef Schmitz.

O-TON Schmitz: „Genau, der gesamte Baukörper hat die Eigenschaft, dass er atmet. Man nennt das – Fachdeutsch – diffusionsoffen. Das heißt, die Feuchtigkeit, die im Raum überflüssig ist, ich hatte es beim Beispiel Badezimmer genannt, dringt über den Baukörper nach außen. Und wenn der Baukörper zu trocken innen wird, holt sich der Baukörper die Feuchtigkeit aus der Außenluft wieder nach innen.“

Auf Altbekanntes setzen und die Vorteile in die heutige Zeit übertragen – nichts anderes ist das Bauen mit Stroh. Und insofern war auch Frank Apitz nicht ganz so überrascht, als das Thema vor einigen Jahren zum ersten Mal bei ihm auf dem Schreibtisch landete.

Apitz ist Firmenkundenberater bei der Sparkasse Leipzig und betreut und begleitet die Lorenz GmbH seit ihren Gründungstagen. Eine Firma, die auf Strohbau setzt und den Markt erobern will, das klang für ihn im ersten Moment vielleicht zwar etwas ungewöhnlich…

O-TON Apitz: „Allerdings weiß ich auch aus meiner täglichen Arbeit im Rahmen meiner Baufinanzierungen, dass die Hausbauer ganz verstärkt in den letzten Jahren wieder auf gesundes Bauen schauen und darauf achten – auf alternative Baustoffe, auch auf alte Baustoffe, zum Beispiel Ton, zum Beispiel Lehm. Und insofern hat mich das eigentlich wenig überrascht, ich war nur richtig neugierig, als ich das das erste Mal gehört habe, wie sie es umsetzen wollen.“

Denn die Module alle in Handarbeit zu fertigen, wäre vermutlich viel zu teuer geworden und hätte sich kaum durchsetzen könne. Deshalb haben die Lorenz-Gründer auch sehr schnell auf eine maschinelle Produktion gesetzt.

Das ermöglicht nicht nur günstigere Fertigung als Handarbeit, sondern auch exakte und gleichbleibende Maße und zum Beispiel ein einheitlicher Pressdruck des Strohs bis in die letzte Ecke der Bauteile. Denn die bauphysikalischen Eigenschaften sollen überall im Haus optimal und identisch sein.

O-TON Apitz: „Für mich war dann damals unheimlich interessant zu sehen, mit welchen Methoden – natürlich auch mit Versuch/Irrtum – es die Lorenz geschafft hat, ein eigenes Produktionsverfahren zu entwickeln mit selbst kreierten Maschinen. Das ist auch ganz wichtig. Also die Jungs haben die Maschinen selber zusammengebaut und sind dann immer innovativer in der Verfahrensweise geworden. Und das hat mich riesig beeindruckt.“

Nur die maschinelle Herstellung der Module macht es auch überhaupt möglich, dass die Zahl der gebauten Stroh-Holz-Häuser in den nächsten Jahren deutlich wachsen könnte. Allein im Jahr 2022 sind mit den Lorenz-Bauteilen 21 Häuser entstanden.

Tendenz für dieses Jahr: steigend. Für den Finanzfachmann Apitz haben die Lorenz-Gründer die größten Hürden schon gemeistert. Und das nicht etwa, weil sie aktuell über den Erwartungen ihrer Businesspläne liegen. Aus seiner Sicht mussten die wirklich großen Herausforderungen vorher schon gemeistert sein.

O-TON Apitz: „Schauen sie, wir bewegen uns hier im Baubereich. Das heißt, hier werden technisch vorkonfektionierte Elemente aus Stroh-Holz-Bauweise produziert, die dann im Wohnungs- und teilweise auch im Gewerbebau eingesetzt werden können. Die allergrößten Herausforderungen sind meines Erachtens nach die gesamten Zertifizierungen zu erhalten. Ganz besonders wichtig sind gerade bei solchen Materialien natürlich erst mal die statischen Anforderungen. Also mein Produkt, wenn ich das im Bau einsetzen will, bringt das die erforderlichen statischen Voraussetzungen? Wie kann ich das verbauen? Wie kann ich damit bauen? Eine der wichtigsten Herausforderungen ist natürlich auch eine Zertifizierung hinsichtlich Brandschutz. Die Firma arbeitet hier mit Rohstoffen, die an sich brennbar sind.“

Und das sei auch ein Punkt, den fast alle Interessenten als erstes ansprechen, erzählt Moritz Reichert. Denn jeder weiß schließlich, wie einfach wirklich trockenes Stroh in Brand geraten kann. Niemand aber möchte gerne in einem Haus leben, bei dem man mit einem unguten Gefühl abends ins Bett geht. Mit der Angst, dass aus den eigenen vier Wänden ein Strohfeuer wird, das innerhalb kürzester Zeit abgebrannt ist.

O-TON Reichert: „Aber ein gepresster Strohballen, der brennt nicht. Dadurch, dass kein Sauerstoff richtig ans Stroh rankommt bei einem Brand. Das ist so wie ein Telefonbuch-Effekt. Ein Telefonbuch kann man auch ganz schwer nur verbrennen, wenn nicht die einzelnen Seiten verbrannt werden, sondern das ganze Telefonbuch – das kriegt man auch nicht zum Brennen. Und wir haben auch Brandtests gemacht und da haben wir den nach zwei Stunden abgebrochen, weil einfach die gesagt haben, na gut, jetzt haben wir zwei Stunden und jetzt haben wir schon ordentlich Gas verbraten und das ist bei einer Temperatur von 1.000 Grad, so ein Brandtest. Und da sahen die Strohballen tatsächlich, außer dass sie schwarz waren, die hatten natürlich eine verkohlte Oberfläche, aber dadurch haben die sich quasi selbst geschützt durch diese verkohlte Oberfläche und sind nicht weiter eingebrannt. Da brennt sogar Holz stärker ein als Stroh.“

Trotzdem hat es natürlich gedauert, die Zweifel bei vielen Beteiligten aus dem Weg zu räumen. Deswegen habe man bei Lorenz schon früh darauf gesetzt, zum Beispiel Architekten, Statiker oder Energieberater über die Stroh-Holz-Bauweise zu informieren und aufzuklären, erzählt Reiner Schmidt.

Da habe es früher die größten Widerstände gegeben und hin und wieder gebe es sie dort auch heute noch. Anders sei es da inzwischen bei den Bauherren. Während die Zielgruppe früher vielleicht noch die etwas Verrückten oder Andersdenkenden waren, habe sich die Gruppe der Interessenten inzwischen deutlich verändert.

O-TON Schmidt: „Umso schärfer die Inflation und umso schärfer die Anhebung der Leitzinsen in der EZB mitkommen, umso schärfer wird eigentlich sogar der Druck bei ganz konventionellen Projektentwicklern. Und wir adressieren inzwischen an mittelgroße Projektentwickler, Projektträgergesellschaften im Bereich so zwischen 50 und 100 Millionen Euro Jahresvolumen und stellen fest, dass wir mit unserem seriellen Ansatz genau ins Schwarze treffen. Wir hören von dieser Kundengruppe, dass der Hochbau in Deutschland oder europaweit den nachhaltigen Kick sucht. Es gibt dazu viele Antworten von Zertifikate-Händlern oder Zertifikate-Emittenten – wir haben das passende Produkt dazu. Und uns rennen – mit allem Respekt – diese mittelgroßen Projektentwickler die Bude ein.“

Und auch Finanzexperte Frank Apitz von der Leipziger Sparkasse glaubt, am nachhaltigen Bauen kommen alle Beteiligten in Zukunft immer seltener vorbei.

O-TON Apitz: „Ganz klar! Aus meiner Sicht ist das ein Wachstumsmarkt. Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen ist aus meiner Sicht ein wesentlicher Bestandteil in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.“

Für ihn haben die Lorenz-Gründer deshalb genau zur rechten Zeit aufs richtige Pferd gesetzt. Steigende Absatzzahlen, die Ergebnisse seien besser als geplant – deshalb blicke er sehr optimistisch in die Zukunft der Sachsen, die mit den Stroh-Holz-Bauten den Markt immer weiter erobern wollen.

O-TON Apitz: „In den letzten Jahren wird das Thema immer, immer zentraler. Es ist natürlich auch einem gewissen Zeitgeist geschuldet. Darauf zu schauen, Ressourcen, die wir auf unserem Planeten haben, sind alle endlich. Man muss schauen, Ressourcen auch einzusetzen, auch in Bereichen, in denen wir das bislang nicht gemacht haben, die immer wieder zur Verfügung stehen. Und Nachhaltigkeit ist ein Thema, das ist bei den Häuslebauern in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Gleichwohl ist jetzt natürlich der Anteil an Hausbauerinnen und -bauern, die ganz konkret auf nachhaltige Produkte gucken, natürlich immer noch gering. Aber er ist massiv steigend, also wir spüren hier schon eine Zunahme.“

Und es wäre alles andere als überraschend, wenn sich dieser Trend auch in Zukunft weiter fortsetzt. In anderen Ländern ist das Bauen mit Stroh schon stärker verbreitet. Zum Beispiel in den USA, aber auch in Frankreich, Großbritannien oder Österreich. Dort gibt es auch schon ganze Schulen oder Kindergärten, in denen der Baustoff vom Getreideacker steckt.

Stellt sich natürlich eine Frage, vor der jeder im Hausbau irgendwann steht: Egal wie sehr man gerne auf Nachhaltigkeit setzen will, es muss am Ende auch bezahlbar sein. Also was kostet das Bauen mit Stroh und Holz im Vergleich zu anderen üblichen Bauweisen?

O-TON Schmidt: „Wir orientieren uns mit unserem Pricing direkt an den Kosten des mineralischen Baus, also des konventionellen Baus, des monolithischen. Und wir orientieren unsere Preisliste an diesen Kosten, und wir können deshalb behaupten, wir sind mit diesem hochmodernen, ultrakonservativen Dämm- und Baustoff genauso teuer im geschlossenen Rohbau wie eine konventionelle Bauweise.“

Gute Nachrichten hat in diesem Zusammenhang Frank Apitz von der Leipziger Sparkasse. Wer seinen Neubau mit Stroh plant, kann durchaus auf bessere Konditionen hoffen als beim ganz herkömmlichen Stein-auf-Stein-Bau.

O-TON Apitz: „Wenn sie ein Gebäude in Holz-Stroh-Bauweise errichten, dann hat das ganz andere energetische Kennziffern als ein monolithischer Bau in der Regel – also bessere. Und ich schaue gemeinsam mit dem potentiellen Hausbauer oder der Hausbauerin, über welche Finanzierungsformen können wir das begleiten. Und dort ist die KfW – die Kreditanstalt für Wiederaufbau – ein guter Partner, die auch gute und innovative Programme hat. Und die will ich dann natürlich auch gerne nutzen. Das ist natürlich einerseits gut für den Kunden, aber auch gut für mein Unternehmen, also meine Sparkasse. Weil wenn ich solche Sachen aktiv begleite, auch dort den Hausbauer oder die Hausbauerin unterstütze bei der Programmsuche, bei der Finanzierungsprogrammsuche, ist das eine Erfolgsstory für beide Seiten, das ist eine Win-Win-Situation. Die KfW bietet gute energetische Programme, die man nutzen kann, manche sind auch mit entsprechenden Zuschüssen oder anderen Subventionen versehen. Und das ist natürlich auch gut für uns, wenn wir dort ein entsprechendes Programm für dieses innovative Vorhaben anbieten können.“

Eine Sorge, die Häuslebauer durchaus haben könnten: So ein Haus aus Stroh hält doch niemals so lange wie ein Haus aus Stein. Denn schließlich vergammelt oder verschimmelt Stroh doch irgendwann – oder nicht?

Aber da sagt Lorenz-Produktionsleiter Moritz Reichert, ein gut gepflegtes Stroh-Haus könne möglicherweise durchaus weit über hundert Jahre alt werden. So richtig viel Erfahrungen gibt es da noch nicht, aber immerhin: Das älteste Strohhaus Europas steht in Frankreich – erbaut 1921 – also vor 102 Jahren.

O-TON Reichert: „Und das ist genau in der Technologie gebaut worden, wie wir die machen. Und ich war persönlich schon dort und hab mir das angeguckt und in Strohhäusern gibt’s oft quasi in der Mauer so eine Glasscheibe eingemauert, dass man sieht, das ist ein Strohhaus. Das gibt es dort auch. Da ist eine Glasscheibe und da habe ich den hundertjährigen Strohballen gesehen, der sieht nicht anders aus als ein ganz normaler Strohballen, der jetzt vom Feld kommt – Ernte 2022 – sieht genauso aus. Das heißt, das Stroh verändert sich nicht, wenn es richtig gebaut ist. Das heißt, es muss diffusionsoffen gebaut sein, das ist ganz wichtig. Weil sonst – Sie haben gesagt, Stroh vergammelt, verschimmelt – natürlich verschimmelt das, wenn das feucht genug und warm genug ist, dann zersetzt sich das in seine Bestandteile und wird wieder zur Erde.“

Das aber sei zugleich auch ein Riesenvorteil. Denn wenn das Haus doch irgendwann an sein Ende kommt, dann lässt es sich ganz einfach kompostieren. Ein Haus, das sich quasi wieder auf dem Acker entsorgen lässt.

Bis das erste Lorenz-Haus allerdings tatsächlich zu Kompost werden könnte, sollen erst mal noch möglichst viele neue entstehen. Dazu haben die Sachsen mit ihren Stroh-Holz-Modulen auch schon Deutschland verlassen. Erste Häuser in Österreich und Frankreich stehen schon, auch in den Niederlanden hat Lorenz schon Partner und als nächstes schielt das Unternehmen nach Skandinavien.

DROP

Schön, dass sie wieder dabei waren.

Bis dahin, machen Sie’s gut.